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Veröffentlicht am 04.08.2025

Ein bittersüßes modernes Märchen

Der verschwundene Buchladen
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In den 1920er Jahren flieht die junge Engländerin Opaline vor einer arrangierten Ehe nach Paris und obwohl sie sich dort ein erfülltes Leben einrichten kann, geht es weiter nach Dublin ...

In der Gegenwart ...

In den 1920er Jahren flieht die junge Engländerin Opaline vor einer arrangierten Ehe nach Paris und obwohl sie sich dort ein erfülltes Leben einrichten kann, geht es weiter nach Dublin ...

In der Gegenwart verschlägt es Martha und Henry ebenfalls nach Dublin: Die gescheiterte Studentin Martha ist auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Mann und der Engländer Henry, ein Spezialist für antiquarische Schätze, sucht einen verloren gegangenes Manuskript, dass er in einem mysteriösen Buchladen vermutet.

Opaline, Martha und Henry erleben allerlei Aufregendes: Rätselhaftes, Tragisches, Wundervolles ...

Der atmosphärische, lebendige Erzählstil und die liebenswerten Charaktere haben mich direkt eingesaugt (obwohl ich Martha nicht selten sehr naiv fand). Besonders Henry hat es mir angetan, er kommt eloquent, aber unbeholfen, selbst-ironisch, aber unsicher daher. Er hat mich an die Rollen erinnert, mit denen Hugh Grand in den 1990ern berühmt geworden ist: Ein toller Kerl, der seinen Gefühlen nicht traut, weshalb er neurotisch bzw. umständlich agiert.

Die exzentrische Witwe Madam Bowden, eine ältere, undurchsichtige Dame, die Martha einen Job, eine Unterkunft und wertvolle Unterstützung anbietet, war für mich allerdings die heimliche Protagonistin!

Die ereignis- einfalls- sowie wendungsreiche Handlung, in der es neben allem rund um Bücher auch Freundschaft, Familie, Selbstermächtigung, grausame Frauenfeindlichkeit und romantische Liebe geht, ist zudem geheimnisvoll, süß, unterhaltsam, bewegend und somit absolut packend! Ich habe das Buch in nur zwei Zügen inhaliert!

“Der verschwundene Buchladen” ist für mich ein Fall von “Der Weg ist das Ziel”, da ich das Ende ein bisschen enttäuschend fand. Mir ist klar, dass beim magischen Realismus oft einiges offenbleibt, aber hier gibt es für meinen Geschmack zu viele vage Erklärungen bzw. unbeantwortete Fragen, sodass ich die Geschichte schließlich als etwas lückenhaft empfand.

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Veröffentlicht am 31.07.2025

Atmosphärisch, rätselhaft, düster!

Tod in Siebenbürgen
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Der Journalist Paul war seit Jahrzehnten nicht mehr in seiner Kindheitsheimat Rumänien, doch ein Brief, der einen verstörenden Verdacht in ihm aufkommen lässt, führt ihn zurück nach Siebenbürgen, in ein ...

Der Journalist Paul war seit Jahrzehnten nicht mehr in seiner Kindheitsheimat Rumänien, doch ein Brief, der einen verstörenden Verdacht in ihm aufkommen lässt, führt ihn zurück nach Siebenbürgen, in ein Dorf, in dem Zeit stehen geblieben zu sein scheint.

Das Rätsel um seine Familiengeschichte muss allerdings warten, da Sorin, Pauls Kindheitsfreund, wird zum Hauptverdächtigen in einem Mordfall: er soll einen Mann im “Dracula-Schloss” Bran getötet haben. Paul will helfen, aber er fühlt sich unbeholfen: es fällt ihm schwer, sich zu konzentrieren, denn seine rätselhafte Familiengeschichte beschäftigt ihn, er leidet unter Albträumen und seltsame Vorfälle häufen sich ...

Hinzu kommen die Unmengen an reichhaltigem Essen und Schnaps - Paul kann kaum jemanden ansprechen, ohne zum Essen mit anschließendem “Trinkgelage” eingeladen zu werden.

Ich hatte in meiner Kindheit viel mit Leuten, die aus Siebenbürgen stammen zu tun, und dieser Krimi, der ungemein viel greifbares Lokalkolorit enthält, rief Erinnerungen an die Namen, die Gastfreundschaft, das Essen (Nudeln mit Zucker & Mohn, rumänische Polenta, selbstgemachte Waffelsüßigkeiten, Paprika-Auberginenaufstrich) und die Bräuche wach.

