Der Roman „Shark Heart“ von Emily Habeck ist eine skurrile Geschichte über Liebe und Verlust. Anstatt ein ruhiges erstes Ehejahr zu erleben, müssen Wren und Lewis lernen, sich voneinander und von allem, ...
Der Roman „Shark Heart“ von Emily Habeck ist eine skurrile Geschichte über Liebe und Verlust. Anstatt ein ruhiges erstes Ehejahr zu erleben, müssen Wren und Lewis lernen, sich voneinander und von allem, was ihnen wichtig ist, zu verabschieden. Denn Lewis Diagnose steht fest: Er mutiert zu einem weißen Hai. Seine Träume ein Bauhaus zu bauen, ein Theaterstück zu schreiben, mit Wren zusammen auf einem großen Grundstück Bäume pflanzen, alles ist zunichte. Wren, die in ihrer Kindheit schon den Verlust ihrer Mutter erfahren musste, muss ebenfalls ihre Wünsche und Pläne aufgeben und stattdessen tonnenweise Fisch für ihren mutierenden Ehemann kaufen. So absurd dies auch klingen mag, ist der Roman voller Emotionen und Gefühle und oft genug hat man beim Lesen einen Kloß im Hals. Dabei bleibt die Frage: Wie weitermachen, wenn man jemanden verliert, den man liebt?
Perlen ist ein wunderschöner Roman über Verlust und Trauer. Als Mariannes Mutter verschwindet, ist sie erst acht Jahre alt. Gemeinsam mit ihrem Vater und ihrem Bruder (zu diesem Zeitpunkt noch ein Baby), ...
Perlen ist ein wunderschöner Roman über Verlust und Trauer. Als Mariannes Mutter verschwindet, ist sie erst acht Jahre alt. Gemeinsam mit ihrem Vater und ihrem Bruder (zu diesem Zeitpunkt noch ein Baby), versucht sie sich aus den hinterlassenen Splittern ein neues Leben aufzubauen. Auch Jahre später noch, während ihrer Zeit als Teenagerin, während dem Studium, bei der Geburt ihrer Tochter, ist ihre Mutter immer da und die klaffende Leere nie ganz gefüllt.
Mariannes Gedanken sind dabei gut nachvollziehbar und ihre Entwicklung ist authentisch. Dabei schwebt der Geist ihrer Mutter immer über ihr und umhüllt sie in leichtem Nebel.
Siân Hughes‘ Schreibstil ist ruhig aber intensiv. Auf eine ehrliche Weise, jedoch ohne dabei aufdringlich zu sein, erzählt sie von Kummer, von Mutterschaft und davon, trotz allen Hindernissen weiterzuleben. Nicht umsonst stand Perlen auf der Longlist für den Booker Prize.
Das Skript von Marguerite Duras zum Film. Ich kannte den Film vorher nicht, hatte aber schon von der Autorin gehört. Auch ohne den Film geschaut zu haben, habe ich das Lesen genossen. Eine namenlose Französin ...
Das Skript von Marguerite Duras zum Film. Ich kannte den Film vorher nicht, hatte aber schon von der Autorin gehört. Auch ohne den Film geschaut zu haben, habe ich das Lesen genossen. Eine namenlose Französin ist für Dreharbeiten an einem Friedensfilm in Hiroshima und erlebt eine Liebesgeschichte mit einem namenlosen Japaner. Dabei werden die Auswirkungen von Krieg beleuchtet und auch die Französin hat in Nevers (Frankreich) als junges Mädchen wegen ihrer Liebe zu einem deutschen Soldaten stark gelitten. Ein bemerkenswertes Drehbuch.
Er: Was bedeutete das für dich, Hiroshima, dort in Frankreich?
Sie: Dass der Krieg aus war, ich meine, ganz und gar. Die Betäubung … bei dem Gedanken, dass man es gewagt hatte… Die Betäubung bei dem Gedanken, dass man Erfolg gehabt habe. Und dann auch, für uns, der Beginn einer bislang unbekannten Furcht. Und dann die Teilnahmslosigkeit, die Furcht vor der Teilnahmslosigkeit auch…
Wie erinnert man sich an eine Frau, die nicht vergessen werden will? Wie erzählt man ihre Geschichte, die sich jeder Definition entzieht?
Jean-Baptiste Andrea verwebt in „Was ich von ihr weiß“ die Geschichte ...
Wie erinnert man sich an eine Frau, die nicht vergessen werden will? Wie erzählt man ihre Geschichte, die sich jeder Definition entzieht?
Jean-Baptiste Andrea verwebt in „Was ich von ihr weiß“ die Geschichte eines ganzen Jahrhunderts mit dem sehr persönlichen Rückblick eines im Sterben liegenden Mannes, der liebte, bewunderte und vielleicht nie ganz verstand.
Mimo Vitaliani wird in Frankreich geboren, aber noch als Junge zu seinem Onkel nach Italien geschickt. Er wird Bildhauer und arbeitet sich in hohe gesellschaftliche Kreise hoch, unterstützt und geprägt durch die Familie Orsini. Dabei entsteht zwischen ihm und Viola Orsini eine außergewöhnliche Beziehung, die sich so oft wandelt und von den Unruhen des beginnenden 20.Jahrhunderts überschattet wird. Während Mimo seinen Weg an Konkurrenten und etlichen Hindernissen vorbei bahnt, versucht Viola mit ihrer Rolle als Frau fertig zu werden. Außergewöhnlich begabt wie sie ist, lässt sie sich von nichts und niemandem aufhalten und kämpft in einer Zeit, die Frauen wenig Raum lässt.
Besonders spannend ist, dass diese feministische Ader des Romans objektiv aus der Perspektive eines Mannes geschildert wird.
Andrea fängt das historische Setting meisterhaft ein. Das Italien des Faschismus ist nicht nur Kulisse, sondern allgegenwärtige Bedrohung. Die politischen Spannungen, die Repressionen, der Schatten der Kriege, all das spiegelt sich in den Figuren und ihrem Schicksal wieder. Doch statt einer reinen historischen Erzählung ist der Roman auch eine intime Reflexion darüber, wie Geschichte persönliche Schicksale formt. Mimo muss am eigenen Leibe erfahren, dass es gar unmöglich ist, in solchen Zeiten unpolitisch zu bleiben, selbst die Kunst vermag dies nicht.
Jedoch hat die Geschichte einen langen Anlauf gebraucht und die zentrale Figur der Viola kam für meinen Geschmack viel zu spät in die Handlung. Ähnlich langatmig war der Roman auch gegen Ende, auch wenn das Ende selbst dann sehr plötzlich und abrupt eintraf.
Jean-Baptiste Andrea zeichnet eine Geschichte, die mit ihrer erzählerischen Wucht und den lebendigen Charakteren an Isabel Allende erinnert – eine Mischung aus Poesie, Geschichte und einer starken Frauenfigur, die sich über jede Schublade hinwegsetzt. Empfehlenswert für Liebhaber von historischen Romanen.