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Veröffentlicht am 17.08.2025

Komplexe Romantasy mit starker Heldin, faszinierender Farbmagie und packendem Plot

Die Prinzen des Winters
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Die Geschichte beginnt damit, dass die Hohepriesterin den neu geborenen Sohn der Winter-Königin verflucht. Sein Talent für die drei Farben wird auf ihn und zwei Findelkinder aufgespalten, um seine Macht ...

Die Geschichte beginnt damit, dass die Hohepriesterin den neu geborenen Sohn der Winter-Königin verflucht. Sein Talent für die drei Farben wird auf ihn und zwei Findelkinder aufgespalten, um seine Macht zu schwächen. Offenbar will die Hohepriesterin verhindern, dass er die vorhergesagten Taten begeht. Künftig wachsen die drei als Brüder heran. Nur eine Person, weiß, welches der eigentliche Prinz ist.

Besonders spannend fand ich den Aspekt der Farbmagie in dieser Geschichte: Unterschiedliche Wesen sind in der Lage unterschiedliche Farben in ihrer Magie zu nutzen, die wiederum unterschiedliches bewirken. Dabei wird jede Farbe aus einer bestimmten Emotion gespeist. Nur die weiße Magie vereint alle Farben. Sie gilt als die mächtigste Magie, dafür müssen die Gefühle aber in einer perfekten Balance sein. Ich fand es sehr interessant in dem Buch, den Diskussionen über die Farben und Gefühle zu folgen. Es geht um die Frage, wie man seine Gefühle beherrscht und ob es erstrebenswert ist, „dem weißen Weg“ zu folgen. Oder ob er gefühllos und gleichgültig macht. Zumindest kann man sagen, dass die Winterelfen mit ihrem Talent für die weiße Magie diese nutzen, um Eyras Land in dauerhaftem Winter und Schnee versinken zu lassen. Und während die einen dies für das erstrebenswerteste Ziel halten, weil es den wahren Frieden bringe, leidet Eyras Feuervolk an der Schneekrankheit, einer immer stärker werdenden Gleichgültigkeit und Teilnahmslosigkeit, die bis zum Tode führt. So auch ihr eigener Bruder.

Und in dieser Gemengelage suchen die drei verfluchten Prinzen des Winters eine Gemahlin, die die Prüfungen besteht und sich ihrer als würdig erweist. Es muss eine Frau sein, die alle drei Farben beherrscht und in der Lage ist, aus ihnen auch weiße Magie zu produzieren. Und es gibt noch weitere Eigenschaften, die sie erfüllen muss, die erst nach und nach offengelegt werden. Zumindest ist bekannt, dass es bislang keiner gelungen ist, alle Anforderungen zu erfüllen. Und nun wird aus heiterem Himmel Eyra zu einer Brautschau eingeladen, die als Feuerwesen da überhaupt nichts zu suchen hat. Denn eigentlich beherrschen Feuerwesen nur rote Magie. Eyra jedoch trägt auch grüne und blaue Magie in sich, was eine große Besonderheit ist.
Es entfaltet sich im Rahmen der im Klappentext angeteaserten Brautschau eine mega komplexe Geschichte. Es gibt viele Parteien, die hier eine Rolle spielen, die alle ihre Finger im Spiel haben, wenn es darum geht, die Herrschaft an sich zu reißen. Alle haben unterschiedliche Interessen. Manche haben zwar das gleiche Ziel, wollen aber einen anderen Weg gehen, was sie somit dennoch in Konflikt miteinander bringt.

Einzig, wie es sehr typisch für Fantasy ist: Am Ende ist es doch wieder Gut gegen Böse, wo man zwischenzeitlich schon dachte, dass die Komplexität aufrechterhalten und die Zirkularität von Konflikten herausgearbeitet wird. Da es in dem Buch auch schon diese Ansätze gab, auf die Geschehnisse zu schauen, ist es etwas schade, dass das nicht stärker herausgearbeitet wurde.

