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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.07.2025

Familiengeheimnisse

Wiedersehen in Assam
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Der 5. und letzte Teil dieser Teeplantagen-Reihe entführt uns im Jahr 1962 wieder nach Assam. Samantha „Sammy“ ist nun 14 Jahre alt, lebt im Londoner Internat und reist für die Weihnachtsfeiertage auf ...

Der 5. und letzte Teil dieser Teeplantagen-Reihe entführt uns im Jahr 1962 wieder nach Assam. Samantha „Sammy“ ist nun 14 Jahre alt, lebt im Londoner Internat und reist für die Weihnachtsfeiertage auf die Teeplantage ihrer Eltern nach Indien. Es ist eine Zeit der Unruhe, denn die Grenzstreitigkeiten mit China schwelen wie manche andere Unruhe über den Plantagenbesitzern. Doch das ist nicht das einzige, was Sammy den Aufenthalt vergällt. Zufällig enthüllt sie ein lange gehütetes Geheimnis ihrer Mutter, das alle außer ihr zu kennen scheinen.

Die Ferien enden im Streit und Sammy kehrt nach England zurück. Wird sie sich mit ihrer Mutter aussöhnen und jemals nach Indien zurückkehren?

Meine Meinung:

Ich habe vor kurzem eine andere Reihe der Autorin gelesen und habe mich ohne die Vorgänger der Assam-Reihe zu kennen, gleich zurechtgefunden. Das Konzept ist ähnlich: britische Teeplantagenbesitzer, das Geheimnis um eine nicht standesgemäße große Liebe inklusive einem unehelichen Kind, das man weggeben und verstecken muss, sowie ein neugieriges Familienmitglied, das dem Geheimnis auf die Spur kommt.

Vieles ist vorhersehbar, aber farbenprächtig erzählt. Manches aus meiner Sicht, ein wenig altbacken. Aber so sind sie eben, die britischen Feudalherren (und Damen). Oft steckt hinter dem großspurigen Gehabe ein dunkles Geheimnis.

Die meisten Charaktere sind ziemlich durchschaubar, aber nicht ungut.

Die junge Sammy wirkt stellenweise erwachsener als es für das angegebene Alter üblich ist.

Fazit:

Wer gerne historische Romane mit Intrigen, Herzschmerz und Vorurteilen vor einer exotischen Kulisse lesen möchte, ist hier genau richtig. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

Veröffentlicht am 03.07.2025

Unheimlicher Wald

Waldestod
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Dieses Buch von Robert Preis ist ein Öko-Thriller, der unter die Haut geht. Wie ich es vom Autor gewöhnt bin, vermittelt er eine gruselige Stimmung. Worum geht‘s?

Die junge Journalistin Emmi Beinhart ...

Dieses Buch von Robert Preis ist ein Öko-Thriller, der unter die Haut geht. Wie ich es vom Autor gewöhnt bin, vermittelt er eine gruselige Stimmung. Worum geht‘s?

Die junge Journalistin Emmi Beinhart will eigentlich eine Auszeit nehmen, um den Stress im Job und ihre Beziehungskrise zu überwinden. Da ereignet sich eine Unwetterkatastrophe in einem abgelegenen Tal der Steiermark und Emmi wird dorthin entsendet. Kollege Simon Sandberg bietet ihr freundlicherweise sein Ferienhaus im Katastrophengebiet zur Übernachtung an.

Doch was Emmi dort erlebt, ist DER Albtraum schlechthin. Denn nicht nur die evakuierten Bewohner der Ortschaft sondern auch die Umwelt verhalten sich feindlich. Nur Feuerwehrmann Severin Moser scheint freundlich und hilfsbereit. Doch ist er das wirklich? Und was hat er mit den vermummten Gestalten auf sich, die in der Nacht rund um das Haus, dessen Keller voll mit Konserven, Waffen und Kanistern ist, schleichen?

Meine Meinung:

Robert Preis, den ich schon von seiner Reihe rund um Chefinspektor Armin Trost kenne, schafft es auch mit diesem Buch, eine Gänsehaut zu erzeugen. Die Spannung baut sich langsam aber stetig auf, um sich in einem überraschendem Showdown zu entladen. Doch bis es soweit ist, können wir Leser rätseln was oder wer hinter allem steckt.

