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Veröffentlicht am 04.09.2025

Fast abgebrochen und dann wurde es gut!

Der dunkle Sommer
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Fast wäre dies eine Abbruchrezi geworden. Ich hatte begeisterte Rezensionen zu „Der dunkle Sommer“ gelesen und mir das Buch daher selbst gekauft, als (haha) Sommerlektüre. Ich begann zu lesen, doch das ...

Fast wäre dies eine Abbruchrezi geworden. Ich hatte begeisterte Rezensionen zu „Der dunkle Sommer“ gelesen und mir das Buch daher selbst gekauft, als (haha) Sommerlektüre. Ich begann zu lesen, doch das Buch fesselte mich nicht. Ich konnte keinerlei Verbindung zu den Protagonisten oder der Geschichte dahinter aufbauen, die zahlreichen Andeutungen nervten mich zunehmend. Gleichzeitig verspürte ich überhaupt keine Neugier auf die Auflösung dieser. Ich nahm das Buch nur noch in die Hand, wenn ich kurze Wartezeiten überbrücken musste und es gerade keine Alternative gab. Die Entscheidung, eine Abbruchrezension zu verfassen, war eigentlich schon gefallen.

Ich hatte mich bis zur Mitte des Buches gearbeitet und plötzlich und unerwartet packte es mich dann doch noch. In einer Szene, die ich aufgrund des Fortschritts der Geschichte hier nicht Spoilern kann, wurde die Protagonistin Tilda für mich doch noch nahbar und interessant. Ab diesem Moment wollte ich wissen, wie es weitergeht und was die Hintergründe dieser mysteriösen Geschichte sind. So hatte mich das Buch im letzten Moment doch noch gefesselt. Wobei ich betonen möchte, dass vorher nichts schlecht war — objektiv gab es weder an Schreibstil noch Aufbau der Geschichte etwas auszusetzen.

Das Buch spielt auf Sardinien und passt damit perfekt in den Sommer. Dass diese wunderschöne Insel auch dunkle Geheimnisse aus einer Vergangenheit versteckt, die so gar nicht zur Urlaubsidylle passt, lässt mich auch rückblickend noch schaudern.

Die Geschichte wird — neben kurzen, eingeschobenen Rückblicken nicht näher benannter Personen in kursiver Schrift — aus den Perspektiven von drei Personen erzählt, was das Buch abwechslungs- und facettenreich macht: Tilda, eine Architektin aus Deutschland, die vor ihrer Vergangenheit auf die Insel geflohen ist und auf der Suche nach einem Neuanfang in Ruhe ist. Enzo, ein sardischer Journalist, der auf der Suche nach der Wahrheit über eine tragische Nacht ist, die Jahrzehnte zurückliegt und über die niemand spricht. Und Franca, deren Geschichte im Vorfeld jener Nacht spielt und die damals ein junges Mädchen war. Tilda und Enzo begegnen sich im Jetzt und schauen zunächst mit ganz unterschiedlichen Blickwinkeln auf den Ort und seine Historie.

Vera Buck taucht tief ein in die Geschichte Sardiniens. Inseltypisch haben sich dort Gesellschaft und Traditionen anders entwickelt als auf dem Festland. Sie nimmt uns mit in den Sommer, in dem Italien Weltmeister wurde und auch die Sarden mitfeierten — in eine Nacht, in der sich für Franca und das Dorf Botigalli, in dem sie lebt, eine Tragödie anbahnt. In diesem Dorf, das nach jener verhängnisvollen Nacht zu einem Geisterdorf wird, erwirbt Tilda Jahrzehnte später ein Haus für nur einen Euro, den Tipp dazu bekam sie aus dem Nachlass ihres kurz zuvor verstorbenen Vaters.

Es bleibt lange unklar, in welcher Beziehung die drei genannten Protagonistinnen (Enzo ist mit gemeint) und die Menschen in ihrem Umfeld zueinander stehen. Vielleicht war das ein Grund, weshalb mich die Geschichte erst spät gepackt hat. Ein Thriller, wie das Buch klassifiziert ist, wird es auch eher später. Am Anfang wirkte es auf mich eher wie ein Roman, eine ruhige Erzählung.

Das Buch gewinnt zunehmend an Fahrt und wird noch sehr, sehr spannend, mit durchaus unerwarteten Wendungen („Meisterin des Plot-Twists“, wie auf der Rückseite zu lesen ist, wirkt auf mich allerdings etwas hoch ins Regal gegriffen). Allerdings sah ich die Auflösung irgendwann kommen, das Verhältnis der Personen wurde mir klar.

Was mir wirklich gut gefallen ist, ist der handwerkliche Aufbau des Buches insgesamt. Vera Buck erläutert auch im Nachwort ihre Intention, welche Aspekte und Themen sie hier zu einem Thriller zusammenführen wollte. Sie greift dabei die Geschichte Sardiniens und Elemente des italienischen Rechts auf, die mir unbekannt waren und mich sehr überrascht und fassungslos gemacht haben. In dieser Hinsicht wirkt das Buch auch noch nach.