Der Zusammenhang zwischen Siebenbürgen und dem Mythos “Graf Dracula” ist genau das, ein Mythos: Bram Stokers “Dracula” ist zwar von dem (aller Wahrscheinlichkeit nach) in Siebenbürgen geborenen Kriegerfürsten Vlad III inspiriert, doch er regierte bzw. lebte in der Walachei! Zudem ist das als “Dracula-Schloss” vermarktete Schloss Bran so etwas wie eine Touristenfalle, da Vlad III dort wohl nur einmal übernachtete, wenn überhaupt. Aber märchenhaft schön ist es allemal und seine Geschichte ist dennoch interessant.

„Tod in Siebenbürgen“ beschwört düstere wie idyllische Stimmungen herauf und erzählt warmherzig von der Geschichte der Region, den Leuten, Traditionen sowie einem Familiendrama und Verbrechen. Aberglauben, Armut und Diskriminierung einer bestimmten Bevölkerungsgruppe spielen auch eine Rolle ...

Dieser vielschichtige Regionalkrimi schreitet für meinen Geschmack zwar gemächlich voran, doch das hat mich kaum gestört: Das greifbare Lokalkolorit, die beklemmende Atmosphäre, der trockene Humor und die authentisch gezeichneten, interessanten Figuren wiegen die (mMn) langsam in Gang kommende Krimihandlung auf!

Uve Teschner erzählt wie immer großartig, er gilt nicht umsonst als einer der besten Hörbuchsprecher!!!

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Veröffentlicht am 16.07.2025

Die Lügnerin und das Paar – will sie ihre Freundschaft oder seine Liebe? Und was wollen die beiden anderen?

Eine falsche Lüge – Wird es ihre letzte sein?
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Sloane ist eine notorische Lügnerin: Unwahrheiten rutschen ihr einfach so raus, intuitiv, impulsiv und manchmal überrascht sie sich selbst mit dem, was sie sich sagen hört. Dieser Drang wird plausibel ...

Sloane ist eine notorische Lügnerin: Unwahrheiten rutschen ihr einfach so raus, intuitiv, impulsiv und manchmal überrascht sie sich selbst mit dem, was sie sich sagen hört. Dieser Drang wird plausibel erklärt - es macht Sinn, dass sie sich dieses Laster angeeignet hat.

Als sie im Park dem attraktiven Jay und seiner kleinen Tochter bei einem kleinen Notfall hilft, gibt sie sich als Krankenschwester namens Caitlin aus. Wenig später wird sie zur Nanny des Mädchens, freundet sich mit Jays Ehefrau an und taucht in die schöne Welt der wohlhabenden New Yorker Familie ein. Sie ist aber nicht die Einzige, die lügt ...

Ich fand den Handlungsverlauf lange gemächlich und die, für meinen Geschmack, sehr ausführlichen Beschreibungen bremsten den Lesefluss für mich etwas aus. Sloane wirkte auf mich oft ziemlich unbedarft und emotional abhängig, was sie meiner Ansicht nach für eine Ü30-jährige unrealistisch erscheinen lässt. Ihr starkes Bedürfnis nach Anerkennung empfand ich als irritierend, da es substanzlos ist, denn wie kann ihr der Respekt, das Interesse etc. anderer etwas wert sein, wenn sie doch fast nur Lügen über sich erzählt?

Ich habe trotzdem weitergelesen, weil der Klappentext und die Andeutungen über ihr “peinliches Geheimnis” meine Neugier geweckt hatten.

Die Perspektive einer anderen Hauptfigur hat mir viel besser gefallen: düster, packend, dramatisch sowie überraschend – ihre Sichtweise bringt Tiefe und Relevanz in die Handlung, die mich komplett abgeholt hat. Die dritte Perspektive ist auch interessant ...

Nach gut 50% nimmt die Handlung mMn nach deutlich an Fahrt auf: Eine großartige Wendung macht die Geschichte faszinierend verstörend, rätselhaft, raffiniert sowie nervenaufreibend spannend. Zum Ende hin gibt es weitere tolle Twists und ich bin froh, dass ich drangeblieben bin, auch wenn ich einiges nicht 100% glaubwürdig fand.

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Veröffentlicht am 15.07.2025

Düstere Spannung!

Das geheime Zeichen
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“Das geheime Zeichen” ist der 3. Fall für die Ermittlerin Evelyn Holm, man kann die Bände der Reihe aber unabhängig voneinander lesen!

1990er Jahre: Die junge Viola träumt davon ihren Lebensunterhalt ...

“Das geheime Zeichen” ist der 3. Fall für die Ermittlerin Evelyn Holm, man kann die Bände der Reihe aber unabhängig voneinander lesen!

