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Veröffentlicht am 22.02.2026

emotionale Distanz

Tage des Lichts
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Tage des Lichts von Megan Hunter erzählt von sechs entscheidenden Tagen im Leben einer Frau – und von der Frage, was wir loslassen müssen und wofür es sich zu kämpfen lohnt. Die Grundidee fand ich sehr ...

Tage des Lichts von Megan Hunter erzählt von sechs entscheidenden Tagen im Leben einer Frau – und von der Frage, was wir loslassen müssen und wofür es sich zu kämpfen lohnt. Die Grundidee fand ich sehr reizvoll, die Umsetzung konnte mich jedoch leider nicht ganz begeistern.

Im England des Jahres 1938 steht die 19-jährige Ivy an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Sie träumt von einem außergewöhnlichen Leben: vielleicht als Tänzerin, vielleicht als Malerin, vielleicht sogar als Spionin. Sie will ausbrechen, besonders sein – so wie sie ihre Familie wahrnimmt. Doch ein einschneidendes Ereignis an einem Ostersonntag bringt alles aus dem Gleichgewicht. Statt Abenteuer folgt ein scheinbar gewöhnlicher Lebensweg: Ehe, Kinder, Anpassung.

Erst viele Jahre später begegnet Ivy erneut Frances – jener Frau, die sie ausgerechnet an jenem schicksalhaften Tag kennengelernt hat. Mit dieser Wiederbegegnung bricht etwas auf: eine intensive, verbotene Liebe, die keinen Platz haben darf. Zwischen Sehnsucht, Schuld und gesellschaftlichen Erwartungen entfaltet sich eine leise, innere Zerreißprobe.

Thematisch ist der Roman stark: Es geht um verpasste Chancen, um unterdrückte Wünsche und um die Frage, wie frei unsere Entscheidungen wirklich sind. Gerade die Beziehung zwischen Ivy und Frances hat viel emotionales Potenzial. Auch die Konzentration auf nur sechs Tage im Leben der Protagonistin ist ein spannender erzählerischer Ansatz.

Leider empfand ich die Umsetzung stellenweise als recht langatmig. Viele Passagen ziehen sich, die Gedanken wiederholen sich, und die emotionale Intensität, die der Stoff eigentlich hergibt, kam bei mir nicht immer an. Ich habe die innere Leere Ivys verstanden – aber sie auch als Leserin gespürt, was das Vorankommen manchmal erschwert hat.

Insgesamt ist „Tage des Lichts“ ein literarisch anspruchsvoller Roman mit einer berührenden Grundidee und wichtigen Themen. Für mich blieb er jedoch emotional etwas auf Distanz und hätte straffer erzählt werden können. Solide drei Sterne.

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Veröffentlicht am 22.02.2026

durchwachsen

Villa Rivolta
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Villa Rivolta von Daniel Speck ist ein atmosphärisch dichter, ambitionierter Roman – aber für mich leider mit Licht und Schatten.

Im Mittelpunkt stehen zwei Kinder, die unterschiedlicher kaum sein könnten: ...

Villa Rivolta von Daniel Speck ist ein atmosphärisch dichter, ambitionierter Roman – aber für mich leider mit Licht und Schatten.

Im Mittelpunkt stehen zwei Kinder, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Piero, der charismatische Sohn eines wohlhabenden Mailänder Automobilunternehmers, und Valeria, die hochbegabte Tochter der Hausangestellten. Zwischen ihnen entsteht im Garten der Villa eine tiefe Verbindung, fast wie ein Versprechen fürs Leben. Ihre Familien sind durch ein lange zurückliegendes Geheimnis miteinander verwoben, und so wachsen sie in den schillernden Jahren des italienischen Aufbruchs auf – zwischen wirtschaftlichem Boom, gesellschaftlicher Veränderung und der Sehnsucht nach einem neuen, freien Leben.

Als Erwachsene trennen sich ihre Wege zunehmend. Piero steht unter dem Druck, das Unternehmen seines Vaters weiterzuführen, während Valeria ihren eigenen Weg sucht – geprägt von ihrer großen Liebe zu Büchern, zu Geschichten, zu Gedankenwelten. Gerade das mochte ich sehr an ihr: Diese Leidenschaft für Literatur, dieses Brennen für Worte, hat sie für mich zur interessantesten Figur des Romans gemacht.

