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Veröffentlicht am 11.08.2025

Virtuelle Rätsel, reale Bedrohung

Erebos 3
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Erebos 3 ist ein Thriller, der mich direkt mit seinem Klappentext neugierig gemacht hat – auch wenn ich die beiden Vorgänger gar nicht gelesen habe. Autorin Ursula Poznanski zählt zu den bekanntesten deutschsprachigen ...

Erebos 3 ist ein Thriller, der mich direkt mit seinem Klappentext neugierig gemacht hat – auch wenn ich die beiden Vorgänger gar nicht gelesen habe. Autorin Ursula Poznanski zählt zu den bekanntesten deutschsprachigen Jugendbuch- und Thrillerautorinnen, hat mit dem ersten Erebos-Band 2010 den Deutschen Jugendliteraturpreis gewonnen und ist seitdem Stammgast auf den Bestsellerlisten. Ihre Fähigkeit, packende Geschichten an der Schnittstelle von Realität und digitalen Welten zu erzählen, prägt auch diesen Band.

Worum geht’s genau?
Nick Dunmore kennt Erebos – das Spiel, das mehr ist als nur ein Spiel – nur zu gut. Zweimal ist er ihm schon entkommen. Doch plötzlich erwacht die virtuelle Welt erneut auf seinem Computer. Wieder muss er in die Rolle des Dunkelelfen Sarius schlüpfen, Rätsel lösen, Aufträge erfüllen – ohne zu wissen, wozu. Klar ist nur: Es steht mehr als ein Leben auf dem Spiel, und die Uhr tickt. Zusammen mit alten und neuen Verbündeten beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, bei dem nicht nur der Ausgang des Spiels, sondern auch das Schicksal der realen Welt auf dem Spiel steht.

Meine Meinung
Ich kenne Ursula Poznanski bisher nur aus ihren Krimis (für Erwachsene) – und war gespannt, wie sie Gaming-Setting, KI und Thriller-Spannung verbindet. Das Cover spricht mich weniger an, auch wenn es perfekt zum Inhalt passt; der Farbschnitt dagegen ist ein echtes Highlight im Regal. Was mir direkt positiv auffiel: Die Handlung im Computerspiel bekommt viel Raum, die Grafik und Atmosphäre sind so lebendig beschrieben, dass ich mich fast selbst wie ein Teil des Spiels gefühlt habe.

Die Grundthematik rund um Daten, Überwachung und Kontrolle ist genau mein Ding, und das Setting bleibt durchgehend spannend. Trotzdem: Bis zur zentralen Erkenntnis und der Lösung dauert es lange, und in dieser Zeit zog sich die Handlung für mich etwas. Weniger Seiten hätten der Spannung gutgetan. Das Finale dagegen hat mich wirklich überrascht – ein realistischer Twist, den ich so nicht kommen sah.

Was die Serie angeht: Auch wenn am Ende das endgültige Ende von Erebos versprochen wird, wirkt es doch so, als könnte noch eine Fortsetzung drin sein – immerhin hat das Spiel uns schon dreimal überrascht. Stellenweise hatte ich jedoch das Gefühl, für die Story etwas zu alt zu sein. Erst später habe ich gecheckt, dass es ja eigentlich ein Jugendbuch ist – hätte ich wohl vorher genauer lesen sollen. Wahrscheinlich hätte ich auch insgesamt stärker mitgefiebert, wenn ich die ersten beiden Bände gelesen hätte. So blieb für mich trotz flüssigem, leichtem Schreibstil und cooler Atmosphäre immer eine kleine Distanz zu den Figuren.

Fazit
Ein spannender Thriller mit starkem Setting, der Gaming-Elemente und reale Bedrohung gekonnt verbindet – für mich aber eher ein gutes Jugendbuch als ein packender All-Ager. Wer Erebos schon kennt, wird hier sicher mehr emotionales Gewicht finden; Neueinsteiger:innen wie ich müssen sich darauf einlassen, dass der Weg zur Auflösung etwas Geduld erfordert.

Danke jedenfalls an lovelybooks.de und den Loewe Verlag für das Rezensionsexemplar :)

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Veröffentlicht am 25.07.2025

Ein poetisches Fragment über Liebe und Verlust

Die Geschichte des Klangs
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Was zurückbleibt, wenn Musik Erinnerungen trägt – und Worte nicht alles sagen.

