Cover-Bild Lügen, die wir uns erzählen
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15,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Kampa Verlag
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 384
  • Ersterscheinung: 17.07.2025
  • ISBN: 9783311151104
Anne Freytag

Lügen, die wir uns erzählen

Helene hätte ihren Mann verlassen sollen. Für Alex. Aber sie hat es nicht getan. Und jetzt hat ihr Mann sie verlassen – weil er sich in eine andere verliebt hat. »Es ist einfach passiert.« Mit diesem Satz zerreißt Georg das Gefüge, das Helene immer versucht hat zusammenzuhalten. Aber vielleicht ist das Ende gar kein Ende? Vielleicht ist es ein Anfang. Etwas, das Helene gebraucht hat, um sich aus dem gesellschaftlichen Korsett zu befreien, aus ihren ewigen Versuchen, den Bildern einer Frau zu entsprechen: als Ehe- und Karrierefrau, als Mutter und Tochter …

Was bedeutet es eigentlich, eine Frau zu sein? Diese Frage begleitet Helene, während sie beginnt, ihren eigenen Weg zu gehen.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.01.2026

Georg und Helene

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Ehrliche Einblicke in eine (gescheiterte) Ehe
Nach „Das Blaue Wunder“ von @anne.other.freytag wollte ich unbedingt einen ihrer früheren Romane lesen. Ganz anders war der dann, aber richtig gut!
📖Als Helenes ...

Ehrliche Einblicke in eine (gescheiterte) Ehe
Nach „Das Blaue Wunder“ von @anne.other.freytag wollte ich unbedingt einen ihrer früheren Romane lesen. Ganz anders war der dann, aber richtig gut!
📖Als Helenes Mann Georg sich von ihr trennt und zu seiner neuen Freundin, einer Yogalehrerin, zieht, bleibt nur der Sohn bei ihr wohnen- die Tochter entscheidet sich, bei ihrem Vater zu leben. Die zweifache Mutter blickt nun intensiv auf ihre Ehe zurück. Dabei wird ihr klar, dass sie selbst durchaus auch schon mal geplant hatte, Georg zu verlassen (wegen ihres ehemaligen Freundes Alex), es aber nie getan hat. Helene fängt an, sich zu sortieren, kauft spontan ein Haus im Nichts und versteht sich (ihre Kinder und ihre Beziehungen) selbst immer besser.
⭐Ich mag den Stil, in dem Anne Freytag ihre Geschichten erzählt. Sie schreibt klar, ungeschönt (aber schön), direkt und ohne Rücksicht auf Befindlichkeiten.
Das gefällt mir.
⭐Es war spannend zu lesen, wie Helenes Mut wächst und dabei über verpasste Chancen genauso nachdenkt wie bleibende Werte.
⭐Ich mochte die wechselnden Erzählperspektiven, die einen umfassenden Einblick in die gesamte Familiensituation gaben und die Charaktere, die jede und jeder für sich gute Gründe für ihr Verhalten haben,
💬 „Dann bist also jetzt du das Opfer?“, frage ich. „Weil ich dich seinetwegen nicht verlassen habe?“

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Veröffentlicht am 14.06.2025

"Eine perfekte Lüge mit lächelnden Gesichtern"

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"Es ist beeindruckend, wie gut man sich in Kleidung und hinter Make-Up verstecken kann. Wie glücklich zwei unglückliche Menschen aussehen können. Wir hätten mich auch überzeugt - eine perfekte Lüge mit ...

"Es ist beeindruckend, wie gut man sich in Kleidung und hinter Make-Up verstecken kann. Wie glücklich zwei unglückliche Menschen aussehen können. Wir hätten mich auch überzeugt - eine perfekte Lüge mit lächelnden Gesichtern."

Eigentlich wollte damals Helene ihren Mann Georg verlassen. Nach zahlreichen erfolglosen Versuchen, ein Kind zu bekommen war ihre Beziehung festgefahren, ihre Ehe unglücklich. Und eigentlich gab es da schon immer Alex, Helenes große Liebe von früher. Fast hätte Helene Georg für ihn verlassen - aber genau dann wird sie doch schwanger und bleibt bei Georg. Mit Alex im Herzen.

"Ich ließ Alex nicht los, vielleicht weil ich nicht wusste, wie. Als hätte ich immer an ihm festgehalten, solange ich ihn kannte, über Landesgrenzen und Jahre hinweg. Während ich das dachte, beschlich mich das Gefühl, dem Falschen zu gehören. Dass ich nicht zu jemandem, sondern jemandem gehörte m Auf dem Papier war ich Georgs Frau. Erst diese Tatsache machte mich in Alex' Armen falsch. Als hätte eine einzige Unterschrift mich zum Eigentum eines anderen gemacht."

