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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.07.2025

Spannender, historischer Krimi mit Wiener Schmäh

Der Totengräber und die Pratermorde (Die Totengräber-Serie 4)
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Wien 1896: Bei einem Zaubertrick des berühmten amerikanischen Zauberkünstlers Charles Banton kommt bei einem neuen Zaubertrick die Assistentin ums Leben. In der Nähe des Praters werden weitere Frauen getötet. ...

Wien 1896: Bei einem Zaubertrick des berühmten amerikanischen Zauberkünstlers Charles Banton kommt bei einem neuen Zaubertrick die Assistentin ums Leben. In der Nähe des Praters werden weitere Frauen getötet. Inspektor Leopold von Herzfeldt ermittelt und trifft dabei auf die Reporterin Julia Wolf, seine ehemalige und große Liebe. Der Totengräber des Wiener Zentralfriedhofes, Augustin Rothmayer, wird von Herzfeldt kontaktiert, und gemeinsam begibt sich das Dreiergespann auf die Jagd nach dem Mörder.
Der Autor versteht es wahrhaftig die Spannung aufrecht zu halten und einen in die Welt der Jahrhundertwende zu ziehen. Jedoch nicht nur in die schöne, glitzernde des Kaiserreichs, sondern in die Unterwelt bzw. allgemein auch in die Welt der Arbeiter. In diesem Buch im Speziellen, lernt man auch die besondere Welt der Künstler und Artisten kennen und wird durch geschickte Schilderung in die geheimnisvolle Welt gezogen.
Für mich war dieser Band, der erste von Oliver Pötzsch Totengräber Serie. Wichtig ist festzuhalten, dass er sich auch gut ohne die Vorgängerbände lesen lässt. Die Figuren sind klar und authentisch. Meiner Meinung nach werden die Personen auch sehr geschickt eingeführt, und man erfährt immer ausreichend, um ein entsprechendes Spannungsgefühl zu halten.
Die Karte von Wien im Einband und das Glossar einiger Wienerischer Begriffe, machen das Lesen auch für nicht Ortskundige einfach.
Ich kann das Buch wärmstens empfehlen und werde mich nun durch die Vorgängerbände lesen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.07.2025

Das (tödliche) Spiel der Könige

Blindspiel
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Ein Thriller aus dem Norden – hier speziell vom finnischen Autor Max Seeck – das kann doch nur spannend und ungewöhnlich werden.

Eine Aktentasche wird aus einem Auto gestohlen und der Dieb ermordet. ...

Ein Thriller aus dem Norden – hier speziell vom finnischen Autor Max Seeck – das kann doch nur spannend und ungewöhnlich werden.

Eine Aktentasche wird aus einem Auto gestohlen und der Dieb ermordet. Eine junge Frau wird ermordet aufgefunden, markant weiß bemalt mit einer Schachfigur im Rachen. Mit Nichten gewöhnlicher Alltag auch für die Polizei, die Profiler Milo rasch mit ins Boot holt.
Im ersten ca. Drittel des Buches stellt der Autor sein neues Ermittlerteam vor und wir tauchen vor allem auch in deren Privatleben ein. Natürlich ein notwendiger Schritt, jedoch nimmt die eigentliche Ermittlung damit eher spät Fahrt auf.
Cliffhänger und unerwartete Wendungen sorgen jedoch dann für einen hohen Spannungsbogen. Unterstützt wird das durch kurz gehaltene Kapitel. Die Wahl von Schach als leitendes Thema fand ich sehr interessant und für mich als Schachneuling durchwegs auch lehrreich.
Besonders der Charakter Milo ist sehr kontrovers gestaltet, mit all seinen durchwegs traumatischen Erfahrungen in der Vergangenheit und seiner eher gewöhnungsbedürftigen, wenn nicht sogar etwas toxischen Beziehungen zu seiner Partnerin Ronja. Ein bisschen ein Antiheld.

