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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.07.2025

Über Freundschaft, Erinnerungen und Schuld - toller Roman mit wichtigen Themen

Before we were innocent
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Als Joni nach zehn Jahren vor Bess' Tür steht, stellt das Bess' Leben direkt auf den Kopf. Die beiden haben sich seit fast zehn Jahren nicht gesehen, denn im Jahr 2008 hat ein tragisches Ereignis die beiden ...

Als Joni nach zehn Jahren vor Bess' Tür steht, stellt das Bess' Leben direkt auf den Kopf. Die beiden haben sich seit fast zehn Jahren nicht gesehen, denn im Jahr 2008 hat ein tragisches Ereignis die beiden auseinander getrieben. Joni und Bess waren zusammen mit Evangeline beste Freundinnen. Nach der Highschool wollten die drei einen letzten Sommer zusammen verbringen und sind nach Griechenland gereist, wo sie im leer stehenden Haus von Evangelines Eltern wohnen konnten. Die Stimmung kippte allmählich jedoch immer mehr und während einer ausschweifenden Party stürzt Evangeline einen Fels am Strand hinunter in den Tod. Bess und Joni verarbeiten den Verlust gemeinsam. Doch jede geht auf Dauer anders damit um und die beiden entfremden sich. Als Joni Bess nach zehn Jahren um ein Alibi bittet, kommen die Geister der Vergangenheit zurück und Bess muss sich erneut Schmerz und Erinnerungen stellen.

Das Cover ist toll gestaltet und lässt schon einiges auf die Geschichte schließen. Die Handlung spielt auf zwei Zeitebenen: 2008 und 2018, die sich mit jedem Kapitel abwechseln. Diese Erzählweise hat mir gut gefallen, denn es bringt Abwechslung in die Handlung und als Leser kann man so immer wieder die Charaktere mit dem zeitlichen Abstand vergleichen. Die Kapitel sind übersichtlich lang und in beiden Zeitebenen wird aus der Ich-Perspektive von Bess erzählt. Man bekommt beim Lesen so einen sehr guten Eindruck ihrer Emotionen und Erinnerungen, Joni dagegen als zweite Hauptfigur blieb mir bis zuletzt fremd, sie bleibt "die Geheimnisvolle", was auch den Reiz der Freundschaft ausmacht. Die Figuren sind allesamt gut gezeichnet und durch Bess bekommt man zwar einen subjektiven Eindruck der Freundschaft, aber man kann auch einige Handlungen und Ereignisse besser nachvollziehen. Denn ein zentrales Thema des Buchs ist für mich die Frage, inwieweit man seinen Erinnerungen und die Interpretationen daraus vertrauen kann - vor allem zehn Jahre später. Die Autorin greift dieses Thema sehr gut auf und verflechtet es in eine Geschichte, die mehr ist als nur ein Roman über Freundschaft: es geht um Trauer, Schmerz, (toxische) Freundschaften und oft hatte ich das Gefühl, von einem True-Crime-Fall zu lesen, weil sowohl die Ereignisse in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart miteinander zusammen hängen.
Ein großer Kritikpunkt sind für mich allerdings die Längen, die das Buch gerade in der ersten Hälfte hatte. Zu Beginn fiel es mir schwer, die Charaktere zuzuordnen, denn sowohl Bess' als auch Evangelines Familie spielen eine wichtige Rolle, die Nebenfiguren konnte ich in der Gegenwart noch nicht richtig einordnen. Zum Ende hin nimmt das Buch nochmal an Fahrt auf und die Handlung legt an Tempo zu. Das Ende hätte ich mir persönlich anders gewünscht, es passt aber zum Stil der Geschichte und zu den Charakteren an sich. Der Erzählstil ist trotz der Ich-Perspektive abwechslungsreich, die Autorin baut einige tolle Textstellen ein, die nachhallen und zum Nachdenken anregen.

Nicht umsonst wurde das Buch von "Reese's Book Club" empfohlen, ich kann es jedem empfehlen, der gerne in zwei Zeitebenen eintaucht und über Freundschaft, Erinnerungen und Trauer liest. Man sollte sich nicht vom zähen Anfangsteil abschrecken lassen, denn das Buch ist mehr als spannend und toll geschrieben.

