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Veröffentlicht am 18.07.2025

auch der 2.Teil überzeugt und fesselt bis zum Ende

Das Pestmädchen und der Medicus
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Mitreißend, düster und historisch präzise – auch im zweiten Teil ihrer Pestmädchen-Reihe gelingt es Silvia Stolzenburg meisterhaft, Leserinnen und Leser in das finstere Herz des spätmittelalterlichen Augsburgs ...

Mitreißend, düster und historisch präzise – auch im zweiten Teil ihrer Pestmädchen-Reihe gelingt es Silvia Stolzenburg meisterhaft, Leserinnen und Leser in das finstere Herz des spätmittelalterlichen Augsburgs zu entführen. Die Geschichte um die junge Lina nimmt dramatisch an Fahrt auf und lässt bis zur letzten Seite kaum Zeit zum Durchatmen.

Lina, einst die Frau des Henkers Gernot, steht nach dessen tragischem Tod am Rande der Gesellschaft – geächtet, bedroht, alleine. Die Autorin zeichnet das Porträt einer Frau, die nicht nur mit dem Verlust, sondern auch mit Intrigen, Verleumdungen und tödlicher Gefahr konfrontiert ist. Besonders bedrückend ist das Gefühl der Schutzlosigkeit, das sich wie ein Schatten über die Seiten legt – niemand scheint ihr helfen zu wollen oder zu können. Ihre Liebe zum Wundarzt Ulrich bringt zusätzliche emotionale Spannung, denn auch er ist gefangen in einem Netz aus politischen und gesellschaftlichen Zwängen.

Was Silvia Stolzenburg auszeichnet, ist die gekonnte Balance zwischen historischer Realität und erzählerischer Finesse. Detailreiche Recherchen und atmosphärisch dichte Beschreibungen lassen das 15. Jahrhundert lebendig werden – der Leser riecht den Rauch der Feuer, spürt das Misstrauen der Gassen und hört das unheilvolle Glockenläuten, das eine neue Pestwelle ankündigt. Dabei bleibt die Handlung stets spannend: Wer trachtet Lina nach dem Leben – und warum? Ist es persönliche Rachsucht, oder steckt ein dunkles Geheimnis in ihrer Herkunft?

Auch der „König der Bettler“, eine faszinierende Nebenfigur, bringt neue Wendungen und moralische Grauzonen ins Spiel – eine der vielen Stärken des Romans, denn keine Figur bleibt eindimensional. Während einige Handlungsstränge vielleicht etwas rasch abgehandelt werden, überzeugt das große Ganze durch ein stetig wachsendes Tempo, das in einem atemlosen Finale und einem geschickt gesetzten Cliffhanger gipfelt.

Fazit:
Silvia Stolzenburg gelingt es erneut, Geschichte mit Menschlichkeit, Spannung mit Gefühl, und Fiktion mit Wahrheit zu verweben. Linas Weg ist hart, schmerzhaft und voller Stolpersteine – doch gerade das macht ihre Geschichte so fesselnd. Wer historische Romane mit Tiefgang und Charakter liebt, kommt an dieser Reihe nicht vorbei.
Ich kann den Abschlussband kaum erwarten – das große Finale verspricht Großes.

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Veröffentlicht am 07.07.2025

"Hope Harbor – Wo Herzen zur Ruhe kommen" 7.Teil der Hope Harbor Reihe

Brombeer-Bucht
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Mit jedem neuen Band fühlt sich die Rückkehr nach Hope Harbor wie ein Besuch bei guten Freunden an. Auch diesmal öffnet ein neuer Bewohner seine Türen: Zach Garrett, der seinen stressigen Anwaltsjob gegen ...

Mit jedem neuen Band fühlt sich die Rückkehr nach Hope Harbor wie ein Besuch bei guten Freunden an. Auch diesmal öffnet ein neuer Bewohner seine Türen: Zach Garrett, der seinen stressigen Anwaltsjob gegen das charmante Café "Perfekte Bohne" eingetauscht hat. Mit kreativen Kaffeespezialitäten und dem täglich wechselnden "Spruch des Tages" bringt er nicht nur frischen Wind in den Ort, sondern auch eine Prise Lebensfreude – trotz persönlicher Konflikte, allen voran mit seinem Vater, die ihn schwer belasten.

