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Veröffentlicht am 15.08.2025

Zählen lernen in der Savanne!

Agathe zählt die Sterne
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Bei DTV erscheint das Bilderbuch Agathe zählt die Sterne von Catherine Rayner für Kinder ab vier Jahren.

Agathe lebt in der afrikanischen Savanne und man mag es kaum glauben, sie liebt es zu zählen! ...

Bei DTV erscheint das Bilderbuch Agathe zählt die Sterne von Catherine Rayner für Kinder ab vier Jahren.

Agathe lebt in der afrikanischen Savanne und man mag es kaum glauben, sie liebt es zu zählen! Ob es nun die Flecken ihrer Freundin Marie Käfer sind oder die Blätter am Baum, Agathe zählt und zählt und kann gar nicht genug davon bekommen. Leider werden viele Blätter schnell aufgefuttert und manche Tiere halten einfach nicht still, wie die Zebras oder der Gepard. Da kann sie einfach nicht in Ruhe zählen. Aber Marie weiß Rat und Zebra und der schnelle Gepard wollen ihr helfen. Doch leider können sie noch gar nicht zählen, also bringt es ihnen Agathe bei und sie üben sehr lange, bis die Sonne untergeht. Die viele Mühe lohnt sich, denn am Ende wartet eine besondere Überraschung auf die Tiere.

Bei dieser Geschichte habe ich mich sofort in die geduldige Agathe und in die wunderschönen Illustrationen verliebt. Die Bilder sind ein eindrucksvoller Mix aus Aquarell und Zeichnung und die Abbildungen der Tiere wirken sehr natürlich.

Der Text ist ziemlich kurz, dafür aber aussagekräftig und für kleine Kinder gut verständlich. Die Schrift der zu betonenden Worte ist größer gedruckt als der Rest, das schafft die Aufmerksamkeit der Zuhörer. Es geht bei diesem Buch darum, die Zahlen von eins bis zehn zu lernen und man bekommt eine Vorstellung von Tieren und Vegetation der Savanne und von ihrer unendlichen Weite.

Ich finde es sehr schön, wie geduldig sich Agathe bemüht, ihren Freunden das Zählen beizubringen und wie sie am Ende vor dem nächtlichen Abendhimmel stehen.

Ein wunderschön illustriertes Bilderbuch zum Zählen lernen und Abtauchen in die Savanne!

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Veröffentlicht am 21.07.2025

Der Traum vom Leben

Der Krabbenfischer
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Der Krabbenfischer von Benjamin Wood erscheint im Dumont Verlag, in der Übersetzung von Werner Löcher-Lawrence.

Longferry, England, Sechzigerjahre. Thomas Flett lebt mit zwanzig Jahren als Krabbenfischer ...

Der Krabbenfischer von Benjamin Wood erscheint im Dumont Verlag, in der Übersetzung von Werner Löcher-Lawrence.

Longferry, England, Sechzigerjahre. Thomas Flett lebt mit zwanzig Jahren als Krabbenfischer in einfachen Verhältnissen zusammen mit seiner Mutter, seinen Vater hat er nie kennen gelernt. Die harte und eintönige Arbeit des Krabbenfischens ist sein Tagwerk, er ist vertraut mit dem Meer und den Gezeiten, das Handwerk hat er von seinem Großvater gelernt. Viel lässt sich mit dem Fang nicht verdienen, aber es sichert ihm den Lebensunterhalt für die nötigsten Dinge. Thomas liebt Musik und übt heimlich Gitarre, er wünscht sich ein Leben, wo er Musik machen kann. Doch das Leben in Longferry lässt ihm keine Chance auf etwas anderes als mit Pferd und Kutsche täglich Krabben zu fischen. Dann besucht der amerikanische Regisseur Edgar Acheson die Stadt, er will einen Film drehen und macht Thomas ein Angebot.

Dieser Roman lebt von seinen Atmosphärischen Beschreibungen der salzigen Luft, der Gezeiten, der gefährlichen Senklöcher und Nebelbänke im Meer. Ständig schwebt während des Krabbenfischens die Gefahr, in eine Untiefe zu geraten oder von der Flut überrascht zu werden. Die Arbeit ist kräftezehrend, der Fang nicht groß und die Tätigkeit eintönig und kalt.