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Veröffentlicht am 02.07.2025

Wenn das Büro zum Tatort wird - spannender Thriller mit vielen Wendungen

Die Kollegin – Wer hat sie so sehr gehasst, dass sie sterben musste?
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Als Nathalie Farrell morgens ins Büro kommt, bemerkt sie sofort, dass ihre Kollegin Dawn Schiff nicht neben ihr sitzt. Was erstmal normal klingt, ist für Dawn normalerweise undenkbar: sie sitzt jeden Morgen ...

Als Nathalie Farrell morgens ins Büro kommt, bemerkt sie sofort, dass ihre Kollegin Dawn Schiff nicht neben ihr sitzt. Was erstmal normal klingt, ist für Dawn normalerweise undenkbar: sie sitzt jeden Morgen um Punkt 8:45 Uhr an ihrem Schreibtisch, geht zur gleichen Zeit zur Toilette und isst zur gleichen Zeit. Als dann auch noch ein anonymer Anruf auf Dawns Firmentelefon eingeht, beschließt Nathalie kurzerhand, zu ihr nach Hause zu fahren und nach ihr zu schauen. Sie ahnt nicht, dass sie damit einige Dinge in Gang bringt, die das ganze Geschehen komplett ändern werden und auch sie gerät in einen Strudel aus Lügen und Anschuldigungen...

Ich hatte zuvor "Wenn sie wüsste" von Freida McFadden und war begeistert, vor allem von den Plot Twists und der Handlung. Auch mit "Die Kollegin" erzählt die Autorin erneut eine spannende Geschichte, die voller Wendungen ist.
Ich selbst arbeite auch in einem Büro und bereits nach wenigen Seiten stellt man sich selbst die Frage, wie gut man seine Kollegen eigentlich kennt. Gerade in Nathalies Büro bleibt alles anonymer, jeder hat sein Arbeitsplatz-Abteil und man kommt zu Meetings und vielleicht noch dem Lunch zusammen. Die Ausgangslage hat mir sehr gut gefallen, denn das Büro ist in einer klassischen Struktur aufgebaut, wie es sie millionenfach gibt.

Die Geschichte wird zum Großteil aus Nathalies Ich-Perspektive erzählt, was Dawn in einem noch seltsameren Licht erscheinen lässt. Zwischen den Kapiteln sind immer wieder E-Mails zu lesen, die Dawn verfasst hat, zum Großteil an ihre einzige Freundin Mia. Sie schildert darin, wie sie im Büro vor allem von Nathalie immer mehr gemobbt wird, sich aber kaum wehrt. Der Schreibstil bleibt somit angenehm und abwechslungsreich zu lesen, die Kapitel und der E-Mail-Verkehr im Wechsel bilden ein gutes Gerüst um die Spannung aufzubauen.
Schnell wird klar, dass in der Geschichte nichts so ist, wie es scheint. Man schwankt beim Lesen, wer die Wahrheit erzählt und was sich wie genau zugetragen hat. An manchen Stellen zieht sich die Handlung etwas und dreht sich im Kreis, schnell kann man Vermutungen anstellen und das Ende hat mich überrascht, aber es war nicht der große Knall, den ich erwartet hätte.

"Die Kollegin" ist ein spannender Thriller, der mit einer guten Ausgangslage, gut gezeichneten Figuren und einem abwechslungsreichen Schreibstil punkten kann. Für Freida McFadden-Fans ein absolutes Muss und auch alle anderen Thriller-Fans werden sicherlich Gefallen an dem Buch finden.

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Veröffentlicht am 19.06.2025

Surferidylle vor den Kulissen Marrakeschs - spannend und bedrohlich

The Surf House
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Bea ist 23 Jahre alt und Model. Bei einem Job in den Gassen Marrakeschs wird ihr in der drückenden Hitze und Kleidung klar, dass sie so nicht mehr weiter machen kann. Sie flieht Hals über Kopf aus dem ...

