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Veröffentlicht am 14.07.2025

Wenn die Vergangenheit auf die Gegenwart trifft – und Wahrheiten das Herz bewegen

Wiedersehen in Assam
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Wiedersehen in Assam spielt im Jahr 1962 in einer Zeit des politischen Umbruchs in Indien. Die junge Sammy wird durch den drohenden Grenzkrieg mit China aus ihrem vertrauten Leben gerissen und auf ein ...

Wiedersehen in Assam spielt im Jahr 1962 in einer Zeit des politischen Umbruchs in Indien. Die junge Sammy wird durch den drohenden Grenzkrieg mit China aus ihrem vertrauten Leben gerissen und auf ein Internat nach England geschickt. Als sie zu Weihnachten nach Assam zurückkehrt, ist die Freude über das Wiedersehen mit ihrer Familie nur von kurzer Dauer. Ein altes Foto bringt ein lange verschwiegenes Familiengeheimnis ans Licht und treibt einen Keil zwischen Sammy und ihre Mutter. Enttäuscht, aber entschlossen, begibt sich Sammy nicht nur auf die Suche nach der Wahrheit, sondern auch auf eine Reise zu sich selbst.

Janet MacLeod Trotter gelingt mit diesem Roman eine feinfühlige, atmosphärisch dichte Geschichte über Familie, Herkunft, Schmerz und Versöhnung. Obwohl es Vorgeschichten gibt, die teilweise auf früheren Romanen beruhen, findet man dank des klug gestalteten Epilogs, der die Familienkonstellationen übersichtlich erklärt, schnell in die Handlung hinein. Die Vielzahl an Figuren und parallelen Handlungssträngen mag anfangs etwas herausfordernd wirken, doch nach und nach fügen sich alle Erzählungen zu einem stimmigen Ganzen zusammen.

Besonders überzeugt hat mich, wie eindrucksvoll die Autorin die Emotionen der Figuren schildert. Ich konnte Sammys Wut, Zweifel und ihre tiefe Sehnsucht nach Zugehörigkeit und Wahrheit gut nachvollziehen. Es ist eine Geschichte, die einen emotional mitnimmt.

Ein weiterer faszinierender Aspekt des Romans ist sein historisches und kulturelles Setting. Die Einblicke in die koloniale Vergangenheit sowie die sozialen Konventionen und moralischen Zwänge der damaligen Zeit verleihen der Geschichte Tiefe. Besonders positiv hervorzuheben ist auch das Glossar am Ende des Buches, das indische Begriffe erklärt und dem Leser einen zusätzlichen Einblick in Sprache und Kultur ermöglicht.
Für mich einfach ein schöner Bonus.

Fazit:
Wiedersehen in Assam ist ein gefühlvoller Familienroman mit vielschichtigen Charakteren, einem spannenden historischen Hintergrund und einer berührenden Botschaft. Ein kleiner Punktabzug für die anfängliche Komplexität der vielen Erzählstränge. Doch wer dranbleibt, wird mit einer bewegenden Geschichte belohnt, die Herz und Verstand anspricht.

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Veröffentlicht am 06.07.2025

Ein Buch, das Tränen fordert und Mut schenkt

Bis mein Herz wieder schlägt
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In „Bis mein Herz wieder schlägt“ erzählt Becky Hunter die Geschichte von Emery, einer jungen Frau mit einer seltenen Herzerkrankung.
Jedes Mal, wenn ihr Herz stehen bleibt, gelangt sie in eine Zwischenwelt ...

In „Bis mein Herz wieder schlägt“ erzählt Becky Hunter die Geschichte von Emery, einer jungen Frau mit einer seltenen Herzerkrankung.
Jedes Mal, wenn ihr Herz stehen bleibt, gelangt sie in eine Zwischenwelt und begegnet dort Nick. Er begleitet Menschen auf dem Weg ins Jenseits. Normalerweise trifft er jede Seele nur ein einziges Mal, doch Emery begegnet er immer wieder. Zwischen den beiden entsteht eine Verbindung, die stark und besonders ist, aber nur in dieser Zwischenwelt existieren kann.
Zurück in der realen Welt steht jedoch Colin an Emerys Seite, jemand, der ihr Halt gibt und ihr ein Leben im Hier und Jetzt anbietet.
Doch mit jeder gesundheitlichen Verschlechterung rückt Emery näher an eine Entscheidung, die alles verändern könnte.

