Authentisch geschildert, spannend konzipiert
The GoldensIm Gegensatz zu den meisten New-Adult-Romanen, die mit dem Zusatz „Suspense“ oder „Thriller“ gepimpt werden, sind es jene Bücher, die sich an die jugendliche Zielgruppe richten, die mich häufig mit der ...
Im Gegensatz zu den meisten New-Adult-Romanen, die mit dem Zusatz „Suspense“ oder „Thriller“ gepimpt werden, sind es jene Bücher, die sich an die jugendliche Zielgruppe richten, die mich häufig mit der Spannungskomponente und den Themen überzeugen können. So auch "The Goldens".
Als Chloe Alice Hughes die Zusage für die Dern University bekommt, fiebert sie einer Collegezeit wie aus dem Bilderbuch, Inspirationen und gleichgesinnten Wortbegeisterten entgegen. Doch schon kurz nach ihrer Ankunft gerät Chloes Euphorie ins Wanken. Zum Glück findet die angehende Schriftstellerin am ersten Vorlesungstag in Olivia eine Vertraute. Bis der Zufall dafür sorgte, dass Clara Holland – eine allseits beliebte, bewunderte und makellose Influencerin – sie – das unscheinbare Mädchen, nichts Besonderes – für eine Freundschaft auserkor …
Monate vergehen, in denen sich Chloe in Claras Glamour, ihrer unschuldigen Güte sonnt, nicht genug von dem grazilen und ästhetischen Auftreten des Models bekommt, nicht glauben kann, dass ihre neue Realität dem Campusstar gilt. Wochen, in denen alles andere – Olivia, ihre Eltern, ihre Zukunftsziele und das Studium – in den Hintergrund gerät. In denen die einst so strebsame Schülerin vergisst, wer sie ist. …
Lauren Wilsons Stil ist authentisch und klar, ihre Worte, die zu einem gewissen Anteil Distanz ausstrahlen, unterstreichen die Situation, die mit Vorsicht zu genießen ist, die subtilen Manipulationen, den immer präsenter werdenden Wahn. Dass etwas geschehen wird, ist sicher, doch was? Bleibt bis zum Schluss unklar. Je weiter der Verlauf voranschreitet, umso dichter wird das Netz, in dem sich die 18-Jährige verfängt, umso mehr wird sie von Claras Plänen eingenommen, von ihrer Präsenz verschluckt. Statt ihren eigenen Träumen und Leidenschaften nachzujagen, Vorlesungen zu besuchen und Hausarbeiten zu schreiben, cozy Nachmittage in hippen Cafés und Abende mit KommilitonInnen zu verbringen, widmet Chloe ihre Aufmerksamkeit, ihr Können, ihr ganzes Sein der gefeierten, bewunderten Influencerin, genießt den Luxus, die Dekadenz, die Deneside Manor ihr bietet. Sorglosigkeit. Glanzvolle Versprechen. All die Möglichkeiten, die ihr so selbstlos und frei eröffnet werden …
Zu spät merkt Hughes, dass Clara nichts gibt, ohne zu nehmen, dass Clara nicht teilt, ohne zu verlangen … und dass die mühelose Schönheit mehr will. Denn Macht und Einfluss könnten ihr ein ganzes Heer Getreuer bescheren.
Durch Chloes Erzählungen werden wir Teil von legendären, eleganten und pompösen Feiern, von Ausschweifungen und einer Verbindung, die gleichermaßen beeindruckend wie beängstigend ist. Jede Party war faszinierend inszeniert, bringt zum Träumen. Wir bekommen einen genauen Einblick in Chloes Sehnsucht, ihren klaffenden Zwiespalt, das aus Angst und Verleumdung, aus bedingungsloser Loyalität und falscher Liebe entstehende Chaos. Freiheit und Selbstbestimmung, ersetzt durch ein fadenscheiniges „Wir“. Die Autorin zeichnete – nicht nur, aber auch mit der unsicheren, angreifbaren und mit Selbstzweifeln kämpfenden Protagonistin – ein durchweg realistisches, greifbares Bild von einer toxischen Beziehung. Zeigt, wie schnell Abhängigkeit entsteht – wie sie Rationalität und den eigenen Willen überschreibt, wie sie nachhallt. Zeigt die Gefahren, die Opfer.
Obgleich Chloe nicht dauerhaft umhinkommt, die abrupten Stimmungswechsel und schleichenden Veränderungen ihrer besten Freundin zu ignorieren, deren Sucht nach Aufmerksamkeit, Anerkennung und Kontrolle überhandnimmt, Gerüchte, Lügen und Enthüllungen die Perfektion ihrer Zweisamkeit ins Taumeln bringen, sind Chloes Gefühle für ihr Idol zu groß, ihre Bewunderung unumstößlich – und der Wunsch, ein Teil von glitzernden Festivitäten, der Elite und von Clara zu sein – bleiben zu dürfen – erstickt jede Warnung …
Schon bald lebt sie den Traum zahlreicher Mädchen – doch zu welchem Preis?
Wilsons Story lebt von der unheilvollen, von Misstrauen geprägten Stimmung, der aufwallenden Bedrohung, kalter Skrupellosigkeit und der Frage, was als Nächstes geschieht – und noch passieren muss.
Eher hintergründig und leise, verpackt in Andeutungen und Ahnungen, fließen der Schrecken, das ganze Ausmaß mit.
Fungierten die Nebenfiguren auch als Statisten, erhielten beide Frauen ausreichend Tiefe, um ihre fragilen Wesen und Entscheidungen nachzuempfinden. Unvorhergesehene Ereignisse, überraschende Reaktionen, ein Hauch Romantik und bittersüße Leidenschaft finden sich genauso in der Handlung wie Glamour, Spannung und feine Stiche der Manipulation. Wie perfide Züge, Abgründe und Emotionen.
Gingen mir die abschließenden Entwicklungen teilweise zu einfach, war das Ende perfekt – und realistisch – gewählt.
"The Goldens" erzählt die Geschichte zweier entrückter junger Frauen, die auf unterschiedliche und doch ähnliche Weise ihren Platz in der Welt, Bestätigung und Liebe suchen.