Ben Shattuck erzählt in seinem kurzen Roman von einer zarten Verbindung zwischen zwei jungen Männern nach dem Ersten Weltkrieg ...

Was zurückbleibt, wenn Musik Erinnerungen trägt – und Worte nicht alles sagen.

Ben Shattuck erzählt in seinem kurzen Roman von einer zarten Verbindung zwischen zwei jungen Männern nach dem Ersten Weltkrieg – und einer Spurensuche, Jahrzehnte später, über den Klang, der alles bewahrte.

Was hat das Buch bei mir ausgelöst?
Der Einstieg in die Geschichte hat mich sofort gefesselt. Die erste Hälfte, in der Lionel und David gemeinsam durchs ländliche Amerika reisen, um Volksmusik mit alten Wachszylindern aufzunehmen, war für mich das stärkste Element des Romans. Besonders gelungen empfand ich, wie still, aber gleichzeitig intensiv die Gefühle zwischen den beiden Männern erzählt werden – ohne große Gesten, ohne Etiketten. Das hat mich berührt, auch weil queere Geschichten oft lauter erzählt werden müssen. Hier liegt die Kraft im Unausgesprochenen.

Trotzdem hat sich die zweite Hälfte für mich wie ein Bruch angefühlt. Mit dem Perspektivwechsel zu Annie ging für mich ein Großteil der emotionalen Tiefe verloren, die ich zuvor so stark empfunden hatte. Ich verstand zwar die Idee hinter der Rahmenhandlung, doch es fiel mir schwer, eine Verbindung zu Annies Erzählung aufzubauen. Ihre Perspektive wirkte im Vergleich nüchterner, sachlicher – sie erinnerte mich eher an eine literarische Brücke als an eine voll ausgearbeitete Figur.

Die Sprache ist fein, poetisch, und streckenweise wunderschön. Besonders in den Passagen zur Musik entsteht eine fast greifbare Sinnlichkeit – man hört nicht nur den Klang, man spürt ihn. Gleichzeitig empfand ich die Kürze des Romans als hinderlich. Viele Gedanken, Beziehungen und Entwicklungen blieben für meinen Geschmack zu angedeutet. Die Geschichte endet, bevor sie sich ganz entfalten kann – das erzeugt zwar eine gewisse Eleganz, ließ mich aber auch unbefriedigt zurück.

Für wen könnte das Buch besonders interessant sein?
Leser:innen, die Freude an poetischer, reduzierter Sprache und leisen Geschichten haben, in denen viel zwischen den Zeilen passiert, könnten in diesem Roman viel entdecken. Wer fragmentarische Erzählweisen mag, queer-literarische Themen ohne Label sucht und sich für musikalisch-symbolische Metaphern begeistert, findet hier möglicherweise genau die richtige Lektüre. Wer sich jedoch von emotionalem Tiefgang über längere Spannungsbögen mitreißen lassen will oder ausgearbeitete Nebenfiguren sucht, wird womöglich weniger mitgenommen.

Fazit
„Die Geschichte des Klangs“ hat bei mir einen starken ersten Eindruck hinterlassen, insbesondere durch die stille Beziehung zwischen Lionel und David. Sprache und Atmosphäre sind überzeugend – und doch blieb für mich am Ende ein Gefühl von Unvollständigkeit. Die Geschichte klingt eher wie eine literarische Skizze als wie ein ausformuliertes Werk.

Besonders geeignet für alle, die sich gerne in Zwischentönen und leiser Melancholie verlieren – aber vielleicht weniger für Leser:innen, die eine klassische Romanstruktur oder eine rund abgeschlossene Handlung suchen.

Danke an Netgalley.de und Hanser für das digitale Leseexemplar.

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Veröffentlicht am 30.06.2025

Kochen für den Alltag – ohne besonderen Anspruch

Quick & Tasty
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"Quick & Tasty" von Viviane Geppert versammelt 50 schnelle und unkomplizierte Afterwork-Rezepte, die sich mit wenigen Zutaten nach Feierabend realisieren lassen. Als berufstätige Mutter teilt sie neben ...

