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Veröffentlicht am 08.06.2018

Das Buch der kniffligen Zusammenhänge

Der Gott der kleinen Dinge
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Der Gott der kleinen Dinge war für mich keine einfache Lektüre. Das Buch spielt auf zwei Zeitebenen und oft war am Anfang eines Kapitels nicht klar, in welcher ich mich befinde. Die Geschichte an sich ...

Der Gott der kleinen Dinge war für mich keine einfache Lektüre. Das Buch spielt auf zwei Zeitebenen und oft war am Anfang eines Kapitels nicht klar, in welcher ich mich befinde. Die Geschichte an sich war spannend, doch hat sie erst recht spät angefangen einen Sinn zu ergeben. Außerdem gibt es sehr viele handelnde Personen und Zwischenereignisse, die für den Leser verwirrend sein können.

Die Geschichte der zweieiigen Zwillinge Rahel und Estha spielt in Ayemenem, Indien im Jahr 1969, als die Geschwister sieben Jahre alt waren und 1993, dem Jahr, in dem sie mit 31 Jahren wieder zueinander finden. Ihre Mutter Ammu wuchs in gewalttätigen Verhältnissen auf. Ihr Vater, Pappachi, war bekannt dafür, dass er seine Frau und teilweise auch Tochter regelmäßig schlug. Als Ammu einen Sommer bei ihrer Tante in Calcutta verbringt, lernt sie einen Mann kennen, den sie kurz darauf heiratet, um zu verhindern, dass sie zu ihren Eltern zurück nach Ayemenem muss. Sie wird schwanger, findet heraus, dass ihr Ehemann Alkoholiker ist und sie für Sex an seinen Boss verkaufen wollte, reicht die Scheidung ein und kehrt mit zwei Babys und einem gebrochenem Herzen zu Pappachi und Mammachi zurück.

Wichtig für die Geschichte sind außerdem Ammus Bruder Chacko und ihre Tante Baby Kochamma. Chacko studierte in England, lernte dort seine zukünftige Frau Margaret kennen, die ihn aber wenig später für einen anderen Mann verließ. Die beiden haben eine Tochter, Sophie. Baby Kochamma ist, was das Thema Liebe angeht, ebenfalls sehr verbittert, denn als junges Mädchen verliebte sie sich in einen irischen Priester. Um ihm näher zu sein, konvertierte sie zur römisch-katholischen Kirche und trat einem Kloster bei, doch ihre Taten waren vergebens. Der Mann, den sie liebte, würdigte sie keines Blickes und sie blieb für den Rest ihres Lebens unverheiratet.

Als Margarets zweiter Ehemann bei einem Autounfall ums Leben kommt, lädt Chacko sie und ihre gemeinsame Tochter Sophie ein, Weihnachten bei ihm in Ayemenem zu verbringen. Eines Tages ist die ganze Familie unterwegs ins Theater, als kommunistische Demonstranten das Auto umzingeln und Baby Kochamma auffordern, eine rote Flagge zu schwenken und einen kommunistischen Slogan zu singen. Als kurz darauf Sophie bei einem targischen Unfall ums Leben kommt, wird Baby Kochamma klar, dass der Demonstrant, der sie in aller Öffentlichkeit gedemütigt hat, dafür verantwortlich sein muss. Somit geht sie zur Polizei und wirft einem unschuldigen Mann die wohl grausamsten Taten vor.

Wenn man sich die Geschichte einmal von Anfang bis Ende zusammen bastelt, klingt sie wahnsinnig spannend, doch der Handlungsstrang war für mich nur schwer zu erkennen. Vielleicht lag das aber auch daran, dass ich die englische Version gelesen habe – der Übersetzer hat es für die deutsche Fassung möglicherweise etwas leichter formuliert, damit auch alles ersichtlich ist. Oft habe ich die Zeitsprünge verpasst und dann mitten im Kapitel erst verstanden, dass ich mich im Jahr 1993 und nicht 1969 befinde.
Die letzten einhundert Seiten haben mir dann aber doch noch gut gefallen, da sich die Autorin hier nur auf die Haupthandlung konzentriert hat und diverse Nebenhandlungen außen vor ließ. Das Ende des Buches hat mich dann regelrecht schockiert und war auch nicht vorherzusehen. Wer also etwas Zeit hat, sich durch die einzelnen Kapitel zu kämpfen, dem kann ich Der Gott der kleinen Dinge empfehlen. Es ist kein Roman für zwischendurch, die Geschichte wird einem dafür aber länger in Erinnerung bleiben.