Die Geschichte wartet mit einigen Überraschungen auf, die so gut konzipiert sind, dass sie sehr schlüssig rüberkommen. Später gehen einem dann erst die Lichter auf, auf die man eigentlich schon selbst hätte kommen können. Ich liebe solche Geschichten, mit Geheimnissen und miträtseln. Und so eine gut gemachte Geschichte habe ich schon lange nicht mehr gelesen. Häufig werden die Dinge in den Büchern ganz schön hingebogen oder Aspekte unter den Tisch fallen gelassen. Hier nicht. Hier ist alles durchdacht, passt zueinander und wird konsequent verfolgt.

Das Buch endet mit einer sehr schwierigen Situation, bei der man unbedingt gleich zum nächsten Band greifen will.

Die Mischung der Charaktere ist perfekt: Der grünbegabte Prinz, Saul, mit seiner empathischen, Nähe fördernden Art, der mürrische rotbegabte Lazare, der freiheitsliebende blaubegabte Noah. Eyras kleine Feen-Ziehschwester, die mit ihrer unbekümmerten, blauen Art immer die Stimmung aufheitert und es faustdick hinter den Ohren hat. Und auch die Charaktere, die noch in den folgenden Bänden eingeführt werden, sind sehr abwechslungsreich. Sehr gut gefallen hat mir, dass sich Eyra in der Regel selbst hilft und nicht permanent von ihren Verehrern gerettet werden muss. Das gilt auch für die anderen weiblichen Hauptfiguren, die noch in den folgenden Bänden mehr in den Vordergrund kommen oder eingeführt werden.

Das Buch wurde als Romantasy beworben, ist jetzt aber nicht soooo romantisch. Und zum Ende dieses Bands ist auch noch nichts passiert zwischen Eyra und einem oder mehreren Prinzen. Man kann jedoch Vermutungen haben, mit wem sie enden wird. Ob das so kommt? Es stehen mehr die politischen Fragen im Vordergrund und das Ziel, den Süden Estraoras vom Winter zu befreien. Dafür werden Eyra und ihre Verbündeten auch in den nächsten Bänden noch viele Abenteuer überstehen müssen, die deutlich mehr im Vordergrund stehen als der Beziehungsaufbau. Und so steht die Beschreibung der Handlung mehr im Vordergrund als das Gefühlsleben der Protagonist:innen und es ist nur konsequent die Geschichte aus der 3. Person zu erzählen. Dabei folgen wir allerdings ausschließlich Eyra im personalen Erzähler.

Auch würde ich die Geschichte nicht unbedingt als enemies-to-lovers und spicy einstufen. Wer das gezielt sucht und auf das Marketing hereinfällt, wird enttäuscht. „Enemies“ ist höchstens insofern richtig, als dass Eyra politisch auf einer anderen Seite steht als die Winterprinzen, aber so richtig fliegen die Fetzen nicht zwischen ihnen und spicy Szenen gibt es auch in den folgenden Bänden kaum.
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Kategorisierung
📚 Romance-Sub-Genre: Romantasy
👥 Altersgruppe der Hauptfiguren: New Adult
➿ Plot-Trope: Celebrity, Chosen one, Found family, Slow burn, Transactional relationship, Unattainable love interest
🌎 Setting-Trope:
⚤ Geschlechterkonstellation: Hetero
💞 Beziehungsstruktur: -
🔪 Spannung: Medium
💓 Emotionalität: Gering
🧠 Psychologische Tiefe: Oberflächlich
🧐 Glaubwürdigkeit: Glaubwürdig
❤️ Sympathiefaktor der Hauptfiguren: Sympathisch
😆 Humor: Teils teils
👫 Klassisches Rollenmodell: Teils teils
💋 Anzahl Spicy Szenen: 0
🔗 Spielart Spicy Szenen: -
🔥 Explizitheit Spicy Szenen: -
🎨 Originalität der Erzählweise: Individuelle Sprache und Szenen
👀 Erzählperspektive: 3. Person

Veröffentlicht am 06.07.2025

Die Wüstenblume und der Meeresbewohner – eine wunderschöne Geschichte von zwei Menschen, die trotz aller trennender Umstände schon immer wussten, dass sie zusammengehören

Jeder deiner Atemzüge
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Wir erleben die Geschichte vollständig aus Allies Ich-Perspektive. Es wird erzählt, wie sie jeden Sommer versucht, nach Kauai zurückzukehren und wie sie, mit den damals begrenzten Kommunikationsmedien ...

