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Veröffentlicht am 04.07.2025

Matt Haig: Der fürsorgliche Mr. Cave

Der fürsorgliche Mr. Cave
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Manchmal liest du ein Buch und denkst dir: „Wow, das ist düsterer, als ich erwartet habe.“ Genau das Gefühl hatte ich bei Der fürsorgliche Mr. Cave – eine Geschichte, die sich mehr und mehr in einen Sog ...

Manchmal liest du ein Buch und denkst dir: „Wow, das ist düsterer, als ich erwartet habe.“ Genau das Gefühl hatte ich bei Der fürsorgliche Mr. Cave – eine Geschichte, die sich mehr und mehr in einen Sog aus Obsession und Kontrollwahn verwandelt.

Terence Cave hat alles verloren: seine Mutter, seine Frau, seinen Sohn. Alles, was ihm bleibt, ist seine Tochter Bryony, und die versucht er um jeden Preis zu beschützen. Und wenn ich „um jeden Preis“ sage, dann meine ich es wörtlich. Anfangs habe ich noch Verständnis für seine Ängste gehabt – wer würde sein einziges Kind nicht vor der grausamen Welt beschützen wollen? Aber was Terence da abzieht, ist jenseits von Beschützerinstinkt. Es ist Besessenheit in ihrer schlimmsten Form.

Bryony, die sich eigentlich von ihrem Vater abnabeln will, gerät in diesen emotionalen Käfig, den Terence um sie baut. Dabei wird sie immer rebellischer – und ganz ehrlich, wer könnte es ihr verübeln? Während ich weiter las, ertappte ich mich oft dabei, wie ich mir wünschte, sie würde einfach weglaufen oder das Jugendamt einschalten. Aber sie ist 15 und kämpft sich durch, und es gibt Momente, da fühlst du mit ihr, auch wenn sie manchmal nervt.

Der Aufbau des Buches, eine Art Tagebuch, das Terence an seine Tochter schreibt, hat mir eigentlich gefallen. Es hat eine gewisse Intimität und lässt dich tief in seinen Verstand eintauchen – was nicht immer angenehm ist. Es ist wie eine Fahrt in den Abgrund, und du weißt, dass es nicht gut ausgehen wird. Doch gleichzeitig zog sich die Handlung stellenweise wie Kaugummi. Manche Szenen fühlten sich überflüssig an, und der düstere Ton hat mich irgendwann nur noch runtergezogen.

Das Ende? Nun, es war kein Schock. Es war absehbar, dass es auf eine Katastrophe zusteuert, und irgendwie hätte ich mir vielleicht etwas weniger Vorhersehbarkeit gewünscht.

Am meisten habe ich mich gefragt: Warum hat niemand eingegriffen? Klar, Terence ist clever und versteckt seine wachsende Paranoia, aber es gibt so viele Momente, in denen die Großmutter oder Freunde hätten eingreifen können. Das machte die Story für mich weniger glaubwürdig.

Alles in allem würde ich sagen: Der fürsorgliche Mr. Cave ist keine schlechte Lektüre, aber man muss in der richtigen Stimmung für diese düstere Geschichte sein. Drei Sterne von mir – solide, aber nichts, was ich nochmal lesen würde, wenn ich gerade gute Laune habe.

Veröffentlicht am 04.07.2025

Matt Haig: Der fürsorgliche Mr. Cave

Der fürsorgliche Mr. Cave
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Manchmal liest du ein Buch und denkst dir: „Wow, das ist düsterer, als ich erwartet habe.“ Genau das Gefühl hatte ich bei Der fürsorgliche Mr. Cave – eine Geschichte, die sich mehr und mehr in einen Sog ...

Manchmal liest du ein Buch und denkst dir: „Wow, das ist düsterer, als ich erwartet habe.“ Genau das Gefühl hatte ich bei Der fürsorgliche Mr. Cave – eine Geschichte, die sich mehr und mehr in einen Sog aus Obsession und Kontrollwahn verwandelt.