Veröffentlicht am 09.04.2018

Verwirrender Körpertausch

Das Bild der Zeit
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Nach Freaky Friday und anderen diversen Disney-Filmen, in denen Mutter und Tochter oder Freund und Freundin die Körper tauschen und die komplette Handlung eher einer Komödie gleicht, fand ich es sehr spannend, ...

Nach Freaky Friday und anderen diversen Disney-Filmen, in denen Mutter und Tochter oder Freund und Freundin die Körper tauschen und die komplette Handlung eher einer Komödie gleicht, fand ich es sehr spannend, einmal eine ernstere Auffassung dieser Zauberei zu lesen. Das Bild der Zeit beinhaltet zwar nur wenige lustige Szenen, fokussiert dafür aber eher auf die Frage nach Identität (Kann ich trotzdem ich selbst sein, obwohl ich in dem Körper eines anderen stecke?) und wahrer Kunst (kann man den Wind, die Macht, die Zeit malen?).

Es ist das Jahr 2010: Sigi, ein begabter, aber weniger erfolgreicher Maler, und sein Freund Karl-Heinz, ein Antiquitätenhändler, tauschen ihre Körper nachdem sie sich über ihr eigenes Leben beklagt haben: wie viel schöner wäre es doch, wenn sie einmal in die Haut des anderen schlüpfen könnten? Ein Zaubererassistent hört diesen Wunsch und führt sie in einen abgelegenen Keller. Dort ergreift Maria Mulambo, der Geist einer früheren Hexe, Besitz von seinem Körper und tauscht die Seelen der beiden Freunde aus. Eine Woche müssen sie unter der Identität des anderen auskommen, erst dann können sie sich zurückverwandeln.

Am Anfang sind Sigi und Karl-Heinz etwas geschockt und finden sich nur schwer in ihr neues Leben ein, doch je mehr Zeit verstreicht, desto einfacher fällt es ihnen. Nach nur wenigen Tagen gehen sie in ihren neuen Rollen förmlich auf: Karl-Heinz verkauft Sigis Bilder für eine Unmenge an Geld; für die Summe, die die Bilder auch wirklich wert sind, aber die Sigi nie gefordert hat, und sein Freund macht dafür in seinem Antiquitätenladen bessere Geschäfte als Karl-Heinz selbst schaffte. Während Sigi jedoch anfängt seine Frau und sein altes Leben zu vermissen, findet sein Tauschpartner immer mehr Gefallen am Leben des Malers – endlich hat er eine Frau, die ihn scheinbar liebt, an seiner Seite und kann mit den Bildern seines Freundes ein Vermögen machen. Die Woche nähert sich dem Ende, doch nur noch einer möchte in seinen alten Körper zurück. Könnten Sigi und Karl-Heinz auch in ihren neuen Leben glücklich werden?

Zur gleichen Zeit im Jahr 1941 steht Kamila im Mittelpunkt der Geschichte. Sie ist eine Polin, die als Arbeiterin in einer deutschen Fabrik Feldstechergehäuse für die Soldaten anfertigen muss. Zwischenzeitlich muss sie außerdem als Begleitung und vielleicht sogar Inspiration für den anwesenden Doktor dienen, in dem sie ihm, während er seiner Arbeit nachgeht, Gesellschaft leistet.

Die Geschichte, die hinter Das Bild der Zeit steckt, fand ich sehr spannend, doch war es teilweise etwas schwer zu durchschauen, in welchem Verhältnis die Charaktere zueinander stehen. Auch der Spannungsbogen beginnt erst recht spät im Buch, sodass alle offenen Verknüpfungen auf nur ein paar Seiten erklärt werden. Hier habe ich mich dabei ertappt, wie ich die ein oder andere Seite noch einmal lesen musste, um die verschiedenen Beziehungen der Charaktere untereinander auch richtig zu verstehen. Für mich hätte das Buch ruhig noch fünfzig Seiten länger sein können, auf denen der Autor die unterschiedlichen Verbindungen mehr im Detail beschreibt.