Die Stimmung der Geschichte ist sehr ruhig und etwas melancholisch, denn die Chancen auf ein besseres, erfüllteres Leben für Thomas sind nicht gegeben. Doch mit dem Eintreffen von Edgar ändert sich die Situation und die Handlung entwickelt einen fesselnden Sog. Beide Männer starten bei Ebbe mit Pferd und Kutsche, es kommt Nebel auf, die die folgenden Ereignisse nebulös und unwirklich erscheinen lässt. Was dort geschieht, läuft unwirklich, wie hinter einem Schleier ab, es wirkt nicht klar und logisch, sondern vieles verbirgt sich im grauen Nebel.

Durch dieses einschneidende Erlebnis bahnen sich Thomas ungeahnte, tief verborgende Sehnsüchte den Weg jenseits seines perspektivlosen Lebens. Der harte Job zehrt schon in jungen Jahren an Thomas Körper und an seiner Gesundheit. Seine Musik wäre seine Chance und Edgar ist derjenige, der an ihn glaubt und ihn ermuntert und bestärkt. Doch dann geschieht etwas, was Thomas am Erfolg seines Plans zweifeln lässt. Es ist nicht alles so wie es scheint und auch Edgar hat ein Geheimnis, das ihn in ein anderes Licht rückt. Am Ende bleibt die Aussicht auf Hoffnung!


Der Krabbenfischer ist ein besonderes Buch mit atmosphärischen Naturschilderungen und speziellen Figuren, aber auch mit Vorgängen, die im Nebel verwischen und nicht klar zu erkennen sind. Atmosphärisch erzählte, intensive Geschichte, die nicht ganz logisch erscheint!

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Veröffentlicht am 16.07.2025

Rätselvergnügen und Kunstgenuss für Groß und Klein

Finde den Fehler - Berühmte Künstler - Bilderrätsel mit 30 weltbekannten Gemälden
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Im Bassermann Verlag erscheint das Rätselbuch Finde den Fehler - Berühmte Künstler von Louis Catlett.

Dieses Buch spricht Rätselfans und Kunstliebhaber gleichermaßen an, denn es zeigt Abbildungen von ...

Im Bassermann Verlag erscheint das Rätselbuch Finde den Fehler - Berühmte Künstler von Louis Catlett.

Dieses Buch spricht Rätselfans und Kunstliebhaber gleichermaßen an, denn es zeigt Abbildungen von 30 weltbekannten Gemälden aus verschiedenen Kunstepochen, die einmal im Originaldruck und einmal mit veränderten bzw. fehlenden Bildelementen vorliegen.
Es gilt diese Fehler zu entdecken, die Anzahl der Fehler ist auf der Bildseite vermerkt und es gibt auch eine Auflösung im Anhand des Buches, falls man ein kleines Detail mal nicht gefunden hat.

Bei der Fehlersuche betrachtet man die Gemälde mal ganz im Detail und kommt den Werken der Kunstgeschichte automatisch sehr nahe. Dabei gerät man ins Staunen und entdeckt verschiedene Stilrichtungen, Kunstepochen und vielleicht auch Künstler, die bisher unter dem Radar verborgen blieben.

Vorgestellt werden Gemälde von Hieronymus Bosch, Judith Leyster, Paul Gauguin, Gustav Klimt, Vincent van Gogh, Jan Vermeer, van Delft, Rosalba Carriera, Georges Seurat, Harriet Backer, Wassily Kandinsky und viele mehr. Die Anordnung im Buch erfolgt nicht chronologisch, sondern bunt gemischt.

Die Fehlersuche erfordert genaue Beobachtungsgabe und eignet sich für Große und Kleine. Das Zusammenspiel von Spaß und Gehirntraining sorgt für gute Unterhaltung. Gleichzeitig lernt man die Werke großer Meister kennen und schaut sie sich mal ganz genau an. Die Gemälde werden mit Angaben zum jeweiligen Künstler und dem Titel und Entstehungsjahr des Werkes versehen. Über die jeweilige Epoche ist leider nichts vermerkt. Doch das ist in einem Rätselheft ja vielleicht zu viel verlangt.