Die Charaktere sind wie immer bei Robert Preis nicht leicht durchschaubar, haben Ecken und Kanten sowie eine zunächst verborgene dunkle Seite, die sich wie auf Knopfdruck entlädt.

Der Schreibstil ist düster, unheimlich und verstörend. Nicht ganz, was ich zur Entspannung lesen wollte.

Fazit:

Diesem Öko-Thriller, der streckenweise verstörend und unheimlich wirkt, gebe ich 4 Sterne.

Veröffentlicht am 02.07.2025

Eine gelungene Fortsetzung

Die Toten auf Föhr
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Als man Carolin Schneider und ihre beiden Kinder tot in ihrem Haus auf der Insel Föhr auffindet, ist für die Polizisten aus Flensburg recht schnell klar: Hier liegt ein erweiterter Selbstmord vor. Man ...

Als man Carolin Schneider und ihre beiden Kinder tot in ihrem Haus auf der Insel Föhr auffindet, ist für die Polizisten aus Flensburg recht schnell klar: Hier liegt ein erweiterter Selbstmord vor. Man schließt die Akte. Erst als Dr. Roland Mattes, Carolins Vater und einflussreicher Mann im Innenministerium, Zweifel am Selbstmord seiner Tochter äußert, wird eine Obduktion angesetzt. Als das Ergebnis die ursprüngliche Einschätzung zu einem anderen Verdacht führt, wird das LKA und die Inselkommissarin Lena Lorenzen mit dem brisanten Fall betraut.

Gemeinsam mit ihrem Team geht sie die Akten akribisch durch und tritt damit dem Leiter des Flensburger Kommissasriat Moormann, gehörig auf die Zehen. Im Laufe der Ermittlungen stellt sich dann heraus, dass Moormann sich recht schnell in den Fall eingemischt hat und nicht alles, was seine Mitarbeiter herausgefunden haben, ist auch protokolliert worden.

Neben dem komplexen Fall, der ihre gesamte Aufmerksamkeit erfordert, hat Lena Lorenzen mit privaten Turbulenzen zu kämpfen, denn die Abmachung mit ihrem Ehemann Erck, wer wann für das gemeinsame Kind Zeit aufbringt, ist das sprichwörtliche Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben steht. Es scheint, dass trotz aller Beteuerungen die Hauptlast von Haushalt und Familie auf Lenas Schultern ruhen sollen.
Als sich bei den Ermittlungen eine bislang unbekannte Spur auftaucht, gerät André Schneider, ein scheinbar erfolgreicher Finanzberater, ins Visier der Ermittler.

Meine Meinung:

Lena Lorenzen und ihr Team drehen jeden Stein mindestens zwei Mal um, und machen sich damit in Flensburg keine Freunde. Daneben haben sie es mit einem Staatsanwalt zu tun, der gerne alles 200% wasserdicht haben will, um seine eigene Karriere nicht zu gefährden. Gut gefällt mir, dass Kriminalrätin Nielsen, die Leiterin im LKA, Lena Lorenzen und ihrem Team den Rücken frei hält.

Wie immer wird auf die Eigenheiten von Land und Leuten eingegangen. Dazu passt das Cover, das einen langen Sandstrand zeigt perfekt.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Inselkrimi 4 Sterne.

Veröffentlicht am 25.06.2025

Wer will Johann Strauss ermorden?

Die Johann-Strauss-Verschwörung
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Man schreibt das Jahr 1872. Johann Strauss befindet sich am Zenit seiner Karriere. Vor kurzem hat er den Walzer „An der schönen blauen Donau“ komponiert. Allerorts jubelt man ihm zu. Doch der Erfolg ruft ...

Man schreibt das Jahr 1872. Johann Strauss befindet sich am Zenit seiner Karriere. Vor kurzem hat er den Walzer „An der schönen blauen Donau“ komponiert. Allerorts jubelt man ihm zu. Doch der Erfolg ruft auch Neid und Missgunst hervor.

Nach Gastspielen im Zarenreich soll er nun in die USA, zum Weltfriedensfest nach Boston reisen. Nun so eine lange Reise ist nicht jedermanns Sache und die von Strauss schon gar nicht. Er hat lieber festen Boden unter seinen Füßen, wenn er schon reisen muss. Aber ein Dampfschiff? Nie und nimmer! Schließlich nimmt er das Engagement wegen des großen Honorars an und Leibdiener Pepi sowie Zimmermädchen Anna begleiten ihn. Ehefrau Jetty gibt ihm noch Francis, einen Zirkusartisten als Aufpasser mit, der ihm allzu aufdringliche Fans (vor allem weibliche) vom Hals halten soll.

