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Veröffentlicht am 06.08.2025

Wenn Nähe nur in Momenten möglich ist

Say You’ll Remember Me
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Inhalt:
Samantha verbringt ihren letzten Abend in Minneapolis und rechnet nicht damit, dass ihr ein Date mit einem grummeligen Tierarzt das Herz brechen könnte – aber genau das passiert. Xavier, hinter ...

Inhalt:
Samantha verbringt ihren letzten Abend in Minneapolis und rechnet nicht damit, dass ihr ein Date mit einem grummeligen Tierarzt das Herz brechen könnte – aber genau das passiert. Xavier, hinter dessen rauer Schale sich ein fürsorglicher, emotional tiefgründiger Mensch verbirgt, ist alles, was sie sich je gewünscht hat. Doch gleich am nächsten Morgen zieht Sam nach Kalifornien, um sich um ihre demente Mutter zu kümmern – und für eine Fernbeziehung fehlt beiden die Zeit, Energie oder Hoffnung. Trotzdem bleibt die Verbindung bestehen. Über tausende Meilen hinweg kämpfen sie mit Distanz, Alltagslast und der Frage: Ist eine Liebe, die zeitlich wie räumlich kaum Raum bekommt, es dennoch wert?

Meinung:
Ich bin mit hohen Erwartungen an dieses Buch herangegangen, nicht zuletzt, weil ich „Just for the Summer“ sehr mochte – und wurde emotional anders, aber auf eine eigene Weise berührt. Die Geschichte von Samantha und Xavier ist keine klassische Lovestory mit ständigem Knistern, dramatischem Streit und kitschiger Versöhnung – sondern eine stille, reife, oft erschütternde Auseinandersetzung mit dem, was Liebe im echten Leben bedeutet. Abby Jimenez gelingt es, durch den Wechsel zwischen Sams und Xaviers Perspektiven eine Nähe zu schaffen, die mich direkt in ihre Gefühlswelten gezogen hat. Xavier war für mich dabei die Figur, die ich am stärksten empfunden habe: Ja, ein bisschen zu perfekt vielleicht – aber auch gebrochen, müde, zutiefst menschlich. Dass er sich so aufopfernd um Tiere kümmert, dabei mit seiner eigenen Vergangenheit ringt und dann trotzdem für Sam da sein will, hat mich wirklich berührt. Samantha hingegen ist tough, witzig, voller Selbstironie – aber innerlich zunehmend zerrissen zwischen Pflicht, Schuld und Sehnsucht. Ihre Beziehung zu ihrer Mutter wurde nicht nur emotional, sondern sehr realistisch geschildert: Die Frustration, das Loslassen, die Suche nach Momenten, in denen noch etwas wie Nähe spürbar ist. Das hat mich persönlich getroffen – nicht, weil ich es eins zu eins kenne, sondern weil ich das Gefühl hatte, einer echten Tochter beim Trauern zuzusehen. Was mir im Mittelteil ein wenig fehlte: Luft und Raum für Zweisamkeit. Es reiht sich ein Schicksalsschlag an den nächsten, die Dialoge werden schwerer, die Momente der Leichtigkeit seltener. Die Popkultur-Referenzen (vor allem Rhysand – ja, wir lieben ihn, aber muss er immer als Maßstab herhalten?) waren für meinen Geschmack manchmal ein bisschen drüber. Auch mit dem Humor bin ich nicht immer warm geworden – die Senfwitze fand ich eher bemüht als charmant. Und dennoch: Ich habe jede Seite mit einem Gefühl von Nähe gelesen. Das liegt an Abby Jimenez’ großem Talent, emotionale Wahrhaftigkeit zu erzählen – ohne Kitsch, ohne künstliches Drama, aber mit all den Zwischentönen, die das echte Leben schreibt. Die Liebesgeschichte zwischen Xavier und Samantha mag sich langsam entfalten, aber sie ist ehrlich, tief und voller stiller Kraft.

Fazit:
Abby Jimenez erzählt in „Say You’ll Remember Me“ eine berührende Geschichte über Nähe trotz Distanz, Liebe inmitten von Verantwortung – und das Bedürfnis, sich Erinnerungen zu bewahren, bevor alles zerbricht. Die emotionale Tiefe ist eindrucksvoll, die Charaktere glaubwürdig und liebevoll gezeichnet, auch wenn der Humor nicht immer trifft und einige Passagen etwas überfrachtet wirken. Wer Liebesromane mit echtem Leben, echten Hürden und einem bittersüßen Happy End mag, wird hier fündig. Ich vergebe 4 von 5 Sternchen.

