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Veröffentlicht am 08.08.2025

Farbenfroh, gereimt und voller Gefühl – Giraffenhund & Kratzbürste erobern Paris

Giraffenhund und Kratzbürste
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Dieses Buch war für mich eine zufällige Entdeckung, aber ich bin sehr froh, dass ich es gefunden habe. Denn sowohl die Illustrationen als auch die Charaktere und die Geschichte selbst haben uns begeistern ...

Dieses Buch war für mich eine zufällige Entdeckung, aber ich bin sehr froh, dass ich es gefunden habe. Denn sowohl die Illustrationen als auch die Charaktere und die Geschichte selbst haben uns begeistern können.
Die beiden Hauptdarsteller des Buches Giraffenhund und Kratzbürste könnten von ihrem Aussehen, Wesen und Charakter nicht unterschiedlicher sein. Trotzdem verbindet sie eine tiefe Freundschaft und Liebe. Dies ist sowohl durch die Worte als auch die Bilder sehr gut spürbar. Sowohl für die Erwachsenen als auch für den jungen Leser.
Die Illustrationen von Kathleen Hoffmann sind lustig, farbenfroh und detailreich. So verspüren einen unglaublichen Charme und haben uns zum Lachen gebracht. Die Essenz der Geschichte wird durch die Bilder noch einmal verdeutlicht und die Einblicke, die man von Paris bekommt, sind wirklich realistisch. Der Zeichenstil ist sehr modern und gefällt mir sehr gut.
Die Autorin Isabell Schelling hat sich die harte Arbeit angetan und den kompletten Text in Reimform verfasst. Ich bin ein großer Fan von gereimtem Text in Kinderbüchern, sofern dieser gut gereimt ist, da diese Art der Erzählweise vor allem bei kleinen Kindern die Sprachentwicklung fördert. Leider probieren sich sehr viele daran und scheitern kläglich. Auch in diesem Buch ist der eine oder andere unsaubere oder holprige Reim zu finden. Dennoch muss ich sagen, dass ich wirklich sehr zufrieden bin und das Vorlesen der Geschichte mir sehr viel Spaß gemacht hat.
Bevor ich das Buch gelesen habe, habe ich vermutet, dass es sich hierbei in gewisser Weise um einen Reiseführer für Kinder handelt. Daher war ich im ersten Augenblick ein wenig enttäuscht, wie wenig Informationen über Paris in diesem Buch enthalten sind. Der kleine Leser hat dann aber meine Perspektive wieder ein wenig geradegerückt. An keiner Stelle wird erwähnt, dass es sich hierbei um einen Reiseführer handelt und meine Erwartungen waren einfach völlig utopisch. Trotzdem bietet das Bild einen sehr schönen Einblick in die Sehenswürdigkeiten von Paris und kann hervorragend als Einstimmungsbuch für eine Reise dorthin genutzt werden.
Dem kleinen Leser hat die Geschichte sehr gut gefallen, er mag die beiden Charaktere Giraffenhund und Kratzbürste sehr gerne und freut sich schon auf weitere Abenteuer. Bei Kinderbüchern finde ich immer wichtig, dass sie nicht nur gut unterhalten, sondern entweder auch noch Wissen vermitteln oder eine wichtige Botschaft haben. Dieses Buch schafft alles zusammen. Wir haben uns gut unterhalten gefühlt, der kleine Leser hat einiges über Paris gelernt und außerdem zeigt das Buch eine eher ungewöhnliche Freundschaft. Botschaften vermittelt das Buch so einige und alle davon finde ich wichtig: Es ist okay, wenn man Angst vor dem Unbekannten hat, man muss nicht gleich sein, um sich gern zu haben, es passieren manchmal großartige Sache, wenn man über seinen Schatten springt, zusammen macht alles mehr Spaß und noch viele mehr.
Kratzbürste und Giraffenhund haben sich auf jeden Fall zu Recht einen Platz in unserm Herzen und unserem Bücherregal erobert. In beidem haben wir auch gleich noch Platz gelassen, denn der Abschluss des Buches lässt vermuten, dass die beiden noch weitere Reisen und weitere Abenteuer erleben werden. Und für uns ist eines klar, da werden wir definitiv dabei sein!