Die Darstellung der Charaktere und die der Magie fand ich allerdings sehr gut gelungen. Keine Person im Buch glich einer anderen – jede hatte seine eigenen Wesenszüge und Eigenheiten. Auch wie der Autor das Thema Zauberei im Buch eingebunden hat, fand ich gelungen. Hier und da habe ich beim Lesen überlegt, ob es diesen geheimnisvollen Keller wirklich gibt oder ob nicht doch irgendwo auf der Welt eine Person lebt, die solch einen Zauber vollführen könnte. Das Bild der Zeit ist ein Drama, aber auch Fantasy-Roman, der seine Leser fordert und an bestimmten Stellen zum Nachdenken anregt.

Veröffentlicht am 02.04.2018

Mehr Mystery, weniger Liebe

Die Zwillinge von Highgate
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Nach Die Frau des Zeitreisenden bin ich mit großen Erwartungen an dieses Buch herangegangen, doch leider konnte Audrey Niffenegger mit Die Zwillinge von Highgate nicht wirklich bei mir punkten. Angepriesen ...

Nach Die Frau des Zeitreisenden bin ich mit großen Erwartungen an dieses Buch herangegangen, doch leider konnte Audrey Niffenegger mit Die Zwillinge von Highgate nicht wirklich bei mir punkten. Angepriesen wird der Roman als „unheimliche Liebesgeschichte“, doch die Ereignisse sind weder Furcht erregend, noch handelt es sich wirklich um eine Romanze.

Die Haupthandlung dreht sich um zwei Zwillingspaare: Elspeth und Edie sowie Edies Töchter Julia und Valentina. Elspeth und ihre Schwester sind schon seit mehreren Jahrzehnten zerstritten und als sie an Leukämie stirbt, erben nur ihre Nichten – Edie geht leer aus. Den 21-jährigen Mädchen wird Elspeths Wohnung mitsamt ihrem Vermögen überschrieben. Im Testament hat sie außerdem ein paar Regeln aufgestellt: Julia und Valentina müssen ein Jahr in ihrem Apartment gewohnt haben, bevor sie es verkaufen dürfen. Und: Edie und ihr Mann Jack haben keinen Zutritt. Obwohl die beiden Spiegelbild-Zwillinge noch nie für einen längeren Zeitraum ihr Zuhause verlassen haben, lassen sie sich auf das Abenteuer ein und fliegen von Chicago nach London – ihrer neuen Heimat.

Julia und Valentina sehen sich zum Verwechseln ähnlich und doch sind sie komlpett verschieden. Während Julia ein normales Mädchen ist, ist bei ihrer Schwester alles spiegelverkehrt – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Alle Organe und Muttermale, sogar der Haarscheitel sind bei Valentina auf der anderen Seite des Körpers angeordnet. Es scheint so, als ergänzten sie sich perfekt: Julia ist selbstbewusst und gibt gern den Ton an, Valentina ist zurückhaltend und folgt meistens nur den Anweisungen ihrer Schwester.
In London leben sich die Zwillinge recht schnell ein. Gemeinsam lernen sie die Stadt kennen und schließen Bekanntschaft mit ihren Nachbarn. Doch schon bald soll sich das harmonische Miteinander der Mädchen ändern, denn was sie nicht wissen, ist, dass ihre Tante Elspeth als Geist anwesend ist, jeden ihrer Schritte beobachtet und schon bald Kontakt zu ihnen aufnehmen wird.

Was mir an Die Zwillinge von Highgate gut gefallen hat, ist, dass sich jeder Charakter, der vorgestellt wird, mit einem Neuanfang beschäftigen muss – egal ob nach dem Tod einer geliebten Person, nach einer Trennung oder nach einem Umzug, jeder von ihnen muss lernen, was es heißt, allein zu sein. Außerdem mochte ich die Art und Weise, wie die Personen miteinander verknüpft wurden, doch nach etwa zwei Dritteln des Buches kippte die Handlung und auch die Beziehungen wurden immer obszöner und unpassender.
Ich finde das Cover ist auch etwas irreführend. Vorgestellt hatte ich mir eine Familiengeschichte oder sogar Romanze, doch ich habe nicht damit gerechnet, dass sich das Buch in eine Geschichte voller Wiederauferstehungen, Seelenraub und undurchschaubaren Verwechslungen verwandelt.