Veröffentlicht am 06.08.2025

Ein Buch zum Wohlfühlen, Schmunzeln und Mitfiebern

The One I Stood Beside
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Inhalt:
Sadie steht nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters vor dem Nichts – die elterliche Farm droht versteigert zu werden. In dieser schwierigen Zeit ist ihr bester Freund Jude wie immer an ihrer Seite. ...

Inhalt:
Sadie steht nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters vor dem Nichts – die elterliche Farm droht versteigert zu werden. In dieser schwierigen Zeit ist ihr bester Freund Jude wie immer an ihrer Seite. Um Sadie vor dem finanziellen Ruin zu bewahren, macht Jude ihr einen ungewöhnlichen Vorschlag: eine Scheinehe, um gemeinsam einen Kredit zu bekommen. Was er nicht weiß: Sadie ist längst heimlich in ihn verliebt. Während die beiden ihre Hochzeit vorbereiten, verschwimmen die Grenzen zwischen Freundschaft und Liebe – doch Jude scheint ihre Gefühle nicht zu erwidern, oder?

Meinung:
Ich liebe Fake-Marriage-Tropes, besonders wenn sie mit einer langjährigen Freundschaft verwoben sind. Was das Autorinnen-Duo Piper Rayne in diesem Roman abliefert, ist für mich eine herzerwärmende Friends-to-Lovers-Romance mit Wohlfühlcharakter und genau dem richtigen Maß an Spice. Was mich sofort abgeholt hat, war die Atmosphäre. Das Setting auf der Farm und die Kleinstadt Willowbrook strahlen genau die Art von ländlicher Ruhe, familiärer Nähe und Gemeinschaft aus, die ich in diesem Genre suche. Es ist wie Heimkommen – mit all den charmanten Nebenfiguren, liebevollen Details und neckischen Brüdern, die die Geschichte lebendig machen, ohne je vom Kern der Handlung abzulenken. Sadie und Jude sind kein typisches Paar. Beide über 30, mit einer Vergangenheit und echten Sorgen im Gepäck. Dass sie sich seit Kindertagen kennen, macht ihre Verbindung umso glaubwürdiger – und umso schmerzhafter ist es, mitanzusehen, wie sie sich emotional umeinander herumdrücken. Gerade Sadies Zurückhaltung, ihre Gefühle zu offenbaren, war absolut nachvollziehbar, wenn auch manchmal etwas zu zaghaft für meinen Geschmack. Jude hingegen war für mich das emotionale Highlight. Er wirkt auf den ersten Blick verschlossen, grummelig und eher praktisch veranlagt. Aber sobald es um Sadie geht, wird er weich, fürsorglich und überlegt. Seine innere Entwicklung, das langsame Loslassen alter Glaubenssätze und sein Ringen mit der eigenen Verletzlichkeit, haben mich tief berührt. Ich fand es schön, dass die Autorinnen sich Zeit genommen haben, seine Perspektive ausführlich zu beleuchten. Was ich mir mehr gewünscht hätte, ist erzählerischer Raum für die wirklich wichtigen emotionalen Momente. Einige Szenen – insbesondere rund um die Hochzeit – wirkten zu kurz oder zu abrupt beendet. Auch das Ende war mir ein wenig zu glatt gebügelt, als würde man einem dramatischen Konflikt aus dem Weg gehen. Hier hätte ich mehr Mut zur Tiefe begrüßt. Ebenso waren manche Spice-Szenen sehr früh und etwas zu dominant gesetzt – nicht schlecht geschrieben, aber sie hätten besser gewirkt, wenn die emotionale Nähe vorher stärker aufgebaut worden wäre. Trotzdem: Die Geschichte schafft es, zu berühren. Nicht durch große Plot-Twists, sondern durch ehrliche Emotionen, liebevoll geschriebene Dialoge und eine sanfte Entwicklung, die sich realistisch anfühlt – keine aufgebauschten Missverständnisse, keine gezwungenen Spannungsbögen, sondern zwei Menschen, die sich trauen, ihr Herz zu öffnen.

