auch der 2.Teil überzeugt und fesselt bis zum Ende
Das Pestmädchen und der MedicusMitreißend, düster und historisch präzise – auch im zweiten Teil ihrer Pestmädchen-Reihe gelingt es Silvia Stolzenburg meisterhaft, Leserinnen und Leser in das finstere Herz des spätmittelalterlichen Augsburgs ...
Mitreißend, düster und historisch präzise – auch im zweiten Teil ihrer Pestmädchen-Reihe gelingt es Silvia Stolzenburg meisterhaft, Leserinnen und Leser in das finstere Herz des spätmittelalterlichen Augsburgs zu entführen. Die Geschichte um die junge Lina nimmt dramatisch an Fahrt auf und lässt bis zur letzten Seite kaum Zeit zum Durchatmen.
Lina, einst die Frau des Henkers Gernot, steht nach dessen tragischem Tod am Rande der Gesellschaft – geächtet, bedroht, alleine. Die Autorin zeichnet das Porträt einer Frau, die nicht nur mit dem Verlust, sondern auch mit Intrigen, Verleumdungen und tödlicher Gefahr konfrontiert ist. Besonders bedrückend ist das Gefühl der Schutzlosigkeit, das sich wie ein Schatten über die Seiten legt – niemand scheint ihr helfen zu wollen oder zu können. Ihre Liebe zum Wundarzt Ulrich bringt zusätzliche emotionale Spannung, denn auch er ist gefangen in einem Netz aus politischen und gesellschaftlichen Zwängen.
Was Silvia Stolzenburg auszeichnet, ist die gekonnte Balance zwischen historischer Realität und erzählerischer Finesse. Detailreiche Recherchen und atmosphärisch dichte Beschreibungen lassen das 15. Jahrhundert lebendig werden – der Leser riecht den Rauch der Feuer, spürt das Misstrauen der Gassen und hört das unheilvolle Glockenläuten, das eine neue Pestwelle ankündigt. Dabei bleibt die Handlung stets spannend: Wer trachtet Lina nach dem Leben – und warum? Ist es persönliche Rachsucht, oder steckt ein dunkles Geheimnis in ihrer Herkunft?
Auch der „König der Bettler“, eine faszinierende Nebenfigur, bringt neue Wendungen und moralische Grauzonen ins Spiel – eine der vielen Stärken des Romans, denn keine Figur bleibt eindimensional. Während einige Handlungsstränge vielleicht etwas rasch abgehandelt werden, überzeugt das große Ganze durch ein stetig wachsendes Tempo, das in einem atemlosen Finale und einem geschickt gesetzten Cliffhanger gipfelt.
Fazit:
Silvia Stolzenburg gelingt es erneut, Geschichte mit Menschlichkeit, Spannung mit Gefühl, und Fiktion mit Wahrheit zu verweben. Linas Weg ist hart, schmerzhaft und voller Stolpersteine – doch gerade das macht ihre Geschichte so fesselnd. Wer historische Romane mit Tiefgang und Charakter liebt, kommt an dieser Reihe nicht vorbei.
Ich kann den Abschlussband kaum erwarten – das große Finale verspricht Großes.