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Veröffentlicht am 02.07.2025

Eine junge Frau kämpfte für ihr Land

Die Jungfrau von Orleans
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„Die Jungfrau von Orleans“ war ein Teenager, der von dem Vater unterdrückt und ohne Liebe aufgezogen wurde. Als sie eine Vision hatte und Gott als ihren Erlöser und Auftraggeber erkannte, konnte sie sich ...

„Die Jungfrau von Orleans“ war ein Teenager, der von dem Vater unterdrückt und ohne Liebe aufgezogen wurde. Als sie eine Vision hatte und Gott als ihren Erlöser und Auftraggeber erkannte, konnte sie sich endlich gegen seine Gemeinheiten wehren. Sie ist überzeugt von ihrer gottgegebenen Mission und lässt sich von keinem Menschen davon abbringen. Ihr Erfolg gibt ihr recht. Jedoch, was sollte sie ohne ihren treuen Freund und Begleiter, den jungen Pferdehändler Alain machen? Sie wäre schutzlos und ihrem ärgsten Feind ausgeliefert.

Frankreich und England lagen über Jahrzehnte im Kampf gegeneinander. Auf beiden Seiten gab es viele Tote und die Menschen sehnten sich so sehr nach Frieden. Als die junge Jean d´Arc behauptete, dass sie im Namen Gottes ihr Land von den Besatzern befreien wollte, gab es nur wenige Stimmen, die ihr glaubten. Viele nahmen sie als Aufschneiderin wahr.

Der unerschütterliche Glaube und ihr Kampfgeist machten Jean d´Arc zu einem Symbol von Kampfgeist und Stärke. Der Autor schreibt sehr anschaulich, wie das Leben der Menschen zur Zeit um 1429 gestaltet war. Immer wieder mussten sie vor den marodierenden Söldnern der verhassten Engländer fliehen. Was zunächst als Utopie angesehen wurde, erwies sich dann recht bald als Segen und Rettung. Die junge Frau rettete viele ihrer Landsleute.

Nicht nur der bildhafte und lebendige Stil des Autors gefiel mir. Auch die Lesung von Christiane Nothofer zog mich in ihren Bann. Meine Leseempfehlung gebe ich daher ohne Einschränkung.

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Veröffentlicht am 30.06.2025

Auch der dritte Band fesselte mich

Wir sehen uns wieder am Meer
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Viele Norweger litten unter der Besatzung der Deutschen. Alle hatten nur den einen Wunsch: Sie wollten überleben. Aus dem Grund dienten sie sich ihnen als Hilfskräfte an und waren sich nicht zu schade, ...

Viele Norweger litten unter der Besatzung der Deutschen. Alle hatten nur den einen Wunsch: Sie wollten überleben. Aus dem Grund dienten sie sich ihnen als Hilfskräfte an und waren sich nicht zu schade, ihre Mitbürger zu denunzieren. Birgit hat mit Verrat nichts zu tun. Sie hilft, wo sie kann und begibt sich dabei in Lebensgefahr. Tekla bricht mit ihren Eltern und die dritte im Bunde kann mit ihrer Schuld kaum leben. Sie wird in eine Klinik für psychische Erkrankungen eingewiesen.

„Wir sehen uns wieder am Meer“ ist das dritte Buch, welches ich von der Autorin las. Und wieder einmal war ich gefesselt. Von der Lebendigkeit ihrer Erzählungen und auch von dem Schicksal der Freundinnen. Wie sehr habe sie gelitten und waren tapferer als mancher Soldat es jemals sein konnte. Birgit ging nicht nur ihrer Pflicht als Krankenschwester nach. Sie versuchte ebenfalls, den Zwangsarbeitern zu helfen. Die lebten in Baracken ohne medizinische Versorgung und hungerten häufig. Grausam für mich war die Tatsache, dass auch Babys und Kleinkinder hier leben mussten. Wer floh, der wurde erschossen. Wenn er viel Glück hatte, dann versteckten ihn Menschen des Widerstands.

Auch wenn mir das Ende nicht gefiel, es ist realistisch und zeigt, mit welchen Unsicherheiten die Menschen damals leben mussten. Die Autorin schreibt im Anhang, was sie zum Schreiben des Buches bewog und welche Tatsachen ihr als Grundlage dienten. Ich habe es innerhalb eines Tages verschlungen und meine Leseempfehlung gebe ich sehr gerne.

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Veröffentlicht am 28.06.2025

Unterricht in der Trümmerschule

Die Trümmerschule – Zeit der Hoffnung
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Stella ist Jüdin und ihr gelang im letzten Augenblick die Flucht nach England. Nach dem Krieg und der damit verbundenen Kapitulation zieht es sie wieder zurück in ihre Heimatstadt. Nach Wien. Die Freunde ...

Stella ist Jüdin und ihr gelang im letzten Augenblick die Flucht nach England. Nach dem Krieg und der damit verbundenen Kapitulation zieht es sie wieder zurück in ihre Heimatstadt. Nach Wien. Die Freunde in England können es nicht verstehen. Hat sie doch hier so viel Leid gesehen und am eigenen Leib hinnehmen müssen. All ihre Lieben wurden deportiert und getötet. Und dennoch. In Wien ist sie immer noch zuhause und hier warten enge Freunde auf sie. Ihr Wunsch ist außerdem, dass sie am Aufbau dieser schönen Stadt mitwirken darf. Sie hat Glück. Ihre Bewerbung für eine Anstellung als Lehrerin wird angenommen und neue Aufgaben warten auf sie.

