Profilbild von Ryria

Ryria

Lesejury Star
offline

Ryria ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Ryria über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.07.2025

Bevor und danach

Eden
0

2017 erschütterte die Nachricht über den Anschlag beim Ariana Grande Konzert die Welt. In "Eden" greift der Autor dies auf und verfolgt das Leben der Familie eines der fiktiven Opfer. Der Tatort ist hier ...

2017 erschütterte die Nachricht über den Anschlag beim Ariana Grande Konzert die Welt. In "Eden" greift der Autor dies auf und verfolgt das Leben der Familie eines der fiktiven Opfer. Der Tatort ist hier Stuttgart statt Manchester, die Sängerin hat einen anderen Nachnamen, aber ansonsten ist alles fast gleich zum realen Vorbild - und dadurch keine leichte Kost und umso bedrückender.

Über mehrere Monate hinweg erfährt man das Geschehen kurz vor dem Anschlag und danach aus den Perspektiven der Eltern des Opfers, Sofie selbst, einem Klassenkameraden und auch dem Täter selbst. Die Gliederung fand ich schön übersichtlich und während beispielsweise die Perspektive des Mitschülers zunächst eher überraschend war, hat es doch gut gepasst.
Ob der Täter tatsächlich ähnliche Gedanken hatte ist wohl schwer zu sagen, die Interpretation des Autors kam mir persönlich teilweise schlüssig, teilweise aber auch ein wenig klischeehaft vor.

Gelungen empfand ich hingegen die Abschnitte, die sich Sofie und Freund Tobias widmen. Bei beiden hat man schön rauslesen können, dass sie noch Kinder sind, aber sich gleichzeitig auch langsam auf den Weg zum Erwachsensein machen und dabei manchmal weiser sind als die richtigen Erwachsenen. Umso heftiger war es dann auch zu verfolgen, wie Sofie ihre letzten Momente erlebt.
Generell sehe ich die Stärke des Buches in den Familienbeziehungen und der Trauerbewältigung, hier konnte man die Gefühle durch bewegende Beschreibungen und Metaphern sehr spüren. Von unsinnigen Handlungen über Verdrängung und Schuldzuweisungen, vieles lässt die Familie authentisch erscheinen.

Nicht so ganz überzeugt haben mich hingegen die Nebenthemen: Hier wurde versucht, die Auswirkungen auf die politische Lage darzustellen, jedoch wurde sich auch nicht wirklich darauf fokussiert, sodass es eher immer wieder mal kurz erwähnt wurde, ohne jedoch wirklich Eindruck zu hinterlassen. Von der AfD über Coronaleugner, Rassismus und Verschwörungstheorien wurde hier einiges angesprochen, ohne irgendwo mal mehr in die Tiefe zu gehen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.07.2025

Spannende Reise

Die Sphärenchronik
0

Der erste Band der Sphärenchronik beginnt mit einem klassischen "Ihr wundert euch sicher, wie ich hier gelandet bin"-Moment: Der Mensch Gero sieht seiner Hinrichtung an Bord eines feindlichen Raumschiffes ...

Der erste Band der Sphärenchronik beginnt mit einem klassischen "Ihr wundert euch sicher, wie ich hier gelandet bin"-Moment: Der Mensch Gero sieht seiner Hinrichtung an Bord eines feindlichen Raumschiffes entgegen, doch bevor ihn das Vakuum des Weltalls verschlucken kann, schauen wir zurück auf die Geschehnisse, die ihn dorthin geführt haben.
Dies ist ein etwas ungewöhnlicher Aufbau und nimmt auch etwas Spannung vorweg (man weiß direkt, dass die Mission fehlschlägt), jedoch fand ich es als Einleitung echt nicht schlecht - und wie man sich vielleicht denken kann, geht es später auch noch "normal" ohne Rückblick weiter. Auch wird am Kapitelanfang immer aus fiktiven Geschichtsbüchern zitiert, was teilweise auch ein wenig spoilert, jedoch empfand ich dies nicht als schlimm, sondern im Gegenteil eher als interessant und hat mir geholfen, das Geschehen noch besser einzuordnen.

