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Veröffentlicht am 14.06.2025

Neuorientierung im Alter

Die Zeit der Zikaden
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Das ansprechende Cover lässt Urlaubsgefühle für südliche, sonnige Landschaften aufkommen. Der Roman unterteilt sich in zwei Abschnitte: Im ersten Teil „LICHTEN“ wird das bisherige Leben der Hauptfiguren ...

Das ansprechende Cover lässt Urlaubsgefühle für südliche, sonnige Landschaften aufkommen. Der Roman unterteilt sich in zwei Abschnitte: Im ersten Teil „LICHTEN“ wird das bisherige Leben der Hauptfiguren Alex Mattmann und Johann Sartorius beschrieben. Deren sehr verschiedene Charaktere und weiteren Wunschträume im fortgeschrittenen Alter werden herausgestellt. Während Alex , 63, mit ihrem neuen Tinyhouse auf Rädern abenteuerlustig und offen dargestellt wird, kommt Johann, 56, mit seinen Schuldgefühlen und Gedankengängen über den Tod und Trauer sehr deprimiert daher. Im zweiten Teil „ANKERN“ erfolgt dann in Ligurien die langsame Annäherung beider Figuren, die Mut machen für eine Neuorientierung im Alter, sei es in Richtung Malerei, Theaterspiel oder gar der Liebe. Im Text empfindet man wenig gekennzeichnete zeitliche und örtliche Sprünge, das offene Ende lässt der Fantasie freien Lauf. Der weibliche Charakter zeigt Stärke, Offenheit und emotionale Klarheit, während der männliche Part von Johann durchgehend von Unsicherheit und Schuldgefühlen geprägt ist. Der Schreibstil gefällt.
Alte Träume und neue Ziele sind hier auch im Alter möglich – Mut machend!

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Veröffentlicht am 13.06.2025

Ein Roman für Leser, die die Wildnis in den Bergen lieben

Im Tal der Bärin
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Täler, Wälder, Almen in den Pyrenäen bilden den Hintergrund für Perspektiven dreier Akteure: ein junger Bärenführer aus dem Dorf Arpiet, der im Jahre 1887 mit einem Schaustellerschein und seiner dressierten ...

Täler, Wälder, Almen in den Pyrenäen bilden den Hintergrund für Perspektiven dreier Akteure: ein junger Bärenführer aus dem Dorf Arpiet, der im Jahre 1887 mit einem Schaustellerschein und seiner dressierten Bärin in die weite Welt aufbricht. Gaspard, Schäfer trotz Studium in Paris, liebt seine Arbeit auf der Hochalm, umringt von Hütehunden und größenteils Schafen. Alma, Ethologin, ist spezialisiert auf die wissenschaftliche Erforschung des Tierverhaltens, insbesondere in seiner natürlichen Umgebung. In mehreren Ansitzen folgt sie den Spuren der Bärin »La Negra« mit zwei Jungen. In drei Teilen entwickelt sich bei den zwei zuletzt genannten Figuren ein Zerrbild von spannungsgeladenem Zusammenleben zwischen Mensch und wildem Tier, dem Bären, einer Koexistenz voller Probleme ohne derzeitig positive Lösungswege. Historisch werden die Tradition der Bärenführer und der Schäfer sowie ihr schneller Wandel in dieser Gegend angerissen. Die Beschreibung vom Leben in den Hochebenen der Pyrenäen wirkt teils realistisch, teils romantisch, poetisch verklärt und scheinbar nur für einen besonderen Menschenschlag geeignet.
Sehr informativ. Auch zum Nachdenken nicht nur über die Bärenproblematik!

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Veröffentlicht am 08.06.2025

Körperliche Beschwerden als Symptom für seelische Probleme

Auch Fische können ertrinken
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Geht es im Roman Wegen Wersai von Dagmar Schifferli um Gedanken zu Nachkriegsjahren in der Schweiz aus kindlicher Perspektive, handelt dieses Werk von der erfolgreichen Ärztin Katharina als Ich-Erzählerin, ...

