Profilbild von Lu-cy

Lu-cy

Lesejury Profi
offline

Lu-cy ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Lu-cy über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.08.2025

In Villa Wittlow fliegen die Fetzen

Meine Sommer mit Marx
0

„Meine Sommer mit Marx“ ist der Auftakt zu Fee Tauts „Lavnitz-in-Love-Reihe“. In diesem ersten Teil kehrt Sessy nach zehn Jahren zurück in die ländlich gelegene Villa Wittlow, der älteren Freundin Edith. ...

„Meine Sommer mit Marx“ ist der Auftakt zu Fee Tauts „Lavnitz-in-Love-Reihe“. In diesem ersten Teil kehrt Sessy nach zehn Jahren zurück in die ländlich gelegene Villa Wittlow, der älteren Freundin Edith. Hier hat die quirlige Sessy einst einen Sommer mit der abenteuerlustigen Edith und dem vernünftigen Marx verbracht, bevor sie in die Welt hinauszog. Doch das Wiedersehen mit Marx verläuft ganz anders als Sessy es sich erhofft hat.
Das Cover ist in Orangetönen gehalten, fängt bereits einige Charakterzüge der beiden Protagonisten gelungen ein und zeigt auch noch die Villa als Setting des Romans.
Fee Tauts Schreibstil lässt sich angenehm flüssig lesen. Die Handlung spielt sich auf zwei Zeitebenen ab, wobei der Sommer vor 10 Jahren überwiegend aus Marx Perspektive und der gegenwärtige Sommer aus Sessys Sicht erzählt wird. Dies ändert sich erst kurz vor Ende des Romans, wenn die Sicht und Gefühle beider Protagonisten auf Situationen aus beiden Sommern deutlich werden. Der Ansatz ist ebenso wie die beiden Figuren selbst sehr interessant. Allerdings hätte ich mir bei einzelnen Ereignissen schon wesentlich eher beide Blickwinkel gewünscht. Spannungen gibt es im Verlauf des Romans jede Menge, denn zwischen den beiden ungleichen Protagonisten fliegen immer wieder mächtig die Fetzen. Die Handlung ist dafür aber meiner Meinung nach leider doch eher ein wenig enttäuschend – es passiert einfach nicht viel. Das Drama um die komplizierte und intensiv dargestellte Beziehung zwischen Sessy und Marx tröstet aber darüber ein wenig hinweg.
Als besonders interessant habe ich die Figuren des Romans wahrgenommen, insbesondere Sessy und Marx. Weder Sessy noch Marx waren für mich echte Sympathieträger. Trotzdem haben beide mich sowohl einzeln als auch in ihrer Beziehung zueinander fasziniert. Sessy ist behütet aufgewachsen, ziemlich verwöhnt und daran gewöhnt ihren Willen zu bekommen. Sie ist quirlig, oft sehr direkt, manchmal rebellisch und handelt mal impulsiv ohne mögliche Konsequenzen in Betracht zu ziehen, mal manipulativ. Obwohl Sessy sich selbst eine Wandlung von der „alten Sessy“ zur „neuen Sessy“ attestiert, blitzt doch immer wieder der trotzige Teenager von vor 10 Jahren durch. Dabei wirkt sie mit der Erwartungshaltung nach 10 nahezu kontaktlosen Jahren wieder mit offenen Armen in der Villa empfangen zu werden ziemlich egozentrisch, aber auch naiv. Dass Marx sich ebenfalls weiterentwickelt oder gar mit ihr abgeschlossen haben könnte, kommt Sessy gar nicht erst in den Sinn. Ihr Ziel ist es Marx ganz für sich zu gewinnen – etwas, was ihr in der Vergangenheit verwehrt geblieben ist.
Marx ist das glatte Gegenteil von der aufgedrehten Sessy. Er ist ruhig und besonnen, seine Vergangenheit und sein ausgesprochen geringes Selbstwertgefühl quälen ihn sehr und er traut sich stets wenig zu. Phasenweise wirkt er mit seinen düsteren Gedanken beinahe ein wenig depressiv. Für die wenigen Menschen, die in seinem Leben wichtig sind, ist er die Zuverlässigkeit in Person. Alle anderen prallen an den dicken Mauern, die Marx um sich errichtet hat ab, doch Sessy bringt sein mühsam erreichtes inneres Gleichgewicht wieder einmal gefährlich ins Wanken.
Die Beziehung zwischen den beiden grundverschiedenen Protagonisten macht deutlich, wie hilfreich eine offene und ehrliche Kommunikation doch ist und welche Dramen sich abspielen können, wenn eben diese fehlt.
Insgesamt ist der Roman sicher kein glanzvolles literarisches Highlight, lässt sich aber sehr angenehm und mit Freude lesen und besticht mit anregenden Charakter- und Beziehungsstudien.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.06.2025

Mit dem Happy End fangen die Probleme an

Und plötzlich ist es wunderbar
0

In ihrem Roman „Und plötzlich ist es wunderbar“ startet die Autorin Mhairi McFarlane mit dem Happy End und setzt die Handlung mit dem recht außergewöhnlichen Beziehungsalltag zwischen Edie Thompson und ...