Bea ist 23 Jahre alt und Model. Bei einem Job in den Gassen Marrakeschs wird ihr in der drückenden Hitze und Kleidung klar, dass sie so nicht mehr weiter machen kann. Sie flieht Hals über Kopf aus dem Hotel und verirrt sich in den dunklen Gassen, die immer unheimlicher werden. Als sie zwei junge Männer einkreisen und sie in einer Sackgasse sitzt, weiß sie nicht mehr weiter. In letzter Sekunde eilt ihr eine Frau herbei und flieht mit ihr. Sie stellt sich als Marnie vor und nimmt Bea zunächst mit in ihr Hotel, dem "Surf House". Da Bea alles an Wertgegenständen gestohlen wurde, steht sie ohne Pass und Geld da. Marnie bietet ihr an, im "Surf House" zu helfen und so lange zu bleiben, wie Bea braucht um wieder nach Großbritannien zurück zu kommen. Bea ahnt noch nicht, in welche Gefahr sie sich begibt, denn im "Surf House" ist bereits eine junge Frau verschwunden. Als deren Bruder auftaucht um nach seiner Schwester zu suchen, beginnt auch Bea nachzuforschen und das gefällt nicht jedem dort.

Mir hat das Cover sehr gut gefallen, ich hatte zuvor auch noch nichts von Lucy Clarke gelesen. Das Setting ist toll angelegt und die drückende Hitze, das Gewimmel Marrakeschs und das vermeintliche Urlaubsparadies werden toll beschrieben, sodass man Leser mittendrin ist. Auch das Leben als Aussteiger und das Surfen werden einem nahe gebracht, der Surfjargon hat mich nicht gestört.
Bea blieb mir leider die meiste Zeit unsympathisch, ich konnte auch viele ihrer Handlungen nicht nachvollziehen, z.B. warum sie nach dem Diebstahl nicht eine Botschaft aufsucht. Oft stolpert sie naiv und leichtgläubig durch die Geschichte. Auch Marnie blieb mir undurchsichtig, sie hatte oft etwas an sich, was man nicht greifen konnte. Da die Handlung aus Beas Perspektive erzählt wird, bleibt alles sehr subjektiv, was aber zur Geschichte gepasst hat. Unterbrochen werden die Kapitel von Tagebucheinträgen der verschwundenen Savannah, die das Ganze abwechslungsreich gestalten. Davon hätte ich mir mehr gewünscht, denn die Geschichte nimmt, sobald Bea im "Surf House" wohnt, nur langsam an Fahrt auf.

Im "Surf House" verkehrt eine ganz eigene Community, alles wirkt entschleunigt und ich konnte den Zauber des Surfers und des Wassers (als Nicht-Surferin) meist nicht ganz nachvollziehen. Als Savannahs Bruder Seth in diese Community platzt, kommt Spannung in die Geschichte, denn er ist das komplette Gegenteil der locker-leichten Surfergemeinde und wirkt fehl am Platz. Vielleicht hätten einige Kapitel aus Maries oder Seth' Sicht dem Ganzen noch mehr Spannung und Abwechslung verliehen. Die Handlung an sich ist oft vorhersehbar, doch das Ende fiel dann anders aus als ich erwartet hätte. "The Surf House" ist für mich kein typischer Thriller, man erwartet dann doch mehr von einem Thriller.

Ich werde mir noch andere Bücher Lucy Clarkes vornehmen, die Geschichte hier konnte mich nicht komplett überzeugen als Thriller, aber das Urlaubsfeeling und das Geheimnis der verschwundenen Savannah macht vieles wieder wett.

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Veröffentlicht am 27.05.2025

Leise Geschichten über den Sinn und die Wendungen im Leben

Donnerstags im Café unter den Kirschbäumen
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Im Café Marble an einem Fluss in einem Vorort Tokios arbeitet der junge Wataru. Mit viel Liebe zum Detail und zu seinen Gästen bedient er sie Tag für Tag. Jeden Donnerstag kommt zudem eine junge Frau in ...

Im Café Marble an einem Fluss in einem Vorort Tokios arbeitet der junge Wataru. Mit viel Liebe zum Detail und zu seinen Gästen bedient er sie Tag für Tag. Jeden Donnerstag kommt zudem eine junge Frau in das Café und die immer einen heißen Kakao trinkt. Wataru würde gerne mehr über sie erfahren, denn sie liest stets Briefe, mal betrübt, mal fröhlich dabei, er traut sich jedoch nicht. Auch seine anderen Gäste bringen ihre eigenen Geschichten mit und brauchen meist, neben einem warmen Getränk, noch einen kleinen Schubs für eine Wendung in ihrem Leben.