Geht es im Roman Wegen Wersai von Dagmar Schifferli um Gedanken zu Nachkriegsjahren in der Schweiz aus kindlicher Perspektive, handelt dieses Werk von der erfolgreichen Ärztin Katharina als Ich-Erzählerin, bald sechzig, unter Atembeschwerden leidend. In Davos erholt sie sich. Neben ihren schmerzhaften Kindheitserfahrungen geht es auch um ihre Entfremdung von ihrem Ehemann Daniel, Ingenieur und aktiver Marathon-Läufer, nach 30-jähriger Ehe. Kann man lieben, wenn man nie richtig geliebt worden ist? Führt das Gefühl, vom Ehemann verraten und belogen zu werden, zu Atemnot? Neben solchen depressiven Gedankengängen finden viele bekannte Namen aus dem Kulturbereich wie z.B. Thomas Mann in Zauberberg oder auch Franz Kafkas Parabel Auf der Galerie Erwähnung. Überhaupt scheint ihr die Rolle, die Tuberkulose in der Literatur spielt, wichtig zu sein. Auch wird die interessante Geschichte des Ortes Davos als Heilstätte für Lungenkranke mit Alexander Spengler als Initiator ausgiebig beschrieben, auch als NSDAP-Hochburg in der Schweiz, ebenso deren Umgang mit der Judenfrage. Ihr Zusammenbruch, bedingt durch Atemnot, bringt die Wende im fragilen Seelenzustand der Hauptfigur. Das Marathon-Wochenende verbringen Katharina und Daniel im Hotel Chelsea in New York, unternehmen eine Sightseeing-Tour trotz Hurricane-Verwüstungen und Marathon-Stornierung. Mit diesem Ehe-Neubeginn scheinen die Atembeschwerden behoben zu sein.
Ein beschwerlicher Weg zu erneuter Selbstfindung und seelischer Klarheit – ein schwieriges Thema realistisch umgesetzt.

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Veröffentlicht am 07.06.2025

Historischer Roman mit mehreren ernsten Themen

Wer aus dem Schatten tritt
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Die Szenerie spielt im Hamburg von 1958, 13 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs, dessen Nachwehen nicht nur in Rückbesinnungen auf feindliche Luftangriffe spürbar sind. Mit der Hauptfigur Renate Schwarz, ...

Die Szenerie spielt im Hamburg von 1958, 13 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs, dessen Nachwehen nicht nur in Rückbesinnungen auf feindliche Luftangriffe spürbar sind. Mit der Hauptfigur Renate Schwarz, 26, promovierte Ärztin in Erstanstellung am Allgemeinen Krankenhaus Ochsenzoll, Außenstelle der Irrenanstalt Friedrichsberg, mit ihrer Figur sind die sie bedrohenden Nachwirkungen der NS-Zeit verbunden, denkt man an die hier realistisch beschriebenen Widerstände im eigenen Kollegium. Thematisiert wird aber auch die Gleichberechtigung der Frau im beruflichen wie im privaten Bereich nach Eheschließung. Verschiedene Krankheitsbilder wie z.B. der Schizophrenie, entsprechende Medikation und besonders der Umgang mit solchen Patienten werden lebendig erläutert, könnten solche teils verspäteten psychischen Erkrankungen eventuell auch auf erlittene Traumata des letzten Krieges zurück zu führen sein. Diesem bedrückenden Ambiente werden eine Liebelei, die Begeisterung für den Fußball und kriminalistische Einschübe ausgleichend entgegen gesetzt. Die sachliche, ruhige Argumentation der Hauptfigur Renate besonders in den beruflich orientierten Dialogen gefällt und lässt sie als sympathische, rational und moralisch starke Frau hervortreten.
Insgesamt ein interessantes, auch informatives Gesellschaftsbild unserer Nachkriegszeit, wenn auch in manchen Punkten fiktiv.

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Veröffentlicht am 03.06.2025

Vetternwirtschaft in Österreichischer Politik

Freunderlwirtschaft
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Das Cover ist sehr schlicht gehalten, eigentlich wenig ansprechend. Die zähe Aufklärung eines Kriminalfalls könnte sehr an die österreichische Politik aus der nahen Vergangenheit erinnern, so realistisch ...

Das Cover ist sehr schlicht gehalten, eigentlich wenig ansprechend. Die zähe Aufklärung eines Kriminalfalls könnte sehr an die österreichische Politik aus der nahen Vergangenheit erinnern, so realistisch und informativ wird dieses Puzzle aufgeklärt. Auf zwei Erzählsträngen, nämlich aus der Sicht zweier Frauen, wird dieser Plot glaubwürdig mit Wiener Flair konstruiert. Hauptkommissarin Alma Oberkofler hat ihre neue Stelle als Chefinspektorin bei der Wiener Kriminalpolizei im Dezernat für Leib und Leben gerade erst angetreten und steckt direkt in einem komplizierten, brisanten Unfall bzw. Mord. Ihr Charakter und auch der von Jessica Possauer, Verlobte des Opfers Max Langwieser, ist realistisch und authentisch beschrieben. Sehr sympathisch eingebaut sind auch die Nebenfiguren, die mit wichtigen Fakten und Menschenkenntnis bei der Aufklärung von Korruption und Morden in schwuler und politischer Szenerie nachvollziehbar behilflich sind. Insgesamt hätte der ruhige Schreibstil etwas mehr Dramatik einbauen können.
Ein unterhaltsamer Krimi über brisante Themen.

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