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Veröffentlicht am 03.08.2025

Bittere Süße: Ein magisches Leseerlebnis

Kleine Wunder in der Mitternachtskonditorei
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Auf die Optik und Haptik der Bücher gehe ich normalerweise in meinen Rezensionen nicht wirklich ein. Dies liegt aber nicht daran, dass beides für mich nicht wirklich relevant ist, ganz im Gegenteil, es ...

Auf die Optik und Haptik der Bücher gehe ich normalerweise in meinen Rezensionen nicht wirklich ein. Dies liegt aber nicht daran, dass beides für mich nicht wirklich relevant ist, ganz im Gegenteil, es hat eher den Hintergrund, dass ich vornehmlich E-Books lese und Hörbücher höre, somit die Haptik schon einmal wegfällt. Die Optik ist in dem Zusammenhang dann meistens auch eher nebensächlich, vor allem weil doch die inneren Werte zählen.
Bei diesem Buch möchte ich trotzdem eine Ausnahme machen, da mir das Cover unglaublich gut gefällt. Die Zeichnung erinnert mich sehr stark an die Filme aus dem Hause Ghibli. Ich könnte mir das Cover auch sehr gut als Poster vorstellen und würde es mir sofort in die Wohnung hängen.
Nun aber zu dem wirklich interessanten Punkt, der Inhalt des Buches. Meine Erwartungen waren hoch, immerhin wird das Buch unter anderem mit folgendem Satz beworben: “ Dieses Buch fühlt sich an wie eine Umarmung an einem kalten Tag“. Und um es kurz zu machen, hier hat der Verlag wirklich nicht zu viel versprochen.
Die Geschichte rund um Yeonhwa ist einfach berührend, herzerwärmend und unglaublich fesselnd. Von Anfang an hat mich die Autorin Lee Onhwa mit ihren Worten in einen Bann gezogen, so dass ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen wollte. Wie ich es bereits oft bei japanischer oder koreanischer Literatur hatte, ist die Sprache sowohl poetisch, blumig und verschnörkelt und trotzdem geradlinig und klar. Mir ist bewusst, wie seltsam das klingen mag, aber genauso empfinde ich auch dieses Werk.
Die Autorin schafft es auf wunderbare Art und Weise die Atmosphäre einzufangen und Bilder vor dem inneren Auge entstehen zu lassen. Die Mischung aus magischen Komponenten, immerhin sind die Kunden des Hwawoldang Verstorbene und den alltäglichen Sorgen von Yeonhwa, wie sie den Kredit ihrer Großmutter zurückzahlen soll, ist perfekt abgestimmt und ergeben ein absolut stimmiges Ganzes. In jedem der Kapitel lernt man einen Kunden oder eine Kundin von Yeonhwa besser kennen und erfährt auch mehr darüber wie er oder sie aus dem Leben scheiden mussten. Auch wenn dies jetzt vielleicht sehr deprimierend und wenig lebensbejahend klingt, muss ich sagen, dass dies nicht der Fall war. Natürlich sind die Geschichten ergreifend und an manchen Stellen auch traurig. Dennoch schafft die Autorin es die positiven Dinge ins Rampenlicht zu stellen. Dies in Kombination mir ihren appetitanregenden Beschreibungen der Süßspeisen die Yeonhwa auf Wunsch ihrer Kunden herstellt, hat ein wunderbar warmes Gefühl in meinem Inneren entstehen lassen. Ein Hauch Melancholie mit einer großen Portion Herzenswärme.
Ich hatte das Glück in diesem Jahr bereits einige hervorragende Neuerscheinungen aus Japan und Korea lesen zu dürfen. Bei den meisten dachte ich, dass ich mein Lesehighlight für dieses Jahr bereits gefunden habe. Doch dann kam das nächste Highlight daher und so weiter. Lee Onhwas Roman lässt die gleichen Gedanken in meinem Kopf entstehen. Hier passt für mich einfach alles zusammen und ich wüsste nicht, was man besser hätte machen können. Außer vielleicht, wenn es zum Buch auch noch eine Box Süßigkeiten dazu geben würde. Dann könnte man die kleinen Köstlichkeiten, die so wunderbar eindrucksvoll beschrieben werden, nämlich gleich neben dem Lesen verkosten.
Ich kann dieses Buch nur von Herzen weiterempfehlen und hoffe sehr auf weitere Romane der Autorin.