Nun sind Georgs und Helenes beiden Kinder im Teenageralter und Georg verlässt Helene für eine andere: "Es ist einfach passiert."
Georg zieht mit der Tochter Anna zu seiner neuen Freundin, Helene kauft ein renovierungsbedürftiges Häuschen, in der sie mit Sohn Jonas zieht. Gleichzeitig mit der Hausrenovierung beginnt auch eine Runderneuerung von Helenes Leben. In Rückblicken wird von ihrer Vergangenheit erzählt, von den Fehlgeburten und Versuchen, schwanger zu werden. Von ihrer Überforderung als Mutter und gleichzeitig berufstätige Frau. Von ihrer eigenen Kindheit mit ihrer gefühlskalten Mutter (das fand ich besonders heftig).

"'Mutter hat alles um sich herum kontrolliert ', sagt Henri. 'Sie war die manipulativste Person, der ich je begegnet bin. Ich habe keine Ahnung, wer ich ohne sie bin', sagt er. 'Es ist, als hätte sie mich gemacht."
Ich kenne dieses Gefühl - den Blick in den Spiegel. Die Rückversicherung, die man sucht, weil man keine Ahnung hat, wer man ist. Weil man sein gesamtes Leben auf ein Gegenüber gepolt war, das einem den Weg gewiesen hat. Wie ein Kompass, und sie war der Norden - nur dass ich in den Süden wollte. So weit weg von ihr wie möglich."

"In dieser Zeit dachte ich oft an meine Mutter, daran, was sie wohl sagen würde, wenn sie wüsste, dass ich eine Kinderfrau brauchte, um mein Leben auf die Reihe zu kriegen. Ich habe es ohne Unterstützung geschafft, sagte sie gehässig in meinem Kopf, worauf ich in Gedanken erwiderte: Und ich ohne deine Liebe."

Auch ihre Tochter Anna kommt in einigen Kapiteln zu Wort, diese fand ich gut, aber nicht so gelungen wie die Abschnitte aus Helenes Perspektive.

"Und in dem Moment denke ich an mich auf diesem Sessel, und mir wird schlagartig klar, dass ich nicht mehr dieselbe Frau bin. Als wäre ich mir mit den Jahren unerkannt näher gekommen, als hätte ich Schicht für Schicht abgetragen. Damals jung und schön und sportlich, ein Gesicht ohne Falten, vom Leben nicht gezeichnet, aber auch nicht davon durchdrungen."

Gegen Ende hin gibt es ein paar kleine Schwächen, besonders was die Erklärung bezüglich Georgs Verhalten Jonas gegenüber angeht, Annas veränderter Denkweise Helene gegenüber, aber auch insgesamt flaut die Story etwas ab bis hin zum (vielleicht) unerwarteten Ende.

Insgesamt hat mich jedoch Anne Freytags Erzählstil wieder begeistert. Ich mag ihre Art zu schreiben sehr: mal emotional, mal humorvoll, teils auch bitterböse - und immer treffend.
Allerdings hatte ich zuvor ihr aktuelles Buch "Blaues Wunder" gelesen, welches für mich ein absolutes Highlight war. An dieses kommt "Lügen, die wir uns erzählen" leider nicht ganz heran. Dennoch kann ich es empfehlen und vergebe 4⭐️

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Veröffentlicht am 29.06.2025

Ein solides, stellenweise berührendes Familien und Selbstfindungsdrama

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"Lügen, die wir uns erzählen" habe ich begonnen, direkt nachdem "Blaues Wunder" mir wieder einmal bestätigt hat, dass ich dringend mehr Bücher von Anne Freytag lesen muss. Leider konnte mich dieser Roman ...

"Lügen, die wir uns erzählen" habe ich begonnen, direkt nachdem "Blaues Wunder" mir wieder einmal bestätigt hat, dass ich dringend mehr Bücher von Anne Freytag lesen muss. Leider konnte mich dieser Roman aber alles in allem nicht ganz so sehr überzeugen, wie ich mir das erhofft hatte.

Das hängt vor allem mit der Erzählstruktur zusammen. Die Autorin erzählt aus der Perspektive der 47jährigen Helene, die nach der Trennung von ihrem Ehemann ihr Leben reflektiert und dafür wild durch die Zeit springt. Dabei wechseln sich die Gegenwart mit verschiedenen Stufen der Vergangenheit ab, die allerdings so wild vermischt werden, sodass es vor allem beim Hören des Hörbuches schwierig ist, am Ball zu bleiben und manches logisch nicht ganz zusammenpasst. Außerdem gibt es durch die vielen Sprünge leider viele Wiederholungen. Da man gefühlt alles dreimal erzählt bekommt, die wirklich wichtigen Informationen aber bis zum Ende ausgespart werden, zog sich das Buch trotz seiner knapp 400 Seiten gefühlt ewig in die Länge. Anders als bei ihren anderen Büchern, in denen zwar auch nicht gerade ein Handlungsfeuerwerk gezündet wurde, die Spannung aber trotzdem zwischen den Zeilen brodelt, ist hier der Funke nie richtig übergesprungen.

