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Veröffentlicht am 09.01.2018

Unterhaltsame Erlebnisse der Friesen-WG auf Föhr

Oma dreht auf
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Dies ist die perfekte leichte Strandlektüre, denn es geht besonders locker, flockig zu. Die Charaktere wirken etwas überdreht und die Akteure bringen ordentlich Alkohol ins Spiel.
Imke feiert ihren 78. ...

Dies ist die perfekte leichte Strandlektüre, denn es geht besonders locker, flockig zu. Die Charaktere wirken etwas überdreht und die Akteure bringen ordentlich Alkohol ins Spiel.
Imke feiert ihren 78. Geburtstag mit über 100 Gästen und ihre Bowle mit besonders starkem Rumtopf haut die Leute reihenweise um. Das hat Spätfolgen, die nicht nur der Familie Sorgen bereiten. Die WG muss um ihre Wohnung bangen, die Kündigung steht ins Haus. Doch mit friesischer Hartnäckigkeit und Lebenserfahrung kommen die Bewohnern auf eine super Idee.

Oma Imke habe ich mit diesem Buch erst kennen gelernt und finde sie gleich sympathisch. Auch wenn sie bereits recht alt und ein bisschen tüddelig ist, so kann man sie nur gern haben. Sie haut noch ordentlich auf den Putz und besonders wie sie ihr unechtes Gebiss gut findet, hat mich überrascht. Es ist damit egal, wie viele Duplos sie isst. Die Zähne schädigt das auf jeden Fall nicht mehr!

Ocke hat sich in Christa verliebt und es ist unbeschreiblich niedlich zu sehen, wie er sich wie ein Teenie verhält. Imke versteht ihn gut und versucht ihm zu helfen.
Christa ist noch recht flott und fühlt sich mit Imke und Ocke total wohl, aber einem Flirt ist sie nicht abgeneigt.

Wie Oma Imke trotz ihrer nachlassenden Lebenskraft die Sache selbst in die Hand nimmt und die Probleme nach den Regeln der friesischen Diplomatie angeht, ist wunderbar zu lesen. Dazu benutzt sie sogar das eingemottete Motorrad. Ein bißchen senil ist sie schon, sonst würde sie doch etwas mehr Angst vor diesem Gefährt haben.

Die Leichtigkeit und fröhliche Stimmung, mit der Mommsen seine Geschichte und die Charaktere liebevoll gezeichnet hat, sorgt für gute Unterhaltung. Auch wenn man einige Dinge schon voraussehen konnte, war die Handlung interessant. Föhrliebhaber werden hier in ihren liebsten Erinnerungen schwelgen, denn die Landschaft und die Schauplätze der Insel sind allgegenwärtig.

Ein wunderbarer Urlaubsroman über das Alter, die Lebenslust und die Insel Föhr.

Veröffentlicht am 04.01.2018

Sehr eigenartige Geschichte

Hitzewelle
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Torunn zieht aus der Großstadt Oslo aufs Land, um sich um die Schweinezucht ihres Vaters zu kümmern. Der Hof ist heruntergekommen und Torunn hat jede Menge Arbeit. Sie bekommt Hilfe von Kay Roger, der ...

Torunn zieht aus der Großstadt Oslo aufs Land, um sich um die Schweinezucht ihres Vaters zu kümmern. Der Hof ist heruntergekommen und Torunn hat jede Menge Arbeit. Sie bekommt Hilfe von Kay Roger, der sie wirklich mit voller Kraft unterstützt. Doch kann sie den Hof wirklich vor dem Verfall bewahren? Ihre merkwürdige Verwandtschaft ist ihr leider keine große Hilfe, ausserdem muss sie sich noch um ihren hilflosen Großvater kümmern.

Von diesem Buch hatte ich ganz andere Vorstellungen, aber die Charaktere haben mir mit ihren Ecken und Kanten und ihrer Schrulligkeit gut gefallen.

Torunn versucht, den verfallenden Hof ihres Vaters so gut es geht, weiter laufen zu lassen. Überall ist etwas zu reparieren und dabei ist kaum Geld vorhanden. Die Schweinezucht macht viel Arbeit und dennoch wachsen ihr die Tiere ans Herz. Nebenbei muss sie sich auch noch um den Großvater kümmern, er fordert sie rund um die Uhr. Irgendwann ist sie mit ihren Kräften am Ende. Und die Hilfe von Kay Roger hat scheinbar auch etwas mit Sympathie ihr gegenüber zu tun.

Ihre Onkel haben selbst so ihre Sorgen. Margido muss als Bestatter regelmäßig Leichen zur Aufbahrung vorbereiten. Diese Handlung wird mehrfach genau beschrieben und ich fand es recht interessant. Er versucht mit einem Sarglager auf dem Hof Torunn zu etwas Geld zu verhelfen.