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Veröffentlicht am 22.07.2025

Wutbewältigung leicht gemacht

Wilma und der Wutknödel
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Ein gutes Kinderbuch zu schreiben ist keine leichte Aufgabe. Ein gutes Kinderbuch muss sowohl Kinder als auch Erwachsene begeistern können. Denn bis zu einer gewissen Altersgrenze sind es die Erwachsenen, ...

Ein gutes Kinderbuch zu schreiben ist keine leichte Aufgabe. Ein gutes Kinderbuch muss sowohl Kinder als auch Erwachsene begeistern können. Denn bis zu einer gewissen Altersgrenze sind es die Erwachsenen, die das Buch aussuchen und auch vorlesen. Fühlen diese sich nicht angesprochen, verringert das die Chancen, dass das Buch im Kinderzimmer einziehen darf, erheblich. Die Ansprüche der Kinder sind aber genauso wichtig. Diese müssen mit dem Thema und den Charakteren etwas anfangen können und die Bilder müssen ansprechend sein.
Autorin Inka Vigh hat diesen doch recht anspruchsvollen Spagat mit Bravour erledigt und ein unglaublich warmherziges Kinderbuch erschaffen. Die Illustrationen, die ebenfalls aus ihrer Hand stammen, sind ansprechend und detailreich. Sowohl der kleine Leser als auch ich schauen uns die Bilder einfach gerne an und freuen uns über die vielen kleinen Details, die das Buch zu etwas ganz Besonderem machen.
Die beschriebenen Alltagssituationen sind für Kinder gut verständlich und nachvollziehbar. Das meiste haben die Kinder so oder so ähnlich sicher selbst schon einmal erlebt. Wilma ist ein entzückendes kleines Mädchen, wenn sie auch an manchen Stellen ein bisschen zu altklug wirkt.
Das Hauptthema des Buches ist, wie der Name bereits verrät, Wut bzw. wie wir mit diesem Gefühl umgehen sollten. Die Vorstellung das in unserem Inneren ein Wutknödel entsteht, der immer größer und größer wird, hat mir sehr gut gefallen und ich habe auch feststellen können, dass dies für den 2-jährigen kleinen Leser ein nachvollziehbarer Gedanke ist. Natürlich ist dieses Buch kein Wundermittel und weder verpufft die Wut beim Lesen noch treten Wutanfälle seltener auf.
Dennoch hat dieses Buch uns sehr geholfen. Der kleine Leser hat dadurch gelernt, dass es ganz normal ist, dass man wütend wird. Das dies nichts Schlimmes ist, dass aber darauf ankommt, wie man mit diesem unangenehmen Gefühl umgeht. Wilma und den Wutknödel dabei zu beobachten, wie sie Dinge ausprobieren ist unglaublich lustig.
Die Altersempfehlung des Verlages für dieses Buch liegt bei 3 Jahren und diese ist meines Empfindens auch passend gewählt. Wie bereits weiter oben erwähnt wurde das Buch hier mit einem gut 2 Jahre altem Kind gelesen und der kleine Leser hatte keinerlei Schwierigkeiten mit der Länge des Textes oder verwendeten Wörter oder Ausdrücke. Das Buch eignet sich meiner Meinung nach aber auch noch für ältere Kinder. Mit denen kann man dann auch noch nach weiteren Methoden suchen, um den Wutknödel wieder nach Hause zu schicken.
Ich kann es einfach nicht oft genug sagen, daher abschließend noch einmal: Dieses Buch hat uns wirklich begeistert und wird vom kleinen Leser auch immer wieder aus dem Bücherregal herausgesucht. Und allein dies zeigt meiner Meinung nach, dass es sich um das perfekte Kinderbuch handelt.

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Veröffentlicht am 22.07.2025

Ein düsteres Abenteuer für Jung und Alt

Mika Mysteries 1: Der Ruf des Nachtraben
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Auf dieses Buch bin ich durch die Verlagsvorschau aufmerksam geworden und habe das Erscheinungsdatum bereits herbeigesehnt. Das Cover hat mich sofort angesprochen da es eine wunderbare mystische Stimmung ...