1990er Jahre: Die junge Viola träumt davon ihren Lebensunterhalt endlich als Künstlerin verdienen zu können, als sie zufällig von einem elitären Club erfährt, der die notwendigen Kontakte für eine erfolgreiche Karriere bietet. Doch die unausgesprochenen, sehr speziellen Regeln werden überaus streng gehandhabt und wer sie bricht, bringt sich in Lebensgefahr.

Jetzt: Der neue Besitzer eines Hauses entdeckt bei Renovierungsarbeiten ein Skelett. Man findet heraus, dass es sich um eine Frau handelt, zudem wird eine Kette mit einem mysteriösen Anhänger gefunden. Die leitende Ermittlerin Evelyn von der Kripo Freiburg erkennt das Symbol, das der Anhänger darstellt – sie verbindet es mit einem traumatischen Ereignis - weshalb sie auch ein persönliches Interesse an dem Fall hat, ohne zu ahnen, wie tiefgreifend er sie betrifft ...

Erzählt wird aus Violas und Evelyns Sicht, wobei sich die beiden Handlungsstränge allmählich zu einem Bild bzw. der Auflösung zusammenfügen. Die beiden Protagonistinnen sind interessant sowie sympathisch, der Schreibstil ist ausdrucksstark und die Handlung entwickelt sich allmählich in Richtung komplex sowie nervenaufreibend.

Es hat eine Weile gedauert, bis “Das geheime Zeichen” mich so richtig gepackt hat, doch spätestens ab der 2. Hälfte wird dieser Thriller mMn erschütternd und überraschend!

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Veröffentlicht am 27.06.2025

Atmosphärisch und düster!

Die Insel - einer kennt die ganze Wahrheit
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Als Isak mit seiner Freundin nach Gotland reist, ist er voller Ängste - wie wird das Wiedersehen mit seinem Vater nach über zehn Jahren der Funkstille verlaufen? Isaks Großvater, bei dem er ab seinem Lebensjahr ...

Als Isak mit seiner Freundin nach Gotland reist, ist er voller Ängste - wie wird das Wiedersehen mit seinem Vater nach über zehn Jahren der Funkstille verlaufen? Isaks Großvater, bei dem er ab seinem Lebensjahr aufgewachsen ist, hat ihn immer vor der Unberechenbarkeit des Vaters gewarnt. Oberflächlich ist zwar alles großartig - es gibt schicke Cocktails, herausragende Mahlzeiten und jeden erdenklichen Komfort – aber Isaks Vater verhält sich seltsam und die Stimmung wir zunehmend angespannter.

“Die Insel” schreitet eine Weile lang still und leise voran, doch die unheilvollen Andeutungen machen neugierig und die subtile Psychospannung sorgt für Gänsehautmomente! Erzählt wird ungemein eindrücklich und feinfühlig aus Isaks Perspektive, auf zwei Zeitebenen. In der Vergangenheit schildert er, warum und wie er bei seinem Großvater aufwuchs, seine Gedanken zu seiner Beziehung sowie die Achterbahn der Gefühle, die durch das Wiedersehen mit seinem Vater in Gang gesetzt wird. In der Gegenwart geht es um seine problematische Lage nach dem Besuch bei seinem Vater ...

Man taucht tief in Isaks Innenleben ein, aufgrund eines Kindheitstraumas ist er eigentümlich, lebt oft in seiner eigenen Welt. Zudem ist er voller widerstreitender Gefühle, weil er meistens versucht es allen recht zu machen und seine eigenen Bedürfnisse zwanghaft unterdrückt. Er hat eine Riesenangst davor, dass sein wahres Ich seinen Großvater und Madde verärgern oder gar vergraulen könnte. Innerlich fühlt er sich schwach, weshalb er nach außen hin cool, tough sowie souverän agiert bzw. es versucht.

Der Besuch auf Gotland wirkt von Anfang an seltsam bis verstörend, doch ab einem gewissen Punkt läuft alles aus dem Ruder. Täuschungen, Lügen und Psychospielchen führen zu tiefgreifender Unsicherheit, quälenden Zweifeln sowie verheerender Verzweiflung – bei fast allen Beteiligten!

“Die Insel” überzeugt mit einer greifbar beklemmenden Atmosphäre, undurchsichtigen Charakteren sowie menschlichen Abgründen. Raffinierte falsche Fährten und entsetzliche Erkenntnisse bringen gelungene Wendungen mit sich, die nervenaufreibend, erschütternd und wirklich überraschend sind! Ich vergebe dennoch “nur” 4 von 5 Sternen, da mir der Erzählstil stellenweise etwas zu ausführlich war und es der Handlung meiner Meinung nach dadurch gelegentlich an Tempo fehlte. Zudem wurde das Potenzial des Settings für meinen Geschmack nicht vollständig ausgeschöpft.

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