Auch wenn es so viele Bücher über das „Dritte Reich“ gibt, jedes Mal liegt der Schwerpunkt auf anderen Sachverhalten. In "Die Trümmerschule - Zeit der Hoffnung" geht es unter anderem um die Verarbeitung von Traumata. Kinder haben im Krieg schreckliche Dinge erlebt. Kaum jemand kann sich vorstellen was es heißt, täglich Fliegeralarm zu hören und so schnell es geht in einen dunklen Keller zu gelangen. Lehrer hatten es damals gewiss schwer und mussten ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen aufbringen. Stella eckte mit ihrer Art zwar bei Kollegen und Vorgesetzten an, die Kinder mochten sie. Das war für sie sehr wichtig.

Nicht nur die Story fesselte mich. Bei Hörbüchern kommt es ebenfalls darauf an, wie lebendig sie vorgetragen werden. Elena Puszta versteht es sehr gut, ihre Hörer in den Bann zu ziehen. Da es sich hier um den ersten Band um die Lehrerin Stella geht, bin ich auf das zweite Buch gespannt.

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Veröffentlicht am 23.06.2025

Ein beeindruckendes Buch und Highlight meines Lesejahres 2025

Ungebetene Gäste
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#UngebeteneGäste beginnt mit der Schilderung von Vorurteilen, die Juden gegenüber Arabern haben. Was sich aus diffusen Ängsten entwickeln kann, erlebt die junge Mutter Naomi eindrücklich. Ihr Ehemann beauftragte ...

#UngebeteneGäste beginnt mit der Schilderung von Vorurteilen, die Juden gegenüber Arabern haben. Was sich aus diffusen Ängsten entwickeln kann, erlebt die junge Mutter Naomi eindrücklich. Ihr Ehemann beauftragte einen arabischen Arbeiter, den Balkon zu renovieren. Was dann geschah, lässt sich kaum nachvollziehen. Zeigt aber deutlich, wie tief die Gräben zwischen der Bevölkerung Israels sind.

D a s war mal wieder ein Buch so ganz nach meinem Geschmack. Dass die Autorin auch Psychologin ist, merkt der Leser an ihren kenntnisreichen Ausführungen. Nein, die sind keineswegs so geschrieben, dass nur Fachleute sie verstehen. Nach dem Unfall, bei dem ein Unschuldiger verurteilt wird, zeigt sich, was es heißt, mit einer Schuld umzugehen. Alle, sowohl die Familie um Naomi als auch um den palästinensischen Arbeiter, kommen mit der Situation nicht zurecht. Die einen haben ein schlechtes Gewissen, die anderen sinnen auf Rache.

Zu ihrem Buch sagt die Autorin, dass sie eine ähnliche Situation erlebte und daraus dann die Idee zu diesem Roman entstand. Sie merkt auch an, dass seit dem 07. Oktober 2023 eine latente Furcht zwischen den Menschen in Israel herrscht. Wer kann darüber besser berichten als Ayelet Gundar-Goshen? Wohl niemand.

Nicht nur Inhalt und Sprachstil haben mich beeindruckt. Auch die Lesung durch Milena Karas fand ich äußerst gelungen. Von mir gibt es einen Sternenregen und eine ausdrückliche Lese- oder Hörempfehlung.

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Veröffentlicht am 22.06.2025

Ein wichtiges Buch

Die zweite Heimat der Störche
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Arabella und ihr Mann Frank leben in Namibia. Sie war für ihn schlicht eine „Notlösung“. Frauen, die ihm besser gefielen, wurden anderen Männern übergeben. Arabella gehörte nämlich zu den „Angeworbenen“, ...

Arabella und ihr Mann Frank leben in Namibia. Sie war für ihn schlicht eine „Notlösung“. Frauen, die ihm besser gefielen, wurden anderen Männern übergeben. Arabella gehörte nämlich zu den „Angeworbenen“, die hofften, dass sie in Afrika ihr großes Glück finden würden. Das Erwachen kam bald und es war quälend. Als Arabella dann auch noch ihren Mann bei einer widerlichen Aktion erwischen musste, stand für sie fest, dass sie keine Stunde länger mit ihm in einem Zelt leben konnte.

Was damals mit den Ureinwohnern Afrikas geschah, ist bis heute Thema bei der Frage nach erforderlichen Reparation. Aus dem Grund las ich das Buch mit großem Interesse. Zumal die beiden Autoren dieses sehr ernste Thema mit Fingerspitzengefühl in einem Buch verpackten, das mich fesselte. Bei den ersten Kapiteln hatte ich Startschwierigkeiten, es gab zu viele Akteure. Aber je mehr Seiten ich las, desto klarer konnte ich verfolgen, wie die Zusammenhänge innerhalb einer Familie waren, die durch den Kolonialismus reich wurden.

Dass dieser Kontinent über viele Jahre ausgebeutet wurde, sollte sich jeder Europäer vor Augen führen. Die beiden Autoren des Buches #DiezweiteHeimatderStörche zeigen es mit diesem Roman deutlich. Jeder, der sich für die Kolonialgeschichte Deutschlands interessiert, sollte das Buch lesen. Auch dieser finstere Abschnitt unserer Geschichte gehört zu uns und auch er muss zwingend aufgearbeitet werden.

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