Zu Beginn war ich mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob mich das Buch wirklich packen würde. Die Idee mit der Zwischenwelt und den wiederkehrenden Begegnungen mit Nick wirkte auf mich zunächst etwas weit hergeholt. Auch mit Emery konnte ich anfangs nicht direkt warm werden, da sie meiner Meinung sehr sprunghaft und unüberlegt handelte. Doch mit jeder Seite wuchs meine Verbindung zu ihr und spätestens ab der Hälfte konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen.

Becky Hunter gelingt es eindrucksvoll, eine Geschichte zu erzählen, die vor allem durch ihre emotionale Intensität tief berührt. Über allem liegt eine Melancholie, die mich ergriffen hat, weil man sich als Leser*in so gut in die Gefühlswelt und Lebenssituationen der Figuren hineinversetzen kann. Ihre Ängste, Zweifel, Trauer und Sehnsüchte sind so authentisch und spürbar, dass ich beim Lesen oft schlucken musste und mehr als einmal zu Tränen gerührt war.

Was dieses Buch besonders macht, ist die Tatsache, dass man Emerys Leben über Jahre hinweg begleitet. Man wird Zeuge ihrer Entwicklung, ihrer Kämpfe und Entscheidungen und genau das hat mich nachhaltig bewegt. Es geht um Krankheit, um Abschied, um Schuld, aber auch um das Bedürfnis nach Nähe, Freiheit und Selbstbestimmung. Die Geschichte ist nicht still, sie ist lebendig, aufwühlend und intensiv.

Nick, der mysteriöse Zwischenwelt-Begleiter, verleiht dem Roman zusätzlich eine besondere Perspektive. Seine Rolle, seine Geschichte und seine Gedanken fügen sich harmonisch ein und haben zutiefst berührt.

Fazit:
„Bis mein Herz wieder schlägt“ ist eines der traurigsten, aber auch eindrücklichsten Bücher, das ich seit Langem gelesen habe. Es erzählt mit großer Emotionalität von Verlust, Abschied und der Zerbrechlichkeit des Lebens, ohne dabei jemals hoffnungslos zu wirken.
Wer aktuell mit einem eigenen Verlust zu kämpfen hat, sollte sich gut überlegen, ob er sich emotional auf diese Geschichte einlassen möchte. Denn die Themen Tod und Krankheit stehen hier klar im Mittelpunkt.
Und doch: So traurig mich viele Momente gemacht haben, so sehr hat mich das Buch auch berührt und getragen. Denn bei all der Schwere entscheidet sich die Geschichte immer wieder für das Leben. Das hat mich beeindruckt und genau das bleibt auch am Ende zurück, ein Gefühl von Hoffnung, Stärke, Liebe und leiser Zuversicht.
„Bis mein Herz wieder schlägt“ ist ein Roman, der mitfühlen lässt und genau darin liegt seine Kraft. Ein kleiner Stern Abzug muss ich dennoch geben, da der Einstieg in die Geschichte einfach holprig war und mich nicht direkt gepackt hat.

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Veröffentlicht am 05.07.2025

Verantwortung, Zweifel, Zuneigung – wenn Liebe neue Wege öffnet

Bound by Dreams
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Nach mehreren Umzügen landen Ava, ihre Mutter und ihre kleine Schwester in dem ruhigen Küstenstädtchen Oceanbridge. Ein weiterer Neubeginn, der ihnen allen viel abverlangt.
Für ihr Alter trägt Ava bereits ...

Nach mehreren Umzügen landen Ava, ihre Mutter und ihre kleine Schwester in dem ruhigen Küstenstädtchen Oceanbridge. Ein weiterer Neubeginn, der ihnen allen viel abverlangt.
Für ihr Alter trägt Ava bereits eine Verantwortung, die größer ist, als sie sein sollte. Ihre Mutter kämpft mit ihrer psychischen Gesundheit, ihre jüngere Schwester stellt alles infrage und das neue Zuhause gleicht eher einer Baustelle als einem Rückzugsort. Eigene Träume und Wünsche rücken für Ava in weite Ferne.
Als sie auf Jay trifft, den wortkargen Nachbarn, der eine Leidenschaft für Basketball hat, scheinen die Gegensätze zunächst kaum überbrückbar. Doch hinter seiner verschlossenen Art verbirgt sich mehr, als man denkt – und auch Ava beginnt, ihr Herz vorsichtig zu öffnen.