Wir erleben die Geschichte vollständig aus Allies Ich-Perspektive. Es wird erzählt, wie sie jeden Sommer versucht, nach Kauai zurückzukehren und wie sie, mit den damals begrenzten Kommunikationsmedien versucht, den Kontakt zu Kale für das restliche Jahr aufrechtzuhalten. Wir bekommen mit, wie es in ihrem Elternhaus, seit dem mysteriösen Verschwinden ihrer Schwester sehr unschön geworden ist. Die Unklarheit, was genau passiert ist, macht alle mürbe. Ist Tara weggelaufen, entführt oder ermordet worden? Vor allem ihre Mutter, reagiert ihren Kummer über das Verschwinden ihres Lieblingskinds stark an der Familie ab. In der Schule wird Allie später gemobbt, weil sie bei den Partys nicht mitmacht und sich auf niemanden einlässt. Die einzigen Lichtblicke für sie, sind die wenigen und kurzen Aufenthalte auf Kauai, wo sie Kale wiedertreffen kann. Hier lebt sie bei ihren zauberhaften Großeltern. Zu diesen Gelegenheiten erfahren wir etwas mehr über die heilsame Mentalität der Hawaiianer und ihren Familiensinn. Allie fühlt sich in dieser Kultur deutlich mehr zu Hause, als in Arizona, wo sie mit ihren Eltern lebt.

Die Entwicklung von Allie in ihrer Jugend ist sehr authentisch beschrieben, beste Freundinnen, Teenie-Schwärmereien für die Lieblingsband, Probleme zu Hause und in der Schule und natürlich, wie sich die erste Liebe zu Kale entwickelt, die Gefühle und Unbeholfenheit. Dennoch plätschert dieser erste Teil etwas dahin. Die Autorin versucht, durch das Verschwinden von Tara und die sehr unleidliche Mutter etwas Spannung in die Geschichte zu bringen. Dadurch gerät die Mutter jedoch etwas sehr einseitig zur „Bösen“, was eigentlich nicht sein kann, wenn man sich anschaut, wie Allies Vater sie liebt. Im Weiteren fügt sie das Spannungselement hinzu, dass Allies Vater versucht, sie und Kale auseinanderzubringen. Das hat mich auch nicht so überzeugt, da der Vater selbst große Sehnsucht nach seiner Heimat, Kauai, hat und in der Geschichte der nachsichtige und verständnisvolle Charakter ist.

Wie dem auch sei, begleiten wir Allie ja beim Erwachsenwerden. Irgendwann ist sie alt genug, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen. Wie nicht anders zu erwarten war, entscheidet sie sich, nach der Schule auf Kauai zu studieren, um bei Kale und ihren Großeltern sein zu können. Kale auf der anderen Seite treibt seit seiner Kindheit seine Karriere als Apnoetaucher voran. Eine brotlose Kunst. Aber er ist in der Zwischenzeit so gut, dass er Chancen auf einen Sponsor hat.

Hier wird es langsam wirklich spannend. Kales Sucht nach der Tiefe lässt ihn zu internationalen Wettbewerben fahren und immer größere Risiken eingehen. Allie hat nachvollziehbarerweise enorme Angst um ihn, denn immer wieder verunglücken Apnoetaucher. Das stellt ihre Beziehung sehr auf die Probe. Und mehr möchte ich hier nicht verraten.

Auch die Geschichte um Tara nimmt im Laufe des Buches noch mal Fahrt auf. Hier war ich allerdings etwas unzufrieden, wie Allie das alles hinnimmt, möchte aber auch dazu nicht zu viel verraten. Es zeigt aber auch, was für ein Typ sie ist. Das wiederum gefällt mir gut an dem Buch, dass die beiden Charaktere sehr klar herausgearbeitet werden. Man könnte ziemlich gut vorhersagen, wie sich der eine oder die andere verhalten würde. Das ist ziemlich selten in Büchern.
Am Ende ist mir alles etwas zuuuu rosarot, aber das ist ja immer die Gefahr bei einer Romance.

