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Loreley

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.07.2025

Ein etwas anderer Jugendroman

Katzen, die wir auf unserem Weg trafen
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"Katzen, die wir auf unserem Weg trafen" ist ein etwas irreführender Titel, denn es handelt sich vielmehr um den Roadtrip einer Familie, die zwar eine Katze mitnimmt, aber nicht einer einzigen Katze unterwegs ...

"Katzen, die wir auf unserem Weg trafen" ist ein etwas irreführender Titel, denn es handelt sich vielmehr um den Roadtrip einer Familie, die zwar eine Katze mitnimmt, aber nicht einer einzigen Katze unterwegs begegnet.
Abgesehen davon ist auch der Roadtrip selbst eher sekundär.

Es geht um Aisha, die 17jährige Protagonistin, deren Schwester June als damals 18jährige das Elternhaus verlassen wollte bzw. musste. Nun rast ein Meteorit auf die Erde zu und wird diese in einem Jahr zerstören. Aisha, ihre Mutter, ihr Freund Walter und deren Eltern beschließen, June zu suchen und begeben sich auf besagten Roadtrip durch Malaysia.
Ich hatte eigentlich mit einem dystopischen Jugendroman gerechnet.

Die Geschichte ist aber sehr speziell mit Rückblenden, Gedanken und Gegenwartsfragmenten. Jedes Kapitel enthält eine niedliche Katzenzeichnung. Der Schreibstil der Autorin ist schon besonders für ein Jugendbuch, der für junge Leser eventuell überfordernd sein könnte. Ich fand es aber schön zu lesen und bin der Meinung, dass Literatur durchaus herausfordern darf und anders sein kann, gerade für eine Zielgruppe, die sonst mit Spice, Romantasy und Young Adult zugekleistert wird.
Daher finde ich das Buch empfehlenswert. Die Vorstellung, dass das Leben auf dieser Erde endlich ist und dadurch etwas in Bewegung setzt, hat mir auch sehr gefallen.
Wenn man sich bewusst ist, dass hier kein klassischer Roman auf einen wartet und man sich auf die Geschichte einlassen kann, ist der Roman erfrischend anders.

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Veröffentlicht am 10.07.2025

Medizin für die Seele

Die geheime Sehnsucht der Bücher
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Die 12jährige Françoise kümmert sich um ihre depressive Mutter. Bücher helfen ihr, die Realität zu ertragen und bieten eine Flucht in eine bessere, phantasievolle Welt. So wundert es nicht, dass es sie ...

Die 12jährige Françoise kümmert sich um ihre depressive Mutter. Bücher helfen ihr, die Realität zu ertragen und bieten eine Flucht in eine bessere, phantasievolle Welt. So wundert es nicht, dass es sie auf das Bücherschiff verschlägt, das den Ruf hat, für jeden Menschen in Not die entsprechende bookishe Medizin zu besitzen.
Kann Monsieur Perdu ihr und ihrer Mutter mit der litetaturmedizinischen Beratung helfen?
Mit Nina George kann man einfach nichts falsch machen. Bücher sind einfach die beste Medizin, und die bekommt man auf dem Bücherschiff verabreicht, bis auch dem Leser das Herz aufgeht. Die Autorin schreibt leicht und einfach nur schön. Ich könnte stundenlang mit Françoise und Kater Schiller auf dem Pariser Bücherschiff Lulu in der Pharmacie Littéraire verbringen...so schön 💜💜💜.
Es handelt sich um den zweiten Band um den Buchhändler Jean Perdu (Teil 1: das Lavendelzimmer) und bezaubert die Leser:in und lässt ein Lächeln auf den Lippen zurück. Ich würde den Roman für laue Sommerabende empfehlen mit einem schönen Glas Rotwein im Garten oder auf dem Balkon.

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Veröffentlicht am 10.07.2025

galaktisch gut

Stars
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Carla Mittmann wabert so durch ihren Alltagstrott, als ein kometenhafter Pflastersteinwurf die bisherige Lebensführung durcheinander wirft. Ein Blick aus dem Fenster offenbart ihr das neue Credo: "Freiheit ...