Insgesamt kann ich das Buch empfehlen, freue mich, dass ich es nicht abgebrochen habe und vergebe insgesamt 4/5 Sternen.

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Veröffentlicht am 19.07.2025

Wohlfühlgeschichte mit übernatürlichem Touch

Love On Repeat
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Love on Repeat beginnt als klassische RomCom, entpuppt sich aber schnell als feinfühlige, kluge Geschichte mit übernatürlichem Touch.

Lara, Anfang 30, hat sich so sehr auf ihr Sabbatical nach dem Studium ...

Love on Repeat beginnt als klassische RomCom, entpuppt sich aber schnell als feinfühlige, kluge Geschichte mit übernatürlichem Touch.

Lara, Anfang 30, hat sich so sehr auf ihr Sabbatical nach dem Studium gefreut. Ein Jahr lang will sie endlich ihren Thriller schreiben. Die Tage sind durchgetaktet und alles ist genau geplant. Dann passiert das Unfassbare: Am Montag beginnt die vergangene Woche wieder von vorn. Und wieder. Und wieder. Lara steckt in einer Zeitschleife fest und begegnet immer wieder dem gutaussehenden Fremden namens Leo.

Angela Kirchner spielt das Zeitschleifen-Motiv charmant und clever, denn keine Wiederholung ist wie die andere und es kommt keine Langeweile auf. Dazu kommt, dass der Schreibstil angenehm leicht und erfrischend ist.

Es war spannend zu beobachten, wie Lara mit jeder neuen Schleife sich selbst besser kennenlernt und wie sich zwischen ihr und Leo langsam eine Liebesgeschichte anbahnt.

Leo ist nicht nur der Love Interest, sondern bringt auch seine eigene Geschichte mit.

Auch die Nebencharaktere sind Figuren mit Ecken und Kanten. Gerade Kurts Geschichte hat mich sehr bewegt und ich kann nur raten, Taschentücher bereit zu legen.

Ich bin nur so durch die Seiten geflogen. Die Balance aus Leichtigkeit und Ernsthaftigkeit ist Kirchner richtig gut gelungen.

Fazit: Love on Repeat ist mehr als eine Liebesgeschichte. Es ist ein kluges, mitreißendes Buch, eine echte Wohlfühlgeschichte mit Tiefe. Ich hoffe, wir dürfen noch mehr von Angela Kirchner lesen. 4/5 Sternen

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Veröffentlicht am 18.07.2025

Gegensätze ziehen sich an

Pinguine fliegen nur im Wasser
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Durch das Cover bin ich auf „Pinguine fliegen nur im Wasser“ von Henriette Krohn aufmerksam geworden. Tatsächlich hätte ich hinter den Buchdeckeln eine andere Geschichte erwartet, aber ich wurde positiv ...

Durch das Cover bin ich auf „Pinguine fliegen nur im Wasser“ von Henriette Krohn aufmerksam geworden. Tatsächlich hätte ich hinter den Buchdeckeln eine andere Geschichte erwartet, aber ich wurde positiv überrascht!

Vincent führt ein strukturiertes Leben als Unternehmensberater, das alle Klischees erfüllt. Doch wie schnell dieses scheinbar perfekte Leben kippen kann, erfährt er ziemlich abrupt, denn er verliert seinen Job und seine Wohnung.

Durch Zufall trifft er auf die herzlich-chaotische Greta, die laut und bunt ist und als Lebenskünstlerin das Gegenteil von Vincent verkörpert. Sie macht ihm ein Angebot, das ihm sehr gelegen kommt: Er soll ihr beim Renovieren der alten Villa ihrer Großeltern helfen und darf im Gegenzug dort wohnen.

Die Geschichte wird überwiegend aus Vincents Sicht erzählt. Parallel dazu erfahren wir durch Rückblenden mehr über Gretas Vergangenheit. Das hat mir gut gefallen. Der Schreibstil ist locker, leicht und erfrischend.

Neben Greta und Vincent tummelt sich ein kleines Universum an Nebenfiguren in der Villa und drumherum, das die Geschichte zu etwas ganz Besonderem macht.

Obwohl es ein Wohlfühlbuch ist, wird es mit Themen wie Einsamkeit, Ausgrenzung, Depression oder auch schwerer Kindheit zu einer tiefgründigen Geschichte ohne schwer zu werden.

Das Buch hat bis zum Ende Überraschungen bereitgehalten und ich hatte schöne Lesestunden damit.

Fazit: Wer eine herzerwärmende, humorvolle und unaufgeregt tiefgründige Geschichte sucht, dem lege ich dieses Buch ans Herz. 4/5 Sternen

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Veröffentlicht am 16.07.2025

Die Macht der Sprache

Die Sprache der Drachen
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Ich liebe Bücher mit Drachen und bin so auf das Buch „Die Sprache der Drachen“ aufmerksam geworden.

Die Geschichte spielt in einem London der 1920er Jahre, allerdings in einer Welt, in der Menschen und ...

Ich liebe Bücher mit Drachen und bin so auf das Buch „Die Sprache der Drachen“ aufmerksam geworden.