Die Zwillinge von Highgate ist nicht unbedingt ein Buch, dass ich jedem weiterempfehlen würde. Der Einstieg in die Handlung war sehr langwierig. Zwar waren mir die Charaktere alle sympathisch, doch ihre gemeinsamen Geschichten plätscherten nur stockend vor sich hin. Audrey Niffenegger hat ein Händchen für unvorhersehbare Wendungen, doch leider konnten diese ihren Roman nicht spannender gestalten.

Veröffentlicht am 06.01.2018

Liebesabenteuer anstatt Psychothriller

Be my Girl
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Unter einem Psycho-Thriller habe ich mir eigentlich immer etwas anderes vorgestellt. Ich habe immer an das Ungewisse gedacht und wie es den Leser vom ersten Kapitel an in seinen Bann zieht. Bei Be my Girl ...

Unter einem Psycho-Thriller habe ich mir eigentlich immer etwas anderes vorgestellt. Ich habe immer an das Ungewisse gedacht und wie es den Leser vom ersten Kapitel an in seinen Bann zieht. Bei Be my Girl war das nicht der Fall. Zwar gibt es auch hier Details, die verschwiegen und erst am Ende aufgeklärt werden, aber es hat mich nicht von der ersten Seite an gefesselt. Das soll jedoch nicht heißen, dass das Buch nicht spannend war.

Be my Girl ist in zwei unterschiedliche Zeitebenen geteilt – „Dann“ und „Heute“. Die Geschichte beginnt in der Gegenwart und beschreibt mehr oder weniger Ellies ersten Mord. Warum sie den Mann allerdings getötet hat bleibt offen.

Die Kapitel aus der Vergangenheit sollen dazu dienen der Geschichte mehr Sinn zu verleihen, allerdings springt die Autorin hier öfters vor und zurück. Mal wird die Hochzeit von Ellie und Rob geschildert, dann steckt man plötzlich im Leben von Ellie als Teenager und es fällt einem schwer den Zusammenhang zu sehen.

Während Ellie sich also auf der Flucht vor der Polizei befindet – denn keiner soll herausbekommen, dass sie den Mord begangen hat – stellt der Leser fest, dass sie diese schreckliche Tat für ihren Ehemann Rob begangen hat. Dieser war schon von klein auf in kriminelle Machenschaften verwickelt und gelang später unter die Fittiche seines vermeintlichen biologischen Vaters, Quinn. Dieser brachte ihm das Stehlen und später auch Morden bei.

Doch eine Geschichte um ein Ehepaar wäre nichts ohne die Existenz von Liebe. Nur für Ellie möchte Rob aus den festen Händen seines Vaters austreten um mit ihr ein normales Leben zu führen. Quinn ist davon zwar nicht begeistert, lässt sich aber überreden. Die einzige Bedingung, die er stellt ist, dass Ellie sein auserwähltes Opfer umbringen muss. Langsam aber sicher erfährt nun auch sie von Robs Vergangenheit, aber anstatt zurück zu schrecken entschließt sie sich ihm zu helfen.

Die beiden befinden sich nun in einem Abenteuer um Leben und Tod. Bis zur letzten Seite ist nicht gewiss, ob sie dies auch wirklich überleben und ob Ellie sich überhaupt noch im Stande dazu fühlt, mit Rob ein halbwegs normales Leben zu führen.

Ich muss ehrlich sagen, dass ich die Szenen aus der Vergangenheit wesentlich spannender fand als die aus der Gegenwart, was daran liegen könnte, dass diese dunkler und geheimnisvoller geschrieben waren. Ich fand es durchaus beeindruckend, dass Liebe einen Menschen sogar dazu bringen kann jemand anderen zu töten, aber ich weiß nicht, ob ich das Buch noch einmal lesen wollen würde.

Veröffentlicht am 24.02.2019

Zu viel Drama, zu wenig Realität

Mirror, Mirror
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Ich wollte dieses Buch wirklich mögen. Fast regelmäßig wurde es mir von Bekannten empfohlen, so dass ich es selbst kaum noch erwarten konnte, mit Mirror, Mirror anzufangen. Doch leider wurden wir keine ...