Carla Mittmann wabert so durch ihren Alltagstrott, als ein kometenhafter Pflastersteinwurf die bisherige Lebensführung durcheinander wirft. Ein Blick aus dem Fenster offenbart ihr das neue Credo: "Freiheit für Mittmann!" steht auf den Bürgersteig geschrieben. Der Fund von 10.000 $ offeriert neue Möglichkeiten. Doch was ist der neue Lebensentwurf der Teilzeitangestellten im Kundenservice eines Möbelherstellers, die nebenbei als "Cosmic Charly" astrologische Beratungen anbietet?

Carla ist zu Beginn der Geschichte in zwei Halbtagsjobs; sie will sich nicht richtig festlegen und lässt das Leben geschehen, statt es selbstwirksam in die Hand zu nehmen. Für die Veränderung muss erst etwas zerstört werden (in diesem Fall eine Fensterscheibe) und ihr muss plakativ vor Augen geführt werden, was das Schicksal (die Sterne?) mit ihr vorhat, nämlich Freiheit. Die Freiheit zu tun, was man möchte, unabhängig von Vorgesetzten, Universitätsprofessoren oder der Vorstellungen anderer.
Das Grundkapital als Sicherheit für die Existenzgründung muss jedoch erst kosmisch bereit gestellt werden, damit sie den Absprung vom Angestelltenverhältnis in die Selbstständigkeit wagt.
Und so wird Carla Astrophilosophin und verdient ihr Geld als Betrügerin. Dennoch gibt sie den bedürftigen Mitmenschen eine Geschichte, beobachtet und sieht da hin, wo Menschen eben gesehen werden wollen und gibt ihnen mit Pseudogeschwafel ein gutes Gefühl zu. Aber auch Carla profitiert finanziell und auch persönlich davon, gebraucht zu werden.

Wie kann ich diesem Buch weniger als fünf Sterne geben, egal ob astrologische oder literarische? Es ist witzig, klug und sticht in den Nerv einer orientierungslosen und Halt suchenden, Choronageschwächten Gesellschaft. Katja Kullmann gibt sich selbst einen Schlagabtausch, macht sich vielleicht auch ein ganz klein wenig lustig über ihre Romanfigur, trotzdem empfinde ich die Protagonistin als liebevoll-sarkastisch von der Autorin begleitet. Und es ist toll, einer autokraten und unabhängigen, weiblichen Figur in den ansonsten eher faden "Frauenbüchern" zu begegnen.

Ist das jetzt ein Selbstfindungsroman, eine Gesellschaftssatire oder vielleicht sogar ein philosophischer Ansatz, wie man dem Alltagswahnsinn begegnen soll?
Mir egal. Ich mochte es und das genügt. ✨️

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Veröffentlicht am 10.07.2025

zarter Roman über das Ankommen

Halbinsel
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Kristine Bilkaus Roman "Halbinsel" ist eine Beziehungsgeschichte von einer Mutter und einer Tochter. Schon das zart gestaltete Cover lässt vermuten, dass dem Leser hier leise Geschichte erzählt wird, die ...

Kristine Bilkaus Roman "Halbinsel" ist eine Beziehungsgeschichte von einer Mutter und einer Tochter. Schon das zart gestaltete Cover lässt vermuten, dass dem Leser hier leise Geschichte erzählt wird, die ebenso ruhig ist wie die nordfriesische Landschaft, in der sie spielt.

Die Bibliothekarin Annett lebt im Haus ihrer verstorbenen Großtante. Seit sie früh verwitwet ist, hat sie sich hier eingeigelt. Doch nun braucht ihre Tochter Linn sie. Die überengagierte Klimaschützerin bricht bei einer Vorlesung zusammen. Burnout! Ihre Mutter holt sie zu sich, und die Ruhe der nordfriesischen Halbinsel führt dazu, dass Mutter und Tochter sich miteinander und mit sich selbst auseinandersetzen.