Schon nach wenigen Seiten ist man mittendrin in Avas Welt, die geprägt ist von Verantwortung, Unsicherheit, Hoffnung und stillem Mut. Emma Wagner schafft es, mit ruhiger, feinfühliger Sprache eine Geschichte zu erzählen, die trotz ihrer leisen Töne intensiv wirkt. Besonders beeindruckt haben mich die vielschichtigen und glaubwürdigen Figuren. Sowohl Ava als auch Jay sind nicht überzeichnet, sondern handeln nachvollziehbar, oft auch widersprüchlich, und genau das macht sie so greifbar.

Die Beziehung zwischen den beiden entwickelt sich langsam und beinahe zögerlich, was der Liebesgeschichte Tiefe und Authentizität verleiht. Nichts wirkt kitschig oder erzwungen. Stattdessen begleiten wir zwei junge Menschen, die sich nicht nur ineinander verlieben, sondern auch zu sich selbst finden.

Thematisch behandelt das Buch einige schwere Inhalte wie psychische Erkrankungen, Armut, familiärer sowie schulischer Leistungsdruck. Diese Inhalte werden jedoch nicht dramatisiert, sondern feinfühlig in die Handlung eingewoben, sodass sie stets realistisch wirken. Gerade diese ruhige Ehrlichkeit hat mir besonders gut gefallen.

Fazit:
Ein einfühlsamer Jugendroman über Verantwortung, innere Stärke und zweite Chancen – mit starken Figuren, realistischen Konflikten und einer Liebesgeschichte, die unter die Haut geht.

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Veröffentlicht am 21.06.2025

Kurz, intensiv und voller starker Gefühle

Colours of Love - Erhofft
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Hope reist zur Hochzeit ihrer Schwester nach England. Doch statt familiärer Wiedersehensfreude wartet dort eine Begegnung, die sie vollkommen aus dem Gleichgewicht bringt. Denn ausgerechnet Henry, mit ...

Hope reist zur Hochzeit ihrer Schwester nach England. Doch statt familiärer Wiedersehensfreude wartet dort eine Begegnung, die sie vollkommen aus dem Gleichgewicht bringt. Denn ausgerechnet Henry, mit dem sie einst in New York eine leidenschaftliche Affäre hatte, taucht erneut in ihrem Leben auf. Das Kribbeln zwischen ihnen ist sofort wieder da: intensiv, vertraut und kaum zu ignorieren. Doch Hope ist überzeugt, dass Henrys Herz längst einer anderen gehört.

Kathryn Taylor beweist mit dieser Kurzgeschichte einmal mehr, dass große Gefühle auch auf wenigen Seiten möglich sind. Die Autorin versteht es, mit leichtem, flüssigem Stil und viel Fingerspitzengefühl Emotionen lebendig werden zu lassen. Schon nach den ersten Seiten ist man mitten in der Geschichte, spürt die Spannung zwischen den Figuren – und möchte einfach weiterlesen.

Besonders gelungen ist die Dynamik zwischen Hope und Henry. Ihre Begegnungen sind voller Spannung, leiser Sehnsucht und intensiver Momente. Die Chemie zwischen den beiden stimmt und auch die sinnlichen Szenen sind geschmackvoll beschrieben: gefühlvoll, stilvoll und nicht aufgesetzt.

Auch wenn die Handlung insgesamt vorhersehbar ist, liegt genau darin der Charme dieser Geschichte. Man erwartet eine romantische, gefühlvolle Kurzlektüre – und genau das bekommt man auch. Manchmal braucht es eben keine großen Überraschungen, sondern einfach eine Geschichte, die das Herz berührt.

Trotz des begrenzten Umfangs wirken die Charaktere authentisch und machen neugierig: Man möchte wissen, was sie geprägt hat und was sie antreibt. Hopes emotionale Zerrissenheit und Henrys Zurückhaltung werden mit wenigen, treffenden Worten greifbar gemacht.

Fazit:
"Colours of Love – Erhofft" ist eine gefühlvolle und leidenschaftliche Kurzgeschichte über zweite Chancen, unerwartete Begegnungen und die Macht der Gefühle. Eine romantische und gut erzählte Lektüre für zwischendurch – perfekt für alle, die sich für ein paar Stunden in große Emotionen fallen lassen möchten.

