Es geht dem ENDE entgegen, ich will nicht!
FederLeicht 6. Wie der Kuss einer FeeEs fühlt sich langsam wirklich an, als würde ein Abschied bevorstehen. Band 6 bringt das erste Mal so deutlich das Gefühl mit, dass das Ende näher kommt. Und obwohl ich mir noch nicht ganz sicher bin, ...
Es fühlt sich langsam wirklich an, als würde ein Abschied bevorstehen. Band 6 bringt das erste Mal so deutlich das Gefühl mit, dass das Ende näher kommt. Und obwohl ich mir noch nicht ganz sicher bin, ob ich dafür bereit bin, hat Wie der Kuss einer Fee mich tief berührt, auf eine andere, ruhigere, aber nicht weniger intensive Weise.
Nach dem dramatischen fünften Band beginnt die Geschichte diesmal in einem ganz anderen Ton. Eliza, Cassian und ihre Freunde sind aus der magischen Welt verbannt und finden sich wieder in Stirling, wo alles gleichzeitig fremd und vertraut wirkt. Die Bedrohung durch Damian de Winter ist nach wie vor greifbar, aber die eigentliche Last liegt jetzt vor allem auf Elizas Schultern. Und genau das macht dieses Buch so besonders: Es geht weniger um große Schlachten, sondern um innere Kämpfe.
Ich mochte sehr, wie sich die Dynamik zwischen Eliza und Cassian verändert hat. Ja, endlich sind sie ein Paar, irgendwie. Aber wer denkt, jetzt wird’s romantisch und unkompliziert, liegt komplett daneben. Gerade weil sie sich endlich füreinander entschieden haben, kommt alles auf den Tisch: die unausgesprochenen Ängste, die Schuldgefühle, das Misstrauen. Es ist ehrlich, manchmal schmerzhaft, aber eben auch realistisch. Eliza ist nicht mehr bereit, sich kleinzumachen. Und Cassian? Naja, er bleibt Dickkopf in Reinform. Aber ich konnte es ihm diesmal nicht mal richtig übel nehmen. Er steht zwischen zwei Welten, ohne irgendwo richtig dazu zu gehören. Wer wäre da nicht überfordert?
Die Handlung entwickelt sich diesmal etwas langsamer, aber das hat mich nicht gestört. Vielmehr hatte ich das Gefühl, dass sich vieles endlich setzen darf. Nach all dem Chaos der vorherigen Bände war es fast heilsam, Eliza beim Denken zuzusehen, beim Zweifeln, beim Entscheiden, beim Trauern. Die Gespräche mit Moira waren für mich kleine Highlights, genau wie die Szenen mit Grace, die, obwohl ihre Rückkehr irgendwie seltsam wirkt, mich auf einer emotionalen Ebene total erwischt hat.
Was ich besonders gut fand: Dieses Buch zeigt, wie komplex Beziehungen sein können, nicht nur romantische, sondern auch Freundschaften, Geschwisterbindungen, Loyalitäten. Sky, Frazer, Fynn, alle tragen ihren Schmerz, alle versuchen irgendwie weiterzumachen. Man merkt, dass sie durch das Erlebte verändert wurden. Und es tut weh, das zu sehen.
Marah Woolfs Stil ist gewohnt angenehm, leicht lesbar, emotional nah, nie überladen. Ich mag, wie sie große Themen in ganz kleinen Momenten verpackt. Es geht um Verantwortung, um Verlust, um Vertrauen. Und ja, auch um Liebe. Aber eben nicht im rosaroten Sinne, sondern in all ihren schmerzhaften, widersprüchlichen Facetten.