Besonders im letzten Drittel hatte ich dann auf ein fulminantes Ende gehofft, das das Buch noch aus der gefühlten Mittelmäßigkeit reißt, doch leider empfand ich dieses als total weichgespült und unrund (Spoiler: Nicht nur dass handwerkliche Laien plötzlich eine Bauruine renoviert haben, Tochter einen plötzlichen Sinneswandel durchlebt, der Vater doch nicht homophob war, Helene gibt auch ihre hart erkämpfte Unabhängigkeit einfach so wieder auf und kehrt zu ihrem Mann zurück?!?!).

"Es ist beeindruckend, wie gut man sich in Kleidung und hinter Make-Up verstecken kann. Wie glücklich zwei unglückliche Menschen aussehen können. Wir hätten mich auch überzeugt - eine perfekte Lüge mit lächelnden Gesichtern."


Trotz der für mich wenig packenden Handlung und des für mich nicht nachvollziehbaren Endes, hat "Lügen, die wir uns erzählen" zweifelsohne sehr starke Passagen und alles in allem auch etwas in mir ausgelöst. Wie soll es auch nicht, immerhin ist es ein Roman von Anne Freytag und dementsprechend voller kluger Beobachtungen, komplexer Emotionen und wichtiger Themen! Aber alles in allem hatte ich mir hier definitiv mehr erwartet, besonders nachdem bisher für mich alles, was sie geschrieben hat, direkt ins Schwarze getroffen hat. Denn mit Themen wie Ehe, Fehlgeburt, Kinderwunsch, Karriere, Lebensziele, Liebe, Rollenkonflikte, Beziehungen und Frausein in einer patriarchalen Gesellschaft werden ähnliche Themen und ein vergleichbarer Lebensabschnitt angesprochen wie in "Blaues Wunder", allerdings fehlte mir im Vergleich dazu der packende erzählerische Rahmen.

"Und in dem Moment denke ich an mich auf diesem Sessel, und mir wird schlagartig klar, dass ich nicht mehr dieselbe Frau bin. Als wäre ich mir mit den Jahren unerkannt näher gekommen, als hätte ich Schicht für Schicht abgetragen. Damals jung und schön und sportlich, ein Gesicht ohne Falten, vom Leben nicht gezeichnet, aber auch nicht davon durchdrungen."


So ist die Emotions- und Lebenswelt von Helene zwar großartig dargestellt, zu vielem fehlte mir allerdings der Zugang. Ob es nun daran liegt, dass ich in einer ganz anderen Lebensphase bin als Helene oder daran, dass sie immer wieder um sich selbst rotiert, nur um am Ende beinahe wieder am Ausgangspunkt anzukommen, kann ich gar nicht richtig sagen. Fest steht allerdings, dass ich trotz der 400 intensiven Seiten immer noch nicht ganz verstanden habe, was sie antreibt, was sie wirklich fühlt und wer sie sein möchte. Zwischendurch werden zusätzlich Passagen aus der Sicht ihrer 16jährigen Tochter Anna eingefügt, die zwar eine interessante Einsicht bieten, insgesamt aber eher von Helenes Geschichte ablenken. Wieso sich die Autorin dafür entschieden hat, Annas Perspektive mit einzubeziehen und nicht auch die ihres Sohnes Jonas, kann ich also nicht ganz nachvollziehen.

Auch die Nebenfiguren blieben mir im Vergleich zu anderen Bücher der Autorin etwas zu blass und sind stark von der internalisierten Misogynie der Figur geprägt. Außer ihrer Tochter, der "anderen Frau" Mariam und ihrer toxischen Mutter spielt keine andere Frauenfigur eine wichtige Rolle, stattdessen dreht sich ihre ganze Welt um zwei mittelmäßig interessante Männerfiguren, Georg und Alex sowie ihren Bruder Henry. So verschenkt der Roman die Chance, eine kraftvolle feministische Erzählung über weibliche Selbstermächtigung und das Ringen um Identität in einem patriarchal geprägten System zu sein.

"Ich hätte diejenige sein sollen, die geht. Mich gegen ihn entscheiden und für mich. Wieso habe ich es nicht getan? Es gab so viele Tage mit so vielen Stunden, in denen ich ihn hätte verlassen können. Und jetzt ist er weg – so wie er eigentlich immer weg war. Nur dass es diesmal wehtut.”



Fazit

"Lügen, die wir uns erzählen" ist ein solides, stellenweise berührendes Familien und Selbstfindungsdrama, bei dem ich aber das unterschwellige Knistern und die Sogwirkung von Anne Freytags früheren Romane vermisst habe.