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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.07.2025

Neuer Reihenauftakt nicht ganz überzeugend und etwas überladen

Nur ein falscher Schritt
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Mit ihrem neuen Roman startet die Autorin eine Reihe, die im malerischen New Mexico spielt und mit einigen spektakulären Kunstdiebstählen sofort Spannung verspricht. Der Sicherheitsexperte Christian und ...

Mit ihrem neuen Roman startet die Autorin eine Reihe, die im malerischen New Mexico spielt und mit einigen spektakulären Kunstdiebstählen sofort Spannung verspricht. Der Sicherheitsexperte Christian und die ehemalige FBI-Agentin Andi sollen dem Ganzen auf den Grund gehen. Was zunächst als vielversprechender Thriller beginnt, verliert sich schnell in einer überladenen Mischung aus Romanze, Action und immer wiederkehrenden, inhaltlich gleichbleibenden Gebeten, zumeist in Krisensituationen. Diese hätten das Potenzial für mehr Tiefe geboten, bleiben jedoch leider oberflächlich.

Der Einstieg in die Geschichte ist rasant und macht neugierig, doch schon bald leidet der Lesefluss unter der Vielzahl an Charakteren, die schwer auseinanderzuhalten sind – eine selbst erstellte Namensliste auf 1,5 DinA4 Seiten war notwendig, um den Überblick zu behalten. Dies zehrt deutlich am Lesevergnügen.

Statt sich auf die Ermittlungen zu konzentrieren, dominiert eine etwas kitschige und überstürzte Liebesdynamik – nicht nur zwischen den Hauptfiguren, sondern auch bei zwei weiteren Paaren. Die Romantik wirkt aufgesetzt, unterbricht den Spannungsbogen und wird von klischeehaften Selbstzweifeln, Beziehungsdiskussionen und Zukunftsängsten begleitet, was der eigentlichen Handlung die Tiefe nimmt.

Das Setting hingegen – die Schauplätze in New Mexico – überzeugt mit Atmosphäre, und einzelne Figuren bieten durchaus interessante Ansätze.

Insgesamt wirkt der Roman jedoch zu vollgepackt: zu viele Figuren, zu viel Gefühlsduselei, zu viele parallele und teils auch unlogische Handlungsstränge, die auch zum Schluss etliche Fragen offenlassen. Spannung, Romantik und Charakterentwicklung stehen sich hier eher im Weg, statt sich gegenseitig zu bereichern.

„Fazit: Wer auf spannende Hollywood-Romanzen mit ordentlich Action steht, kommt hier sicherlich auf seine Kosten. Für alle, die einen klaren und fokussierten Krimi erwarten, könnte der Reihenauftakt etwas überwältigend wirken. Für mich bleibt es vorerst beim ersten Band – aber jeder hat ja seinen eigenen Geschmack!“

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Veröffentlicht am 02.07.2025

Geheimnisse, die durch zwei Zeitebenen ans Licht kommen - leider nicht ganz überzeugend

Was wir für wahr gehalten haben
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Das Cover und der rätselhafte Titel wecken Interesse und geben zusammen mit dem Klappentext einen Ausblick auf eine abwechslungsreiche Reise -zentrales Thema: die Wahrheit. Dabei geht es nicht nur um Ehrlichkeit ...

Das Cover und der rätselhafte Titel wecken Interesse und geben zusammen mit dem Klappentext einen Ausblick auf eine abwechslungsreiche Reise -zentrales Thema: die Wahrheit. Dabei geht es nicht nur um Ehrlichkeit gegenüber anderen, sondern auch um die Auseinandersetzung mit sich selbst. Das Buch lädt zur Reflexion ein, zeigt wie persönliche Entwicklung durch Verständnis und Mitgefühl für andere möglich wird.

Die Handlung spielt auf zwei Zeitebenen. Im Zentrum der Gegenwartsebene steht Mattie, die Ende der 1960er Jahre mit dem Verlust ihres Zwillingsbruders und der schwerwiegenden Erkrankung ihrer Mutter konfrontiert wird. Ihre Emotionen – Wut, Verzweiflung, Angst – dominieren ihr Denken und Handeln. Inmitten dieser Krise erhält sie von ihrer Mutter eine Sammlung von Briefen, die ihr bisheriges Weltbild erschüttern und eine tiefere Familiengeschichte offenbaren.

Diese Briefe führen die Lesenden in die Zeit des Zweiten Weltkriegs zu Ava Delaney, deren Schicksal und ihre Begegnung mit dem deutschen Medizinstudenten Gunther eindrucksvoll geschildert werden. Die parallele Erzählweise offenbart nach und nach persönliche und historische Wahrheiten – über Verlust, Lügen und die Narben des Krieges.

Durch die Ich-Perspektive beider Frauen erlebt man ihre sehr unterschiedlichen Verarbeitungsweisen. Dabei fällt die Charakterzeichnung sehr unterschiedlich aus: Mattie agiert häufig impulsiv und überfordert, was es bis zum Schluss nicht leicht macht, eine empathische Verbindung zu ihr aufzubauen. Ava hingegen überzeugt durch innere Ruhe, Tiefe und ihren gelebten Glauben, der ihr Kraft und Orientierung verleiht.

Trotz der bewegenden Schicksale und der gelungenen thematischen Verknüpfung fehlte mir stellenweise die narrative Balance.

Die Vielzahl an Einzelschicksalen und der insgesamt ernste Ton lassen wenig Raum für Momente der Leichtigkeit oder Hoffnung, was der Geschichte eine gewisse Schwere verleiht. Zudem wirken einzelne Passagen redundant oder zu ausführlich.

Die christlichen Aspekte beschränken sich überwiegend auf Zitate oder oberflächliche Bezüge; hier wäre mehr inhaltliche Tiefe wünschenswert gewesen.
Das Ende ist leider zu komprimiert und lässt dadurch einige emotionale Entwicklungen unausgereift zurück. Trotz kleiner Lichtblicke durch einzelne Nebenfiguren überwiegt ein eher bedrückender Gesamteindruck.

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Veröffentlicht am 18.06.2025

schicksalhaftes Leben und die Entwicklung des Zirkus Krone

Die Mondtänzerin
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„Wir verkaufen Träume. Wir selbst träumen nicht.“ (Zitat Karl Krone)

So ungewöhnlich wie die Zirkuswelt ist auch dieses Buch, das sich ganz der Entstehung und Entwicklung des Zirkus Krone widmet. Fiktiv ...

„Wir verkaufen Träume. Wir selbst träumen nicht.“ (Zitat Karl Krone)

So ungewöhnlich wie die Zirkuswelt ist auch dieses Buch, das sich ganz der Entstehung und Entwicklung des Zirkus Krone widmet. Fiktiv eingearbeitet wurde die bezaubernde Geschichte eines indischen Mädchens mit blonden Haaren namens Pipa. Als Findelkind wird sie von der bärtigen Zirkusartistin Rosalia und dem liebenswerten Gewichtheber Antonio großgezogen.

Zwischen wechselnden Namen wie Menagerie Continentale, über Circus Charles bis hin zum endgültigen Namen Krone verfolgt man an vielen Schauplätzen den Werdegang der Familie Krone, den Anfängen von Tiervorführungen bis hin zu artistischen Darbietungen, dem Überwinden von zwei Weltkriegen, der Zusammenarbeit mit Hagenbecks Tierwelt und riskanten Investitionen. Aber auch die finanziellen Aufs und Abs, der Konkurrenzkampf, die Unberechenbarkeit der Tiere, Zugänge und Todesfälle stellen das Zirkusleben oft gehörig auf den Kopf, ebenso wie die zwischenmenschlichen Beziehungen.

Jeder, der schon mal im Zirkus war, hat das Gefühl, eine andere Welt zu betreten. Die Scheinwelt, die hier entsteht mit Blick hinter die Kulissen, voller harter Arbeit, Verlusten, Ängsten und Sorgen aber auch dem ganz eigenen familiären Betrieb, der oft auch sehr rau und abgehärtet wirkt, ist wirklich beeindruckend und hinterlässt ein Gefühl von Bewunderung und gleichzeitiger Fremdartigkeit. Genau wie Pipa alles außerhalb der Zirkuswelt als steingraue Welt der Bürgerlichen bezeichnet, so ist es umgekehrt die Wirkung einer Gemeinschaft von Außenseitern, deren Leben nur nach außen den Schein von Ruhm, Glanz und Einzigartigkeit bietet.

In dieser bizarren Welt liegen Freude und Leid, Liebe und Streit, Konkurrenz und Zusammenhalt, Scheinwelt und Realität so dicht beisammen, was diesen Roman wirklich besonders macht. Wer das nächste Mal in den Zirkus geht, hat viel mehr Verständnis für all die harte Arbeit, die für eine kurze Zeit Vergnügen dahintersteckt und von der so viel abhängt.