Fazit:
„The One I Stood Beside“ von Piper Rayne ist eine gefühlvolle, charmante Friends-to-Lovers-Romance mit einer stimmungsvollen Kleinstadt-Atmosphäre und einer großen Portion Herz. Die Fake-Marriage bietet nicht nur Raum für knisternde Szenen, sondern auch für emotionale Tiefe – selbst wenn Letztere an manchen Stellen hätte stärker ausgebaut werden dürfen. Dank der liebenswerten Figuren, des authentischen Settings und des angenehmen Stils gibt es von mir 4 von 5 Sternchen. Ein Buch zum Wohlfühlen, Schmunzeln und Mitfiebern – besonders für Fans von Slow Burn, Cowboys und heimlicher Liebe.

Veröffentlicht am 06.08.2025

Ein Roman voller Herz, Hoffnung und sommerlicher Reiterhof-Romantik

Hearts & Horses – Reiten, Rockstar und das große Glück
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Inhalt:
Mia hat ihre Mutter bei einem Reitunfall verloren – ein Schicksalsschlag, der ihr Leben auf den Kopf stellt. Ihr Vater verkauft daraufhin nicht nur das geliebte Pferd Tiago, sondern verbietet Mia ...

Inhalt:
Mia hat ihre Mutter bei einem Reitunfall verloren – ein Schicksalsschlag, der ihr Leben auf den Kopf stellt. Ihr Vater verkauft daraufhin nicht nur das geliebte Pferd Tiago, sondern verbietet Mia auch jeglichen Kontakt zur Pferdewelt. Doch zwei Jahre später erfährt Mia, dass Tiago ganz in ihrer Nähe auf einem Gestüt untergebracht ist. Entgegen aller Verbote macht sie sich auf den Weg und trifft dort nicht nur auf ihr verändertes Pferd, sondern auch auf Arvid, einen Jungen mit überraschendem Hintergrund. Zwischen Pferdeäpfeln, Heimlichkeiten und Herzklopfen beginnt ein Sommer voller Mut, Gefühle und der Hoffnung auf ein kleines bisschen Glück.

Meinung:
Was dieses Buch auszeichnet, ist seine atmosphärische Dichte: Man spürt förmlich den Nordseewind, riecht den Stall und hört das leise Schnauben der Pferde. Sabrina Qunaj schafft es mit ihrem angenehm flüssigen und emotionalen Schreibstil, direkt ins Herz der jungen – und auch älteren – Lesenden zu treffen. Protagonistin Mia wirkt authentisch, verletzlich, aber auch entschlossen. Ihr Schmerz über den Verlust der Mutter und die Sehnsucht nach ihrem Pferd Tiago sind nachvollziehbar und berühren. Besonders gelungen finde ich den Umgang mit emotionalen Themen wie Trauer, Kontrolle, Vertrauen und Selbstbestimmung. Die Geschichte vermittelt leise, aber wirkungsvolle Botschaften: Dass man nicht über andere hinweg entscheiden sollte, was gut für sie ist. Dass Verlust nicht das Ende von Liebe bedeutet. Und dass Jugendliche oft mehr Klarheit und Kraft in sich tragen, als Erwachsene ihnen zutrauen. Die Dynamik zwischen Mia und Arvid ist zart, glaubwürdig und niemals kitschig. Arvid bringt einen frischen Twist in die Geschichte. Als Popstar auf der Suche nach Normalität hat er seine eigenen Konflikte, die die Beziehung der beiden auf spannende Weise beeinflussen. Seine Nähe zu Tiago lässt Mia zunächst eifersüchtig, dann neugierig, schließlich ehrlich und offen werden. Dass sie sich mit einer Lüge auf den Hof schmuggelt, sorgt für zusätzliche Spannung, aber auch für nachvollziehbare innere Konflikte. Hier zeigt sich auch, dass Mia nicht nur ein pferdeverliebtes Mädchen, sondern ein Mensch mit Ecken, Kanten und Lernprozessen ist. Obwohl sich die Geschichte in ihrer Zielgruppe klar an Mädchen ab 10 Jahren richtet, hat sie durch ihre emotionale Tiefe und die reflektierte Erzählweise durchaus Potenzial, auch Erwachsene oder ältere Jugendliche zu berühren – sofern sie eine gewisse Nähe zum Thema Pferde oder Coming-of-Age-Romane mitbringen. Kritisch anzumerken ist lediglich, dass der Rockstar-Aspekt von Arvid für mein Empfinden eine Spur zu idealisiert dargestellt wird. Für das Alter der Figuren wirkt manches fast schon zu erwachsen – hier hätte eine etwas ältere Protagonistin die Geschichte noch glaubwürdiger machen können. Dennoch fügt sich der „Glamour“-Aspekt erstaunlich gut in die ansonsten sehr bodenständige, stimmige Pferdehof-Kulisse ein.