Bereits das erste Buch der Autorin hat mich begeistert und ich war gespannt auf ihren neuen Roman. Das Café Marble bildet den Ausgangspunkt für die vielen kleinen Kurzgeschichten, die auf ihre Weise alle miteinander zusammen hängen. Die Autorin zeichnet die Figuren alle passend und detailliert, trotz der vielen Namen kommt man nicht durcheinander beim Lesen. Gerade Wataru wächst einem immer mehr ans Herz und man fühlt sich als Leser selbst wohl im Café als wäre man selbst dort Gast.
Das Buch besteht aus Kurzgeschichten, die alle ganz unterschiedliche Figuren, Ereignisse und Schauplätze beinhalten, aber trotzdem miteinander zu tun haben. Manchmal hat mir die Tiefe gefehlt bzw. hätten die Geschichten noch etwas ausgeschmückter oder tiefer sein können. Ich hätte beim Lesen gerne mehr über die Charaktere erfahren, aber vielleicht macht auch gerade das den Reiz der Geschichten aus. Die Vielfalt der unterschiedlichen Charaktere, die alle im Café einkehren, gefällt mir sehr gut: ob Karrierefrau, Erzieherin oder Beobachterin, jeder bringt seine Geschichte mit und lernt dabei, mit verschiedenen Situationen umzugehen.

Von mir gibt es eine Empfehlung für alle, die gerne leise und schöne Kurzgeschichten lesen, die typisch japanisch sind.

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Veröffentlicht am 10.04.2025

Spannender Thriller mit interessantem Setting in der Welt der Blumen

The Florist
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Amy Mackenzie ist Floristin und selbstständig mit ihrem Geschäft "Darling Blossoms". Sie liefert unter anderem auch Blumen für das Architekturbüro Cole & Elliot. James Elliot, einer der Chefs dort, beauftragt ...

Amy Mackenzie ist Floristin und selbstständig mit ihrem Geschäft "Darling Blossoms". Sie liefert unter anderem auch Blumen für das Architekturbüro Cole & Elliot. James Elliot, einer der Chefs dort, beauftragt sie mit den Blumenarrangements für den Geburtstag seiner Schwägerin. Amy wittert einen großen und lukrativen Auftrag und sagt begeistert zu. Sie lernt Elliots Schwägerin Isabel kennen und die beiden verstehen sich auf Anhieb. Als Isabel an ihrem Geburtstag zu Tode kommt, fällt der Verdacht schnell auf Amy. Sie muss alles dafür tun, den Verdacht von sich zu lenken. Denn in ihrer Vergangenheit sind Dinge passiert, die niemals jemand erfahren darf...

Mich hat das Cover sofort angesprochen, es zeigt sofort, um was es geht und verbindet das leichte lockere Blumenbouquet mit einer Düsternis, Blut und etwas Geheimnisvollem.
Der Anfang des Buches läuft für mich eher schleppend an. Es wird viel aus Amy Alltag und von ihrer Arbeit berichtet. Das wird durch die Ich-Perspektive Amys unterstrichen, aus der erzählt wird. Man gewinnt so einen Einblick in ihre Gefühlswelt, es wirkt aber auch stellenweise eintönig und blass. Die Arbeit einer Floristin wird hier toll beschrieben, ich habe dabei für mich viel Neues gelernt und diese Details spielen auch für den Verlauf der Geschichte eine wichtige Rolle. Da Amy eine Einzelgängerin ist, kommt zunächst wenig Spannung auf und die Geschichte plätschert eher dahin.
Spätestens jedoch mit dem Besuch bei den Elliots und dem Kennenlernen mit Isabel nimmt die Geschichte an Fahrt auf. Man erfährt bis zum Schluss kaum etwas von Amy Vergangenheit, an der sie uns Leser kaum teilhaben lässt. Amy wirkt meist nicht greifbar und blieb für mich lange undurchsichtig, auch gerade durch ihre Zurückgezogenheit.

Das Ende hat mich dann nochmal umgehauen, ich hatte diese Wendung überhaupt nicht kommen sehen. Die Autorin greift mit diesem Roman die wichtigen Themen von toxischer Freundschaft und einem ungesunden Zugehörigkeitsdrang auf und verwebt diese gekonnt in ihre Geschichte.
Mir hat der Roman sehr gut gefallen, einzige Kritikpunkte sind für mich der schleppende Beginn und die Längen, die es in der ersten Hälfte gab. Ich kann dieses Buch allen Thriller-Fans gerne empfehlen!

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