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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.06.2025

Wütend

Bye Bye Lolita
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CN: sexueller Missbrauch, Grooming, Traumata

Der Roman „Bye Bye Lolita“ von Lea Ruckpaul erzählt Vladimir Nabokovs Roman „Lolita“ aus weiblicher Perspektive - nämlich aus der von „Lolita“ selbst. Dabei ...

CN: sexueller Missbrauch, Grooming, Traumata

Der Roman „Bye Bye Lolita“ von Lea Ruckpaul erzählt Vladimir Nabokovs Roman „Lolita“ aus weiblicher Perspektive - nämlich aus der von „Lolita“ selbst. Dabei gibt es Lolita so gar nicht: Eigentlich heißt sie Dolores Haze.

Sie ist nun 40 und denkt an ihr bisheriges Leben zurück. Und: Sie rechnet ab. Dolores erzählt, wie sie als junges Mädchen durch den Missbrauch von Humbert zum Opfer gemacht wurde - ein Opfer, dass sie selbst nicht sein will. Ihre eigene Mutter ist froh verstorben, sie ist mit ihrem 37-jährigen Stiefvater zurückgeblieben. Sie ist 12 Jahre alt und wird missbraucht.

„Es gibt eine Sache, die ich nicht sein will: das Opfer eines hässlichen alten Mannes in einem Pyjama.“ (S.102)

Im Original wird der Missbrauch so beschrieben, als hätte Dolores Humbert verführt - er hat die Schuld abgewiesen. Doch nun gibt es einen Turn: Humbert wird als Täter benannt und bekommt die Verantwortung für SEIN Handeln. Dolores ist wütend und geprägt von all der Gewalt, die sie erfahren musste.

Das Buch ist schmerzhaft und ehrlich. Es gab einige Stellen, die mich sehr mitgenommen haben. Ich bin froh, dass das Original (endlich!) so kritisch betrachtet wird - auch wenn ich es selbst nicht gelesen habe. Teilweise erinnere ich mich noch an den Film, „Bye Bye Lolita“ kann aber auch ohne Vorahnung gut gelesen werden. Manchmal war mir trotzdem der Ablauf etwas wirr, vielleicht hätte mir ein grobes Einlesen in den Inhalt des Originals geholfen.

Lea Ruckpaul hat mit ihrem Buch gezeigt, dass der Scham die Seite wechseln muss. Danke!

Insgesamt: 4 von 5 ⭐️


Veröffentlicht am 11.06.2025

Bewegend!

Ein Lied über der Stadt
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Auch wenn „Ein Lied über der Stadt“ erst mein zweites Buch von Ewald Arenz ist, kann ich jetzt schon sagen, dass ich so fasziniert bin, wie er trotz einer teils sehr ernsten Geschichte so eine wunderschöne, ...

Auch wenn „Ein Lied über der Stadt“ erst mein zweites Buch von Ewald Arenz ist, kann ich jetzt schon sagen, dass ich so fasziniert bin, wie er trotz einer teils sehr ernsten Geschichte so eine wunderschöne, leichte und warme Szenerie schaffen kann.

Der Roman handelt von Luise, Tochter eines Pfarrers, welche schon seit sie klein ist davon träumt, Pilotin zu werden. Trotz aller Bedenken ihrer Familie und anderen Begrenzungen, schafft sie es, ihrem Wunsch nachzugehen und lernt das Fliegen. Zunächst baut sie „nur“ mit Georg an einem Flugzeug, nimmt dann später bei einem SA-Pilot namens Greber Flugstunden. Gemeinsam mit ihm geht sie nach München.

Doch die Zeiten ändern sich. Nach sechs Jahren kehrt sie in ihren Heimatort zurück. Es ist das Jahr 1935 - Frauen, auch Luise, ist es kaum noch gestattet, ihren Berufen nachzugehen. Der Traum vom Fliegen platzt. Doch auch die häusliche Lage spitzt sich zu. Luises Vater gerät immer stärker in den Blick der Gestapo, Georg ist im Widerstand tätig. Geraten sie alle dadurch in Gefahr?

In meinen Augen ist das Buch wunderschön geschrieben, doch lässt trotzdem Platz für die Ernsthaftigkeit der Thematik zu. Durch die sehr bildhafte und metaphorische Schreibweise liest sich das Buch wirklich angenehm und schön. Für mich hätte der erste Teil sogar kürzer und der zweite Teil länger sein können! Auch das Ende hat mich leider sehr plötzlich erwischt. Trotzdem eine große Empfehlung! 🩵☁️

Insgesamt: 4 von 5⭐️