Wenn die Vergangenheit auf die Gegenwart trifft – und Wahrheiten das Herz bewegen
Wiedersehen in AssamWiedersehen in Assam spielt im Jahr 1962 in einer Zeit des politischen Umbruchs in Indien. Die junge Sammy wird durch den drohenden Grenzkrieg mit China aus ihrem vertrauten Leben gerissen und auf ein ...
Wiedersehen in Assam spielt im Jahr 1962 in einer Zeit des politischen Umbruchs in Indien. Die junge Sammy wird durch den drohenden Grenzkrieg mit China aus ihrem vertrauten Leben gerissen und auf ein Internat nach England geschickt. Als sie zu Weihnachten nach Assam zurückkehrt, ist die Freude über das Wiedersehen mit ihrer Familie nur von kurzer Dauer. Ein altes Foto bringt ein lange verschwiegenes Familiengeheimnis ans Licht und treibt einen Keil zwischen Sammy und ihre Mutter. Enttäuscht, aber entschlossen, begibt sich Sammy nicht nur auf die Suche nach der Wahrheit, sondern auch auf eine Reise zu sich selbst.
Janet MacLeod Trotter gelingt mit diesem Roman eine feinfühlige, atmosphärisch dichte Geschichte über Familie, Herkunft, Schmerz und Versöhnung. Obwohl es Vorgeschichten gibt, die teilweise auf früheren Romanen beruhen, findet man dank des klug gestalteten Epilogs, der die Familienkonstellationen übersichtlich erklärt, schnell in die Handlung hinein. Die Vielzahl an Figuren und parallelen Handlungssträngen mag anfangs etwas herausfordernd wirken, doch nach und nach fügen sich alle Erzählungen zu einem stimmigen Ganzen zusammen.
Besonders überzeugt hat mich, wie eindrucksvoll die Autorin die Emotionen der Figuren schildert. Ich konnte Sammys Wut, Zweifel und ihre tiefe Sehnsucht nach Zugehörigkeit und Wahrheit gut nachvollziehen. Es ist eine Geschichte, die einen emotional mitnimmt.
Ein weiterer faszinierender Aspekt des Romans ist sein historisches und kulturelles Setting. Die Einblicke in die koloniale Vergangenheit sowie die sozialen Konventionen und moralischen Zwänge der damaligen Zeit verleihen der Geschichte Tiefe. Besonders positiv hervorzuheben ist auch das Glossar am Ende des Buches, das indische Begriffe erklärt und dem Leser einen zusätzlichen Einblick in Sprache und Kultur ermöglicht.
Für mich einfach ein schöner Bonus.
Fazit:
Wiedersehen in Assam ist ein gefühlvoller Familienroman mit vielschichtigen Charakteren, einem spannenden historischen Hintergrund und einer berührenden Botschaft. Ein kleiner Punktabzug für die anfängliche Komplexität der vielen Erzählstränge. Doch wer dranbleibt, wird mit einer bewegenden Geschichte belohnt, die Herz und Verstand anspricht.