Als Freizeitvergnüngen ein unterhaltsamer Kunstgenuss und Rätselspaß in einem!

Veröffentlicht am 06.07.2025

Die Bedeutung von Schlaflosigkeit wird interessant beschrieben!

Der Schlaf der Anderen
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Der Schlaf der Anderen von Tamar Noort erscheint bei Rowohlt Polaris.

Sina ist Lehrerin, Mutter von zwei Kindern und Ehefrau eines selbstsüchtigen Ehemanns. Wegen ihrer starken Schlafprobleme soll sie ...


Der Schlaf der Anderen von Tamar Noort erscheint bei Rowohlt Polaris.

Sina ist Lehrerin, Mutter von zwei Kindern und Ehefrau eines selbstsüchtigen Ehemanns. Wegen ihrer starken Schlafprobleme soll sie eine Nacht im Schlaflabor verbringen. Dort überwacht Janis als Krankenschwester ihre nächtlichen Gäste. Sie kommt ins Gespräch mit Sina, die auch im Labor nicht in den Schlaf findet und beide unternehmen eine nächtliche Reise, dabei entwickelt sich zwischen ihnen ein zartes Band der Freundschaft.

Tamar Noort beschreibt in "Der Schlaf der Anderen" die Probleme des Lebens mit ihren unerfüllten Träumen und dem Blick auf das ernüchternde Erreichte im Leben.
Sina ist ausgelaugt, sie versucht die Anforderungen ihrer Lehrtätigkeit und das Familienleben in Einklang zu bringen und verzweifelt an ihrem Mann, der sie nicht hilfreich unterstützt. Dabei gerät sie in einen Teufelskreis mit ihrer Schlaflosigkeit, die jeder Betroffene allzu gut nachvollziehen kann.
Janis lebt zurückgezogen und ist eine ruhige, ausgeglichene Frau, die sich dem Takt ihres nächtlichen Jobs verschrieben hat, aber auch damit hadert. Schon lange hat sie keine neuen Kontakte geknüpft, sie fühlt sich allein und nutzt den Tag zum Schlafen.

Sie unternimmt mit Sina eine nächtliche Reise, weil sie sich für deren Sicherheit verantwortlich fühlt. Je mehr Zeit sie miteinander verbringen, wächst das gegenseitige Verständnis und sie bauen eine freundschaftliche Verbindung auf, die aber nicht lange hält. Doch in dieser Nacht zeigen sich ihre Hoffnungen auf ein erfülltes Leben ohne die jeweiligen Probleme, die sie bedrücken.
Nach und nach taucht man durch die wechselseitig erzählten Perspektiven in die Gedankenwelt und das Leben der beiden Frauen ein. Dabei wurden die Konflikte deutlich gemacht, die durch das Funktionieren als Erwartungshaltung der Außenwelt herauf beschworen werden. Ich war betroffen, dass Sina weder von ihrem Mann noch von ihren Kolleginnen Verständnis und hilfreiche Angebote entgegen gebracht werden.

Nur Janis nimmt sich Zeit und hat für Sinas Probleme ein offenes Ohr. Ihre eigenen Sorgen geraten dabei ein wenig ins Hintertreffen, aber sie findet eine liebenswerte ältere Nachbarin, die sich um sie kümmert.

Beide Frauen sind wie gegensätzliche Pole im Tag- und Nacht-Vergleich, jede hat einen anderen Rythmus als die andere. Die Autorin zeigt auf eindringliche, feinfühlige Weise die Gefühlslage der Frauen und wie sich ihre Lebenswege miteinander verbinden und den Blick auf alte Erinnerungen und Träume offen legen. Sie spricht Themen an wie Burnout, emotionale Isolation und das Gefühl, sich im eigenen Leben zu verlieren und nur noch zu funktionieren.