Doch genau hier beginnt auch mein Problem mit der Geschichte. Piero und Valeria werden immer wieder als Seelenverwandte inszeniert – zwei Menschen, die einander zutiefst verstehen. Umso weniger konnte ich nachvollziehen, warum ihre Beziehung letztlich nicht die Entwicklung nimmt, die man erwartet. Valeria verliebt sich in Flavio, den sizilianischen Arbeitersohn, und entscheidet sich gegen Piero. Diese Entscheidung blieb für mich emotional nicht ganz greifbar. Ich habe nicht wirklich verstanden, warum sie sich so klar von ihm abwendet, obwohl die Verbindung zwischen ihr und Piero so stark aufgebaut wird.

Zudem empfand ich den Roman stellenweise als recht langatmig. Die historischen und gesellschaftlichen Hintergründe sind sorgfältig recherchiert und atmosphärisch geschildert, aber manchmal verliert sich die Handlung in Details, wodurch die emotionale Dynamik ins Stocken gerät. Gerade in der zweiten Hälfte hätte ich mir mehr Fokus und weniger Ausführlichkeit gewünscht.

Trotzdem hat „Villa Rivolta“ starke Momente: die Darstellung des alten Mailands, die Kontraste zwischen Arm und Reich, die Frage nach Herkunft, Pflicht und persönlicher Freiheit. Die Themen Leidenschaft, Verlust und lebenslange Verbundenheit tragen die Geschichte, auch wenn sie mich nicht durchgehend überzeugen konnte.

Insgesamt ein solider Roman mit schöner Grundidee und literarischem Anspruch – aber mit Figurenentscheidungen, die ich nicht immer nachvollziehen konnte, und Längen, die meinen Lesefluss gebremst haben. Drei Sterne.

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Veröffentlicht am 08.01.2026

durchwachsen

Lass uns noch bleiben
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„Lass uns noch bleiben“ von Saskia Luka ist ein Roman, der mich leider nicht so richtig packen konnte – obwohl ich die Idee dahinter und einige Elemente durchaus mochte. Ich fand das Buch ganz gut, aber ...

„Lass uns noch bleiben“ von Saskia Luka ist ein Roman, der mich leider nicht so richtig packen konnte – obwohl ich die Idee dahinter und einige Elemente durchaus mochte. Ich fand das Buch ganz gut, aber die Geschichte hat mich emotional und erzählerisch nicht vollständig überzeugt.

Die Handlung begleitet Anna, deren Leben im Berliner Kiez ins Straucheln gerät, als ihre Freundin plötzlich ohne ein Wort verschwindet. Halt findet sie vorerst nur in ihrem Pflanzenladen – einem kleinen grünen Mikrokosmos, der mehr ist als ein Geschäft: Zufluchtsort, Pflanzenklinik, Zuhause auf Zeit. Unterstützt wird Anna außerdem von ihrem charmanten Nachbarn, einem ruhigen, warmherzigen Antiquar. Als dann der lebendige, optimistische Alex in ihr Leben stolpert und die Suche nach der Freundin ins Rollen bringt, beginnt eine Reise, die vieles verändert – nur anders, als Anna erwartet hätte.

Was mir gefallen hat: Die Atmosphäre des Pflanzenladens ist liebevoll und bildhaft beschrieben, fast schon wie ein eigener Charakter. Auch die Nebenfiguren – besonders der Antiquar und Alex – bringen Wärme und Dynamik in die Story. Es gibt viele schöne, stille Momente, die zeigen, wie tröstlich Orte und Menschen sein können, wenn der Rest der Welt verschwimmt.

Aber genau hier liegt für mich auch das Problem: Trotz der emotionalen Themen und der Suche nach der Wahrheit blieb die Geschichte für mich zu distanziert und stellenweise zu vage. Der Funke wollte nicht ganz überspringen, der Plot blieb mir insgesamt zu wenig greifbar, und die Entwicklung wirkte für mich nicht immer stimmig oder ausreichend aufgebaut. Manche Entscheidungen und Wendungen konnten mich schlicht nicht überzeugen.

Zudem fiel es mir schwer, mich komplett auf die Geschichte einzulassen, weil sie zwar vieles andeutet, aber wenig davon wirklich vertieft. Dadurch blieb das Leseerlebnis für mich etwas flach – was schade ist, denn Potenzial war definitiv da.

Fazit: Ein Roman mit schöner Kiez- und Pflanzen-Atmosphäre und liebenswerten Figuren, der mich jedoch nicht vollständig mitnehmen konnte. Ganz gut für Zwischendurch, aber für mich leider nicht die erhoffte emotionale Wucht. Für alle, die ruhige, leicht melancholische Kiez-Geschichten mögen, könnte es trotzdem ein Treffer sein – mich hat es leider nicht ganz erreicht.

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Veröffentlicht am 26.07.2025

ausbaufähig

Glory of Broken Dreams (Devil's Dance 1)
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Ruby Brauns neuer Roman "Glory of Broken Dreams" ist eine Mischung aus Traum- bzw. Fantasywelt und Romance. Beide Aspekte hier konnten mich aber nicht ganz überzeugen.

