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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.06.2025

Gelungener Abschluss der Trilogie

Der Weg der Frauen
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In ihrem dritten und finalen Band der Trilogie rund um Pauline Martins Mädchenpensionat in Thionville/Diedenhofen wird es noch einmal richtig spannend und turbulent.

Man schreibt das Jahr 1912 und die ...

In ihrem dritten und finalen Band der Trilogie rund um Pauline Martins Mädchenpensionat in Thionville/Diedenhofen wird es noch einmal richtig spannend und turbulent.

Man schreibt das Jahr 1912 und die Schülerin Sophie wird im nahegelegenen Metz bei einer Aktion für Frauenrechte verhaftet. Obwohl Pauline ihre Schülerinnen dazu anhält Zivilcourage zu zeigen, ist sie doch ein wenig entsetzt, da das Mädchen ihr Vertrauen missbraucht hat und durch diese Aktion das Pensionat in Misskredit bringt. Doch es wäre nicht Pauline, wenn sie dieser Aktion nicht auf den Grund ginge, zumal Sophie völlig verändert an die Schule zurückkehrt.

Daneben taucht unerwartet Roland, ihr Ex-Verlobter in Thionville auf und macht ihr, nunmehr Witwer mit kleinem Sohn recht auffällig den Hof. Das bleibt natürlich Hauptmann „Gnadenlos“, Erich von Pliesnitz, nicht verborgen, der sich, anstatt mit Pauline darüber zu sprechen, diskret zurückzieht. Die Sache mit den Frauen ist ja kompliziert!


Neben den Problemen in der Schule, in der es wegen diffamierender Briefe zu mehreren Abmeldungen kommt, hält dieser letzte Band für Pauline (und uns Leser) einige Überraschungen bereit. Sei es, dass ein neuer Lehrer (ja ein Mann) oder eine neue Schülerin oder eine neue Hausangestellte Unruhe in das Pensionat bringen.

Aber, das müsst ihr schon selbst lesen ...

Meine Meinung:

In diesem dritten Band erleben wir, wie sehr Paulines Bemühungen, ihre Schülerinnen zu mehr Selbstvertrauen zu verhelfen, gefruchtet haben. Dass es manchmal zu unvorhersehbaren Schwierigkeiten kommen kann, zeigt Sophie, die mit ihrer Cousine Emma an einer Demo teilnimmt. Aber auch die anderen Mädchen zeigen Interesse an einer fortschrittlichen Denkweise. So empört sich beispielsweise Ernestine, die eine Karriere als Journalistin anstrebt:

„...“Wieso bitte soll denn eine Frau nicht am Steuer sitzen?“ Beinahe kämpferisch hatte Ernestine sich vor der Klassenkameradin aufgebaut und schaute sie böse an. „Glaubst du etwa, Männer könnten das so viel besser?“...“

Ja, die unkonventionelle Erziehung von Pauline, den Mädchen zu eigenständiger Meinung und selbständigem Denken hinterlassen ihre Spuren. Das muss auch der neue Lehrer erkennen, der zunächst gönnerhaft seine „humanitäre Hilfe für das Entwicklungsgebiet einer Mädchenschule“ anbietet.

Langweilig wird es in Thionville/Diedenhofen nie! Das liegt neben den fein herausgearbeiteten Charakteren und der Zeit, in der die Reihe spielt, auch an Marie Pierres genialen Schreibstil. Flüssig und mit französischen sowie elsässischen Einlässen wirkt dieser historische Roman lebendig und authentisch. Die Haltung der Bevölkerung, die die aktuelle Zugehörigkeit zum Deutschen Kaiserreich nicht besonders schätzt, wird durch Rolands Bemerkung gut in die Handlung eingeflochten, was wiederum Erich desavouiert:

"Diese Stadt hier, mit ihrem Dreck und Ruß, ihren ungewaschenen Arbeitern und dem ganzen deutschen Militär ist nicht der richtige Ort für Pauline."

Geschickt wechseln wir mehrmals die Perspektive, sodass wir auch Einblick in die Gefühlswelt von Erich oder anderen Protagonisten erhalten.

