Fundierte Analyse
Die Rückkehr des KriegesDieses, vom österreichischen Militäranalysten und Journalisten Franz Stefan Gady verfasste Sachbuch spricht das an, was spätestens seit dem 24. Februar 2022 in die Köpfe von uns in Europa Lebenden zurückgekehrt ...
Dieses, vom österreichischen Militäranalysten und Journalisten Franz Stefan Gady verfasste Sachbuch spricht das an, was spätestens seit dem 24. Februar 2022 in die Köpfe von uns in Europa Lebenden zurückgekehrt ist: Krieg in Europa. Nach dem Ende der NS-Diktatur sind Kriege zwischen einzelnen europäischen Staaten nicht mehr vorhanden, wenn man vom Jugoslawien-Krieg, der eher in die Kategorie Bürgerkrieg eingeordnet werden sollte, und der Annexion der Krim 2014, die man rückwirkend als Blaupause für den aktuellen Krieg in der Ukraine ansehen muss, aber 2014 mehr oder weniger achselzuckend ignoriert hat, absieht.
Franz Stefan Gady erläutert in insgesamt sieben Kapiteln, die in drei Abschnitte zusammengefasst sind, warum es notwendig ist, die Armeen in Europa (vor allem jene Deutschlands und Österreichs) wieder in Stand zu setzen.
„Denn in Europa haben wir vergessen, was der eigentliche Zweck einer Armee ist: Krieg gar nicht zuzulassen. Es wäre gut, wenn wir uns wieder daran erinnern. Möglichst schnell.“
Teil 1: Warum der Krieg wieder zurück ist
Kapitel 1: Fehleinschätzung als Kriegsgrund
Kapitel 2: Technologische Fehleinschätzungen
Kapitel 3: Strukturelle Fehleinschätzungen
Teil 2: Was wir über den Krieg wieder lernen müssen
Kapitel 4: Die konstante Natur des Krieges
Kapitel 5: Der wechselnde Charakter der Kriegsführung
Teil 3: Kriege der Zukunft
Kapitel 6: Was tun, wenn Kriege wahrscheinlicher werden?
Kapitel 7: Mit welchen Kriegen ist zu rechnen?
Gady zitiert mehrmals Clausewitz, der „Kriege als Fortsetzung der Politik“ sieht. Wenn Putin nach dem Zerfall der UdSSR von einer Wiederauferstehung eines Russlands in der Größe eines Zarenreiches oder gar eines stalinistischen träumt, und dies nicht auf einem Verhandlungsweg möglich ist, weil sich zahlreiche Sowjetrepubliken sich von der UdSSR losgesagt haben, und in seinen Augen abtrünnige Provinzen sind, die gewaltsam wieder in das Russische Reich zurückgeholt werden müssen, ist der Krieg in der Ukraine für ihn ein legitimes Mittel zur Fortsetzung der Politik.
Kommt uns das bekannt vor? Man muss sich nur an 1938 zurück erinnern, als die Appeasement-Politik die Annexion Österreich und der Tschechoslowakei („Heim ins Reich!“) durch Hitler-Deutschland hingenommen hat und erst mit dem Einmarsch in Polen quasi „aufgewacht“ ist. Soll es wieder soweit kommen, dass ein Land andere überfällt, um die Großmachtsfantasien eines Diktators zufriedenzustellen?
Der Autor sieht sich nicht als Kriegstreiber, sondern zeigt Fakten auf, die für den einen oder anderen Leser unbekannt und/oder verstörend sein können. Am Beispiel vergangener Kriege analysiert Gady die konstante Natur des Krieges (Kap. 4) sowie die sich wandelnden Charaktere der Kriegsführung (Kap. 5).
Dieses Buch sollte von all jenen Politikern gelesen werden, die die eigene Landesverteidigung seit Jahrzehnten kaputt gespart haben und sich darauf verlassen haben, dass andere ihnen im Ernstfall zu Hilfe kommen werden. In einem Ernstfall, der möglicherweise schneller eintritt, als erwartet. Daher sollte man sich auf den eigentlichen Zweck einer Armee besinnen: Einen Krieg gar nicht zulassen.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem fundierten Sachbuch, das einige unangenehme Tatsachen auf den Tisch legt, 5 Sterne.