Terence Cave hat alles verloren: seine Mutter, seine Frau, seinen Sohn. Alles, was ihm bleibt, ist seine Tochter Bryony, und die versucht er um jeden Preis zu beschützen. Und wenn ich „um jeden Preis“ sage, dann meine ich es wörtlich. Anfangs habe ich noch Verständnis für seine Ängste gehabt – wer würde sein einziges Kind nicht vor der grausamen Welt beschützen wollen? Aber was Terence da abzieht, ist jenseits von Beschützerinstinkt. Es ist Besessenheit in ihrer schlimmsten Form.

Bryony, die sich eigentlich von ihrem Vater abnabeln will, gerät in diesen emotionalen Käfig, den Terence um sie baut. Dabei wird sie immer rebellischer – und ganz ehrlich, wer könnte es ihr verübeln? Während ich weiter las, ertappte ich mich oft dabei, wie ich mir wünschte, sie würde einfach weglaufen oder das Jugendamt einschalten. Aber sie ist 15 und kämpft sich durch, und es gibt Momente, da fühlst du mit ihr, auch wenn sie manchmal nervt.

Der Aufbau des Buches, eine Art Tagebuch, das Terence an seine Tochter schreibt, hat mir eigentlich gefallen. Es hat eine gewisse Intimität und lässt dich tief in seinen Verstand eintauchen – was nicht immer angenehm ist. Es ist wie eine Fahrt in den Abgrund, und du weißt, dass es nicht gut ausgehen wird. Doch gleichzeitig zog sich die Handlung stellenweise wie Kaugummi. Manche Szenen fühlten sich überflüssig an, und der düstere Ton hat mich irgendwann nur noch runtergezogen.

Das Ende? Nun, es war kein Schock. Es war absehbar, dass es auf eine Katastrophe zusteuert, und irgendwie hätte ich mir vielleicht etwas weniger Vorhersehbarkeit gewünscht.

Am meisten habe ich mich gefragt: Warum hat niemand eingegriffen? Klar, Terence ist clever und versteckt seine wachsende Paranoia, aber es gibt so viele Momente, in denen die Großmutter oder Freunde hätten eingreifen können. Das machte die Story für mich weniger glaubwürdig.

Alles in allem würde ich sagen: Der fürsorgliche Mr. Cave ist keine schlechte Lektüre, aber man muss in der richtigen Stimmung für diese düstere Geschichte sein. Drei Sterne von mir – solide, aber nichts, was ich nochmal lesen würde, wenn ich gerade gute Laune habe.

Veröffentlicht am 06.06.2025

Leider schon vergeben

Leider schon vergeben!
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Hast du dich schon mal gefragt, was passieren würde, wenn eine Wahrsagerin auf einem Junggesellinnenabschied das Schicksal in die Hand nimmt? Genau das passiert in „Leider schon vergeben“ von Jessica Fox, ...

Hast du dich schon mal gefragt, was passieren würde, wenn eine Wahrsagerin auf einem Junggesellinnenabschied das Schicksal in die Hand nimmt? Genau das passiert in „Leider schon vergeben“ von Jessica Fox, und ich muss sagen, ich habe es genossen, diese chaotische Liebesgeschichte zu lesen.

Fern Moss, unsere Protagonistin, ist seit Langem Single und träumt von der großen Liebe. Als auf dem Junggesellinnenabschied ihrer besten Freundin Zoe eine Wahrsagerin engagiert wird, ändert sich für Fern alles. Die Wahrsagerin prophezeit ihr, dass sie ihren Traummann bereits kennt, ihn aber hat entwischen lassen. Fern, die bisher keinen Erfolg bei der Männersuche hatte, nimmt diese Botschaft ernst – vielleicht etwas zu ernst – und startet eine schräge Reise durch ihre Vergangenheit, um ihre Ex-Freunde wiederzufinden.

Der Anfang des Buches ist schwungvoll und lebhaft. Die Beschreibungen der feucht-fröhlichen Party und die erste Begegnung mit der Wahrsagerin sind unterhaltsam und lassen einen schmunzeln. Doch nach dieser vielversprechenden Einleitung verliert die Geschichte an Schwung und plätschert leider etwas vor sich hin. Die Spannung und die Witzigkeit, die zu Beginn noch vorhanden waren, verpuffen zunehmend.