Vorweg: Die Gestaltung des Buches ...

Ruby Brauns neuer Roman "Glory of Broken Dreams" ist eine Mischung aus Traum- bzw. Fantasywelt und Romance. Beide Aspekte hier konnten mich aber nicht ganz überzeugen.

Vorweg: Die Gestaltung des Buches finde ich vom Cover her wirklich sehr gelungen und wirklich hübsch, die Seiten meines Exemplars waren jedoch furchtbar geschnitten. Durch den Zickzack-Effekt, den die Seiten haben sollen am Buchschnitt, waren leider viele Seiten beschädigt, da die Seiten nicht richtig geschnitten wurden. Das sieht leider dann nicht mehr schön aus und man hat die ganze Zeit das Gefühl, ein beschädigtes Buch in der Hand zu haben.

In "Glory of Broken Dreams" geht um Charlotte, die schon immer davon träumt, als Tänzerin groß rauszukommen. Deshalb bewirbt sie sich beim Luxushotel Lichtenstein als Varietétänzerin und wird auch genommen. Das Hotel ist aber kein normales Hotel, sondern steckt voller Magie und auch Gefahren. Im Hotel lernt Charlotte dann den Showboxer Willem kennen, der sie zu einem der Bälle begleitet. Willem möchte im Hotel Lichtenstein seinen Bruder finden...

Ich fand die Idee dieses Settings total toll, fand auch die Atmosphäre auf den Bällen und im Hotel sehr gut beschrieben. Was mir jedoch gefehlt hat, war, dass ich weder den Fantasyaspekt des Romans noch den Romance-Aspekt so wirklich fühlen konnte. Für die Fantasy war mir einfach zu wenig Magie da. Es fühlte sich zu 95% des Buches für mich wie ein Hotel für sehr reiche Menschen an, in dem merkwürdige Dinge vor sich gehen. Erst zum Ende des Romans versteht man den Magieteil. Auch die Liebesgeschichte zwischen Charlotte und Willem konnte ich nicht so wirklich fühlen. Mir hat irgendwie die Chemie zwischen den beiden gefehlt. Schön, die beiden gehen zusammen auf nen tollen Ball und auch spicy Szenen gibt es, aber ich konnte den Funken zwischen den beiden einfach nicht fühlen.

Hat mich der Roman trotzdem gut unterhalten? Ja! Ich bin noch unentschlossen, ob ich auch Band 2 lesen werde, aber "Glory of Broken Dreams" verdient trotzdem 3 Sterne. Ich fand leider die vorherige Dilogie der Autorin deutlich besser.

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Veröffentlicht am 15.06.2025

Leider nicht ganz mein Fall

Die Hummerfrauen
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"Die Hummerfrauen" klang nach einer berührenden Geschichte über drei Frauen, die auf unterschiedliche Weise mit Verlust, Einsamkeit und Neuanfang umgehen. Der Schauplatz – die Küste von Maine – und die ...

"Die Hummerfrauen" klang nach einer berührenden Geschichte über drei Frauen, die auf unterschiedliche Weise mit Verlust, Einsamkeit und Neuanfang umgehen. Der Schauplatz – die Küste von Maine – und die Idee vom Hummerfischen als verbindendem Element hatten definitiv Potenzial. Leider konnte mich der Roman nicht so richtig mitnehmen.

Ich hatte große Schwierigkeiten, mich auf die Figuren einzulassen. Ann, die älteste Hummerfischerin, war mir trotz ihrer interessanten Lebensumstände und Eigenheiten zu distanziert – ihr einziger wirklicher Lichtblick war für mich ihr Hummer Mr. Darcy, was ich tatsächlich eine sehr charmante Idee fand. Julie wirkte auf mich bemüht, aber blass. Ihre Geschichte hat mich emotional leider kaum erreicht.

Mina war für mich die einzige Figur, die Leben in die Handlung gebracht hat. Ihre Rückkehr nach Maine, die Begegnung mit Sam und ihre Vergangenheit waren berührend und haben mich zumindest phasenweise gefesselt.

Was mich besonders enttäuscht hat: Einige Passagen ziehen sich wirklich sehr, und trotz der wechselnden Perspektiven kam selten Spannung auf. Das offene Ende hat bei mir keinen bleibenden Eindruck hinterlassen – im Gegenteil, es wirkte, als ob etwas Wesentliches fehlen würde.

Insgesamt also eine nette Idee mit kleinen Highlights, aber für mich leider nur mittelmäßig umgesetzt. Drei Sterne – vor allem wegen Mina und Mr. Darcy.

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