Zachs neue Nachbarin ist niemand Geringeres als die inkognito reisende Schauspielerin Katherine Parker. In Hope Harbor sucht sie Abstand vom Trubel der Branche und Klarheit über ihre Zukunft. Doch ihre seelischen Wunden lassen sie nur schwer Vertrauen fassen – ein Schutzmechanismus, der sie immer wieder auf Abstand hält. Und dennoch: Zwischen ihr und Zach beginnt sich etwas zu entwickeln, das tiefer geht als bloße Nachbarschaft.

Was die Hope Harbor-Reihe so besonders macht, zeigt sich auch hier wieder deutlich: Die liebevoll gezeichnete Gemeinschaft, die berührenden Lebensgeschichten und nicht zuletzt die warmherzige Atmosphäre laden ein, den Alltag hinter sich zu lassen. Besonders schön ist es, dass nicht nur die junge Liebe ihren Platz findet – auch ältere Charaktere dürfen ihr Herz neu entdecken. Zwei beginnende Romanzen sorgen für reichlich Gefühl und lassen einen beim Lesen mitfiebern.

Ein weiteres Highlight sind die bekannten Nebenfiguren: Der weise Tacomeister Charley, der mit ruhiger Hand und viel Herz seine Weisheiten verteilt, sowie die beiden Geistlichen, die mit feinem Humor und viel Feingefühl Impulse geben – stets unaufdringlich, aber ermutigend und lebensnah.

Auch wenn man ein Happy End vermuten mag, überrascht die Geschichte mit Wendungen und Herausforderungen, die den Weg dorthin alles andere als geradlinig machen. Gerade diese Feinheiten sorgen dafür, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann.

Fazit: Hope Harbor ist mehr als ein Schauplatz – es ist ein Gefühl. Wer Geschichten voller Menschlichkeit, Hoffnung und leiser Glaubensimpulse mag, wird sich hier bestens aufgehoben fühlen. Eine absolute Wohlfühlreihe, die Herz und Seele berührt.

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Veröffentlicht am 03.07.2025

Berührend und hoffnungsvoll – ein weiterer Herzensband aus Hope Harbor

Seesternmomente
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Seesterne reagieren besonders empfindlich auf äußere Einflüsse – eine treffende Metapher für einige der Charaktere in diesem bewegenden Roman. Der Titel passt perfekt zu einer Geschichte, die tief unter ...

Seesterne reagieren besonders empfindlich auf äußere Einflüsse – eine treffende Metapher für einige der Charaktere in diesem bewegenden Roman. Der Titel passt perfekt zu einer Geschichte, die tief unter die Oberfläche blickt und berührt.

„Hope Harbor“ ist mehr als nur ein Ort – es ist ein Rückzugsort für verletzte Seelen, ein Platz, an dem Heilung, Hoffnung und Neuanfang möglich sind. Genau das zeigt sich auch in diesem Band erneut auf eindrucksvolle Weise.

Im Mittelpunkt steht diesmal Steven Roark, dessen Name bereits im vorherigen Teil kurz gefallen ist. Nun erhält er seine eigene Geschichte – eine, die mit Tiefe, unerwarteten Wendungen und emotionaler Kraft überrascht. Besonders spannend ist die Begegnung mit der Grundschullehrerin Holly Miller, deren Werte auf den ersten Blick so gar nicht mit Stevens Vergangenheit vereinbar scheinen. Doch durch ihr gemeinsames Engagement bei der Initiative „Helfende Hände“ bekommen beide die Chance, hinter die Fassade des jeweils anderen zu blicken.

Wie immer gelingt es der Autorin, mit liebevoll gestalteten Nebenfiguren – den kleinen „Helferlein“ von Hope Harbor – das Herz der Geschichte zum Schlagen zu bringen. Sie erinnern daran, dass Unterschiede nicht trennen, sondern verbinden können, dass Liebe stark macht und dass Vergebung und Gottvertrauen heilend wirken.