Wie schon in ihren anderen Büchern versorgt uns die Autorin mit zusätzlichen Informationen wie Stadtplan, einem Glossar und einem umfangreichem Nachwort.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem gelungenen Abschluss dieser Trilogie rund um das Mädchenpensionat in Thionville/Diedenhofen, der mich durch seine Turbulenzen und Protagonisten sowie ernsten Themen bestens unterhalten hat, 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 25.06.2025

Dauerstress für Pierre Dupin

Bretonische Versuchungen
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Der 14. Fall führt Commissaire Pierre Dupin in die Welt der Schokolade. Noch nie war er so froh über das Klingeln des Smartphones, das einen neuen Fall ankündigt, denn er absolviert eben ein Training gegen ...

Der 14. Fall führt Commissaire Pierre Dupin in die Welt der Schokolade. Noch nie war er so froh über das Klingeln des Smartphones, das einen neuen Fall ankündigt, denn er absolviert eben ein Training gegen seine Angst vor dem Meer, die ein wenig widersinnig ist, liebt er doch das Schwimmen in selbigen. Aber, was weiß man schon.

Nun, der Fall ist klebrig, denn die Mitbesitzerin einer bekannten, exquisiten, von einem Geschwister-Trio geführten Schokoladenfabrik wird kopfüber in einem Bottich flüssiger Schokolade gefunden. Obwohl alle Befragten einstimmig bekunden, es würde keine Konflikte geben, ist Dupin mehr als misstrauisch. Liebe, Wonne, Waschtrog und dennoch ein Mord? Wenig später ist ein weiteres Drittel der Inhaber, der Bruder, tot und die Anteile an der Firma gehören nun der letzten Schwester. Wollte sie die Firma in ihren alleinigen Besitz bringen? Und warum stirbt nun als dritte noch jene innovative Mitarbeiterin, die in Konkurrenz zum aktuellen Maitre Chocolatier steht?

Meine Meinung:

Wieder gelingt es Jean-Luc Bannalec einen spannenden Krimi rund um Pierre Dupin und seine Kollegen zu spinnen. Obwohl, das muss ich schon bemerken, dass sich die einzelnen Personen nicht weiterentwickeln und das eine oder andere von passionierten Krimi-Lesern durchaus vorhergesehen werden. Dupin ist nach wie nach Kaffee süchtig, hat das eine oder ander Mal Zoff mit seinem Vorgesetzten, vor allem wegen der hohen Kosten, die die eigenmächtig angeforderten Hubschrauber verursachen, und will seinen altersschwachen Citroen XM nicht durch ein neues Modell ersetzen. Diesmal darf Nolwenn tatkräftig direkt an seiner Seite ermitteln.

Dupin und sein Team verfolgen verschiedene Spuren, rasen quer durch Frankreich, um im Baskenland Erkundigungen über die Familie der Toten einzuziehen. Dass der XM mit Motorschaden liegen bleibt, Dupin sich mit den Kollegen vom Rauschgiftdezernat anlegt und letztlich dem Verdächtigen dann trotz seiner Angst vor dem Meer auf selbiges folgt, macht den Krimi spannend. Allerdings halte ich es für grob fahrlässig, nahezu vierzig Stunden ohne ausreichend Schlaf durch Frankreich zu rasen. Nun ja, es ist eine fiktive Geschichte, in der der Arbeitnehmerschutz und die Straßenverkehrsordnung nur marginale Bedeutung haben.

Sehr gut gefallen haben mir die vielen Informationen über die Kakaobohne und die Herstellung von Schokolade. Dabei eine ich nicht, die herkömmliche Schokolade, die man in Supermarkt erhält, sondern die exquisite Handarbeit.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem 14. Fall, der Commissaire Dupin, schlaflose Nächte besorgt, 5 Sterne.

Veröffentlicht am 25.06.2025

Macht Lust, die Wanderschuhe zu schnüren

Wandern und Freizeit in Oberösterreich
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Claudia Schallauer, Gesundheitstrainerin, Wanderführerin und Redaktionsmitglied bei den Oberösterreichischen Nachrichten, stellt in diesem Buch 96 Wandertouren in 12 Ausflugsregionen vor. Diese Regionen ...

Claudia Schallauer, Gesundheitstrainerin, Wanderführerin und Redaktionsmitglied bei den Oberösterreichischen Nachrichten, stellt in diesem Buch 96 Wandertouren in 12 Ausflugsregionen vor. Diese Regionen sind:

Bad Ischl
St. Wolfgang
Unterach
Gmunden
Ebensee
Grünau im Almtal
Hinterstoder
Windischgarsten
Schärding
Freistadt
Grein
Wels

Dabei geht die Autorin immer mit demselben Konzept vor. Zunächst erhalten wir Auskunft über die Region, sportliches und kulturelles Freizeitangebot, Kulinarik, Übernachtungsmöglichkeiten sowie sehr persönliche, saisonale Tipps bevor es zur Beschreibung der Wanderungen geht. Keine Angst, es gibt Wanderungen in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden, so dass jede oder jeder das Passende findet - sei es Kinderwagentauglich oder anspruchsvoll. Auch drei Regionen überschreitende Weitwanderwege sind dabei.