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Veröffentlicht am 17.06.2025

Wenn Pflicht auf Herz trifft – Iris und Richard

SMYTHE-SMITH. Die Geheimnisse von Sir Richard
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Mit „Die Geheimnisse von Sir Richard“ schließt Julia Quinn ihre Smythe-Smith-Reihe mit einem weiteren gefühlvollen Liebesroman ab, der durch fein gezeichnete Charaktere und emotionale Zwischentöne überzeugt. ...

Mit „Die Geheimnisse von Sir Richard“ schließt Julia Quinn ihre Smythe-Smith-Reihe mit einem weiteren gefühlvollen Liebesroman ab, der durch fein gezeichnete Charaktere und emotionale Zwischentöne überzeugt. Auch wenn dieser Band für mich insgesamt etwas schwächer ausfällt als die Vorgänger, bietet er dennoch viele lesenswerte Momente.

Im Zentrum der Geschichte steht Iris Smythe-Smith, die äußerlich eher unscheinbar wirkt, aber innerlich durch Stärke, Klugheit und Besonnenheit glänzt. Sie ist eine ruhige, loyale und aufrichtige junge Frau, die ihre Rolle in der Gesellschaft mit Haltung ausfüllt, ohne laut oder aufdringlich zu sein. Sie fällt nicht aus der Etikette, doch unterschätzt werden sollte sie keinesfalls.

Als Sir Richard Kenworthy auf der berüchtigten musikalischen Soiree der Smythe-Smiths auf sie aufmerksam wird, spürt er sofort, dass Iris anders ist. Ihre Intelligenz, ihre stille Stärke und ihre aufrichtige Art faszinieren ihn – lange bevor er sich das selbst eingestehen will.
Iris fühlt sich von Richards Avancen geschmeichelt, spürt jedoch instinktiv, dass seine Zuneigung nicht ganz frei von Hintergedanken ist. Als er sie durch einen öffentlichen Kuss kompromittiert und so zur Heirat zwingt, beginnt eine Beziehung, die auf einem unausgesprochenen Geheimnis ruht.

Bereits zu Beginn des Romans wird schnell klar, dass Richard hierbei nicht ohne Grund handelt. Er ist ein Mann, der früh Verantwortung übernehmen musste und dessen Entscheidungen nie leichtfertig getroffen sind. Seine Beweggründe zu diesem Vorgehen sind komplex, seine Absichten jedoch durchweg ehrenhaft. Er handelt aus dem tiefen Wunsch heraus, jemanden zu beschützen, der ihm viel bedeutet. Dabei stellt er sein persönliches Glück hinten an, um für das Wohl seiner liebsten Menschen zu sorgen. Genau diese Haltung macht ihn so sympathisch: Richard trägt die Last seiner Verpflichtungen mit Würde, doch seine innere Zerrissenheit – insbesondere, weil er weiß, dass er Iris anders hätte den Hof machen müssen – verleiht ihm eine berührende Tiefe.

Zwischen Iris und Richard entsteht eine leise, aber intensive Verbindung. Iris spürt von Anfang an, dass etwas nicht stimmt, lässt sich aber nicht von ihren Gefühlen blenden. Ihre Intuition und innere Klarheit stehen im Kontrast zu Richards Geheimnissen – und gerade dieser Gegensatz verleiht ihrer Beziehung eine besondere Dynamik.
Die sich langsam entwickelnde Nähe lebt von feinen Gesten, aufrichtigen Gesprächen und unausgesprochenem Verstehen.

Der Roman beginnt stark und fesselt mit seiner ruhigen, atmosphärischen Erzählweise. Leider verliert die Geschichte gegen Ende etwas an Zugkraft. Der zuvor aufgebaute Spannungsbogen löst sich nicht mit der emotionalen Wucht auf, die ich mir erhofft hatte. Zwar ist die Auflösung stimmig, doch im Vergleich zum intensiven Einstieg wirkt sie etwas blass und hinterlässt weniger Nachhall als erwartet.

Fazit:
„Die Geheimnisse von Sir Richard“ überzeugt vor allem durch seine sensibel gestalteten Figuren. Iris’ stille Entschlossenheit und Richards innere Zerrissenheit bilden das Herzstück dieser Geschichte. Auch wenn die Geschichte im letzten Drittel etwas an Zugkraft verliert, bleibt sie ein gefühlvoller, intelligenter Liebesroman mit Charme – und für mich ein würdiger Abschluss der Smythe-Smith-Reihe.

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