"Quick & Tasty" von Viviane Geppert versammelt 50 schnelle und unkomplizierte Afterwork-Rezepte, die sich mit wenigen Zutaten nach Feierabend realisieren lassen. Als berufstätige Mutter teilt sie neben Rezeptideen auch private Einblicke in ihr Familienleben und will zeigen, dass gutes, frisches Essen auch bei engem Zeitplan möglich ist. Viviane Geppert ist bekannt als TV-Moderatorin und Journalistin. Seit 2016 steht sie vor der Kamera, unter anderem für Formate wie "red" oder "taff". Mit "Quick & Tasty" legt sie ihr erstes Kochbuch vor und verbindet beruflichen Alltag, Familie und Esskultur in einem kompakten Werk.

Meine Meinung

Obwohl ich Viviane Geppert bisher nicht kannte, sprach mich das Konzept ihres Kochbuchs sofort an. Das Cover wirkt ansprechend, die Idee, schnelle Gerichte für den Feierabend zu liefern, ist absolut zeitgemäß. An dieser Stelle auch Danke an LovelyBooks und den ZS Verlag für das kostenlose Rezensionsexemplar!

Das Layout ist solide: funktional und passend für ein Kochbuch, aber ohne besondere Highlights. Die Fotografien sind schön, wenn auch recht gleichförmig inszeniert. Teilweise wirken sie etwas zu stark bearbeitet oder künstlich - besonders die Portraitbilder. Ich finde, wenn Geppert schon betont, sie sei eine "normale Frau" (S. 5) , wünschte ich mir mehr visuelle Authentizität. Positiv ist, dass sie sich selbst in der Bildsprache zurücknimmt – das Essen steht im Vordergrund.

Inhaltlich bleibt das Buch für mich leider hinter seinem Potenzial zurück. Die persönliche Einleitung ist gelungen, doch bei den Rezepten fehlt durchgängig der rote Faden. Mal gibt es eine kurze Anekdote, mal eine Unterüberschrift, mal nichts. Auch hätte ich mir eine sensiblere Wortwahl gewünscht – der Begriff "Soulfood" z. B. sollte rassismuskritisch reflektiert werden.

Einen schalen Beigeschmack hinterließ bei mir die starke Reproduktion klassischer Rollenbilder: Frauen als Küchenmanagerinnen, Männer als Empfänger der Kochkunst. Auch wenn Geppert sich liebevoll auf Mutter und Oma als Inspirationsquelle bezieht, bleibt das Bild für mich als Leserin traditionell.

Die angesprochenen Einflüsse aus dem Balkan oder ihre Liebe zu Südfrankreich (S.9) finden in den Rezepten kaum statt. Stattdessen dominieren italienische Begriffe und Gerichte – was in der Einleitung nicht erläutert wird. Die Kennzeichnung veganer, vegetarischer oder glutenfreier Gerichte fehlt ebenfalls komplett, was angesichts heutiger Standards unzeitgemäß wirkt. Mein Lieblingsrezept war die "Norma al forno" – in meiner eigenen veganisierten Version. Das Zutatenverzeichnis am Ende, das auch nach Zutaten filterbar ist, empfand ich als sehr hilfreich. Die Liste mit Vorräten hingegen überforderte mich eher, weil sie recht umfangreich ist.

Viele "Fresh-Up"-Tipps wiederholen sich, etwa das obligatorische "mit Kräutern toppen". Schade, dass auch hier wenig Variation geboten wird.

Fazit

"Quick & Tasty" ist ein optisch ordentliches und in Ansätzen inspirierendes Kochbuch für den Alltag. Wer keine großen Erwartungen an Vielfalt, Tiefgang oder zeitgemäße Gestaltung hat, wird hier fündig. Für mich bleibt es jedoch bei 3 von 5 Sternen, da viele Potenziale ungenutzt bleiben.

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Veröffentlicht am 28.06.2025

Solide Unterhaltung für zwischendurch

Der Weg – Jeder Schritt könnte dein letzter sein
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"Der Weg – Jeder Schritt könnte dein letzter sein" erzählt die Geschichte zweier Freundinnen, deren Wanderung in der schwedischen Wildnis zum Albtraum wird. Rebecca Russ wurde 1991 in Salzburg geboren, ...