Fazit:
Mit „Hearts & Horses – Reiten, Rockstar und das große Glück“ gelingt Sabrina Qunaj ein gefühlvoller Auftakt in eine jugendliche Pferdewelt, die mehr als nur Stallgeruch und Reitstunden bietet. Zwischen Verlust, Mut und dem ersten Verliebtsein entfaltet sich eine Geschichte, die junge Lesende mitreißt und berührt. Ein Roman voller Herz, Hoffnung und sommerlicher Reiterhof-Romantik, der auch nach dem letzten Kapitel noch lange nachklingt – von mir gibt es dafür 4 von 5 Sternchen.

Veröffentlicht am 30.06.2025

Kleine Wahl – Große Wirkung: Wie Sofia und die Forscherbande Demokratie erleben

Die Forscherbande - Sofia Valdez und die Wahl des Klassentiers
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Inhalt:
In der zweiten Klasse der Grundschule Bad Blaubach herrscht große Aufregung: Ein Klassentier soll her – aber welches? Zur Auswahl stehen eine Schildkröte und ein Vogel. Um eine faire Entscheidung ...

Inhalt:
In der zweiten Klasse der Grundschule Bad Blaubach herrscht große Aufregung: Ein Klassentier soll her – aber welches? Zur Auswahl stehen eine Schildkröte und ein Vogel. Um eine faire Entscheidung zu treffen, organisieren die Kinder eine Wahl, bei der Sofia Valdez zur Wahlbeauftragten ernannt wird. Es beginnt ein spannender Wahlkampf mit Plakaten, Artikeln und Reden – doch dann fehlt plötzlich eine entscheidende Stimme. Zusammen mit ihrer Forscherbande macht sich Sofia daran, die Situation zu lösen und demokratische Prinzipien zu bewahren. Ergänzt wird die Geschichte durch einen Wissensteil über Wahlen, Fake News, Mitbestimmung und Journalismus.

Meinung:
Dieses Buch ist ein kleines Kraftpaket: politisch, verspielt und dabei keineswegs belehrend. Was mir sofort positiv aufgefallen ist, ist die kluge Verbindung zwischen kindlicher Lebenswelt und einem sehr ernsten Thema: Demokratie. Es wird nicht abstrakt über politische Systeme geredet, sondern Mitbestimmung wird konkret erlebbar gemacht – durch ein Klassentier, über das abgestimmt wird. Das ist schlau gewählt, weil es für Kinder greifbar ist, ohne ins Banale abzurutschen. Besonders gelungen finde ich die Rolle von Sofia, denn sie ist nicht einfach nur Heldin der Geschichte, sondern eine Art Vorbild für Selbstwirksamkeit. Das Buch zeigt Kindern, dass auch sie Einfluss nehmen können – sei es durch Nachfragen, sich Einmischen oder einfach durch Zuhören. Die Illustrationen sind wie immer bei David Roberts ein Fest. Lebendig, detailverliebt und mit viel Charme. Es macht Spaß, die Seiten gemeinsam zu entdecken – auch beim zweiten oder dritten Durchblättern. Der Wissensteil am Ende ist eine starke Ergänzung. Dort wird erklärt, wie Wahlen funktionieren oder wie man Fake News erkennt. Allerdings empfinde ich den Text an einigen Stellen sprachlich doch recht anspruchsvoll. Längere Satzkonstruktionen und ungewöhnliche Namen könnten Erstlesende überfordern. Mein Eindruck war, dass das Buch eher zum Vorlesen geeignet ist – was natürlich auch schöne gemeinsame Momente schafft, aber den Anspruch, es sei schon ab 7 Jahren selbstständig lesbar, etwas relativiert. Auch hätte ich mir gewünscht, dass der Wissensteil optisch etwas einladender gestaltet ist – so wirkt er eher wie ein Anhang als ein integrierter Teil des Buchs.

Fazit:
„Die Forscherbande: Sofia Valdez und die Wahl des Klassentiers“ von Andrea Beaty und David Roberts ist eine gelungene Mischung aus Abenteuer, Freundschaftsgeschichte und politischer Bildung. Es vermittelt auf kindgerechte Weise, wie Demokratie funktioniert, warum Wahlen wichtig sind und dass Mitmachen zählt – ohne dabei trocken oder belehrend zu wirken. Trotz kleiner sprachlicher Hürden ist das Buch ein wertvolles Werkzeug für Eltern, Lehrkräfte und alle, die Kindern Lust auf Beteiligung machen wollen. Von mir gibt es gute 4 von 5 Sternchen.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
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  • Charaktere
  • Cover
  • Thema
Veröffentlicht am 22.06.2025

Alte Liebe, neue Hoffnung

The One I Left Behind
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Inhalt:
Ben Noughton, ein ehemaliger Footballstar, kehrt nach dem Ende seiner Profikarriere zurück in die Heimat – eine Ranch in Nebraska, die er mit seiner Familie teilt. Dort trifft er auf Gillian, die ...

