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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.07.2025

Im Zwiespalt

Gesellschaftsspiel
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Dieses Buch hat mich nachdenklich zurückgelassen und das meine ich sowohl positiv als auch mit einem kleinen Fragezeichen. Gesellschaftsspiel kombiniert eine familiäre Geschichte mit einem ziemlich ambitionierten ...

Dieses Buch hat mich nachdenklich zurückgelassen und das meine ich sowohl positiv als auch mit einem kleinen Fragezeichen. Gesellschaftsspiel kombiniert eine familiäre Geschichte mit einem ziemlich ambitionierten politischen Gedankenspiel: Drei Frauen – zwei Schwestern und ihre Tante – treffen sich am Sterbebett der Mutter wieder, gleichzeitig wird in Weimar eine Demokratie-App getestet, die die Gesellschaft umkrempeln soll.

Die Idee dahinter finde ich total spannend. Gerade weil das Thema Demokratie heute so präsent ist wie lange nicht mehr. Sei es bei Wahlen, in Talkshows oder im ganz normalen Gespräch beim Abendessen. Plötzlich reden alle wieder über Politik, über Mitbestimmung, über Spaltung, über digitale Räume. Da wirkt das Szenario, das Dora Zwickau hier entwirft, fast schon prophetisch: Was, wenn wir unsere Gesellschaft per App „neu denken“ könnten? Oder wollen wir das lieber gar nicht?

Gleichzeitig war ich beim Lesen aber auch etwas hin- und hergerissen. Die Figuren blieben für mich auf Abstand. Ich konnte sie beobachten, aber selten wirklich fühlen. Das Buch wirft viele Fragen auf, aber gibt wenig Antworten. Vielleicht ist das gewollt. Vielleicht soll man sich selbst seinen Reim darauf machen. Aber an manchen Stellen hätte ich mir mehr Klarheit oder Tiefgang gewünscht, gerade auch emotional.

Was mir gefallen hat: die ruhige Sprache, die moderne Erzählform mit Mails und Chats, und dass das Buch sich traut, unbequem zu sein. Was mich etwas gestört hat: der fehlende Knall, den der Klappentext suggeriert. Es plätschert eher auf hohem Niveau, aber eben ohne echten Sog.

Trotzdem: Wenn man sich für gesellschaftliche Entwicklungen interessiert und auch mal einen Blick in unsere nahe Zukunft werfen will, ist Gesellschaftsspiel definitiv lesenswert. Kein einfacher Roman, aber einer, über den man reden möchte und das ist ja auch eine Form von politischer Teilhabe.

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Veröffentlicht am 30.06.2025

interessanter Ansatz

Sugar Crush
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Die Geschichte um Mateo, der plötzlich kryptische Nachrichten von einer anonymen Person namens „Pumpkinpie“ bekommt, ist kein neues Konzept, sondern bereits mehrfach umgesetzt, aber sie funktioniert trotzdem ...

Die Geschichte um Mateo, der plötzlich kryptische Nachrichten von einer anonymen Person namens „Pumpkinpie“ bekommt, ist kein neues Konzept, sondern bereits mehrfach umgesetzt, aber sie funktioniert trotzdem gut. Mateo ist eine Figur, die man gerne begleitet. Ein wenig verloren, aber nicht überzeichnet. Seine Gedanken und Gefühle wirken authentisch, sein Umgang mit der Welt nachvollziehbar. Und obwohl vieles vorhersehbar ist, fühlt es sich beim Lesen nicht langweilig an.

Der Ton ist angenehm. Locker, aber nicht bemüht jugendlich, mit einem guten Gespür für Timing und Dialog. Ich musste oft schmunzeln, selten laut lachen, aber das wollte das Buch vermutlich auch gar nicht. Es ist keine Comedy, sondern eine Geschichte mit Herz, ein bisschen Chaos, ein bisschen Nachdenklichkeit.

Was ich ehrlich gesagt schwierig fand, war Chris Talls Auftritt als Figur im eigenen Buch. Die Idee, sich selbst als Mentor einzubauen, hat bei mir ein paar Fragezeichen hinterlassen. Es wirkte ein wenig selbstinszeniert, fast so, als wolle er sich selbst einen besonders klugen Platz in der Geschichte sichern. Die Figur an sich ist nicht schlecht geschrieben, aber für mich hätte sie nicht unbedingt Chris Tall selbst sein müssen.

Das Ende ging mir persönlich zu schnell. Da hätte ich mir mehr Zeit für die Auflösung gewünscht, aber dafür zwischendurch etwas weniger Ausschweifungen. Der offene Schluss bietet Spielraum für eigene Gedanken, was ich grundsätzlich mag, trotzdem hat es sich ein wenig abrupt angefühlt.

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Veröffentlicht am 25.06.2025

Zwischen Stärke und Erschöpfung

Emotional Female
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Das Buch hat mich schnell gepackt, vor allem durch die Figur Yumiko. Sie wird als kluge, fleißige und sehr pflichtbewusste Ärztin dargestellt. Ihr ständiger Einsatz und ihr hoher Anspruch an sich selbst ...