Für mich ein durchwegs gelungener Auftakt einer neuen Serie.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 07.07.2025

Verschollen im Museum

Im Finsterwald
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Bei einem Museumsbesuch eines Kindermädchens mit fünf Kindern in Göteborg 1926, verschwindet die neun-jährige Alice. Trotz intensiver Suche des Museumspersonals taucht das Mädchen nicht rasch wieder auf, ...

Bei einem Museumsbesuch eines Kindermädchens mit fünf Kindern in Göteborg 1926, verschwindet die neun-jährige Alice. Trotz intensiver Suche des Museumspersonals taucht das Mädchen nicht rasch wieder auf, wodurch Hauptwachmeister Nils Gunnarsson mit dem Fall betraut wird und wird von der Journalistin Ellen unterstützt. Beide tauchen tief in die Geheimnisse des Museums ein.
Im Finsterwald ist das zweite Buch einer Reihe über den Ermittler Nils Gunnarsson und der Journalistin Ellen, das jedoch getrost ohne Vorkenntnisse separat gelesen werden kann.
Die Geschichte ist leicht zu lesen und die Gestaltung sehr atmosphärisch. Man taucht in die Welt der Exponate des Museums ein und fühlt sich wirklich wie mitten im Rundgang dieses Museums. Man wird von der Autorin gut mitgenommen und lernt nebenbei die Probleme der damaligen Zeit kennen u.a. die Aufgaben der Frau, die Wichtigkeit der sozialen Stellung und der Familie.
So sonderbar die Situation der bankrotten Familie Gulden, der Familie der kleinen Alice, mit einer kranken Mutter, etlichen Geschwistern, einem alkoholabhängigen, gewalttätigen Vater, sein mag, so realistisch ist sie sicher auch, für Familien die in den Goldenen Zwanzigern, den Schein waren wollten. Auch wenn für mich die Charaktere der Ermittler etwas in den Hintergrund trete, hat man doch viele andere authentische und interessante Charaktere, die man beobachten kann.

Wenn man einen atmosphärisch gestalteten, historischen Krimi sucht, mit gut gezeichneten Charakteren und deinem kontinuierlichen Spannungsbogen, ist man meiner Meinung nach hier wirklich richtig.

Veröffentlicht am 08.07.2025

Justizkrimi

Die feindliche Zeugin
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Ein weißer Krankenpfleger wird im Herbst 2023 in einem Londoner Park von einer Gruppe schwarzer Jugendlicher angegriffen und erliegt schließlich einer Stichwunde. Emmet ist der Hauptverdächtige, da er ...

Ein weißer Krankenpfleger wird im Herbst 2023 in einem Londoner Park von einer Gruppe schwarzer Jugendlicher angegriffen und erliegt schließlich einer Stichwunde. Emmet ist der Hauptverdächtige, da er mit einem Messer aufgefunden wurde und zwei Zeugen ihn belasten. Die junge, schwarze Anwältin Rosa wird als sein Barrister, also Prozessanwalt engagiert und merkt einmal mehr, wie sehr die Vorverurteilungen ihre Arbeit beeinflussen.

Für mich war diese Geschichte ein Mustread nachdem ich die Autorin, Alexandra Wilson schon von ihrem Vorgängerbuch „In Black and White: A Young Barrister’s Story of Race and Class in a Broken Justice System” kannte. Besonders freute es mich, dass sie sich im Gegensatz zum Vorgänger nun an einen Thriller gewagt hat. Man merkt auch hier die Sachkenntnis der Autorin, die selbst als Barrister in England arbeitet. Trotz all der Fachbegriffe, die man vielleicht speziell, wenn man aus einem anderen Rechtssystem kommt, nicht kennt, lässt sich die Geschichte leicht lesen. Neben der, wie ich meine, realistischen Darstellung des Justizwesens allgemein, werden auch noch die privaten Probleme des Angeklagten und der Anwältin eingeflochten. Denn immerhin ist diese neben Anwältin auch Tochter, Enkelin, Schwester und kämpft mit der Last aus einer einkommensschwachen Schicht zu kommen und ihre Familie unterstützen zu wollen und müssen. Außerdem erkennt man welchen Unterschied es macht, ob man in ein unterstützendes System hineingeboren wird, oder sich seinen Weg erst erkämpfen muss.