Wer einen langsamen Spannungsaufbau bevorzugt, gerne Familiengeschichten liest, etwas über das Apnoetauchen lernen und gerne mal einen kleinen Blick in die hawaiianische Kultur riskieren möchte, ist hier an genau der richtigen Adresse. Mich hat die erste Hälfte des Buches tatsächlich, wie gesagt, nicht so gepackt. Das Durchhalten hat sich aber gelohnt. Es ist in Summe eine sehr schöne, runde Liebesgeschichte zwischen zwei Menschen, die schon immer wussten, dass sie zusammengehören. Und mir hat auch die „Esoterik“ der hawaiianischen Kultur gut gefallen, die so positiv, entspannt und akzeptierend ist. Die Geschichte wirkt noch lange nach in mir.
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Kategorisierung
📚 Romance-Sub-Genre: Contemporary
👥 Altersgruppe der Hauptfiguren: Young Adult, New Adult, Adult
➿ Plot-Trope: Childhood friends, He falls first, Long-distance love, Nature boy, Opposites attract, Virgin hero, Virgin heroine
🌎 Setting-Trope: Holiday, Lovescape, Sports
⚤ Geschlechterkonstellation: Hetero
💞 Beziehungsstruktur: Monogam
🔪 Spannung: Leicht
💓 Emotionalität: Hoch
🧠 Psychologische Tiefe: Oberflächlich
🧐 Glaubwürdigkeit: Teils teils
❤️ Sympathiefaktor der Hauptfiguren: Sympathisch
😆 Humor: Wenig
👫 Klassisches Rollenmodell: Weniger
💋 Anzahl Spicy Szenen: 0
🔗 Spielart Spicy Szenen: -
🔥 Explizitheit Spicy Szenen: -
🎨 Originalität der Erzählweise: Individuelle Sprache und Szenen
👀 Erzählperspektive: Ich-Erzähler:in

Veröffentlicht am 05.07.2025

Die Herrschertochter und der Ork – eine beauty and the beast-Romance vor einer ans alte Rom erinnernden Kulisse – spannend, romantisch, vielschichtig

Uncaged - Das Monster
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Die Geschichte spielt in einer Phantasiewelt, ein wenig angelehnt an die Kultur und Gesellschaftsstruktur des alten Roms, aber auch mit ein paar magischen Elementen. Der Ork, Orkus oder auch Krogosh, ist ...

Die Geschichte spielt in einer Phantasiewelt, ein wenig angelehnt an die Kultur und Gesellschaftsstruktur des alten Roms, aber auch mit ein paar magischen Elementen. Der Ork, Orkus oder auch Krogosh, ist in Gefangenschaft und muss in der Arena im Kampf das Volk unterhalten. Cilia ist die Tochter einer der drei Herrscher und sitzt im Publikum. Der Ork erregt ihr Interesse und sie will sich ihn aus der Nähe anschauen. So begegnen sie sich das erste Mal und um Cilia ist es geschehen. Hat der Fluch des Orks schon zugeschlagen?

Denn das Problem ist: Orks brechen den Geist der Frauen, in dem sie mit ihnen verkehren, so dass diese ihnen vollends verfallen. Aber nicht auf die verliebte Art. Die Frauen werden zu geistlosen, triebgesteuerten Zombies.

Aber die unmögliche Liebesgeschichte zwischen Cilia und Krogosh ist nur ein Handlungsstrang. Es geht auch um das Erwachen von Cilia. Sie fängt an, die Schattenseiten ihrer Welt zu erkennen, in der sie so komfortabel und behütet aufgewachsen ist. Sie erfährt durch ihre Leibsklavin, was Sklaven alles zu erdulden haben und wie es unter ihnen zugeht. Sie erlebt, wie Krogosh von einer anderen Herrschertochter misshandelt wird. Und sie wird selbst Opfer der Machenschaften ihres Vaters, der die Alleinherrschaft erringen will. Und während Cilia den Ork retten will, plant ihr Vater ihn im nächsten Kampf an einem hohen Festtag von seinem Gladiator vernichten zu lassen. So dann will er Cilia für sein Prestige instrumentalisieren und im jährlichen Ritual dem Sieger des Kampfes, also seinem Gladiator, schenken. Zusammen mit ihrer Leibsklavin begibt sie sich in Gefahr, um den Ork zu retten und ihrer Leibsklavin zu helfen, ihre Schwester wiederzufinden. Dabei erleben sie die ein oder andere Überraschung. Cilia entwickelt sich zu einer mutigen Frau, die Mitgefühl zeigt, sich aber auch nicht scheut, die Führung zu übernehmen.