Das Buch hat mich schnell gepackt, vor allem durch die Figur Yumiko. Sie wird als kluge, fleißige und sehr pflichtbewusste Ärztin dargestellt. Ihr ständiger Einsatz und ihr hoher Anspruch an sich selbst haben mich beeindruckt, gleichzeitig aber auch nachdenklich gemacht. Man spürt, wie sehr sie unter Druck steht, von außen und vor allem auch durch sich selbst.
Besonders berührt haben mich ihre Begegnungen mit den Patienten. Ihre Fürsorglichkeit, ihre Ruhe, ihre Nähe – all das wirkt ehrlich und tief. Es zeigt, wie viel ihr dieser Beruf bedeutet. Umso erschreckender war zu sehen, wie wenig sie dafür zurückbekommt. Statt Anerkennung begegnen ihr Misstrauen, Machtgefälle und strukturelle Kälte.
Trotzdem lässt mich ihre Geschichte etwas zwiegespalten zurück. Yumiko erlebt eine enorme Überlastung, reagiert darauf aber oft mit Rückzug. Sie kämpft viel mit sich selbst, doch eine klare Wendung oder Entwicklung bleibt lange aus. Auch die Reflexion über eigene Anteile an ihrer Lage fehlt stellenweise. Der Text bleibt oft an der Oberfläche und emotional distanziert.
Ich hätte mir auch mehr Stimmen aus ihrem Umfeld gewünscht. Kollegen, Vorgesetzte, andere Perspektiven. So bleibt vieles einseitig. Auch eine stärkere Einordnung der systemischen Missstände hätte dem Buch gutgetan. Vieles bleibt angedeutet, aber nicht konsequent weitergedacht.
Trotz dieser Kritikpunkte hat mich das Buch bewegt. Es wirft wichtige Fragen auf: Wie viel können Einzelne im System leisten? Wann wird Engagement zur Selbstausbeutung? Und wie viel Raum bleibt für Menschlichkeit in einem Beruf, der so stark auf Leistung getrimmt ist?
Yumikos Weg wirkt ehrlich, aber auch traurig. Am Ende wünscht man ihr einfach, dass sie nicht nur funktioniert, sondern wirklich leben kann.

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Veröffentlicht am 04.06.2025

leichte Sommerromanze

Noch fünfzig Sommer mehr
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Das Cover hat mich sofort angelacht. Bretagne, Blumen, ein Hauch von Neuanfang – klang für mich nach genau der richtigen Sommerlektüre. Und was soll ich sagen? Landschaftlich hat das Buch absolut überzeugt. ...

Das Cover hat mich sofort angelacht. Bretagne, Blumen, ein Hauch von Neuanfang – klang für mich nach genau der richtigen Sommerlektüre. Und was soll ich sagen? Landschaftlich hat das Buch absolut überzeugt. Ich hatte beim Lesen ständig das Gefühl, direkt dort zu stehen, den Wind zu spüren und das Meer rauschen zu hören. Richtig schön beschrieben!

Was ich auch richtig mochte: die kurzen Kapitel. Für mich als “Nur noch ein Kapitel” Leserin perfekt, weil ich so viel schneller durch die Geschichte kam. Es liest sich angenehm leicht und flüssig.

Was mir allerdings ein bisschen gefehlt hat, war die Verbindung zu den Figuren. Ich bin einfach nicht so richtig warm geworden mit Eleni und Théo. Sie wirkten ein bisschen zu glatt, fast so, als würde man sie nur aus der Ferne beobachten. Da hätte ich mir mehr Tiefe und Ecken und Kanten gewünscht.

Trotzdem war es ein schönes Buch für zwischendurch. Es hat mich zwar emotional nicht komplett mitgerissen, aber ich hab mich beim Lesen wohlgefühlt und bin gerne durch die Seiten gereist. Wer Lust auf eine sanfte Sommergeschichte mit ganz viel Urlaubsfeeling hat, wird hier bestimmt fündig.

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Veröffentlicht am 23.04.2025

schön, aber sehr vorhersehbar

Der Sonne entgegen
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Der Sonne entgegen bietet einen angenehmen Roadtrip durch Italien mit sympathischen Hauptfiguren. Romy und Valentin sind gut gezeichnet, ihre Begegnung auf einer Kunstauktion und die anschließende gemeinsame ...

Der Sonne entgegen bietet einen angenehmen Roadtrip durch Italien mit sympathischen Hauptfiguren. Romy und Valentin sind gut gezeichnet, ihre Begegnung auf einer Kunstauktion und die anschließende gemeinsame Reise wirken authentisch. Die Beschreibung der italienischen Schauplätze wie Rimini, Neapel und Capri vermittelt ein angenehmes Urlaubsgefühl. Allerdings gibt es auch einige Aspekte, die mich weniger überzeugt haben. Die Handlung entwickelt sich an manchen Stellen vorhersehbar, und einige Wendungen wirkten für mich etwas konstruiert. Zudem bleiben manche Nebenfiguren blass, und ihre Motivationen sind für mich nicht immer nachvollziehbar. Insgesamt fand ich Der Sonne entgegen ein nettes Buch für zwischendurch, das mich aber nicht nachhaltig beeindruckt hat. Für Leserinnen und Leser, die leichte Unterhaltung mit einem Hauch Romantik suchen, ist es meiner Meinung nach durchaus geeignet. Das Cover des Buches, das ein Paar zeigt, das in den Sonnenuntergang geht und aussieht, als wäre es mit Wassermalfarben in warmen Farben gemalt, passt perfekt zur Atmosphäre des Romans und verstärkt das Gefühl von Romantik und Abenteuer.

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