Wenig später ist man auf dem Schiff und Strauss wird von den anderen Erste-Klasse-Gästen belagert. Dann kommt ein Mann zu Tode, der eine Schwalbe am Handgelenk tätowiert hat. Um die Passagiere nicht zu verunsichern und sich bei der Reederei nicht rechtfertigen zu müssen, lässt der Kapitän den Toten im Meer verschwinden. Und er wird nicht der einzige Tote bleiben bis das Schiff in New York anlegt.

Meine Meinung:

Johann Strauss Sohn gilt die ganze Aufmerksamkeit im Jahr 2025, feiert man doch seinen 200. Geburtstag. Grund genug, aus diesem Anlass zahlreiche Bücher, die mit dem Jubilar mehr oder weniger viel zu tun haben, herauszugeben. Auch der Emons-Verlag reiht sich mit diesem historischen Krimi in diese Liste der Gratulanten ein. Gleich vorweg, Attentate auf den Walzerkönig hat es niemals gegeben, die Reise zu Gastspielen nach Boston und New York, schon.

Maria Jelenko hat hier einen amüsanten historischen Krimi verfasst, der sich mit dem Charakter von Johann Strauss beschäftigt. Auf Grund seines Lebenswandels ist er überarbeitet, trinkt und raucht zu viel. Obwohl er sich in der Bewunderung seiner Fans, vor allem der Frauen, sonnt, sind ihm die aufdringlichen Avancen ein Gräuel. Tja, was soll man dazu sagen: Die Geister, die er rief, sind kaum zu bändigen.

Auch wenn es die hier beschriebenen Attentate auf Strauss nie gegeben hat, so sind sie recht gut inszeniert. Agatha Christie lässt grüßen. Ein Schiff auf so langer Überfahrt eignet sich perfekt zu dieser closed room-Situation. Keiner kann das Schiff zwischendurch verlassen oder neu dazukommen. Natürlich entfallen auf einem Dampfer wilde Verfolgungsjagden, sodass sich die Ermittlungen auf heimliche Durchsuchen von Kabinen beschränken muss.

Der Autorin ist es gut gelungen, die Stimmung an Bord einzufangen. Auf der einen Seite die Müßiggänger, die Johann Strauss umschmeicheln und auf der anderen Seite die Bemühungen den Komponisten vor einem Attentäter zu schützen.

Eine kleine Bemerkung muss ich noch anbringen: Zu Beginn (S. 14) lässt Maria Jelenko Hup- und Motorengeräsche vor der Villa Strauss in der Wiener Maxingstraße erschallen. Da hat sie der Technik um mehr als drei Jahrzehnte vorgegriffen. Es gibt zwar bereits die „Wiener Allgemeine Omnibus-Aktiengesellschaft“, motorisiert fährt man allerdings erst ab 1909. Zu Zeiten von Johann Strauss sind vor die Omnibusse genauso wie bei der Pferdetramway Pferde vorgespannt. Hufgeklapper, Peitschengeknall und Flüche der Kutscher sowie Gestank inklusive, was den lärmempfindlichen Maestro, der oft erst im Morgengrauen zu Bett geht, natürlich stört. Der einzige Unterschied: die Pferdetramway ist schienengebunden, der Omnibus nicht.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Krimi rund um eine Verschwörung, deren Ziel die Ermordung von Johann Strauss ist, aber niemals stattgefunden hat, 4 Sterne.

Veröffentlicht am 16.06.2025

Gute Unterhaltung

Im Glanz des Wasserfalls
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Man schreibt das Jahr 1906 und seit einige Zeit ist es für den Adel und das gehobene Bürgertum en vogue, nach Gastein zu reisen, um die Heilkräfte der Natur zu genießen. Um den Ansprüchen der Gäste zu ...

Man schreibt das Jahr 1906 und seit einige Zeit ist es für den Adel und das gehobene Bürgertum en vogue, nach Gastein zu reisen, um die Heilkräfte der Natur zu genießen. Um den Ansprüchen der Gäste zu genügen, sind zahlreiche mondäne Hotels gebaut worden, darunter das heute noch existierende Hotel Straubinger, das allerdings nicht mehr in Familienbesitz ist wie in seinen Anfängen.

