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Veröffentlicht am 08.02.2018

Mittelspannender Krimi mit schöner nordischer Atmosphäre

Deichfürst
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Inhalt:
Auf der Baustelle zum neuen Sperrwerk wird eine Leiche gefunden. Als feststeht, dass es sich dabei um den ortsansässigen, alten Großbauern Tadeus de Vries handelt, scheint niemand wirklich traurig ...

Inhalt:
Auf der Baustelle zum neuen Sperrwerk wird eine Leiche gefunden. Als feststeht, dass es sich dabei um den ortsansässigen, alten Großbauern Tadeus de Vries handelt, scheint niemand wirklich traurig darüber zu sein. Jeder scheint seinen eigenen Grund gehabt zu haben, den Mann zu hassen, aber reicht das für ein Motiv? Hauptkommissar Stephan Möllenkamp, der in der norddeutschen Provinz noch etwas deplatziert wirkt, macht sich an die Aufklärung des Falls und bekommt dabei unerwartete Hilfe in Form der patenten Journalistin Boekhoff, die sich überall einmischt.
Man merkt als Leser sofort, dass die Autorin der Gegend besonders verbunden ist. Die Atmosphäre, das Wetter, die Leute sind perfekt beschrieben, durch den Einbau von Mundart wird der Eindruck noch verstärkt. Mit etwas Mühe gelingt es sogar, diese zu lesen, auch wenn man sonst gar nichts damit zu tun hat. :) Der dörfliche Charme wird perfekt eingefangen, die Beziehungen der Dorfbewohner untereinander und zum neu hinzugezogenen Kommissar werden sehr authentisch beschrieben. Der Fall ist nicht nervenaufreibend spannend, schafft es aber, die Frage nach dem Täter lange aufrecht zu erhalten. Durch Zeitsprünge werden Hintergründe dargestellt, werden Charaktere besser verständlich, werden aber auch neue Fragen aufgeworfen, ohne dass diese Einschübe langatmig werden oder den Lesefluss behindern. Die Charaktere von Ermittler und Journalistin sind sympathisch, auch Nebencharaktere sind interessant und facettenreich dargestellt. Mir ist allerdings der Täter dann am Ende etwas zu kurz gekommen. Auch der Landrat und der Leiter des Kommissariats sind leider etwas klischeehaft und platt.

VORSICHT SPOILER!!!
Was mir nicht so gut gefallen hat, war das Ende. Irgendwie hätte es meiner Meinung nach besser gepasst, den/die Täter entkommen zu lassen und ihn nicht auf Biegen und Brechen seiner/ihrer „gerechten Strafe“ zuführen zu müssen und dafür extra eine Naturkatastrophe zur Hilfe zu nehmen. Wenn die Polizei ihn/sie schon nicht kriegt, schafft das so auch keine Gerechtigkeit.

Veröffentlicht am 06.01.2018

Gelungener Religionsthriller

Das Jesus-Experiment
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Inhalt: Stellen Sie sich vor, jedes Erlebnis ihres Lebens wird nicht nur als unmittelbare Erinnerung in ihrem Gedächtnis gespeichert sondern hinterlässt eine bleibende Änderung in der Hirnstruktur, die ...