Zudem weist Claudia Schallauer auf regionale Ermäßigungen und Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln und Probleme mit Parkraum, der zudem meistens kostenpflichtig ist, hin, was vor allem in touristischen Hotspots wie Bad Ischl zum Tragen kommt.

Zu den einzelnen Touren selbst gibt sie ausführliche Informationen über Gehzeit, zu überwindende Höhenunterschiede und Distanzen. Ergänzt werden diese Auskünfte mit einem passenden Kartenausschnitt sowie QR-Codes und GPS-Koordinaten.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem anregenden Wanderführer, der Lust auf Kurzurlaub oder eine ausgedehnte Ferienzeit macht, 5 Sterne.

Veröffentlicht am 25.06.2025

Penibel recherchiert und fesselnd erzählt

Der Partisan und der SS-Mann
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Andreas Wassermann hat hier zwei Männer porträtiert, die unterschiedlicher nicht sein könnten und doch einiges gemeinsam haben. Die beiden sind Heinz Riedt (1919-1997), der an der Universität von Padua ...

Andreas Wassermann hat hier zwei Männer porträtiert, die unterschiedlicher nicht sein könnten und doch einiges gemeinsam haben. Die beiden sind Heinz Riedt (1919-1997), der an der Universität von Padua studiert und wenig später als Partisan gegen Hitler-Deutschland kämpft, und Eugen Dollmann (1900-1985), seit langem Mitglied der SS und Teil des mörderischen Systems ist. Gemeinsam haben sie ihre Liebe zu Italiens Sprache, Kultur, Geschichte und Landschaft. Wir erfahren nicht nur einiges aus deren Leben während der Jahre der NS-Diktatur, sondern auch über die Jahre nach dem Krieg bis zu ihrem Tod.

Wir begleiten den Autor auf seiner Recherchereise durch die Archive Deutschlands und Italiens. Manchmal gelingt es ihm Zeitzeugen bzw. deren Nachfahren zu treffen. Durch die Nachforschungen werden nicht nur die beiden Porträtierten, sondern auch die Beziehungen zwischen den beiden Ländern beleuchtet. Hier kommt dann auch das eine oder andere Ressentiment auf beiden Seiten zum Vorschein, das im Zweiten Weltkrieg seinen Ursprung hat, weil Hitler seinem Verbündeten Mussolini nicht wirklich vertraut hat und so mancher überheblicher Gedanke Italien gegenüber nach wie vor in dem einen oder anderen Kopf herumspukt.

Der Schreibstil ist wunderbar sachlich, sprachlich exzellent und fesselnd.

Fazit:

Gerne gebe ich dieser penibel recherchierten Doppelbiografie, die eine weitere zahlreiche Details aus dem Italien des Zweiten Weltkrieg beleuchtet, 5 Sterne.

Veröffentlicht am 25.06.2025

Beste Krimiunterhaltung!

Inspektor Takeda und der tödliche Ruhm
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Der 8. Fall für Claudia Harms und Ken Takeda führt uns in die Welt der Fernseh- und Starköche sowie in die Gastro-Szene von Hamburg. Was ist passiert?

Der berühmte Unternehmer und Haubenkoch, Tom Trautmann, ...

Der 8. Fall für Claudia Harms und Ken Takeda führt uns in die Welt der Fernseh- und Starköche sowie in die Gastro-Szene von Hamburg. Was ist passiert?

Der berühmte Unternehmer und Haubenkoch, Tom Trautmann, der mit seinen Koch-Show viele Menschen unterhält wird tot aus der Elbe gefischt. Nein, nicht nur tot, sondern hingerichtet, ausgeblutet und seiner private parts beraubt.

Beinahe gleichzeitig taucht Kens Ex-Frau mit einer Bekannten, der Ehefrau des berühmten, aber verschollenen Sushi-Meisters, Hiroyuki Endõ auf. Hiroyuki habe, nach jahrelangem Schweigen sich plötzlich panisch bei ihr gemeldet, bevor er abermals, vermutlich hier in Hamburg, abgetaucht ist. Ken soll nun seinen Aufenthaltsort ausfindig machen.