Das Buch ist ein Justizthriller, bei dem man keine Aktion geladenen Kampfszenen oder ausgedehnte Verfolgungsjagden erwarten darf. Die Spannung ergibt sich vor allem aus dem Kampf gegen die Zeit und das ungerechte System. Langsam nimmt die Geschichte Fahrt auf, sodass man erst auf den letzten ca. hundert Seiten wirklich im Prozess landet. Meiner Meinung ist das aber auch der durchwegs realistischen Schilderung eines Gerichtsprozess geschuldet. Natürlich hätten so manche detaillierte Beschreibung sicher auch kürzer ausfallen können.

Ich würde das Buch definitiv empfehlen, wenn man gerne einen Einblick in das britische Rechtssystem und den Vorverurteilungen denen People of Colour ausgesetzt sind, bekommen möchte. In Zeiten von Black Lives Matters Debatten ein wichtiges Thema, hier eher leicht verpackt in einem Thriller.

Veröffentlicht am 16.06.2025

Kampf gegen die Zeit

Der Stau
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Belina Kidd, Komissarin, gerät am Weg vom Flughafen in die Stadt in einen Stau. Auf Grund einer Explosion in einem Tunnel (ein Anschlag wird vermutet) wird man wohl etliche Stunden hier verbringen. In ...

Belina Kidd, Komissarin, gerät am Weg vom Flughafen in die Stadt in einen Stau. Auf Grund einer Explosion in einem Tunnel (ein Anschlag wird vermutet) wird man wohl etliche Stunden hier verbringen. In einem Wagen wird eine Leiche gefunden- ermordet mit einer Fahrradspeiche. Belinda Kidd erkennt, dass der Mörder noch in der Nähe sein muss, da ja der gesamte Verkehr zum Erliegen gekommen ist.
Die Geschichte fand ich auf Grund der Zeitkomponente und der Tatsache, dass der Handlungsort sehr beschränkt, ist wahnsinnig faszinierend. Meiner Meinung nach ist die Gliederung gelungen- Überkapitel die die jeweilige Stunde der Ermittlung zeigen und Unterkapitel mit der genauen Uhrzeit. Ein bisschen fühlte ich mich an die Serie 24 erinnert. Also man merkt das Tempo.
Hauptsächlich wird die Geschichte aus der Perspektive der Kommissarin geschildert, an manchen Stellen wird die Vergangenheit der Mitstauenden beschrieben. Es mangelt nicht an Charakteren und man sieht, wie sich Personen unter Extremzuständen verhalten – teilweise finden sich Verbündete, teilweise auch nicht. Nichtsdestotrotz ist die Ermittlerin weitgehend auf sich allein gestellt. Sie hat das so wohl auch noch nie erlebt hat und muss improvisieren muss. Die Spannung liegt auch im Fehlen der gewohnten Ressourcen, bis auf die telefonische Unterstützung durch die Dienststelle. Ich mochte den Charakter der Kommissarin sehr – tough, teilweise witzig und mit verständlichen eigenen Problemen (Jetlag und Toilette) konfrontiert und fand sie glaubwürdig.
An manchen Stellen wurde die Geschichte jedoch etwas langatmig, wobei dies oft mit einer neuen spannenden Erkenntnis kompensiert wurde.
Für mich war dieses Buch ein Highlight der Thriller, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Vor allem das Locked-Room Prinzip, das mit einem Stau an die Spitze getrieben ist, hat mich gefesselt.