Inhalt: Stellen Sie sich vor, jedes Erlebnis ihres Lebens wird nicht nur als unmittelbare Erinnerung in ihrem Gedächtnis gespeichert sondern hinterlässt eine bleibende Änderung in der Hirnstruktur, die an die Nachfahren vererbt wird. Der Hirnforscher Tom Jennings findet eine Möglichkeit, diese ererbten Erinnerungen nachzuweisen und was noch besser ist, sie als eine Art Filmsequenz auf den Computer übertragen zu können. Eine Technik, die unzählige Möglichkeiten und Vorteile bietet, die aber auch, in den falschen Händen, ein höchst zerstörerisches Potential hat. Jennings, der finanzielle Probleme hat, verkauft seine Technik, die er „Recalls“ nennt, an Lancette, einen Fernsehproduzenten, der in einer möglichst spektakulären Show Erinnerungen an bekannte, verstorbene Persönlichkeiten lebendig werden lassen will. Als Jennings durch einen Ahnenforscher auf eine mögliche bestehende direkte Erblinie von Pontius Pilatus aufmerksam gemacht wird, ergibt sich die Chance auf eine Sensation: Kann durch die Recall-Technik tatsächlich ein Bild von Jesus Christus aufgerufen werden?
Die Möglichkeit, Gedanken zu lesen und in Bilder zu verwandeln bietet aber auch kommerzielle Perspektiven und Jennings, der als Wissenschaftler zu sehr auf die Forschung fokussiert ist, um das Potential und die Gefahr zu erkennen, befindet sich in den Händen von Lancette und zwischen allen Fronten.

Meinung: Zunächst einmal muss man sich auf das Thema einlassen. Zunächst fiel es mir erstaunlich schwer, die postulierte Tatsache der vererbbaren Erinnerungen soweit zu akzeptieren, dass ich die Geschichte als das Lesen konnte, was sie ist: Science Fiction auf Basis bekannter biologisch-genetischer Grundlagen. Roßbach schafft es äußerst geschickt, diese Grundlagen einzuweben: Gleich zu Beginn verweist er auf existierende Studien zu vererbbarem Angstverhalten bei Ratten, dann wieder lässt er seinen Protagonisten eine der Koryphäen der frühen Hirnforschung erwähnen. So habe ich mich nach den ersten Seiten, auf denen ich es noch kategorisch abgelehnt habe, dass so etwas tatsächlich möglich sein könnte, plötzlich gefragt: was wäre wenn…? Und spätestens ab da hatte mich die Geschichte gefesselt. Der Roman hat alles, was ein guter Thriller braucht: Er schafft es, den Leser in die Geschichte hineinzuziehen, sorgt für zahlreiche, oft schwer greifbare Gefahren und Bedrohungen und wächst sich zu einer atemlosen Spannung aus, in der man als Leser jederzeit mit einem neuen Angriff, mit einem neuen Täter rechnet, ohne vorher die „alten“ Bedrohungen richtig verstanden zu haben. Man ist, zusammen mit Jennings dauernd beschäftigt, Verknüpfungen zwischen einzelnen Tätern und Fällen herzustellen um diese Theorien im nächsten Moment wieder zu verwerfen, da sich dauernd ein neues Bild ergibt. Währenddessen begleitet man Jennings zu verschiedenen Fachleuten ihres jeweiligen Gebiets, die zugleich auch dem Leser die nötigen Hintergrundinformationen liefern, eine Technik, mit der es Roßbach mustergültig gelingt, seine sauber recherchierten Fakten zu verweben ohne langatmige Belehrungen und Abhandlungen zu schreiben.
Einige Kritikpunkte gibt es dennoch:
Jennings als Protagonist bleibt leider etwas eindimensional: Er ist stereotyper Forscher. Ein anderer Forscher, der allerdings nur als Nebenperson auftritt, ist da sehr viel plastischer gezeichnet: Der Bibelforscher Pelagrini, der die Ambivalenz zwischen tatsächlichen historischen Fakten und Wissen einerseits und dem Glauben und der christlichen Hoffnung andererseits bewerkstelligen zu scheint und daher auch irgendwie dem Schluss des Romans einen Charakter gibt. Insgesamt ist die Charakterbeschreibung durchwachsen: Es gibt sehr klar gezeichnete Personen (wie zB Pelagrini und auch den Ahnenforscher Casalini), dann wiederum bedient sich Roßbach typischer Klischees: Forschersterotypen, mordende Mönche und geldgierige Investoren, die vor Menschen- und Persönlichkeitsrechten nicht zurückschrecken.
Ein bisschen zu unübersichtlich waren die verschiedenen Verschwörungsstränge: zuerst tauchten FBI und Secret Service auf, um dann für so lange Zeit aus der Geschichte zu verschwinden, dass man sie als Leser schon fast vergessen hat dann wieder Mönche, die alte Papiere studierten und sich gegenseitig niederschlugen. Diese Mönche, die dem Jesuitenorden angehören, stellen mit ihren Riten und uralten Geheimnissen ein absolutes Gegenbild zum wissenschaftlich agierenden Jennings dar. Van Hoogstraat, ein Konkurrent von Jennings, beansprucht die Forschungsergebnisse für sich und paktiert mit einem einflussreichen Medienmogul, um seinerseits Kapital schlagen zu können. Ein Angriff also von allen Seiten, der Leser weiß nicht mehr wem er trauen kann. So weit ganz schön aufgebaut, aber in der Auflösung werden dann einige Stränge scheinbar vergessen oder sehr verkürzt aufgelöst.
Alles in allem ein sehr gelungener Religionsthriller, der unglaublich spannend ist und ein rasantes Thema vorlegt. Die Idee ist wahnsinnig gut und bietet Stoff für so viel, vielleicht ist gerade das das Problem des Romans: Zu viele Themen auf einmal, sodass einiges ein bisschen zu kurz kommt.