Neben dem Straubinger gibt es das in kaiserlichem Besitz befindliche Badeschloss, das Fürsterzbischof Hieronymus Graf von Colloredo (1732-1812) erbauen hat lassen. Mit der Verwaltung des Badeschloss ist (der fiktive) Johann Wahringer betraut, der mit Ehefrau und den Zwillingen Valerie und Stephan in der Sommersaison auch im Hotel wohnt.

Während die kluge und wissbegierige Valerie sich für den Hotelbetrieb interessiert, was sich zu dieser Zeit so gar nicht schickt, soll ihr Bruder eine gediegene Ausbildung erhalten, hat aber nur Vergnügen im Sinn. Letztlich wird Valerie durch ihren geschickten Umgang mit Gästen wie Kaiser Wilhelm und der Kaiserin Elisabeth sowie dem Personal zu einer unverzichtbaren Hilfe ihres Vaters. Mutter Barbara Wahringer hasst Gastein und setzt alles daran, wieder in ihr geliebtes Wien reisen zu dürfen und für Valerie eine standesgemäße und vor allem vorteilhafte Ehe zu arrangieren.

Doch es kommt wie es kommen muss, Valerie verliebt sich ausgerechnet in Theo Straubinger, den unehelichen Sohn der Straubinger-Schwester Theresa. Diese Liebe ist unmöglich und wird von beiden Familien hintertrieben. Letzten Endes muss Valerie Ferdinand Windischbauer, einen Hotelerben heiraten, der sich als .... Nein, das verrate ich jetzt nicht.

Meine Meinung:

Emilia Schilling, eine österreichische Autorin, entführt uns in das wildromantische Gasteiner Tal, genauer gesagt nach Wildbad Gastein, wie das heutige Bad Hofgastein damals hieß. Wir erhalten durch diesen historischen Roman, der Fakten und Fiktion sehr gut miteinander verquickt, einen Einblick in das Leben zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Besonders gut sind die gesellschaftlichen Konventionen für Frauen herausgearbeitet. Ledige Mütter werden verfemt und nur wenige, wie Theos Mutter Theresa, haben das Glück in ihrer Familie bleiben zu dürfen, wenn auch gerade noch geduldet. Für kluge Mädchen ist kaum Platz. Das muss auch Valerie erfahren, die nur wenig Schulbildung erhält, während ihrem Bruder die Welt des Lernens offen steht. Mädchen sollen hübsch sein, weder den Eltern noch ihren Ehemännern widersprechen und viele Kinder bekommen. Dass arrangierte Ehen kaum glücklich werden, ist am Beispiel des Ehepaares Wahringer deutlich zu sehen. Deshalb ist es für uns unverständlich, dass Valerie, auf Geheiß von Johann Wahrunger, mit Ferdinand Windischbauer, Hoteliersohn und größtem Konkurrenten der Straubinger aus heiraten muss, um den Traum ihres Vaters, ein eigenes Hotel zu besitzen, zu erfüllen.

Schmunzeln muss ich über die eine oder andere Anekdote über den deutschen Kaiser, seinen Kanzler Bismarck oder Kaiserin Elisabeth, die mit einem einheimischen Bergführer quasi im Laufschritt die umliegenden Berge erwandert.

Neben dem gesellschaftlichen Leben kommen auch der Ort und die Landschaft, sowie die Anfänge von Gastein zum Kurort sehr gut zur Geltung. Man hört förmlich die Gasteiner Ache rauschen.

Der Schreibstil ist leicht und flüssig. Die Charaktere sind recht gut herausgearbeitet und haben so ihre Ecken und Kanten. Dass die Handlung an manchen Stellen vorhersehbar ist, spielt keine wesentliche Rolle. Mir hat Theos Mutter Theresa imponiert und sehr gut gefallen. Sie weigert sich ja all die Jahre beharrlich, den Namen von Theos Vater bekannt zu geben. So können wir selbst Überlegungen anstellen, wer die damals 16-Jährige geschwängert hat.

Fazit:

Ein gelungener historischer Roman, dem ich gerne 4 Sterne gebe.