Auch wenn sich der Aufbau der einzelnen Bände in gewisser Weise ähnelt, gelingt es dennoch jedes Mal aufs Neue, emotional zu berühren. Die sich langsam entwickelnde Liebesgeschichte wird ergänzt durch zwei sehr bewegende Einzelschicksale, die mich tief getroffen haben. Man hofft und bangt mit, und wird am Ende mit einem Gefühl der Zuversicht belohnt.

Besonders hervorzuheben ist, wie die Geschichte auch schwierige Themen wie Abtreibung, Suizidgedanken, Kriegstraumata und schwere Krankheiten aufgreift – einfühlsam, ehrlich und dabei nie überfordernd. Der Ton bleibt stets hoffnungsvoll, mit einem feinen Gespür für emotionale Balance und wohldosiertem Humor.

„Hope Harbor“ ist ein Ort, den man beim Lesen liebgewinnt – voller Wärme, Menschlichkeit und glaubwürdiger Charaktere. Wer einmal dort war, wird immer wieder gern zurückkehren.

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Veröffentlicht am 18.06.2025

Eine Zweckehe mit vielen Höhen und Tiefen

Auf der anderen Seite des Sturms
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Ganz schön stürmisch geht es in diesem Roman zu, steht doch die Missionarswitwe Rebekka vor einer schwierigen Entscheidung. Mit zwei kleinen Kindern segelt sie von China zurück nach Deutschland, um Pfarrer ...

Ganz schön stürmisch geht es in diesem Roman zu, steht doch die Missionarswitwe Rebekka vor einer schwierigen Entscheidung. Mit zwei kleinen Kindern segelt sie von China zurück nach Deutschland, um Pfarrer Friedrich Hoffmann zu ehelichen. Doch die Überfahrt gestaltet sich aufwühlend, nicht nur wettermäßig, sondern auch aufgrund ihrer Gefühle für Kapitän Pierrot Salmas. Für wen schlägt ihr Herz höher und wie soll sie die Folgen dieser Seefahrt ihrem künftigen Mann erklären?

In Rebekka steckt eine herzensgute, aufrichtige Person, deren Umstände mehr als einfach sind und der ihr begangener Fehler zu schaffen macht, zumal sie Gottes Wort über alles liebt. Als alleinstehende Frau mit zwei Kindern in einer schnell verurteilenden Welt zu überleben ist nicht leicht und das spürt sie viele Male. Dennoch entscheidet sie sich und muss auf vielfältige Weise lernen, dass Gottes Pläne oft anders aussehen, als man denkt oder handelt.

Jedes Kapitel wird mit einem interessanten Bibeltext eingeleitet und die vielen Gedankengänge sind oft geprägt von biblischen Persönlichkeiten oder Versen, die ihnen helfen, Probleme zu bewältigen, Lösungen zu finden und Gott mit in Entscheidungen einzubeziehen. Dabei kommen ihnen aber oft Impulsivität, Missverständnisse und Dickköpfigkeit in die Quere, ebenso wie sie oft vergessen, Dinge Gott in die Hände zu legen und ihn um Führung zu bitten.

Richtig spannend wird sowohl die Gegenwart als auch in verschiedenen Rückblenden der Überfahrt erzählt, wie es Rebekka ergeht und wie sie sich durchkämpft, ihre Stärke, Zuversicht zeigt, aber auch unter Schwächen und folgenreichen Fehlern leidet. Ganz besonders weil ihr Sohn Jakob sehr schwer nur mit der neuen Situation zurechtkommt und es deswegen viele tränenreiche Auseinandersetzungen gibt.

Der Schreibstil dieser Geschichte hat mich das Buch stürmisch erobert, mich an Bord geholt ebenso wie die inneren Stürme miterleben lassen und es zu einem Lesegenuss werden lassen. Besonders weil die Geschichte auf so beeindruckende Weise zeigt, dass keiner perfekt ist, dass wir alle mit den Folgen einer Entscheidung und deren Auswirkungen zu kämpfen haben.