Auf den ersten Seiten wird man direkt mit einer Menge neuer Begriffe konfrontiert, die ich teilweise kurz verwirrend fand: Viele neue Arten von Außerirdischen mit eigenen Namen und Beschreibungen, von denen einige aber erst im späteren Verlauf der Geschichte erklärt werden. Hier hätte ich mir eine Art Glossar gewünscht, in dem man direkt hätte nachschlagen können (Gibt es das vielleicht in der E-Book-Version? Viele Begriffe waren grau hinterlegt).
Hat man sich aber erstmal in diese Welt hineingefunden, ist man schnell fasziniert von der Kreativität des Autors. Die verschiedenen Rassen der "Xenos" werden gut beschrieben und sind sehr vielfältig in ihrem Aussehen, Charakter, gesellschaftlichen Miteinander, Geschichte, Religion etc.
Auch hier hätte ein Glossar geholfen, da man echt viel geboten bekommt, wodurch eine komplexe Welt entsteht.

Manche Charaktere lernt man dadurch leider nur eher oberflächlich kennen, sie werden hauptsächlich über ihre Rasse definiert und weniger über innere Motivationen, doch immerhin gelingt dies ganz gut bei den Hauptcharakteren. Ich schätze aber, dass hierfür in den nächsten Bänden noch mehr Gelegenheit besteht.
Zwiegespalten bin ich bei den Dialekten, mit denen manche Personen charakterisiert werden. Einerseits hilft es sehr, sich den Charakter so noch besser vorzustellen, andererseits hat es immer wieder meinen Lesefluss gestoppt und ich musste die Sätze nochmal lesen.
Sehr gut gefallen haben mir hingegen die Action-Szenen, die ich mit Spannung verfolgt habe und leicht bildlich vor mir sehen konnte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.06.2025

Ein Ausflug nach Rom und in die Geschichte einer Frau

Teddy
0

Im Sommer 1969 ist Teddy Mitte 30, seit wenigen Wochen mit einem Diplomaten verheiratet und gerade erst von Texas nach Rom gezogen. Die Geschichte beginnt quasi mit einer Art Verhör: Man weiß, dass irgendwas ...

Im Sommer 1969 ist Teddy Mitte 30, seit wenigen Wochen mit einem Diplomaten verheiratet und gerade erst von Texas nach Rom gezogen. Die Geschichte beginnt quasi mit einer Art Verhör: Man weiß, dass irgendwas passiert ist, hat jedoch keine Ahnung, was genau. Um dies herauszufinden lauscht man Teddy, wie sie ihre Geschichte erzählt.
Doch anstatt sich auf das Wesentliche zu fokussieren, ist es quasi so, als würde man einer Freundin zuhören, die von ihrem Leben berichtet. Relevante Passagen wechseln sich ab mit Anekdoten und Geschehnissen aus ihrer frühen Kindheit und immer wieder fragt man sich, was davon jetzt wichtig ist und wie alles zusammenhängt.

Teddy ist hierbei teilweise durchaus eine unterhaltsame Erzählerin, die auch mit Sarkasmus und Selbstironie punkten kann, an anderer Stelle ziehen sich ihre Berichte jedoch auch mal.
In diesem Sinne kommt nur bedingt Spannung auf, man will zwar wissen, was passiert ist, jedoch steht dies nicht wirklich im Fokus.
Auch fand ich Teddy nicht immer sympathisch, bei einigen ihrer Aktionen und Verhaltensweisen musste ich öfters mal den Kopf schütteln. Ihre Ehe generell wirkte von Anfang an schon fast wie ein Unfall, bei dem man nicht wegschauen kann.
Interessant fand ich jedoch den Ausflug in das damalige Rom, die Atmosphäre wurde immer wieder ganz gut beschrieben und hat gefühlt auch sehr zur Zeit gepasst. Auch die politischen Themen haben öfters mal einen schönen Rahmen für die Handlung geliefert.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.05.2025

Zwischen den Zeilen

Die Engel von Alperton
0

Der Stil des Buchs ist absolut ungewöhnlich: Statt einem normalen Text besteht die ganze Erzählung nur aus Dokumenten in einer journalistischen Recherche-Akte. So erfährt man aus Mails, WhatsApp-Nachrichten, ...

Der Stil des Buchs ist absolut ungewöhnlich: Statt einem normalen Text besteht die ganze Erzählung nur aus Dokumenten in einer journalistischen Recherche-Akte. So erfährt man aus Mails, WhatsApp-Nachrichten, Romanauszügen und Interviews was so passiert und lernt auch nur auf diesem Weg die Charaktere der Handlung kennen.
Ich fand diese Art der Erzählung spannend und auch überwiegend angenehm zu lesen, muss aber auch dazu sagen, dass das vermutlich sehr Geschmackssache ist.
Auch muss man sich gerade am Anfang erstmal einen Überblick verschaffen, wer die ganzen Charaktere aus den Texten jetzt überhaupt sind, manchmal musste ich dafür auch zurückblättern.