Fern ist eine sympathische, wenn auch etwas chaotische Hauptfigur. Ihre liebenswerte Schusseligkeit sorgt für einige Lacher, doch insgesamt fehlt ihr etwas Tiefe. Es wäre schön gewesen, mehr von ihren inneren Kämpfen und Gefühlen zu erfahren. Stattdessen wirkt sie oft oberflächlich, und ihre Suche nach dem Traummann scheint mehr von Sturheit als von wirklicher Leidenschaft getrieben zu sein.

Die Nebencharaktere bleiben größtenteils blass, mit Ausnahme von Tierarzt Matt, der mit seiner einfühlsamen Art einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Die anderen Männer, die Fern auf ihrer Suche wiedertrifft, wirken eher als notwendige Stationen auf ihrem Weg als echte Charaktere.

Trotz dieser Schwächen bietet „Leider schon vergeben“ einige amüsante und unterhaltsame Momente. Die Situationskomik und die Missverständnisse sorgen für einige Lacher und machen das Buch zu einer kurzweiligen Lektüre. Besonders die Szenen, in denen Fern auf ihre Ex-Freunde trifft, sind witzig und gut geschrieben.

Insgesamt ist „Leider schon vergeben“ eine nette Lektüre für zwischendurch. Es ist kein literarisches Meisterwerk, aber es bietet leichte Unterhaltung und einige humorvolle Momente. Wenn du auf der Suche nach einem entspannten, nicht allzu tiefgründigen Buch bist, das dich zum Schmunzeln bringt, dann könnte „Leider schon vergeben“ genau das Richtige für dich sein. Ein bisschen wie eine romantische Komödie auf Papier – nicht ganz Hollywood, aber definitiv einen Lacher wert.

Veröffentlicht am 19.09.2024

Abenteuerreise

Miss Saigon, der Hund, der Japaner und ich
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Stell dir vor, dein Leben verwandelt sich über Nacht in ein totales Chaos: Job futsch, Freundin weg und die Wohnung auch Geschichte. Genau so geht es Nick Roth, dem unerschütterlichen Helden in Florian ...

Stell dir vor, dein Leben verwandelt sich über Nacht in ein totales Chaos: Job futsch, Freundin weg und die Wohnung auch Geschichte. Genau so geht es Nick Roth, dem unerschütterlichen Helden in Florian Tauschs amüsantem Roman „Miss Saigon, der Hund, der Japaner und ich“. Und wie reagiert man auf so einen Totalschaden? Klar, man zieht nach Vietnam!

Nick ist der Typ, der auch in der größten Krise noch einen Neuanfang wagt. Er heuert bei einem Freund in einer Werbeagentur in Saigon an und stürzt sich kopfüber in das quirlige, farbenfrohe Leben der vietnamesischen Metropole. Das Leben als Expat in Vietnam ist für ihn genauso aufregend und chaotisch, wie du es dir vorstellst. Und ja, er begegnet dabei auch einem bissigen Hund und einem liebestollen Japaner, die sein Leben ordentlich durcheinanderwirbeln.

Das Buch ist ein herrlich leichtfüßiger Mix aus Kulturschock, Liebeschaos und schrägen Abenteuern. Florian Tausch gelingt es meisterhaft, das lebhafte Treiben von Saigon einzufangen und dir das Gefühl zu geben, du würdest direkt an Nicks Seite durch die engen Gassen schlendern und den Duft von Straßenküche einatmen.

Nicks Abenteuer sind gespickt mit urkomischen Situationen und charmanten Missgeschicken. Sein Weg führt ihn zu Lien, der Frau seiner Träume, doch der Weg zum Traualtar ist steiniger, als er gedacht hätte. Besonders wenn ein Hund und ein Japaner mit von der Partie sind! Die kulturellen Missverständnisse und die lustigen Szenen lassen dich garantiert mehr als einmal schmunzeln.

Florian Tausch versteht es, mit viel Humor und einer ordentlichen Portion Selbstironie die Geschichten seines Helden zu erzählen. Nick ist ein chaotischer, aber liebenswerter Charakter, in dem man sich leicht wiederfinden kann. Wer hat nicht schon mal in der Liebe und im Leben daneben gegriffen und musste sich dann neu sortieren?