Veröffentlicht am 11.03.2025

Perfekte Naturbeschreibung, aber eher seichte, vorhersehbare Geschichte

Die Bücherfrauen von Listland. Der Gesang der Seeschwalben
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Mit "Die Bücherfrauen von Listland. Der Gesang der Seeschwalben" entführt uns Gabriella Engelmann nach Sylt. Die Beschreibung der Insel, das Erschaffen eines Sehnsuchtsorts und das Gefühl von Wehmut sind ...

Mit "Die Bücherfrauen von Listland. Der Gesang der Seeschwalben" entführt uns Gabriella Engelmann nach Sylt. Die Beschreibung der Insel, das Erschaffen eines Sehnsuchtsorts und das Gefühl von Wehmut sind ganz klar die starken Punkte des Romans: Man merkt beim Lesen, wie tief die Verbundenheit der Autorin mit dieser Insel ist und durch die sehr bildhaften und eindrücklichen Beschreibungen würde man sich am liebsten direkt auf diese Insel zurückziehen (oder die Version der Insel, die hier beschrieben ist). Es schwingt die ganze Zeit eine Art Melancholie mit, die gut zu der Aufteilung auf zwei Zeitebenen passt.
So viel Wert auf den Aufbau der Beschreibung der Umgebung gelegt wurde, so schwach ist der Aufbau der Geschichte: erstens ist nach dem ersten Kapitel klar, wie alles ausgehen wird, zweitens kommt es zu so vielen Zufällen, dass es selbst bei einer wohlwollenden Betrachtung unglaubwürdig wird und drittens ist der Mittelteil so langatmig, dass man das Ganze um gefühlt die Hälfte hätte kürzen können. Erst zum Ende zu wird es dann wieder ein bisschen interessant, was aber dann erst in Band 2 zum tragen kommen wird. Hätte man die langgezogenen Teile gekürzt und aus der ganzen Geschichte ein Buch gemacht, hätte es durchaus Potential gehabt, gerade weil der Schreibstil der Autorin wunderschön beschreibend ist.

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Veröffentlicht am 03.02.2025

Nett für zwischendurch - konnte mich aber nicht komplett packen

Die Brandung – Leichenfischer
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Fria Svensson ist die Leiterin des archäologischen Museums in Orerup. Als sie aus Personalmangel an einer Ausgrabung teilnimmt, stolpert sie direkt über eine Leiche. Die Art, in der diese Frau ...