Onkel Erlend ist mit seinem Lebenspartner Krumme im siebten Himmel der werdenden Vaterschaft. Ihre Kinder werden von zwei Frauen ausgetragen und die Fortschritte der Schwangerschaft wird ständig genaustens verfolgt. Erlend lebt ein verschwenderisches Luxusleben, er trinkt viel und regelmäßig und auch beim Essen ist er nicht zurückhaltend. Er plant auf dem Hof Ferienwohnungen zu errichten, ob das in Torunns Sinn ist, hinterfragt er nicht sonderlich.

Anne B. Ragde hat einen wunderbaren Erzählstil, sie schreibt lebendig, bildhaft und lässt ihre ungewöhnlichen Charaktere förmlich leben.

Die Familie zieht nicht an einem Strang, zu sehr kümmert sich jeder um seinen eigenen Kram.
Selbst Torunns Mutter sieht nur ihre eigenen Interessen.

Auch wenn ich die Vorgängerbände nicht kenne, konnte ich der Geschichte gut folgen. Allerdings wirkt die Handlung merkwürdig zerrissen und auch das Ende bleibt offen.
Hier hätte ich mir einen zufriedenstellenden Abschluss erhofft. Dennoch möchte ich den nächsten Band der Reihe lesen, schon um den Werdegang der Familie weiter zu verfolgen.

Veröffentlicht am 30.12.2017

Wie Steuergelder verpulvert werden, zeigt sich in diesem Krimi

Bahnhofsmission
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Dieser Krimi beginnt mit einer ausführlichen Personeneinführung, die zwar die Hauptprotagonisten und das Mordopfer gut vorstellt, sich allerding auch zu sehr im Detail verliert.

Palm bekommt von Hagemann ...

Dieser Krimi beginnt mit einer ausführlichen Personeneinführung, die zwar die Hauptprotagonisten und das Mordopfer gut vorstellt, sich allerding auch zu sehr im Detail verliert.

Palm bekommt von Hagemann regelmäßig Tipps über die neuesten Zahlen zum Projekt Stuttgart 21. Die Presse erfährt doch häufig mehr als die Polizei erlaubt. Das macht sich Kommissar Bolz zunutze und geht mit Palm eine "Arbeitsbeziehung" ein. Die Handlung finde ich nicht gerade spannend, außerdem stört mich die Zusammenarbeit zwischen Kripo und Presse, die normalerweise nicht üblich ist. Daher wirkt das Ganze auf mich nicht sehr realistisch. Jedoch muss ich zugeben, dass mich die Untersuchungen von Bolz und Palm und ihre Gespräche gut unterhalten haben. Dabei wirkt Bolz mit seinem schwäbischen Dialekt sehr sympathisch und es gibt einen Pluspunkt von meiner Seite für diesen regionalen Aspekt.

Wer das Großprojekt "Stuttgart 21" noch nicht genau verfolgt hat, bekommt in diesem Buch fundierte Infos und eine Menge Zahlenmaterial dazu geliefert. Eine interessante Einbindung, die jedoch objektiv wirkt und ohne Kritik abläuft.

Die Erklärungen lassen den Mordfall zeitweise in den Hintergrund treten. Hier habe ich mich gefragt, ob der Autor nun mehr auf die politischen Gegebenheiten eingehen möchte und den Krimi nur als Mittel zum Zweck nutzen wollte.

Im Laufe der Handlung wird klar, dass jemand Unbekanntes mit Einfluss sich über das Projekt und die Mitarbeiter informiert, d. h. sie regelrecht bespitzelt und die Zahlen des Großprojekts massiv beeinflusst.

Erst danach beginnen im letzten Teil des Krimis die gemeinsamen Ermittlungen des Mordfalls, die eine Person treffen, die bei der Manipulation des Projektes beteiligt ist.


Ein politisch angehauchter Krimi mit vielen Informationen, einer guten Krimigeschichte und vielen Personen, die im Endeffekt gar nicht unbedingt nötig gewesen wären. Kommissar Bolz und Journalist Palm haben mir in ihrer Zusammenarbeit gefallen.

Veröffentlicht am 30.12.2017

Familiengeschichte zu Weihnachtszeit, die leider nicht das war, was ich mir erhofft hatte!

Hasen feiern kein Weihnachten
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Von diesem Buch hatte ich mir mehr Weihnachtliches erwartet. Das gab es zum Teil in der Familie Tessas; mit der Mutter, die gerne die Familie mit Gans und Bratäpfeln verwöhnt, einem Vater, der Gartenzwerge ...