Es mag stellenweise etwas nüchtern und emotionslos wirken, gerade auch aufgrund der langen Zeitspanne, die das Buch umfasst. Doch wer denkt, Schausteller zu sein ist einfach, der täuscht sich und bekommt hier einen guten Einblick, wie die Zirkuswelt wirklich funktioniert und wie anders das Leben hier abläuft. Wünsche und Träume sind das, was die Zirkuswelt ausmacht, ebenso wie das Rad der Zeit Veränderungen mit sich bringt und mit Pipa ist dies zusammen mit dem berühmten Zirkus Krone ganz speziell umgesetzt worden.

Toll recherchiert, in den drei Teilen: Mondaufgang, Vollmond, Neumond erzählt und mit einem zusätzlichen Glossar und einer Zeittafel versehen, taucht man in die sagenhafte Welt des Zirkus Krone ein. Das Cover hat mich sofort angesprochen, auch wenn das Titelbild nicht ganz Pipa entspricht, doch der Titel geht auf ihren ganz persönlichen Traum und ihre Sehnsüchte ein, was mir auch sehr gut gefallen hat.

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Veröffentlicht am 08.04.2025

Nach einer wahren Begebenheit zur Zeit des 2.Weltkriegs- aufwühlend, interessant

Stille Helden der Nacht
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Ein Gänsehautroman über den unerschütterlichen Einsatz des chinesischen Generalkonsuls Dr.Ho Fengshan und seiner amerikanischen Ehefrau Grace zur Zeit des 2.Weltkrieges. Kurz nach dem Anschluss Österreichs ...

Ein Gänsehautroman über den unerschütterlichen Einsatz des chinesischen Generalkonsuls Dr.Ho Fengshan und seiner amerikanischen Ehefrau Grace zur Zeit des 2.Weltkrieges. Kurz nach dem Anschluss Österreichs an das deutsche Reich 1938 verschlechtert sich die Lage der jüdischen Bevölkerung gravierend, die Nazis sind auf dem Vormarsch, die Übergriffe auf die Juden nehmen zu. Grace fühlt sich aufgrund der Sprachbarrieren und der vielen Arbeit ihres Mannes alleine und knüpft Kontakt zu der Jüdin Lola, deren Familie schon bald Opfer brutaler Überfälle und Zwangsenteignung wird. Dieser Übergriff veranlasst Dr.Ho sich für Visa nach Schanghai einzusetzen. Doch der Druck aufgrund der diplomatischen Verbindungen zwischen China und Deutschland steigt und Dr.Ho erlebt eine Zerreißprobe zwischen Menschlichkeit und Gehorsam gegenüber seinen Vorgesetzten.

Dieses Buch ist im Vergleich zu bisher gelesenen Büchern aus dem 2.Weltkrieg ganz speziell. Historisch gut recherchiert erlebt man ein ungewöhnliches Ehepaar, bei denen sowohl Herkunft als auch familiäre Hintergründe ausschlaggebend für ihr Verhalten sind. Überschattet von der Willkür besonders des Obersturmbannführer Adolf Eichmann, der an Grausamkeit, Menschenverachtung und listigem Verhalten nicht zu überbieten war und der für die Verfolgung, Vertreibung und Deportation unzähliger Juden verantwortlich war.

Die Geschichte ist interessant aufgebaut, denn abwechselnd erzählen Lola und Grace aus der Ich-Perspektive all ihre Erlebnisse und Gefühle, während man Fengshans Handlungsweise als Beobachter miterlebt. Das hat zur Folge, dass die Sicht der Frauen doch um einiges emotionaler ist. Als Frau all die Geschehnisse durchstehen zu müssen, Grace Wunsch sich zurechtzufinden, mit ihrer Schüchternheit zurechtzukommen und dem Sehnen nach Liebe sowohl von ihrem Mann als auch die erschwerte Verbindung zu ihrem jungen Stiefsohn war sehr nahegehend. Obwohl vieles zeitweise auch sehr trocken und nüchtern wirkte.

Eine schreckliche Zeit, in der es schwierig war, Pflicht und Wünsche zu kombinieren. Fengshan ist durch und durch Diplomat, organisiert, ohne sich groß Gefühle anmerken zu lassen, auch wenn zeitweise die Fassade bröckelt. Beide Seiten konnte ich einerseits nachvollziehen, obwohl mir stellenweise doch irgendwie was gefehlt hat und einige Situationen etwas merkwürdig wirkten.
Dennoch gab es immer wieder Wendungen, die der eh schon schwierigen Lage noch eins obendrauf gesetzt haben und den Atem stocken ließen.