In ihrem Roman „Und plötzlich ist es wunderbar“ startet die Autorin Mhairi McFarlane mit dem Happy End und setzt die Handlung mit dem recht außergewöhnlichen Beziehungsalltag zwischen Edie Thompson und dem berühmten Schauspieler Elliot Owen fort.
Eine frische Idee die mir im Vorfeld wirklich gut gefallen hat, zumal ich von der Autorin schon einiges gelesen habe und mindestens einer ihrer Romane zu meinen Lieblingsbüchern zählt. Vielleicht liegt es also an meinen zu hohen oder falschen Erwartungen, dass ich von diesem jüngsten Werk leider doch ein wenig enttäuscht bin.
Auf dem vorherrschend rosafarbenen Cover, von pinken und blauen Filmstreifen umgeben küsst sich ein Paar, wohl die Protagonisten des Romans. Die Filmstreifen setzen sich auf dem Buchschnitt fort. Das Cover wirkt ansprechend stellt den Inhalt aber eher oberflächlich dar. Zudem passt es leider überhaupt nicht zum Vorgängerroman „Irgendwie hatte ich mir das anders vorgestellt“. Dass es diesen überhaupt gibt und ich ihn vor einigen Jahren auch gelesen habe, ist mir erst nach einigen Kapiteln der Fortsetzung aufgefallen.
Auch dem Schreibstil der Autorin konnte ich bei diesem Roman deutlich weniger abgewinnen als sonst. Den Emotionen der Protagonisten fehlt in meinen Augen die Tiefe und viele Gespräche und Situationen wirken eher ein wenig kryptisch und verwirrend. Die Atmosphäre in diesem Liebesroman konnte mich nur teilweise ansprechen und war mir nicht behaglich genug für dieses Genre. Zwischendurch gab es allerdings auch einige Passagen, die mir gut gefallen oder mich amüsiert haben. Im Großen und Ganzen kann der Schreibstil mich aber nicht wirklich begeistern. Zwar kostet das Weiterlesen keine allzu große Überwindung, ein Pageturner ist dieses Buch für mich aber beim besten Willen nicht.
Spannung kommt hingegen durchaus auf, denn Edie und Elliot leben auf unterschiedlichen Kontinenten. Ihre Verbindung ist also eher weitläufig und beide sind umgeben von Menschen, die ihre Treue auf die Probe stellen könnten. Eine echte Herausforderung also sowohl für Edie als auch für Elliot Vertrauen in den Partner zu haben. Zugegebenermaßen war ich mir beim Lesen oft unsicher wie das ganze Dilemma denn nun enden wird – und welches Ende nun ein wirkliches Happy End wäre. So richtig passend erscheint mir der Titel nämlich nicht. Viel Raum erhalten auch die Themen Medien und Social Media. Hier wird wieder einmal klar, welchen Einfluss sie auf das Leben von (meist vollkommen unschuldigen) Menschen ausüben können.
Die beiden Protagonisten konnten den Roman für mich auch nicht merklich aufwerten. Obwohl der Neubeginn ihrer Beziehung offenbar gut überlegt ist, dauert es nicht lange bis Zwietracht und Misstrauen aufkommen. Elliot kommt sogar schon in der Versöhnungsphase ganz zu Beginn ziemlich heuchlerisch rüber: kurz die so immens wichtige Beziehung erneuern und dann schnell rüber zum nächsten (unwichtigen) Job. Auch Edie ist ihm gegenüber nicht gänzlich aufrichtig. Insgesamt scheint mir ihre Beziehung nicht nur räumlich, sondern auch emotional distanziert und ziemlich instabil zu sein. Gut gefallen haben mir dagegen einige Nebenfiguren, wie Elliots Bruder Fraser oder Edies leicht exzentrische Schwester Meg.
Insgesamt schien die Idee des Romans zwar wirklich vielversprechend, die Umsetzung hat aber ihre Schwächen und konnte meine Erwartungen nicht erfüllen – keine vertane Lesezeit, aber sicherlich auch kein Must-Read.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere