Seelenheilen in den Schären
A Dancer's Kiss (Broken Artists, Band 2)Rebekka Weiler habe ich mit der „Broken Artists“-Reihe für mich entdeckt, deswegen war klar, dass ich bei „A Dancer’s Kiss“ natürlich gerne wieder dabei war. Die gemeinsame Geschichte von Mats und Nele ...
Rebekka Weiler habe ich mit der „Broken Artists“-Reihe für mich entdeckt, deswegen war klar, dass ich bei „A Dancer’s Kiss“ natürlich gerne wieder dabei war. Die gemeinsame Geschichte von Mats und Nele ist im ersten Band schon ordentlich angedeutet worden, sodass ich sehr gespannt war, was wir da alles erfahren und miterleben.
Dass Mats Nele in einer schicksalsträchtigen Nacht begegnet ist, das wussten wir bereits, dementsprechend war es von Weiler wichtig, dass sie genau diese Begegnung uns aus beiden Perspektiven erzählt. Es war eine höchst ungewöhnliche Entwicklung, die aber schon unheimlich viel über beide Figuren verraten hat, was ich als sehr positiv wahrgenommen habe. Mats ist echt eine ganz wunderbare Figur. Weil er von Anfang an Empathie bewiesen hat und sich eben nicht auf das fokussiert hat, was seltsam war, sondern auf das, was er intuitiv gefühlt hat. Bei Nele war wiederum offensichtlich, was ihr passiert sein muss und trotzdem wollte man natürlich wissen, wie alles zusammenhängt und wie sich der emotionale Kampf von ihr darstellt. Dieser Schwerpunkt des Buchs ist in dieser Art auch sehr ungewöhnlich, wie ich finde und spätestens mit dem Nachwort von Weiler ist auch klar, warum das Thema sich regelrecht aufgedrängt hat. Es trägt zur Authentizität bei und es hat schließlich eine Aufgabe, die der Autorin am Herzen liegt und das weiß ich sehr zu schätzen.
Ich möchte an dieser Stelle aber auch erstmal ein paar Kritikpunkte einwerfen. Auch Selina Mae hat zuletzt in einer Reihe ihre beiden Protagonisten aus allem rausgebrochen und in den Urlaub verfrachtet. Das schafft natürlich Intimität, das schafft ohne Ende gemeinsame Momente und hat definitiv etwas für sich. Bei einem Einzelband würde ich auch gar nichts sagen, denn dann kennt man das ‚mehr‘ dahinter nicht und ist zufrieden mit dem, was man angeboten bekommt. Aber hier haben wir durch das WG-Leben im ersten Band schon einen Eindruck bekommen, wie es funktioniert, wenn die ganzen Figuren aufeinandertreffen und was das auslöst. Das ist durch das Ferienhaus von Mats Familie natürlich völlig weggenommen. Yva ist zwar durch Gespräche dabei und auch Mats ist bemüht, den Kontakt zu Linus zu halten, sodass wir schon Andeutungen zu seinem Gemütszustand für Band 3 bekommen. Aber dieses Miteinander, was auch die Liebesgeschichte in Band 1 ausgemacht hat, fehlt hier deutlich. Bei Nele habe ich speziell auch darüber nachgedacht, dass gerade ihre familiären Verbindungen so lange etwas nur aus Erzählungen bleibt. Man erlebt da wenig. Hier sieht man also deutlich ein Für und Wider für die Urlaubsidee.
Denn natürlich war es positiv, dass wir nach dem Innenstadtleben in Stockholm nun eine andere Welt in den Schären bekommen. Wenn ich an Schweden denke und von einem möglichen Urlaub dort träume, da will ich auch diese Gegensätze kennenlernen. Es war auch eine wirklich unglaubliche Ruhe, die das Ferienhaus mitsamt Umgebung ausgestrahlt hat. Dazu fand ich es echt fürs Herz, wie viel aus Mats Kindheit wieder aufgelebt wurde. Wenn man die unbeschwerte Kindheit auch mal so sehr vermisst wie ich, da ist es schon wunderbar zu sehen, wie man sowas immer wieder rekreieren kann.
Die gemeinsame Zeit im Ferienhaus wird dann effektiv genutzt, um sich Neles Trauma zu widmen. Ich war in ihrer Haut noch nicht, deswegen kann ich nicht beurteilen, wie realistisch das in Hinblick auf Zwischenschritte und Tempo ist, aber es fühlte sich einfach sehr real an. Ich war gerne dabei, auch wenn es fast die falschen Begriffe dafür sind, weil es natürlich auch hart ist, aber das Miteinander von Mats und Nele macht es intensiv. Diese beiden Figuren sind sich einfach genau richtig begegnet und konnten sich so helfen. Zum Abschluss habe ich nochmal kleinere Kritikpunkte. Die Geschichte von Nele ist auf jeden Fall dominanter, aber Mats hatte eine Reise vor sich. Das war immer wieder zwischendurch zu erkennen, aber leider fiel das am Ende immer mehr raus. Genauso hat mir aber gefehlt, dass wir nach Neles Durchbruch nicht noch mehr Zwischenschritte bekommen haben. So gesehen hatte ich den Eindruck, dass die Geschichte nochmal 50 Seiten gut vertragen hätte. Auch wenn es einen dritten Band noch gibt, in dem Nele und Mats sicherlich nochmal einen Auftritt haben werden, aber es wird nicht mehr ihre Geschichte sein, dementsprechend bleiben die entstandenen Fragen wohl leider offen.
Fazit: „A Dancer’s Kiss“ hat für mich bewiesen, dass ich Rebekka Weiler weiterhin im Auge behalten werden. Sie hat sich nämlich erneut einem sehr sensiblen Thema gewidmet und es einnehmend und berührend verarbeitet. Die Charakterarbeit ist die große Stärke. Es war etwas schade, dass alles so isoliert von anderen Figuren stattfindet und es gab angedeutete Themenfelder, die dann fallen gelassen wurden, aber unterm Strich werde ich mir Band 3 keinesfalls entgehen lassen.