Die Story beginnt ohne großen Tiefgang, doch sie entwickelt mit der Zeit einen unerwartet fesselnden Sog und öffnet den Blick auf die Innenwelt der Frauen und darauf, dass es möglich ist, bestimmte Dinge im Leben zu verändern und etwas Neues zu beginnen.
Das freundschaftliche Gefühl der ersten Nacht entwickelt eine Kraft in den Frauen, die ihnen erst später bewusst wird.
Manchmal reicht eine Nacht, um durch Zwischenmenschlichkeit eine Veränderung im Leben zu bewirken.

Die Volkskrankheit Schlaflosigkeit und die interessanten Frauenfiguren machen diesen Roman so lesenswert.

Veröffentlicht am 20.06.2025

Das Glück liegt in der Natur

Der Garten der kleinen Wunder
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Im Rowohlt Verlag erscheint Patricia Koelle-Wolkens Roman Der Garten der kleinen Wunder.

Es ist Frühling, Toja arbeitet in ihrem Garten und erfreut sich an der Natur, dabei bemerkt sie, wie sie von ...

Im Rowohlt Verlag erscheint Patricia Koelle-Wolkens Roman Der Garten der kleinen Wunder.

Es ist Frühling, Toja arbeitet in ihrem Garten und erfreut sich an der Natur, dabei bemerkt sie, wie sie von der 14-jährigen zurückhaltenden Nachbarstochter Vica beobachtet wird. Toja lädt Vica in ihren Garten ein und erkennt, dass Vica genau wie sie introvertiert ist. Nun möchte sie Vica helfen und ihre eigenen Erfahrungen auf der Suche nach ihrem Weg weiter geben. Es beginnt ein Sommer, der allen Beteiligten wunderbare Begegnungen schenkt und damit auch Veränderungen ermöglicht.

Der leise erzählte Roman ist auf eine anrührende und warmherzige Weise schön, so beschreibt die Autorin die Natur, die sich jedes Jahr aufs Neue wunderbar entfaltet. Patricia Koelles Erzählweise ist bildhaft und wunderbar einfühlsam und sie zeichnet feinfühlig die Stimmungen, die die Figuren in ihrer Geschichte umtreiben. Dazu gehören verschiedene Themen wie familiäre Bindung, Verlust und die Reflexion auf die Frage nach dem Leben jetzt und was nach uns bleibt.

Toja berichtet als Ich-Erzählerin von dem Sommer mit Vica, sie nimmt uns aber auch in ihre Vergangenheit mit, wo die Begegnung mit Wille und Bär ihr Leben positiv beeinflusst hat. Sie erkennt, dass Vica Probleme hat, sich frei entfalten und nutzt eigene Erfahrungen dazu, Vica Selbstvertrauen zu schenken und ihrem Vater ihre Gedanken und Gefühle näher zu bringen. So entstehen Freundschaften und Vica kann so sein wie sie ist.

Für mich war der Roman von Patricia Koelle mein erstes Buch der Autorin, es war eine schöne Erfahrung, diese entschleunigende Geschichte lesen zu dürfen. Die vielen farbenfrohen, bildhaften Beschreibungen von Pflanzen und Tieren mit lehrreichen und wunderschönen Details haben sich wie Bilder in meinem Kopf fest gesetzt, die die Natur wunderbar widerspiegeln. Ich hatte das Gefühl, den Garten selbst zu betreten und darin zu verweilen.

Die Zeichnung der Figuren erfolgt sehr behutsam, man erkennt die Gefühle der introvertierten Personen, die sich in der Stille der Natur vom stressigen Rest der Welt erholen und dort Kraft schöpfen.

Patricia Koelle erzählt in Der Garten der kleinen Wunder eine leise, atmosphärisch wirkende Geschichte, in der Menschen in der Natur Kraft schöpfen wo sie uns als Ruhepol in unserem oft so stressigen Leben Glück, Zufriedenheit und Frieden schenkt.

Ein bildhafter, stimmungsvoller Roman mit viel Gefühl, der die Natur wunderbar beschreibt und ihren Wert als Ruhe- und Kraftort feiert. Für alle Leserinnen, die leise Geschichten mit emotionalem Hintergrund schätzen.

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