Inhalt:
Ben Noughton, ein ehemaliger Footballstar, kehrt nach dem Ende seiner Profikarriere zurück in die Heimat – eine Ranch in Nebraska, die er mit seiner Familie teilt. Dort trifft er auf Gillian, die er einst zurückließ, seine erste große Liebe, die inzwischen alleinerziehende Mutter ist. Die Vergangenheit steht zwischen ihnen, ebenso wie ihr Sohn, der ihn bewundert hat – bis er die Wahrheit erfährt. Doch mit seiner Rückkehr beginnt auch ein vorsichtiger Neuanfang – sowohl beruflich als auch emotional. Eine zweite Chance scheint möglich, wenn beide bereit sind, alte Wunden heilen zu lassen.

Meinung:
Ich habe eine Schwäche für Second-Chance-Romances in Kleinstadt-Settings – und genau das liefert dieser Reihenauftakt. Die Geschichte von Ben und Gillian hat mich von der ersten Seite an abgeholt, denn manchmal braucht es gar nicht viel mehr als eine gute Portion Herz, ein glaubwürdiges Paar und eine authentische Umgebung, damit man sich in einem Buch zu Hause fühlt. Ben war für mich ein absoluter Pluspunkt: verletzlich, aber nicht schwach, verantwortungsvoll, ohne perfekt zu sein. Seine Entwicklung vom gefeierten NFL-Star zum Coach mit Heimatsehnsucht ist nachvollziehbar und hat Tiefe. Besonders gelungen fand ich seine Bemühungen, nicht nur Gillians Herz zurückzugewinnen, sondern sich auch das Vertrauen ihres Sohnes Clayton zu erarbeiten. Diese Vaterfigur-Dynamik war rührend und emotional gut platziert. Gillian ist ebenfalls stark gezeichnet. Sie ist keine Frau, die gerettet werden muss, sondern eine, die gelernt hat, alleine durchs Leben zu gehen. Ihr innerer Konflikt, zwischen Selbstschutz und aufkeimender Hoffnung, ist glaubwürdig und hat mir gut gefallen. Sie trägt emotionale Narben mit sich, ist aber nicht bitter. Besonders ihre Entwicklung im Hinblick auf ihre Zukunftspläne und die Offenheit gegenüber einem neuen Kapitel im Leben wirkte reif und stimmig. Was das Buch besonders macht, ist weniger die Originalität der Handlung, sondern vielmehr die Art, wie Piper Rayne die Atmosphäre in Willowbrook einfängt: Das Kleinstadtleben, die Ranch mit all ihren Brüdern, die Verbundenheit der Familie – das alles wirkt wie eine warme Decke. Die Nebenfiguren sind nicht bloß Staffage, sondern geben der Geschichte Tiefe und Potenzial für kommende Bände. Dennoch hätte die Story an einigen Stellen mutiger sein dürfen. Es fehlte mir ein bisschen der Konflikt, der Schmerz, das Drama – gerade bei einer Second-Chance-Geschichte. Alles verläuft ein wenig zu glatt. Auch die Cowboy-Vibes, die ich mir erhofft hatte, waren dezent statt präsent. Der „Spice“-Anteil ist da, aber bleibt angenehm eingebettet, nie überladen. Trotzdem hätte ich mir etwas mehr Knisterspannung oder Überraschungen gewünscht, um dem Buch mehr Eigenständigkeit zu verleihen.

Fazit:
„The One I Left Behind“ von Piper Rayne ist eine gefühlvolle, leicht zugängliche und sehr charmante Small-Town-Romance mit einem sympathischen Cast, einem herzerwärmenden Setting und zwei Hauptfiguren, denen man ihre zweite Chance gerne gönnt. Auch wenn die Handlung keine großen Überraschungen bietet, ist der emotionale Kern authentisch und liebevoll erzählt. Wer ruhige, romantische Wohlfühllektüre mit Kleinstadtflair und etwas Spice sucht, wird hier fündig. Von mir gibt es 4 von 5 Sternchen.