Ich wollte dieses Buch wirklich mögen. Fast regelmäßig wurde es mir von Bekannten empfohlen, so dass ich es selbst kaum noch erwarten konnte, mit Mirror, Mirror anzufangen. Doch leider wurden wir keine Freunde. Schon zu Beginn des Buches musste ich immer wieder den Kopf schütteln, legte es zur Seite und nahm es mit erneut geschöpfter Hoffnung wieder auf, aber es half nichts – ich musste einsehen, dass Mirror, Mirror einfach nicht mein Roman war und doch las ich ihn bis zum Ende…

Red, Leo, Rose und Naomi sind beste Freunde seit sie ihre Band „Mirror, Mirror“ vor etwa einem Jahr gegründet hatten. Gemeinsam können sie die ganzen Probleme, die zu Hause auf sie warten, vergessen: Reds Mutter ist Alkoholikerin und der Vater nie da, Rose‘ Vater ist mit einer deutlich jüngeren Frau zusammen und Leos Bruder sitzt wegen einer Messerstecherei im Gefängnis. Sie sind unzertrennlich, verbringen jede freie Minute zusammen, doch eines Tages verschwindet Naomi spurlos. Anfangs macht sich keiner so wirklich Sorgen – es ist einfach typisch Naomi. Mal verschwindet sie für ein paar Tage und taucht dann unangekündigt wieder auf. Doch dieses Mal ist alles anders. Nach acht Wochen findet man sie bewusstlos und mit Hämatomen übersät in der Themse.
Was ist geschehen? Die Polizei vermutet, dass ein Selbstmordversuch dahinter stecken könnte, doch Naomis Freunde wissen, dass das nicht möglich ist: Sie hatte Angst vor dem Wasser. Niemals hätte sie sich von einer Brücke gestürzt. Es liegt nun also an Red, Leo und Rose herauszufinden, was mit Naomi passiert ist. Wer hat ihr das angetan? Und könnte schon bald jemand anderes zum Opfer werden?

Obwohl ich den allgemeinen Handlungsverlauf gar nicht so schlecht fand und sich das Buch zum Ende hin auch wirklich spannend entwickelt, wurde doch vieles durch den Schreibstil kaputt gemacht. Insgesamt war es mir einfach zu vulgär: Die vier Teenager benutzen am laufenden Band Kraftausdrücke wie „Alter“, „Fuck“, „Scheiße“ und Begriffe, die ich hier nicht nennen möchte. Nach den ersten drei Kapiteln hatte ich da eigentlich schon genug. Ich kenne einige Jugendliche, habe aber noch nie jemanden getroffen, der so viel flucht und schimpft.
Des Weiteren fand ich die Charakterisierungen der vier Hauptpersonen zu extrem. Red rasiert sich die Haare ab und rebelliert somit gegen seine Mutter, Naomi verkleidet sich regelmäßig als Manga-Charakter, um ihr wahres Ich zu verstecken, Rose sticht vor allem durch ihr lautes Mundwerk und ihre Vorliebe zum Alkohol heraus und Leo ist durchweg aggressiv. Mir fehlte zwischendurch ein Mauerblümchen, das die Extremsituation etwas ausgleicht. Die Teenager, ihre Sprache und ihr Aussehen waren sehr stereotypisch veranlagt – Cara Delevingne scheint sich hier nur auf die alltäglichen Probleme der Jugendlichen konzentriert zu haben, ständig ging es nur darum, was an ihrem Leben schlecht ist und davon war ich irgendwann einfach nur noch genervt.

Die Story an sich fand ich aber – wie ich bereits erwähnte – gar nicht schlecht. Die vier Freunde werden zu kleinen Detektiven, sammeln Hinweise und auch als Leser durchlebt man noch einmal die letzten Monate vor Naomis Verschwinden. Man rätselt etwas mit, ist zwischendurch empört und empfindet zum Schluss sogar Genugtuung. Das große Finale könnte zwar aus einem Hollywood-Film stammen (die Autorin konnte ihre Herkunft nicht ganz vertuschen), aber insgesamt bin ich mit der Geschichte, wie sie sich entwickelt und letztendlich aufgeklärt wird, sehr zufrieden gewesen. Vielleicht würde ich anders über Mirror, Mirror denken, wenn mir das Buch nicht mit großem Lob in die Hände gelegt worden wäre, aber mein Tipp ist, sich nicht zu viel davon zu erhoffen.