Von diesem Buch hatte ich mir mehr Weihnachtliches erwartet. Das gab es zum Teil in der Familie Tessas; mit der Mutter, die gerne die Familie mit Gans und Bratäpfeln verwöhnt, einem Vater, der Gartenzwerge Weihnachtslieder singen lässt und in den geschilderten Streitereien der drei Schwestern rund um das Weihnachtsfest.
Allerdings, so richtig weihnachtlich fand ich dieses Buch nun nicht! Es ist ein Roman mit dem typischen Klischee: Frau wird verlassen und sucht neu.

Zu Beginn habe ich den Roman gern gelesen und mich auf die verschiedenen Charaktere eingelassen, doch dann werden viele Themen wie Flüchtlingshilfe, Unstimmigkeiten unter den Schwestern und Patientenverfügung zwar locker in die Handlung eingebaut, aber inhaltlich mehr oder weniger nur gestreift.
Hier hätte eine Themenverringerung zugunsten einer intensiven und glaubhaften Erzählung der Geschichte gut getan und das Ganze in ein besseres Licht gerückt.

Der flüssige Schreibstil der Autorin hat mir gefallen, gerade die unterschiedlichen Charaktere der Schwestern sind gut gelungen. Wie in allen Familien präsentiert sich in dieser Geschichte auch das übliche Lebensschema über Liebe und Enttäuschung, Familienstreitigkeiten und Lebensträume. Das passt natürlich besonders gut in die hoffnungsvolle Weihnachtszeit. Man erlebt hier mit, wie sich eine Familie gerade zu Weihnachten entzweit und dennoch wieder zusammenrückt und sich versöhnt. Diese Darstellung finde ich sehr authentisch, denn so geht es in vielen Familien zu.
Mir hat neben dem zwar witzig beschriebenen übertriebenen Dekowahns dennoch etwas lockere Weihnachtsstimmung gefehlt.
Damit meine ich aber nicht den gezeigten Disco-Ehemaligen-Ball am 2. Weihnachtstag oder die Predigt eines schwulen Pastors. Hier wurde einfach zu viel in das Buch hinein gequetscht, für besinnliche Atmosphäre blieb da wenig Platz. Mein Lieblingscharakter ist Stella, die Nichte der Protagonistin. Sie verbreitet mit ihrem Weihnachtsrap die größte Weihnachtsfreude.

Dieser Roman zeigt eine Trennungsgeschichte vor weihnachtlicher Kulisse, zeigt wie sich eine junge Frau nach der großen Enttäuschung berappelt und sich für einen Neuanfang entscheidet.

Veröffentlicht am 30.12.2017

Solider Krimi, hat mich aber leider nicht richtig überzeugt!

Ostseetod
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Ostseetod ist zwar Teil einer umfangreichen Reihe, kann aber durchaus ohne Vorkenntnisse gelesen werden. Wobei mir bei diesem Teil gerade die lebensnahen personellen Veränderungen der Protagonisten gut ...

Ostseetod ist zwar Teil einer umfangreichen Reihe, kann aber durchaus ohne Vorkenntnisse gelesen werden. Wobei mir bei diesem Teil gerade die lebensnahen personellen Veränderungen der Protagonisten gut gefallen haben, insofern macht die Weiterentwicklung der Figuren sich schon besser mit etwas Vorwissen.

Eva Almstädt gelingt es in ihren Büchern immer wieder, ihre Kommissarin Pia Korittki sehr realistisch und lebendig zu schildern. Ich finde sie sympathisch und fühle mich ihr mit ihren Gedanken und Problemen einer alleinerziehenden Mutter sehr verbunden. Auch ihre Schwierigkeiten mit dem neuen Vorgesetzten und das unerwartete Auftauchen eines früheren Freundes zeigen diesen Charakter als weiter entwickelte Person sehr deutlich und unterhaltsam und das verbindet mich auch weiterhin mit dieser Reihe.

In diesem 11. Band nimmt die Ermittlungsarbeit der Kripo und die Vorstellung der Dorfgemeinschaft einen Großteil des Buches ein. Auch wenn man dadurch viele Täter zur Auswahl hat, ordentlich grübeln kann, war mir das Ganze zu umfangreich erzählt und damit auch leider spannungskillend. Als Regionalkrimi kann dieses Buch auch nicht unbedingt punkten, die Umgebung und die Landschaft spielen keine entscheidende Rolle und sind austauschbar.

Wie immer bei Eva Almstädt sind Sprachstil und Lesefluss durchgängig flüssig und verständlich gehalten.
Mich haben die Befragungen und Ermittlungsszenen leider ohne Spannung lesen lassen. Diese Phasen sind mir einfach zu ausführlich und langatmig. Bei der Auflösung hatte ich keinen wirklichen Überraschungseffekt, sie erscheint logisch und für mich schlüssig.

Für mich ein solider, unterhaltsamer Krimi, der die private Geschichte der Protagonistin Pia weiter erzählt.