Auf dieses Buch bin ich durch die Verlagsvorschau aufmerksam geworden und habe das Erscheinungsdatum bereits herbeigesehnt. Das Cover hat mich sofort angesprochen da es eine wunderbare mystische Stimmung ausstrahlt. Das es sich dabei um ein Kinderbuch handelt war mir deutlich bewusst, aber der Klappentext klang so spannend und interessant, dass ich sofort das Gefühl hatte, dass dies auch ein Buch für Erwachsene sein könnte.
Das empfohlene Lesealter des Buches ist vom Verlag mit 10 Jahren angegeben. Diese Angabe finde ich auch durchaus angebracht. Da das Buch aber eine recht düstere Stimmung verbreitet, nicht unbedingt gruselig, aber doch ein wenig bedrückend, würde ich Eltern aber empfehlen genau zu überlegen, ob das jeweilige Kind bereits so weit ist, um dieses Buch zu lesen. Vor allem bei zartbesaiteten Kindern denke ich, dass es nicht unbedingt die beste Lektüre vor dem Schlafen gehen sein könnte. Meine persönliche Empfehlung wäre aber, dass Buch zusammen mit dem Kind zu lesen oder wie in meinem Fall, zu hören, da es sowohl für Heranwachsende als auch Erwachsene interessant ist.
Die Hauptperson und Namensgeberin des Buches ist die 12-jährige Waise Mika. Aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters, weiß sie, dass ihre Chancen adoptiert zu werden gering sind. Daher wohnt sie nicht nur im Waisenhaus, sondern muss dort auch tatkräftig mitarbeitet. Zusätzlich hat sie noch einen anderen Job in einem Lokal. Klingt im ersten Augenblick alles ein wenig falsch und weit hergeholt. Doch da das Buch im Jahr 1880 spielt, ist dies leider alles traurige Wahrheit. Autor Johan Rundberg hat die Stimmung der Zeit und des furchtbaren Winters, der gerade herrscht, wunderbar eingefangen. Wie bereits anfangs empfand ich das Buch teilweise als sehr bedrückend und düster. Dennoch gab es immer wieder Passagen, bei denen ich schmunzeln musste. Schauerlich schrecklich ist auch die Situation im Waisenhaus, diese wird vom Autor auch nicht beschönigt. Das Essen ist knapp und das Feuerholz geht zu Neige. Aber damit nicht genug, es passiert auch noch ein Mord.
An dieser Stelle beginnt die Zusammenarbeit des Kommissars Valdemar Hoff mit Mika. Denn er erkennt auf Anhieb ihre besondere Fähigkeit, nämlich ihre unfassbare Beobachtungs- und Auffassungsgabe. Das Zusammenspiel der doch sehr unterschiedlichen Charaktere hat das Buch dann endgültig abgerundet und ihm den allerletzten Schliff verpasst. Ich war so gefesselt in der Geschichte, dass ich einfach nicht aufhören konnte und das Hörbuch an einem Abend beendet habe.
Gesprochen wird das Hörbuch von Julia Nachtmann. Ihre Stimme hat mich vom ersten Wort an eingewickelt und in die Geschichte hineingezogen. Bei neuen Hörbüchern oder bei Sprecherinnen und Sprechern, die ich bis dato noch nicht kannte, brauche ich oft ein wenig länger, um mit der Stimme vertraut zu werden. Dies war hier aber nicht der Fall, ganz im Gegenteil. Die Sprachmelodie die Julia Nachtmann hat dem Buch eine unglaubliche Tiefe verliehen und die unheimlich-düstere Stimmung einfach perfekt abgerundet.
Mika Mysteries ist ein Buch, dass ich wirklich von ganzem Herzen weiterempfehlen kann. Die Geschichte ist spannend, intelligent konstruiert und sehr eindrucksvoll.
Der einzige Wehrmutstropfen an der Sache ist, dass der zweite Teil der Reihe leider erst im Frühjahr 2026 erscheinen wird.

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Veröffentlicht am 23.06.2025

The goddess of Pop – einfühlsam, kraftvoll und ungeschminkt

CHER. Die Autobiografie, Teil eins
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Cher ist mehr als nur eine Sängerin. Sie ist Sängerin, Schauspielerin, Entertainerin und Stilikone und das seit einigen Jahrzehnten. Sie ist eine schillernde Persönlichkeit und scheint von einem anderen ...

