Eine Liebesgeschichte, die mit Milchflaschen anfängt, kann nur weh tun.
Öffnet sich der HimmelJeden Morgen, bevor die Schule beginnt, fährt James im Jahr 2003 mit dem Fahrrad durch den Nebel von Thornmere und liefert Milch aus. Doch dann taucht Luke auf, mit dieser Art von Präsenz, die man nur ...
Jeden Morgen, bevor die Schule beginnt, fährt James im Jahr 2003 mit dem Fahrrad durch den Nebel von Thornmere und liefert Milch aus. Doch dann taucht Luke auf, mit dieser Art von Präsenz, die man nur einmal im Leben erlebt und von der man sich nie ganz erholt.
Seán Hewitt schreibt, als wäre jede Grashalmspitze ein Gedicht. Das ist schön, aber auch anstrengend. Man verliert sich leicht in der Poesie, bevor etwas wirklich passiert. Die Natur, der Himmel, die Dämmerung, alles wird so detailreich beschrieben, dass man fast vergisst, dass es eigentlich um Liebe geht.
Diese Liebe, oder was James dafür hält, steht im Zentrum Sie ist roh, delulu. Dieses „Ich weiß nicht, was ich da fühle, aber es muss wichtig sein“-Gefühl, das man nur mit 17 hat. Beim Lesen dachte ich immer wieder: „Ja, genau so fühlt es sich an, wenn man glaubt, das Leben beginnt genau jetzt.“
Man spürt, wie sehr James ausbrechen will, nicht nur aus dem Dorf, sondern aus sich selbst. Dieses Bedürfnis, irgendwas Echtes zu spüren, zieht sich durch das ganze Buch. Doch Hewitt zeigt auch, wie gefährlich das sein kann. James ist so obsessiv und klammert sich an Luke wie an eine Idee von Freiheit, und merkt zu spät, dass er sich darin verliert.
„Öffnet sich der Himmel“ ist ein poetischer Fiebertraum über erste Liebe, Scham und das Erwachsenwerden, das sich weniger groß anfühlt, als man gehofft hatte. Trotzdem bleibt dieses Gefühl, das nur gute Coming-of-Age-Romane hinterlassen: dass man wieder kurz siebzehn ist, irgendwo zwischen Hoffnung und Schmerz, und alles möglich scheint.