Die Geschichte entfaltet sich langsam, für manch einen möglicherweise zu langsam.
Aber es sind eben diese leisen Töne, die nachzuhallen vermögen.
Was mir gefallen hat, waren die schlichten Naturbeschreibungen und der Fokus, der auf den Konflikten von Mutter und Tochter und ihren Erwartungen, dem Loslassen und dem Neuanfang liegen. Wichtig war mir auch, dass die Autorin Themen wie Umweltschutz und die Liebe zum Wattenmeer mit einfließen lässt. Es tut gut, neben den vielen reißerischen oder übertriebenen Büchern dieses Juwel mit leisen Zwischentönen zu lesen.

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Veröffentlicht am 10.07.2025

Jugend in China

Himmlischer Frieden
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In dem Roman begleitet man Lai, die in den 70er/80er Jahren in Peking aufwächst. Dreh- und Angelpunkt ist das Haus, in dem das Mädchen aufwächst. Die Eltern, die Großmutter, der kleine Bruder und die Nachbarschaft ...

In dem Roman begleitet man Lai, die in den 70er/80er Jahren in Peking aufwächst. Dreh- und Angelpunkt ist das Haus, in dem das Mädchen aufwächst. Die Eltern, die Großmutter, der kleine Bruder und die Nachbarschaft bilden das Zentrum von Lai. Die Familie hat jedoch einige Risse. Der Vater leidet unter dem kommunistischen Regime, zieht sich in sich zurück und wird immer schweigsamer. Die Mutter ist stets auf den äußeren Schein und die Anerkennung der anderen bedacht und vernachlässigt dabei ihre Tochter. Lediglich die Großmutter, die sich nicht scheut sich systemkritisch zu äußern, ermuntert ihre Enkelin, mehr aus sich zu machen. Aber das Stille und zurückhaltende Mädchen wird immer angepasster, nachdem sie als Kind mit Freunden eine Ausgehsperre ignoriert und dafür Gewalt von den Soldaten erfahren hat. Immer mehr versucht sie es anderen Recht zu machen und am besten unsichtbar zu sein, mitzuschwimmen und das zu sagen, was die systemtreuen Lehrer hören wollen.

Es kommt langsam zu einer Entwicklung, als die Großmutter verstirbt und Lai an der Universität zu studieren beginnt. Dort wendet sich auch noch ihr langjähriger Freund von ihr ab, so dass sie den Druck nur noch durch Ritzen ertragen kann. Aber es langsam beginnt auch eine Wandlung, als sie die unkonventionelle Anna kennenlernt und sich den studentischen Aufstände für Freiheit und Demokratie anschließt, die nachher auf den Protestbekundungen auf dem Platz des Himmlischen Friedens gipfeln.

Der biographische Roman erzählt in leisen Tönen vom Frauenbild Chinas, den Traditionen, der Rolle der Familie und natürlich von Staatshörigkeit und Mitläufertum. Es ist manchmal schwer Lai zu verstehen. Als Leser wünscht man ihr, sie würde nicht alles mit sich machen lassen; durch die frühe Gewalterfahrung blieb ihr aber wohl nichts anderes übrig als sich anzupassen.
Verstehen konnte ich wiederum ihre Flucht in fremde Buchwelten und ihre Liebe zur Literatur:

"Ich schließe die Seiten um und nahm das entgegen, was Literatur bieten kann. Die Möglichkeit, der Wirklichkeit zu entfliehen, auch wenn es nur kurz anhält. Abstand zum eigenen Leben zu bekommen und an der Erfahrung anderer teilzuhaben als unsichtbare Präsenz irgendwo am Rande der Seiten. Lesen war schon immer mein Zufluchtsort gewesen."

"Himmlischer Frieden" ist ein ruhiger Roman und ein Stück Zeitgeschichte Chinas von einem Mädchen, das langsam ihre eigene Stimme findet und war sehr schön zu lesen.

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