Krogosh wiederum schafft es, mit Zähigkeit und Köpfchen zu überleben und sich bis zum großen Kampf am Festtag ein paar Privilegien zu verschaffen. Dabei wird mit den typischen Vorurteilen, die Völker gegeneinander haben gespielt. Denn Orks gelten als Kraftprotze, mit einem IQ, der an Schwachsinnigkeit grenzt. In Krogosh wohnt hingegen ein wacher Forschergeist, der talentiert mehrere Sprachen beherrscht und nicht nur ein geschickter Krieger ist. Er hat auch ein Herz aus Gold.

Die Geschichte ist auf Unterhaltung ausgelegt. Dabei trifft sie für meinen Geschmack die richtige Mischung aus Vielschichtigkeit, um nicht langweilig zu sein und Leichtigkeit, um nicht zu sehr zu beschweren. Insofern darf man keine zu intellektuelle Auseinandersetzung mit Sadismus, Sklavenhaltung, Machtpolitik oder dem Stände-System erwarten.

Dennis Kamms sonore Stimme geht einem mal wieder durch und durch. Mona Kola überschlägt sich leider häufig in ihrer Betonung und bekommt es nicht so gut hin, die anderen Charaktere stimmlich überzeugend zu mimen.
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Kategorisierung
📚 Romance-Sub-Genre: Dark, Romantasy, Suspense
👥 Altersgruppe der Hauptfiguren: New Adult
➿ Plot-Trope: Afraid to commit, Beauty and the beast, Break up to save him / her, Celebrity, Forbidden love, Sworn off a relationship, Tortured heroes
🌎 Setting-Trope: Prison, Upper class
⚤ Geschlechterkonstellation: Hetero
💞 Beziehungsstruktur: Monogam
🔪 Spannung: Packend
💓 Emotionalität: Medium
🧠 Psychologische Tiefe: Oberflächlich
🧐 Glaubwürdigkeit: Glaubwürdig
❤️ Sympathiefaktor der Hauptfiguren: Sympathisch
😆 Humor: Wenig
👫 Klassisches Rollenmodell: Teils teils
💋 Anzahl Spicy Szenen: 4
🔗 Spielart Spicy Szenen: Vanilla
🔥 Explizitheit Spicy Szenen: Detailliert
🎨 Originalität der Erzählweise: Teils teils
👀 Erzählperspektive: Wechselnde Ich-Erzähler:innen

Veröffentlicht am 25.06.2025

Er hat eine Amnesie. Seine Ex-Freundin soll ihm helfen, sich zu erinnern. – Wunderbar emotional, zum Schluss bleibt aber vieles offen

Lake of Love
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Im Klappentext wird es verheimlicht, aber ich denke, ich kann es offenlegen, da direkt die erste Szene damit startet: Wir erleben Rosie in ihrem aktuellen Leben in England, mit einer vierjährigen Tochter, ...

Im Klappentext wird es verheimlicht, aber ich denke, ich kann es offenlegen, da direkt die erste Szene damit startet: Wir erleben Rosie in ihrem aktuellen Leben in England, mit einer vierjährigen Tochter, alleinerziehend und alleinernährend. Sie hat ihre Lebensträume aufgegeben. Den Treuhandfond ihrer reichen Eltern rührt sie trotz allem nicht an. Man kann sich mit der Zeit vorstellen, warum nicht, aber es wird nie richtig erklärt. Sie erhält einen Anruf von der Mutter ihres Ex-Freunds, der ihr das Herz gebrochen hat. Heute ist er ein gefeierter Tennisstar. Sie bittet Rosie, ihn in Australien zu besuchen. Durch einen Unfall habe er einen Teil seines Gedächtnisses verloren und die Ärzte glaubten, dass Kontakt zu früheren Personen, an die er sich nicht mehr erinnern kann, helfen könne, die Erinnerungen wiederzuerlangen.

Ihr Wiedersehen und wie sie damit umgehen wird einfühlsam geschildert. Rosie wird von Erinnerungen geplagt und auch bei James kommen immer häufiger Erinnerungsfetzen zurück. Und nach und nach steigen wir in die teils romantische, teils schmerzhafte Geschichte von Rosie und James ein.

Die Geschichte ist sehr emotional erzählt. Man kann sich teilweise gut in die beiden einfühlen. Teilweise macht es einen aber fast wahnsinnig, wie wenig Vertrauen sie zueinander gehabt und wie sie die alles zerstörenden Missverständnisse zugelassen haben. Fairerweise muss man dazu sagen, dass ihre Beziehung mindestens von drei unterschiedlichen Seiten Intrigen ausgesetzt gewesen ist. Dennoch hätten Vertrauen und Reden viel Schmerz verhindern können. Leider setzt sich das Muster bei ihrem Wiedersehen zunächst so fort. Meine Erwartung wäre gewesen, dass sie das Muster der Intrigen nach und nach erkennen und nach und nach endlich Vertrauen aufbauen. Aber sie lassen sich immer wieder auf’s Glatteis führen und reagieren immer wieder mit Rückzug, anstatt mit Vertrauen. Das macht die Geschichte zum Ende hin etwas mühselig.
Die stückweise Enthüllung der damaligen Ereignisse, die neuerlichen Missverständnisse und die emotionale Schilderung machen die Geschichte sehr spannend. Ich konnte das Hörbuch kaum pausieren.

Die Intrigen der Eltern der beiden werden nachvollziehbar hergeleitet. Frustrierend ist, dass die Intrigen nie ganz geklärt werden und die Leser:innen mit einigen offenen Fragen zurückbleiben, was wirklich alles vorgefallen ist und warum. Und in ihren Auswüchsen wirkt das Verhalten der Eltern teilweise eeeetwas übertrieben.

Die dritte Intrigantin, die versucht, James für sich zu gewinnen, war mir etwas zu klischeehaft. Süß, aber auch etwas rosarot, waren die Szenen mit Rosies Tochter, Grace, und ihrem Patenonkel.

Und nur zum Erwartungsmanagement: Es geht eher weniger darum, was eine Amnesie für einen Menschen bedeutet, in welche Krisen sie einen stürzen kann und wie es sich anfühlt. Dafür empfehle ich eher das Buch von Josefine Weiss „Nur ein Augenblick voll Glück“. Und es geht auch nicht darum, wie es ist, allein ein Kind zur Welt zu bringen und aufzuziehen.

Ich bin beeindruckt, wie Giovanna Meyrat es geschafft hat, die kleine Tochter von Rosie mit ihrer Stimme zu charakterisieren. Aber auch Benjamin Herold hat einen tollen Job gemacht.
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Kategorisierung
📚 Romance-Sub-Genre: Contemporary
👥 Altersgruppe der Hauptfiguren: Young Adult, New Adult, Adult
➿ Plot-Trope: Afraid to commit, Amnesia, Celebrity, Pregnancy, Second chance, Single parent
🌎 Setting-Trope: Lovescape, Sports, Upper class
⚤ Geschlechterkonstellation: Hetero
💞 Beziehungsstruktur: Monogam
🔪 Spannung: Packend
💓 Emotionalität: Hoch
🧠 Psychologische Tiefe: Medium
🧐 Glaubwürdigkeit: Teils teils
❤️ Sympathiefaktor der Hauptfiguren: Sympathisch
😆 Humor: Ernst
👫 Klassisches Rollenmodell: Ja
💋 Anzahl Spicy Szenen: 0
🔗 Spielart Spicy Szenen: -
🔥 Explizitheit Spicy Szenen: -
🎨 Originalität der Erzählweise: Individuelle Sprache und Szenen
👀 Erzählperspektive: Wechselnde Ich-Erzähler:innen

Veröffentlicht am 24.06.2025

Sie sind adoptiert und er fühlt sich zu seinem Bruder hingezogen - eindringliches Psychogramm einer verbotenen Liebe

Denn Rot ist die Farbe der Liebe
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C. Noxx entwirft mit der Geschichte um die beiden Brüder Ivan und Hunter ein komplexes psychologisches Konstrukt: Ivan ist sechs, Hunter acht, als sie adoptiert werden. Ein Jahr zuvor sind ihre Eltern ...

C. Noxx entwirft mit der Geschichte um die beiden Brüder Ivan und Hunter ein komplexes psychologisches Konstrukt: Ivan ist sechs, Hunter acht, als sie adoptiert werden. Ein Jahr zuvor sind ihre Eltern gestorben. Hunter fühlt sich aus unterschiedlichen Gründen, die nach und nach aufgedeckt werden, verantwortlich für Ivan und hat große Verlustängste ihm gegenüber. Ivan auf der anderen Seite begibt sich gerne in den schützenden Kokon von Hunters Liebe. Sie sind unzertrennlich, sind liebevoll miteinander, umarmen sich schützend und schlafen teilweise sogar im gleichen Bett.

Als Ivan jedoch mit 14 Jahren entdeckt, dass er sich auch sexuell zu Hunter hingezogen fühlt, beginnt sein Selbsthass, denn diese Art von Liebe ist verboten. Und es gibt niemandem, dem er sich mit diesem Problem anvertrauen könnte.

Hunter ist nicht nur von Ivan das Objekt der Begierde auch für seinen besten Freund sowie die beste Freundin von Ivan. Denn Hunter ist so schön, dass er darauf hinarbeitet, Model zu werden. Und Hunter steht auf Mädchen. C. Noxx spannt einen auf die Folter, wie sich diese ganzen Verwicklungen sortieren.

Parallel dazu müssen wir miterleben, wie Ivan immer mehr durch selbstverletzendes Verhalten Erleichterung zu finden sucht, was sich noch sehr dramatisch entwickelt. Zum Glück wird das nie so ganz detailliert beschrieben. Aber seine inneren Konflikte dürfen wir miterleben und können uns gut in seine Seelenwelt hineinversetzen.

Ein sehr ergreifendes und durchaus realistisch erscheinendes Psychogramm von zwei adoptierten Brüdern. Ich konnte der Dynamik zwischen den Brüdern und den Brüdern und ihren Adoptiveltern sehr gut folgen. Und auch die Analyse der Beziehung zwischen den Brüdern vor allem durch die Reflexionen von Ivan fand ich sehr gelungen und den geschilderten späteren therapeutischen Verlauf und seine Methodik gut recherchiert.

Mir hat gefallen, dass es nicht groß problematisiert wird, das Ivan entdeckt, nicht auf Mädchen zu stehen oder wie er nach und nach in eine nichtbinäre Geschlechtsidentität entwickelt, sondern das alles ganz natürlich und normal mitläuft. Gerne hätte ich jedoch mehr darüber erfahren, warum Hunter sich gegenüber seinen Adoptiveltern so abweisend verhält. Das schienen sie mir nicht verdient zu haben und es tat mir teilweise sehr weh, wie er sich ihnen gegenüber verhält. Hier hätte ich mich gerne mehr eingefühlt, um seine Sicht besser verstehen zu können.

Die Wendepunkte im Buch gingen mir an einigen wenigen Stellen etwas zu plötzlich und waren mir teilweise etwas zu süßlich. Ansonsten hätte ich eine Diskussion des Paragraphen 173 StGB zum Verbot des Inzests durchaus interessant gefunden.

Tom Belles liest beide Perspektiven und schafft es, beiden mit seiner Stimme einen eigenen Charakter zu verleihen.
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Kategorisierung
📚 Romance-Sub-Genre: Contemporary,
👥 Altersgruppe der Hauptfiguren: Young Adult
➿ Plot-Trope: Celebrity, Emotional scars, Forbidden love, Golden Retriever, Ugly duckling – beautiful all along
🌎 Setting-Trope: LGBTQIA+
⚤ Geschlechterkonstellation: Schwul, Queer
💞 Beziehungsstruktur: Monogam
🔪 Spannung: Medium
💓 Emotionalität: Medium
🧠 Psychologische Tiefe: Tiefgehend
🧐 Glaubwürdigkeit: Glaubwürdig
❤️ Sympathiefaktor der Hauptfiguren: Sympathisch
😆 Humor: Ernst
👫 Klassisches Rollenmodell: Nicht anwendbar
💋 Anzahl Spicy Szenen: 3
🔗 Spielart Spicy Szenen: Vanilla
🔥 Explizitheit Spicy Szenen: Oberflächlich
🎨 Originalität der Erzählweise: Individuelle Sprache und Szenen
👀 Erzählperspektive: Wechselnde Ich-Erzähler:innen