Das Ende war etwas enttäuschend, vielleicht weil es einerseits etwas gerafft war und andererseits auch ziemlich überraschend war, aber eben der Realität entsprach. Eine interessante Kombi aus wahrer Geschichte und einigen fiktiven Elementen.

Wer sich für die politische Lage Chinas während dieser Zeit interessiert und auch geschichtlich mehr über die Konflikte der jeweiligen Länder, deren Rettungsversuche, aber auch Versagen gegenüber der jüdischen Bevölkerung erfahren möchte, ist mit diesem Roman gut bedient. Dr. Ho und seine Frau sind ein gutes Beispiel für aufrichtiges Interesse, Selbstlosigkeit und Hilfsbereitschaft, obwohl es sie selbst so viel gekostet hat.

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Veröffentlicht am 05.11.2024

ein ungewöhnliches Buch, dramatisch und herzzerreißend, anders als erwartet

Das Echo vergessener Bücher
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Zwei ganz besondere gebundene Bücher geraten in die Hände der Buchhändlerin und Restauratorin Ashlyn. Hierin enthalten sind wie in Tagebuchform die tragische Liebesgeschichte von Hemi und Belle, die jeweils ...

Zwei ganz besondere gebundene Bücher geraten in die Hände der Buchhändlerin und Restauratorin Ashlyn. Hierin enthalten sind wie in Tagebuchform die tragische Liebesgeschichte von Hemi und Belle, die jeweils ihre eigene Version des Werdegangs schildern. Fasziniert von diesen Eindrücken beschließt Ashlyn, herauszufinden, um wen es sich handelt, was wirklich passiert ist und ob ein Happy End möglich war.
In zwei Zeitebenen erlebt man sowohl in den 80er Jahren die hartnäckigen Nachforschungen Ashlyns, die aufgrund einer medizinisch bestätigten Fähigkeit einen speziellen Bezug zu Büchern hat, was mich allerdings am meisten gestört hat, denn dieses Phänomen hätte nicht sein müssen und hat mich anfangs überlegen lassen, ob ich die Geschichte weiterlese.
Dazwischen wandert man in die jeweiligen Buchauszüge zurück in die 40er Jahre, das Kennenlernen des geheimnisvollen Hemi und seiner Belle, deren Geheimnisse, die vielen Missverständnisse und eine Reihe von Intrigen und familiären dramatischen Entscheidungen, die ihr Leben durcheinander würfeln und zu der großen Frage des WARUMS führen.

Die Erlebnisse von Hemi und Belle nehmen den Hauptteil der Geschichte in Anspruch, während Ashlyns persönliche Lebensgeschichte eher am Rande erwähnt wird, obwohl gerade sie trotz ihrer manchmal etwas beharrlichen Art Licht ins Dunkel bringt und etwas ins Rollen bringt, mit dem keiner gerechnet hat, auch ich als Leserin. Genau das hat mich fasziniert, wie zwei persönliche Erzählungen ineinanderlaufen und in der Zeit von Ashlyn ihren Höhepunkt erreichen. Dabei bleibt der Spannungsbogen hoch, auch wenn es mir stellenweise etwas zu aufwühlend und dramatisch war und ich immer wieder dachte, nur etwas mehr Kommunikation und weniger Wut hätte so viel Leid ersparen können.

Aber genau darum soll es gehen – was Vergebung ausmacht, loslassen von verletzten Gefühlen, aufgestauter Wut und Stolz, damit man auch zwischen den Zeilen erkennt, worum es im Leben wirklich geht.

Diese Tagebücher sind auf eine Weise lebendig geworden, die wie Echos in längst vergangene Zeiten reichen, verletzlich, hoffnungslos und großem Herzschmerz, aber dennoch voller Sehnsucht, Wünschen und Gefühlen.

Während die Auszüge der Bücher in der Ich-Form geschrieben sind, werden Ashlyns Erlebnisse in der Beobachterperspektive erzählt, die auch mit Gedankensplittern von ihr eingeleitet werden, diese Variante hat mir auch gut gefallen und hat auch eine Menge Abwechslung gebracht.

Ein Buch, das anders als erwartet ist, an einigen Stellen sehr dramatisch und bedrückend, wo ich mir zwischendurch etwas mehr heitere Einlagen gewünscht hätte und auch besagtes Phänomen bei Ashlyn störend fand, so war die Geschichte ansonsten herzzerreißend und eigen, auf eine ungewöhnliche, überraschende Art, die ich so bisher noch nicht gelesen habe.

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