"Der Weg – Jeder Schritt könnte dein letzter sein" erzählt die Geschichte zweier Freundinnen, deren Wanderung in der schwedischen Wildnis zum Albtraum wird. Rebecca Russ wurde 1991 in Salzburg geboren, wo sie noch heute lebt. Neben dem Schreiben von Geschichten ist auch die Gestaltung ihrer Bücher ihre Leidenschaft – als selbstständige Cover-Designerin verbindet sie Kreativität mit Handwerk. Ihre Liebe zur Natur spürt man besonders in den eindrucksvollen Landschaftsbeschreibungen ihrer Bücher.

Worum geht’s?

Julia und Nicki, beste Freundinnen seit Jahren, haben sich für Julias Junggesellinnenabschied etwas ganz Besonderes ausgedacht: eine mehrtägige Wanderung auf dem abgelegenen Kungsleden in Schweden. Nur sie beide, kein Empfang, keine Ablenkung – nur Natur und ihre Freundschaft. Doch eines Morgens ist Nicki plötzlich verschwunden. Julia bleibt allein zurück – ohne Karte, ohne Orientierung und mit dem Gefühl, beobachtet zu werden. Während sie verzweifelt versucht, den Rückweg zu finden, verschwimmen Realität und Angst, Vertrauen und Wahrheit. Was ist mit Nicki passiert? Und was verbirgt sich hinter der scheinbaren Einsamkeit der Berge?

Meine Meinung

Das war mein erstes Buch von Rebecca Russ, und ich habe es als Hörbuch gehört – danke an NetGalley.de und Aufbau Audio für das Rezensionsexemplar. Besonders positiv hervorheben möchte ich die Sprecherin Ann-Kathrin Hinz. Ihre Stimme hat mich sofort mitgenommen und trug viel zur Atmosphäre des Buches bei.

Der Einstieg fiel mir leicht. Die Geschichte kommt ohne langes Vorgeplänkel aus, das Tempo passt, und ich war schnell emotional involviert. Die Kulisse des schwedischen Wanderwegs wird stimmungsvoll und intensiv geschildert – ich hatte oft das Gefühl, mit Julia und Nikki durch Wälder und über Felsen zu stapfen.

Etwa ab der Hälfte aber geriet mein Lesefluss ins Stocken. Vor allem die weiblichen Figuren wirkten auf mich stellenweise sehr naiv – teils auf eine Art, die mich aus der Handlung riss, weil es schlicht nicht glaubwürdig war. Das erschwerte es mir, mitzufühlen oder mich in sie hineinzuversetzen. Außerdem hatte ich zunehmend Mühe, den Entwicklungen inhaltlich zu folgen – die Geschichte wurde verworren, ohne wirklich Tiefe zu gewinnen. Gegen Ende lösten sich einige Stränge zwar auf, aber das Ende selbst wirkte auf mich zu glatt, zu einfach und fast überhastet. Ich war regelrecht überrascht, dass es plötzlich vorbei war .

Positiv hervorheben möchte ich das zentrale Thema, das sich nach und nach vor den Leser:innen/Hörer:innen ausbreitet – ohne zu spoilern: Es ist hochaktuell und aus feministischer Perspektive definitiv relevant. Es wurde klug eingeflochten und regt zum Nachdenken an, auch wenn die Umsetzung nicht ganz überzeugte.

Was mich persönlich jedoch am meisten enttäuschte: Es gab für mich keine Überraschungen. Keine Wendung, kein Twist, kein Schockmoment. Vielleicht bin ich als Thriller-Fan schon zu abgebrüht, aber ich habe praktisch alles vorhergesehen. Zudem gab es einige Logikschwächen, die eher neue Fragen aufwarfen, statt Spannung aufzubauen. Die Idee war wirklich vielversprechend – nur leider wurde ihr Potenzial meiner Meinung nach nicht vollständig ausgeschöpft.

Fazit

Ein atmosphärischer Thriller mit starkem Setting und aktueller Thematik, der mich am Anfang gepackt, aber zum Schluss enttäuscht hat. Gute Ansätze, solide Hörzeit – aber leider ohne echten Nervenkitzel. Für mich 3 von 5 Sternen

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Veröffentlicht am 28.06.2025

Großartige Idee, mäßige Umsetzung

Locked in
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In "Locked In" wird ein spannendes Gedankenspiel Realität: Der Täter liegt im Koma, aber die Opfer könnten noch leben – und nur seine Gedanken führen zum Versteck. Henri Faber, Jahrgang 1986, ist in Niederösterreich ...

In "Locked In" wird ein spannendes Gedankenspiel Realität: Der Täter liegt im Koma, aber die Opfer könnten noch leben – und nur seine Gedanken führen zum Versteck. Henri Faber, Jahrgang 1986, ist in Niederösterreich aufgewachsen und lebt heute als Autor und Texter in Hamburg. Nach seinen Bestsellern Ausweglos und Kaltherz veröffentlicht er mit "Locked In" seinen dritten Thriller.

Worum geht’s?

Heidelberg wird von einer mysteriösen Entführungsserie erschüttert. Als Kommissar Paul Maertens dem mutmaßlichen Täter endlich auf die Spur kommt, verläuft die Festnahme dramatisch: Der Verdächtige fällt ins Koma – und mit ihm scheinen auch die letzten Hinweise auf das Versteck seiner Opfer verloren. In letzter Hoffnung wendet sich Maertens an den renommierten Neurologen Dr. Theo Linde, der eine revolutionäre Technik entwickelt hat, um in das Bewusstsein von Komapatient:innen einzudringen. Gemeinsam betreten sie das Labyrinth des Tätergehirns – doch je tiefer sie eindringen, desto gefährlicher wird es. Denn nicht nur Erinnerungen lauern dort, sondern auch die Schatten eines zutiefst gestörten Geistes.

Meine Meinung

"Locked In" war mein erster Thriller von Henri Faber, den ich als Hörbuch hören durfte – an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an NetGalley.de und SAGA Egmont für das kostenlose Rezensionsexemplar. Die Sprecher Wolfgang Berger, Felix Holm und Sebastian Seidel leisten gute Arbeit, allerdings hatte ich Schwierigkeiten, sie stimmlich auseinanderzuhalten. Ohne klare Zuordnung der Stimmen zu den Figuren hätte ich schnell den Überblick verloren.

Die Handlung startet direkt und macht neugierig. Die Idee, einen Thriller nicht mit der Tätersuche, sondern mit der Festnahme zu beginnen, hat mich sofort gepackt. Diese untypische Herangehensweise war für mich definitiv ein Pluspunkt, da sie Erwartungen durchbricht und einen frischen Einstieg bietet.

Doch leider konnte die Geschichte dieses hohe Anfangsniveau nicht halten. Die Spannung flachte bald ab – und das bei über 11 Stunden Hörzeit. Für einen Thriller ist das einfach zu langatmig. Besonders das bekannte Motiv des „tragischen Ermittlers“ wirkt für mich inzwischen überstrapaziert. Hier fehlte es an Tiefe und Entwicklung, die Figur von Maertens blieb für mich zu klischeehaft.

Auch stilistisch hat mich das Buch nicht ganz abgeholt. Ich schätze wechselnde Perspektiven sehr, da sie normalerweise für Dynamik sorgen – aber hier wurden sie so abrupt eingesetzt, dass es mir schwerfiel, emotional in die Figuren einzutauchen. Ich war oft eher verwirrt als mitgerissen.

Die Handlung forderte hohe Aufmerksamkeit – an sich nicht schlecht, aber das Hörerlebnis wurde dadurch eher anstrengend. Zwar gab es immer wieder überraschende Wendungen, aber viele davon wirkten zu konstruiert. Gegen Ende hatte ich das Gefühl, dass die Story völlig aus dem Ruder lief: Zu viele neue Stränge, plötzliche Wendungen und ein Finale, das zwar Raum für eine Fortsetzung lässt, aber in sich nicht stimmig war. Neue Figuren traten auf, ohne dass sie zuvor eine Rolle spielten – das hat mich aus der Geschichte gerissen.

Unterm Strich: Viele Ideen, viel Tempo – aber mir war es einfach zu viel. Zu viele Zufälle, zu viele Lücken, zu wenig emotionale Bindung. Weniger wäre hier mehr gewesen.

Fazit

"Locked In" startet stark mit einer frischen Thriller-Idee, verliert sich aber in zu vielen Wendungen und einer überladenen Handlung. Für mich war es solide, aber nicht packend genug – daher 3 von 5 Sternen. Hörbar, aber kein Muss.

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