Fria Svensson ist die Leiterin des archäologischen Museums in Orerup. Als sie aus Personalmangel an einer Ausgrabung teilnimmt, stolpert sie direkt über eine Leiche. Die Art, in der diese Frau begraben ist, kommt ihr bekannt vor und fällt auch noch in ihr Fachgebiet.
So weit, soviel Zufall. Ich könnte da noch darüber hinwegsehen, wenn der Geschichtenaufbau nicht so weitergehen würde: Zufällig trifft sie den Ermittler der deutschen Polizei, erzählt ihm von "ihrem" Fall und der erinnert sich zufällig daran, dass er auch von so einer Toten mit dieser Art Begräbnis weiß.
Zufällig arbeitet der Ex-freund von Fria an dem Fall und übergibt ihr Beweise, die nicht wirklich für sie bestimmt sind. Weil aber ihre Brüder auch alle bei der Polizei sind, ist das soweit kein Problem...
Dem Aufbau der Geschichte und des Settings fehlt es daher meiner Meinung nach ein bisschen an Raffinesse. Solange man während des Lesens nicht weiter darüber nachdenkt und nicht ganz so viel Wert auf Logik/Nachvollziehbarkeit legt, ist es dennoch ein solider Krimi.
Das Buch beginnt direkt mit dem Leichenfund, sorgt aber durch schnelle Perpektivenwechsel dafür, dass man zunächst damit beschäftigt ist, die verschiedensten Charaktere kennenzulernen. Da es für mich das erste Buch der Autorin war und es das zweite einer Reihe ist, hab ich mich mit den privaten Verwicklungen zu Beginn etwas schwer getan.
Durch die verschiedenen Perspektiven, von denen einige eher wie Charakterstudien angelegt waren, kommt es manchmal zu Längen, die die Lösung des Falles nicht weiter bringen. Da es aber einige unerwartete Entwicklungen während der Ermittlung gibt, bleibt trotzdem so etwas wie Spannung aufrecht erhalten.
Alles in allem ein netter Krimi zwischendurch, der mich vorallem durch die Beschreibung der Landschaft unterhalten hat, dessen Handlungsstränge mir aber wahrscheinlich nicht im Kopf bleiben werden.

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Veröffentlicht am 02.06.2023

Ruhiger Krimi, bei dem sich nach und nach Risse in der Fasade aller handelnden Personen zeigen

Die Wahrheit
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Gleich zu Beginn wird der Leser mit dem Ausgang des Ganzen konfrontiert: Es werden zwei Leichen gefunden, die beide offensichtlich ermordet wurden. Von da aus springt man dann in der Zeit zurück und bekommt ...

Gleich zu Beginn wird der Leser mit dem Ausgang des Ganzen konfrontiert: Es werden zwei Leichen gefunden, die beide offensichtlich ermordet wurden. Von da aus springt man dann in der Zeit zurück und bekommt einen ersten Einblick in das Leben unterschiedlichster Personen, bei denen am Anfang noch nicht mal klar wird, wie sie mit den Leichen zusammenhängen könnten. Der interessanteste Aspekt diese Buches ist die Erzählperspektive: Ermittler treten gar nicht auf, die einzigen Einblicke in die Ermittlungen bekommt der Leser durch kurze Verhörprotokolle, die schon sehr früh zeigen, dass keiner der Personen das ist, was er/sie vorgibt zu sein.

Spannung kommt irgendwie nicht so richtig aus, die Plottwists werden auch nicht durch Handlungen oder Vorkommnisse erzeugt sondern durch ein sich ständig änderndes Bild der Protagonisten: Am Ende wusste ich nicht mehr, wen ich sympathisch finden sollte und wen nicht.

Eindeutiges Highlight war für mich der Schreibstil des Autors, dem es gelungen ist, mir die verschiedensten Personen vor Augen zu führen und die Entscheidungen, die zu diesem Ende geführt haben anschaulich beschrieben hat.

Schwachpunkt war für mich die etwas konstruierten Verknüpfungen der Personen untereinander und ein paar ungeklärte Fragen am Schluss. Zusammen mit der Tatsache, dass ich mir einen Krimi erwartet habe und "nur" eine Charakterstudie bekommen habe macht das für mich 3/5 Sternen

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