Wenn du auf der Suche nach einer kurzweiligen Lektüre bist, die dich in eine exotische Welt entführt und gleichzeitig zum Lachen bringt, dann ist „Miss Saigon, der Hund, der Japaner und ich“ genau das Richtige für dich. Es ist wie eine Reise ohne Kofferpacken – und wer könnte das nicht brauchen?

Also, schnapp dir das Buch und begleite Nick auf seiner verrückten Suche nach Liebe und Glück in Vietnam. Du wirst es nicht bereuen – versprochen!

Veröffentlicht am 19.09.2024

Unsterbliche Schönheit

Hübsch in alle Ewigkeit
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Wenn du auf der Suche nach einer humorvollen und originellen Vampirgeschichte bist, die das Genre mal so richtig auf den Kopf stellt, dann ist „Hübsch in alle Ewigkeit“ von Emma Flint genau das Richtige ...

Wenn du auf der Suche nach einer humorvollen und originellen Vampirgeschichte bist, die das Genre mal so richtig auf den Kopf stellt, dann ist „Hübsch in alle Ewigkeit“ von Emma Flint genau das Richtige für dich! Dieses Buch bringt dich garantiert zum Schmunzeln – denn wer hätte gedacht, dass Untote auch Bad-Hair-Days haben können?

Leni und Vivian sind die coolsten Vampire, die du je treffen wirst. Ihre Nächte sind gefüllt mit wilden Partys, Modetipps und Makeup-Tricks. Klingt nach dem perfekten Leben, oder? Na ja, fast. Denn Leni hat ein kleines Problem: Ihre Frisur ist seit den 80ern in einem Zustand der Dauerwelle gefangen. Ja, du hast richtig gelesen – eine Achtzigerjahre-Dauerwelle, die nie wieder in Mode kommen wird. Das ist der Preis für ihre ewige Jugend, und der Kampf gegen den Frizz ist real!

Die Handlung nimmt richtig Fahrt auf, als die beiden Freundinnen in Köln in die Untotenbürokratie der Vampirrepublik Deutschland hineingezogen werden. Steuerprobleme und gemeinnützige Arbeit als Strafe – selbst Vampire können dem Alltag nicht entkommen. Zu allem Überfluss müssen sie sich auch noch mit der intriganten Sandra aus Schulzeiten herumschlagen, die Leni und Vivian auf die Schliche kommt.

Emma Flint gelingt es, mit viel Humor und spritzigen Dialogen eine erfrischend andere Vampirgeschichte zu erzählen. Die Freundschaft zwischen Leni und Vivian steht im Mittelpunkt und zeigt, dass echte Freundinnen zusammen durch dick und dünn gehen – oder in diesem Fall, durch Blut und Dauerwellen.

Die beiden Hauptfiguren sind herrlich menschlich, trotz ihres untoten Zustands. Sie navigieren durch die Tücken des Vampirdaseins und treffen auf allerlei skurrile Charaktere – vom überforderten Höllenfürsten bis hin zum sturen Bürokraten der Vampirverwaltung. Dabei bleibt kein Auge trocken, und die Situationskomik sorgt für viele Lacher.

Ein kleines Manko des Buches ist, dass die Handlung stellenweise etwas vor sich hinplätschert. Manchmal hat es den Anschein, als würde die Story im Schneckentempo vorankommen. Doch die humorvollen Einfälle und die liebenswerten Charaktere machen dies wieder wett. Vor allem das Finale bringt die Geschichte zu einem gelungenen Abschluss und lässt dich zufrieden zurück.

Fazit: „Hübsch in alle Ewigkeit“ ist eine erfrischend andere Vampirgeschichte, die mit viel Humor und originellen Ideen überzeugt. Wenn du Lust auf eine leichte, unterhaltsame Lektüre hast und bereit bist, dich auf die absurden Seiten des Untotendaseins einzulassen, dann ist dieses Buch genau das Richtige für dich. Also schnapp dir eine Flasche Kunstblut und tauche ein in die chaotische Welt von Leni und Vivian – du wirst es nicht bereuen!