Ist man aber erstmal gut im Geschehen angekommen, gibt es echt viel zu entdecken. Dies ist kein Buch, das man halb abgelenkt nebenbei lesen sollte, da hier sehr viel zwischen den Zeilen versteckt ist. Scheinbar unlogische Dinge ergeben im Kontext eines weiteren Puzzlestücks plötzlich Sinn, frühere Texte lassen sich ganz anders interpretieren.
Zwar erklärt das Buch den Großteil der versteckten Hinweise am Ende, lässt jedoch noch Raum für eigene Erkundungen, sodass man sich selbst ein eigenes Bild des Geschehens machen kann.
Ich mochte die Idee sehr und hatte auch Spaß beim eigenen Ermitteln, vor allem wenn es dann einen Aha-Moment gab.

Journalistin Amanda selbst war mir jedoch nicht so sympathisch, auch wenn man ihren Charakter ja nur aus den Mails etc. rauslesen konnte. Andererseits kann ich mir gut vorstellen, dass auch viele echte Journalisten so skrupellos sind, von daher war es auch wieder irgendwie authentisch.
Kritisieren muss ich aber noch, dass ich manche Abschnitte doch ein wenig zu lang fand. Manche Handlungspassagen haben sich etwas gezogen, andere haben sich nach Wiederholung angefühlt.
Insgesamt hatte ich jedoch viel Spaß mit diesem Buch und fand die ungewöhnliche Erzählmethode echt spannend.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.05.2025

Überwinden der gesellschaftlichen Grenzen

Ganz aus Splittern
0

Chrissys Geschichte nimmt den Leser mit in den Teil der Gesellschaft, in dem man eigentlich nicht sein möchte. Dementsprechend ungeschönt wird von Suchterkrankungen, Gewalt, Armut und Straftaten berichtet, ...

Chrissys Geschichte nimmt den Leser mit in den Teil der Gesellschaft, in dem man eigentlich nicht sein möchte. Dementsprechend ungeschönt wird von Suchterkrankungen, Gewalt, Armut und Straftaten berichtet, was nicht immer leicht verdaulich ist. Gleichzeitig werden aber auch die positiven Aspekte dieses Lebens gezeigt, der Zusammenhalt der Gemeinschaft und familiäre Bande fernab von Blutsverwandtschaften.
Auf der anderen Seite steht die Welt des Elitegymnasiums und der Reichen, doch auch hier ist nicht alles nur Friede, Freude, Eierkuchen. Die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Gesellschaftsschichten und nicht schwarz-weiß geprägte Darstellung haben mir ganz gut gefallen, auch wenn sich zwischendurch natürlich auch manche Klischees nicht ganz vermeiden ließen.

Auch Chrissy selbst war mir schnell sympathisch, sie versucht ihren eigenen Weg zu gehen, sich dabei aber auch selbst treu zu bleiben. Statt die Einladung des Gymnasiums direkt anzunehmen, denkt sie erstmal ausführlich darüber nach, was sie für mich auch nochmal authentischer gemacht hat.
Auch die Nebencharaktere sind mir teilweise ans Herz gewachsen, bei manchen hat es jedoch ein wenig gedauert. Zwischendurch gab es immer wieder mal tolle lustige, chaotische Szenen mit ihnen.

Der Schreibstil hat mir durchweg gut gefallen, immer wieder gibt es kluge Beobachtungen und Metaphern. Dadurch dass die Autorin im gleichen Alter wie die Protagonistin ist, wirkt es auch sehr passend zum Alter. Vielleicht auch gerade deswegen hätte ich jedoch nicht vermutet, dass teilweise doch recht heftige Szenen vorkommen würden, daher möchte ich zukünftige Leser nochmal auf die Triggerwarnungen hinweisen.
Ein paar Kleinigkeiten waren aus meiner Sicht auch etwas unlogisch oder übertrieben, jedoch hat mich das nicht allzu sehr gestört.
Im Großen und Ganzen ein berührendes und schön geschriebenes Debüt!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere