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Veröffentlicht am 30.06.2025

Der berührende Neuanfang von Ida

Windstärke 17
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Windstärke 17, die Fortsetzung von 22 Bahnen, erzählt die Geschichte diesmal aus der Perspektive von Ida, der kleineren Schwester von Tilda. Ich fand es besonders interessant, die Dinge endlich aus Idas ...

Windstärke 17, die Fortsetzung von 22 Bahnen, erzählt die Geschichte diesmal aus der Perspektive von Ida, der kleineren Schwester von Tilda. Ich fand es besonders interessant, die Dinge endlich aus Idas Blickwinkel zu erleben, denn in 22 Bahnen blieb sie oft eine Randfigur. Jetzt rückt sie selbst ins Zentrum — und mit ihr all das Chaos, die Unsicherheit und das innere Ringen, das sie mit sich herumträgt.

Der Schreibstil schafft es hervorragend, Idas Gefühlswelt greifbar zu machen. Oft weiß Ida selbst nicht genau, warum sie so fühlt, wie sie fühlt, oder was sie mit sich und ihrem Leben anfangen soll. Doch genau das macht sie so nahbar. Man spürt beim Lesen, dass sie viel erlebt hat und dass sie noch immer mit den Schatten der Vergangenheit kämpft. Ich konnte mich in vielen Momenten sehr gut in sie hineinversetzen, gerade weil nicht immer alles logisch oder glatt erklärt wird. Gefühle sind eben manchmal einfach nur da — und Caroline Wahl bringt das sehr authentisch rüber.

Was mir besonders gefallen hat, ist der Beginn dieses Neuanfangs für Ida. Natürlich wird sie dabei weiter von ihren alten Problemen begleitet, aber man merkt, dass da leise Hoffnung auf etwas anderes ist. Die herzliche Art, mit der Knut und Marianna sie aufnehmen, war für mich ein richtig schöner Lichtblick in der Geschichte. Es ist niedlich und berührend zu lesen, wie die beiden an Ida glauben, auch wenn sie selbst daran zweifelt.

Spannend wird es auch durch die Figur Leif, den mysteriösen Jungen, der Ida begegnet. Schnell wird klar, dass auch er seine eigenen Dämonen hat, und die beiden verbindet dieses stille Verstehen zwischen Menschen, die zu viel erlebt haben. Ich hätte mir sehr gewünscht, am Ende auch mehr über seine Geschichte zu erfahren, denn da steckt viel Potenzial für eine weitere Erzählung. Vielleicht hebt sich die Autorin das ja für ein drittes Buch auf — ich würde es auf jeden Fall lesen wollen!

Alles in allem ist Windstärke 17 eine gelungene, emotionale und sehr ehrliche Fortsetzung. Caroline Wahl bleibt sich in ihrer Sprache und in der Art, Figuren zu zeichnen, treu. Sie schreibt über Schmerz und Hoffnung, über Verluste und kleine Momente des Glücks — und trifft damit genau ins Herz.

Mein Fazit: Ein stilles, intensives Buch, das zeigt, dass Neuanfänge oft mit alten Geschichten im Gepäck passieren, und dass das okay ist. Für alle, die 22 Bahnen mochten, ein absolutes Muss.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.04.2018

Ruhiger Psychothriller - das geht? - JA!

Dein Leben gegen meins
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Bei "Dein Leben gegen meins" geht es um zwei Frauen, die unterschiedlicher kaum sein können. Da gibt es einmal Daphne, die eine perfekte Ehe schlechthin mit den tollen reichen Jackson Parrish führt. Und ...

Bei "Dein Leben gegen meins" geht es um zwei Frauen, die unterschiedlicher kaum sein können. Da gibt es einmal Daphne, die eine perfekte Ehe schlechthin mit den tollen reichen Jackson Parrish führt. Und dann gibt es Amber, die bisher leider nicht soviel Glück und Erfolg im Leben hatte und demnach genau so leben möchte wie Daphne. Und wie macht man das am besten und einfachsten? Man befreundet sich mit seiner Konkurrenz an und nimmt langsam alles an sich...

Vorweg muss ich sagen, dass der Klappentext einiges versaut hat. Er verrät leider viel zu viel und nimmt den Plot Twist vorweg. Ich habe diesen Part in meiner kleinen Zusammenfassung nun nicht erwähnt, also solltet ihr den Klappentext noch nicht gelesen haben, dann tut das bitte auch nicht! Wäre dieses Ärgernis nicht gewesen, hätte mich das Buch wahrscheinlich umgehauen. Es ist für ein „Thriller“ zwar sehr ruhig geschrieben (besonders zum Anfang), aber der Schreibstil gefällt mir trotzdem sehr gut und hat dem ganzen somit keinen Abbruch getan. Für mich war es besonders zum Anfang sehr interessant wie manipulativ Amber vorgeht. Das ein Mensch so skrupellos sein kann, macht sie zwar zu einer sehr unsympathischen Figur, aber dafür finde ich ihren Ehrgeiz trotzdem sehr packend.

Veröffentlicht am 07.10.2017

Berührende Lebensgeschichte der Jeannette Walls

Schloss aus Glas (Filmausgabe)
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Bei "Schloss aus Glas" handelt es sich um eine Autobiografie von Jeannette Walls, die sehr berührend und interessant ist.

Die Geschichte fängt zunächst in der Gegenwart an: Jeannette fährt mit dem Taxi ...

Bei "Schloss aus Glas" handelt es sich um eine Autobiografie von Jeannette Walls, die sehr berührend und interessant ist.

Die Geschichte fängt zunächst in der Gegenwart an: Jeannette fährt mit dem Taxi durch New York und sieht auf einmal ihre Mutter, die auf der Straße im Müll nach Essen sucht. Vor lauter Scham macht sich Jeannette im Taxi ganz klein, damit sie von ihr bloß nicht erkannt wird.

In den darauffolgenden Kapiteln fängt die Autorin an ihr Leben von klein auf detailliert zu erzählen und gibt uns damit zu verstehen wie es zur der jetzigen Situation kommen konnte. Es ist kein Buch, was mit einem besonderen Schreibstil oder einer spannungsgeladenen Geschichte auftrumpfen kann, dennoch ist die Schreibweise sehr angenehm. Zudem ist es sehr interessant sie auf ihrem Lebensweg zu begleiten. Auch wenn man das Buch in schnellen Zügen lesen kann, so muss man an manchen Stellen kurz inne halten, da diese doch recht schrecklich oder unangenehm sind.

Trotz der negativen Ereignisse verlieren Jeannette und ihre Geschwister nie ihre Träume aus den Augen. Sie wollen raus aus diesem Leben und setzen alles daran es zu schaffen.
Es ist deswegen kein Buch, welches nur Verbitterungen hervorruft, sondern auch die Hoffnung darauf setzt, dass man - egal wo man herkommt und was man erlebt hat - sein Leben immer wieder in andere Bahnen lenken kann.

Es ist mutig von ihr, dass sie uns ihr Leben preisgegeben hat, aber ich bin froh, dass sie es getan hat. Dadurch erreicht sie bestimmt viele Menschen, die vielleicht in einer ähnlichen Situation stecken und die aufgrund dieser Geschichte wieder Hoffnung schöpfen können.

Veröffentlicht am 24.09.2017

Zukunftsvision à la Marc-Uwe Kling

QualityLand
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Qualityland ist eine satirische Zukunftsvision im Hinblick der Technik, der Gesellschaft und des Konsums. Menschen werden in Level eingegliedert, Freunde und Partner werden anhand von Apps ermittelt und ...

Qualityland ist eine satirische Zukunftsvision im Hinblick der Technik, der Gesellschaft und des Konsums. Menschen werden in Level eingegliedert, Freunde und Partner werden anhand von Apps ermittelt und Product Placement wird hier sowieso ganz groß geschrieben. Außerdem sind die Algorithmen der Maschinen schon so ausgereift, dass sie neurotische Krankheiten wie Angstzustände und Depressionen entwickeln. In dieser Welt werden die Maschinen zunehmend menschlicher und die Menschen zunehmend maschineller. Und das geht so weit bis ein menschlicher Android zu Wahl antritt...

So wie man Marc-Uwe Kling bereits kennt, erzählt er die Geschichte von Qualityland mit besonders viel Witz, Charme und Raffinesse. Zugleich ist es aber auch sehr erschreckend, da viele "Klischees", die hier beschrieben werden bereits schon existieren.

Besonders gut haben mir die immer wieder kehrenden kleinen News- und Werbungsausschnitte gefallen. Diese passten immer zur eigentlichen Geschichte und haben somit die neue Welt noch ein wenig besser beleuchtet. Außerdem sind da echte Knaller dabei, wo ich mich mit dem Lachen echt nicht zurückhalten konnte.

Die Geschichte wird keineswegs zu Ernst erzählt, sodass man auch sehr gut unterhalten wird. Es hinterlässt mich jedoch auch ein wenig nachdenklich zurück, da es natürlich keine Welt ist in der man leben möchte, aber wir leben ja bereits schon in dieser...

Veröffentlicht am 12.09.2017

Eine etwas andere Liebesgeschichte

Nachtblumen
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Bei Nachtblumen handelt es sich um ein Mädchen namens Jana, die ihre Ausbildung auf der Insel Sylt beginnt. Sie wird hier bei der Familie Völkner (zugleich auch ihr Chef) in einer Wohngemeinschaft mit ...

Bei Nachtblumen handelt es sich um ein Mädchen namens Jana, die ihre Ausbildung auf der Insel Sylt beginnt. Sie wird hier bei der Familie Völkner (zugleich auch ihr Chef) in einer Wohngemeinschaft mit allen weiteren Auszubildenden aufgenommen. Da die Familie Völkner gerne Menschen unterstützen möchte, die es bisher nicht sonderlich leicht im ihren Leben hatten, hat jeder Mitbewohner seine eigene Geschichte zu erzählen und demnach auch jeder seine eigenen "Macken".

Es hat mich sehr berührt, dass die Familie sich so hilfsbereit und selbstlos um solche Personen kümmert - auch wenn zu Beginn vielleicht nicht alles reibungslos ablaufen mag. Doch wie man hier sieht zahlen sich Verständnis und Geduld aus.

Da das Buch in der Ich-Perpektive aus der Sicht von Jana verfasst wurde, erfahren wir im Laufe der Geschichte immer mehr Details über die Vergangenheit der Mitbewohner und auch über ihre Vergangenheit selbst. Besonders sticht ihr aber der Mitbewohner Collin's ins Auge, der auf seine eigene Art und Weise sehr geheimnisvoll zu sein scheint. Es kommt zum langwierigen Kennenlernen, denn er ist sehr verschlossen und Jana nicht die Selbstbewussteste. Auch wenn das Buch keinen sonderlich großen Spannungsbogen beinhaltet, fande ich es sehr gut, dass die Gedanken von Jana so ausführlich geschildert wurden. Man konnte sich somit unglaublich gut in sie hineinversetzen.

Meiner Meinung nach ein sehr emotionales und tiefgreifendes Buch mit einer besonderen Liebesgeschichte.