Als sich herausstellt, dass Trautmann mit einem japanischen Messer getötet worden ist und sein japanischer Sushi-Spezialist spurlos verschwunden ist, zählen Claudia und Ken eins und eins zusammen. Die vage Vermutung, dass die beiden Fälle zusammenhängen liegt nahe, doch was ist das Motiv?

Als Trautmanns Witwe erklärt, ihr Mann sei „unmäßig in allen Dingen, sowohl bei Drogen als auch bei Sex“ gewesen, scheint sich ein Motiv aufzutun. Nur welches? Hat sich Trautmann mit der Drogenmafia angelegt? Sein Auto voll mit Kokain und Fischblut, um die Drogenspürhunde zu verwirren, lässt daran denken. Und welche Rolle spielt die Aktivistin, die in einer von Trautmanns Kochsendungen gegen „kulturelle Aneignung“ und Überfischung der Meere wettert? Oder ist es doch etwas anderes?

Meine Meinung:

Mir hat dieser 8. Fall für Claudia Harms und Ken Takeda sehr gut gefallen. Allerdings hat mich ein beinahe unstillbarer Hunger nach Sushi überkommen, den ich demnächst stillen muss. Zudem habe ich mich auf Grund der Verstümmelungen sofort an den japanischen Film „Im Reich der Sinne“ aus dem Jahr 1977 erinnert, der ja auch im Krimi genannt wird. Schmunzel musste ich, als sich Claudia den Film in der Dienstzeit in ihrem Büro ansieht. immer auf der Hut, das sie nicht erwischt wird. Männer, die während der Arbeit Pornos schauen, haben da weniger Skrupel.

Für mich ist das Motiv recht schnell klar gewesen. Trotzdem machen die zahlreichen Schleifen und Umwege der Ermittler die Auflösung, die an Agatha Christie erinnert, spannend.

Wie wir es von Autor Henrik Seibold gewöhnt sind, dürfen wir an der Seite von Claudia und Ken auch dunkle Orte von Hamburg kennenlernen. Zudem dürfen wir sowohl den Drogenfahndern als auch der Zollbehörde über die Schulter schauen. Hamburg ist als Einfallstor für Schmuggelware aller Art durchaus bekannt. Die Idee, das Eis, in dem der Frischfisch gelagert wird, könnte nichts anderes als gefrorene Kokainlösung sein, halte ich für gar nicht so abwegig. Wenn man weiß, dass man Stoff (Textilien) in flüssigem Stoff (Drogen) taucht, sind der Fantasie der Drogenkartelle wohl keine Grenzen gesetzt. Warum also auch nicht gefrorene Kokslösung? Ob die so gefriert, wie reines Wasser, müssen die Chemiker beantworten.

Schmunzeln musste ich wieder einmal über den Gerichtsmediziner, der abermals (s)eine komische Nummer abzieht.

In diesem Krimi spricht der Autor mehrere gesellschaftspolitische Themen an: Zum einem, die Fangquoten, um die gefährdeten Fischbestände zu retten und zum anderen diese Hysterie um „kulturelle Aneignung“. Wenn man diesen Punkt wirklich ernst nehmen will, so dürfte konsequenterweise Deutschlands liebste Beilage, die Erdäpfel in jeglicher Form, nicht mehr angebaut, verkauft und gegessen werden. Denn der Ursprung der Kartoffel (botanisch Solanum tuberosum) liegt in Südamerika ....

Dass illegaler Fischfang ein weltweites Problem ist, ist unbestritten, die Geschäftemacherei und der Schmuggel auch. Geschickt flicht Henrik Siebold dieses Thema in die Handlung und Dialoge ein. Zum Thema Thunfischfang habe ich vor einiger Zeit das äußerst interessante Buch „Mattanza“ von Germana Fabiano gelesen, das die fast ausgestorbene sizilianische Tradition schildert.

Gut gefällt mir, dass wir wieder einiges über japanische Gepflogenheiten erfahren, die sich nur sehr langsam verändern. So sind arrangierte Hochzeiten nach wie vor üblich, die häufig nicht glücklich enden, wie Ken und seine Ex-Frau bestätigen. Das Privatleben von Claudia und Ken spielt wieder eine Rolle.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem 8. Fall für Claudia Harms und Ken Takeda, der mich bestens unterhalten hat, 5 Sterne.