Cher ist mehr als nur eine Sängerin. Sie ist Sängerin, Schauspielerin, Entertainerin und Stilikone und das seit einigen Jahrzehnten. Sie ist eine schillernde Persönlichkeit und scheint von einem anderen Stern zu kommen. Doch sie hatte es in ihrem Leben nicht immer leicht und musste so wie andere Normalsterbliche auch, viele Höhen und Tiefen erleben.
In ihrer Autobiografie plaudert sie nun aus dem Nähkästchen und erzählt offen und ehrlich von ihren Erfolgen und Misserfolgen. Spannenderweise startet sie aber mit der Geschichte ihrer Mutter und ihrer Großmutter. Anfangs hat mich das etwas irritiert, doch man erkennt beim Lesen schnell, dass diese beiden Frauen und was sie erlebt haben, großen Einfluss auf Cher hat.
Auch ihrer eigenen Kindheit gibt sie sehr viel Raum und beschreibt alles bis ins kleinste Detail. Dieser Teil mag für manche zu langatmig und ausschweifend sein. Mich allerdings hat er wirklich begeistert, denn von diesem Teil wusste ich bis dato noch gar nichts. Die wechselnden Partner ihrer Mutter und dadurch hervorgehenden unzähligen Ehen fand ich genauso faszinierend wie die ständigen Umzüge. Auch wenn es teilweise schwer war, da den Überblick zu behalten.
Bereits vor dem Lesen der Autobiografie war ich einigermaßen über die Künstlerin informiert. Natürlich kannte ich ihre Musik und ihre Filme und wusste über ihre gescheiterte Ehe mit Sonny Bono Bescheid. Wobei ich durch das Lesen auch in diesen Bereichen noch einiges dazugelernt habe. So war ich der Meinung, dass Sonny seiner Ehefrau gegenüber handgreiflich wurde. Ich weiß selbst nicht genau, woher dieser Gedanke kam, wahrscheinlich habe ich das irgendwann in irgendeinem Klatschartikel mal gelesen. Cher stellt aber ganz deutlich fest, dass Sonny zwar seine Fehler hatte, dies aber nicht der Fall war.
Einem Romanautor würde ich eventuell anlasten, dass manche Formulierungen immer wieder vorkommen und auch auf gewisse Kleinigkeiten immer wieder herumgeritten wird und dies als mangelhaften Stil bezeichnen. Bei einer Biografie finde ich dies aber weniger schlimm. Auch Cher kommt immer wieder auf einige Dinge zu sprechen. Dadurch merkt man, meiner Meinung nach, was sie wirklich nachhaltig noch beschäftigt und bewegt.
Der Schreibstil an sich ist verhältnismäßig einfach gehalten, besticht aber durch einen besonderen Witz und Charme. Ich vermute zwar, dass Cher, so wie die meisten, einen Ghostwriter hatte, aber ich bilde mir ein, die Person, die ich aus unzähligen Interviews zu kennen glaube, hinter den Wörtern spüren zu können. Als Leser könnte man sich manches Mal aufgrund der Naivität Chers auf den Kopf greifen. Allerdings darf man nicht vergessen, dass sie noch ein Teenager war, als sie Sonny kennengelernt hat. Dies in Kombination mit ihrer eher unsteten Kindheit rückt alle ihre Handlungen in ein anderes Licht. Wobei man dazusagen muss, dass sie kaum etwas beschönigt und wirklich knallhart ehrlich ist. Man bekommt sogar das Gefühl, dass Cher über sich selbst den Kopf schüttelt und sich wundert, wie sie nur so blauäugig und naiv sein konnte.
Das Buch endet im Jahr 1979, also kurz bevor Cher auch als Schauspielerin durchstarten wird. Auf die zweite Hälfte der Autobiografie bin ich besonders gespannt und kann es kaum erwarten weiterzulesen. Leider konnte ich bis dato noch keinen Erscheinungstermin für die deutsche Übersetzung finden, die englische Originalausgabe wird Mitte November 2025 erscheinen.
Für mich ist dieses Buch eine klare Leseempfehlung für alle, nicht nur für wirkliche Fans der Künstlerin.

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