Man braucht Menschen, die Verständnis zeigen, die einen auffangen und daran denken, dass wir alle unvollkommen sind und Gottes Vergebung benötigen, die er jedem gewährt, der es zulässt. Rebekkas Einsatz für die schwächere Gesellschaft, ihre Furchtlosigkeit Dinge anzupacken und über die Güte Gottes durch den Tod seines Sohnes zu sprechen hat mich sehr begeistert.

Bis auf ein paar Reaktionen, die ich etwas zu übertrieben fand, ist es wirklich ein lesenswerter, mutmachender Roman, faszinierend auch die chinesischen Bräuche, die immer wieder eingebaut werden und toll die Thematik von Schwächen, Versöhnung, Liebe, Zukunftsangst und Freundschaft aufgreifen.

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Veröffentlicht am 18.06.2025

spannender Mittelalterroman über das Los der Frau und eine mutige Steinmetzin

Die Steinmetzin
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Ihre angeborene Missbildung ist für die Familie der jungen Roisin Grund genug, sie als Krüppel und niedere Magd zu behandeln, was sie auf vielerlei Art zu spüren und hören bekommt. Sie selber ist ein gutmütiger, ...

Ihre angeborene Missbildung ist für die Familie der jungen Roisin Grund genug, sie als Krüppel und niedere Magd zu behandeln, was sie auf vielerlei Art zu spüren und hören bekommt. Sie selber ist ein gutmütiger, geduldiger Mensch, der versucht, in allem etwas Gutes zu sehen. Als ihr Vater, ein angesehener Steinmetz, verunglückt, übernimmt sie heimlich die Auftragsarbeiten, die allerdings als Arbeit ihres faulen, vergnügungssüchtigen Bruders Edward ausgegeben werden. Das Sehnen nach Freiheit und Liebe wird stärker, doch die Hoffnung liegt in weiter Ferne.

Ich bin wirklich begeistert von dem Buch – die Einblicke in dieses schwere und zugleich faszinierende Handwerk, das noch heute überall zu bewundern ist, hat meine Achtung davor noch mehr gesteigert. Die Einbindung historischer Persönlichkeiten in Form von König Edward I., seiner Gemahlin Margarete von Frankreich und dem Baumeister James St.George ist super gelungen, auch wenn einiges fiktiv eingefügt wurde. Auch die Aufstände und die Konflikte zwischen England und Schottland passen perfekt zu der Handlung, ohne zu viel Raum einzunehmen.

Roisins Leben ist mir sehr nahegegangen, die Erniedrigungen, die Rücksichtslosigkeit und die abergläubischen Ansichten sowohl der Familie als auch Außenstehender setzen ihr sehr zu. Ihren Mut, ihre Bescheidenheit und ihre trotzdem liebevolle, fröhliche Art hab ich einfach nur bewundern können.

Die Spannung nahm immer mehr Fahrt auf und mündete in einen Höhepunkt, mit dem ich so überhaupt nicht gerechnet habe. Diese Art Zeitreise um das Jahr 1300 war mit vielen besonderen Einblicken verpackt, ich liebe diese Atmosphäre, diese flirrende Spannung, die einen umgibt und durch die genialen Beschreibungen der Umgebung, der Lebensart, der Persönlichkeiten und auch der Tätigkeit eines Steinmetzes hatte ich immer das Gefühl, direkt anwesend und ein Teil der Geschichte sein zu können.

Das Denken und die Überzeugung der damaligen Zeit verwundern immer wieder, besonders wie Frauen behandelt und ihnen das Recht ihrer Fähigkeiten abgesprochen wurde, weil es viel zu abstrakt und ihrem Wesen nicht entsprechen würde.

Zu schnell war man dabei, eine regelrechte Hexenjagd zu veranstalten und das Volk angesichts dieses Aberglaubens zu beeinflussen.

Das Cover gefällt mir auch sehr, die Harmonie der Farben und dem bildlichen Hinweis auf den Inhalt der Geschichte.

Ein sehr gelungenes Buch, ich hab es verschlungen und freue mich schon auf Nachschub in diesem Bereich.

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