„Where I Left My Heart“ entfaltet eine zarte und gefühlvolle Romanze zweier Seelen, die sich näher sind, als sie es sich erlauben wollen. Das Buch thematisiert die Angst, eine bedeutende Bindung aufs Spiel zu setzen.
Im Zentrum steht Juna, die tiefe Zuneigung zu ihrem besten Freund Link empfindet. Die Schwierigkeit: Link ist auch der engste Freund ihres Bruders, was ihre Nähe plötzlich zu einem Tabu macht. Die Autorin Julia Niederstraßer schildert diese emotionale Zwickmühle äußerst behutsam, den Wunsch, am Vertrauten festzuhalten, obwohl sich längst alles wandelt. Der Kummer, die Ungewissheit und die unausgesprochene Sehnsucht werden dabei überzeugend vermittelt.
Besonders beeindruckend ist der Schreibstil. Julia Niederstraßer vermag es meisterhaft, Orte lebendig werden zu lassen. Ob das raue Wetter einer norddeutschen Stadt, die salzige Meeresbrise oder das Gefühl, auf einem Boot zu stehen – man fühlt sich unmittelbar ins Geschehen hineinversetzt. Erfreulich ist auch, dass die Handlung bewusst in Deutschland angesiedelt ist und nicht, wie so oft, in die USA verlegt wurde.
Allerdings verliert die Erzählung nach der ersten Hälfte etwas an Dynamik. Die Konflikte sind rasch ersichtlich, danach schreitet die Geschichte eher gemächlich voran – fast wie ein realistischer Alltag, in dem jedoch wenig Bemerkenswertes geschieht. Dies mag manchen Lesern zusagen, für mich war es auf Dauer etwas zu langatmig.
Zudem hätte ich mir tiefere Einblicke in die Hintergründe der Charaktere gewünscht. Junas Skoliose wird zwar erwähnt, bleibt aber eher angedeutet als wirklich greifbar, sodass unklar bleibt, wie sehr sie darunter leidet und welche Auswirkungen dies auf ihr Selbstbild hat. Ähnlich verhält es sich mit Links Gefühlen und seinem Innenleben, die etwas blass bleiben. Hier wäre mehr psychologische Tiefe wünschenswert gewesen.
Die Idee des „Museum of Broken Hearts“, das die Kapitel umrahmt, fand ich charmant, auch wenn der Bezug zur Hauptgeschichte manchmal nicht ganz ersichtlich war. Dennoch zeigen die darin enthaltenen Kurzgeschichten die vielfältigen Formen von Herzschmerz, was gut zum Thema des Buches passt.
Insgesamt ist „Where I Left My Heart“ ein atmosphärisches, leises Buch mit viel Gefühl, einem ansprechenden Setting und einer schönen Grundidee. Wer jedoch auf große Wendungen oder tiefenpsychologische Analysen hofft, wird diese hier eher nicht finden. Doch für Liebhaber atmosphärischer und sanfter Liebesgeschichten könnte dieses Buch genau das Richtige sein.