Die Geschichte spielt in einem London der 1920er Jahre, allerdings in einer Welt, in der Menschen und Drachen unter strengen Regeln koexistieren. Nach dem Krieg leben die Menschen in einem starren Drei-Klassen-System und wer nicht in der dritten Klasse landen möchte, muss Leistung zeigen.

Im Mittelpunkt steht die Jugendliche Vivien, deren Welt auseinanderbricht, als ihre Eltern als Aufständische verhaftet werden. Zurück bleibt sie mit ihrer kleinen Schwester Ursa und ihrem Cousin Marquis. Um ihre Familie zu retten, nimmt Vivien an einem geheimen Regierungsprojekt teil und soll dort die Sprache der Drachen entschlüsseln.

Die Autorin S. F. Williamson hat eine detailreiche Welt erschaffen, die so vielschichtig ist, dass man sie kaum in ein Genre pressen kann. „Fantasy“, „Dystopie“ und „Coming of Age“: alles passt. Sie schreibt schreibt klar, atmosphärisch und poetisch.

Die Sprache der Drachen selbst ist komplex und voller Bedeutung und hat mich absolut beeindruckt. Ich liebe Bücher, die mit Sprache als Werkzeug (oder Waffe) spielen und hier wird das auf so kluge Weise getan, dass ich viel Freude beim Lesen hatte.

Vivien ist eine Figur, die sich in mein Herz geschlichen hat. Sie ist mutig und entschlossen, allerdings verständlicherweise auch etwas überfordert. Sie entwickelt sich auf eine sehr nachvollziehbare, ruhige Weise.

Auch die Nebenfiguren sind sehr interessante Charaktere. Dadurch, dass das Buch nur aus Viviens Perspektive geschrieben wurde, fehlte mir allerdings teilweise die Nähe zu ihnen.

Eine Liebesgeschichte gibt es auch, sie bleibt jedoch eher im Hintergrund. Das hat mir wirklich gut gefallen.

Besonders gelungen fand ich die gesellschaftskritischen Untertöne, die mich nachdenklich gestimmt haben.

Gegen Ende nimmt die Spannung spürbar zu und es wurde sogar richtig traurig.

Mein Fazit: Die Sprache der Drachen ist ein starkes Debüt! Für alle, die es gern atmosphärisch, klug und mit einem Hauch Magie mögen: Lest es. 4/5 Sternen

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Veröffentlicht am 24.06.2025

Originell, schräg und lustig

Morden in der Menopause mit dem richtigen Mindset
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Tine Dreyer legt mit „Morden in der Menopause – Mit dem richtigen Mindset“ den zweiten Band ihrer humorvollen Krimi-Reihe rund um Liv vor, die mit Ende vierzig nicht nur mit den Hormonen, sondern auch ...

Tine Dreyer legt mit „Morden in der Menopause – Mit dem richtigen Mindset“ den zweiten Band ihrer humorvollen Krimi-Reihe rund um Liv vor, die mit Ende vierzig nicht nur mit den Hormonen, sondern auch mit der einen oder anderen Leiche aus dem ersten Teil und ihrer finalen Beseitigung zu kämpfen hat. Auch wenn ich den ersten Teil nicht gelesen hatte, bin ich gut in die Geschichte hineingekommen. Allerdings wurde an der einen oder anderen Stelle deutlich, dass einige Hintergrundinfos sicher hilfreich gewesen wären. Der Lesefreude tat das allerdings keinen Abbruch.
Schnell entwickelt sich die Geschichte zu einer wunderbar schrägen Komödie, bei der man nie so recht weiß, was auf der nächsten Seite passiert. Zu Beginn fand ich den Humor gewöhnungsbedürftig und etwas klamaukig, doch je weiter ich las, desto mehr entfaltete sich der ganz eigene Charme dieses Romans, mit Figuren, die gleichzeitig überzeichnet und herzerwärmend sind.
Liv erlebt zusammen mit ihrer Schwiegermutter Marlies und deren Pflegerin Iza ein mörderisches Abenteuer. Den moralischen Kompass muss man bei dem Lese-„Stoff“ definitiv ausstellen, dann wird man mit einer lustigen Geschichte belohnt.
Wer gerade viele eher ernste oder literarische Werke gelesen hat, wird es vielleicht wie ich genießen, hier einfach mal abzutauchen, zu lachen und mitzufiebern. Ganz nebenbei ist die Geschichte aktueller, als man zunächst meint, denn Wechseljahre sind längst kein Nischenthema mehr und es ist gut, dass wir darüber sprechen.
Neben der Situationskomik blitzen immer wieder ernste Töne über weibliche Unsichtbarkeit, medizinische Schieflagen und die Realität der Wechseljahre auf, davon hätte es gerne noch ein bisschen mehr sein dürfen.

Fazit:
„Morden in der Menopause mit dem richtigen Mindset“ ist ein origineller, lustiger und schräger Roman, der Lust auf mehr macht. Ich freue mich auf Band 3 – ganz ohne hormonelle Ausbrüche, aber mit großer Vorfreude. 4/5 Sternen

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