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Veröffentlicht am 13.07.2025

Ein spannender Kunstkrimi

Die Victoria Verschwörung
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Inhalt: London 2016. Gerade als der Kunstexperte Lennard Lomberg nach seinem letzten Fall in Urlaub nimmt, kommt Sir Douglas McEwans, der Chefkurator des Royal Collection Trust, auf ihn zu: Ein anonymer ...

Inhalt: London 2016. Gerade als der Kunstexperte Lennard Lomberg nach seinem letzten Fall in Urlaub nimmt, kommt Sir Douglas McEwans, der Chefkurator des Royal Collection Trust, auf ihn zu: Ein anonymer Erpresser behauptet, ein Gemälde, das die Queen in den 1960er Jahren von deutscher Seite zur Glättung politischer Wogen geschenkt bekommen hatte, sei eine Fälschung. Der Erpresser droht, an die Öffentlichkeit zu gehen, was nicht nur eine skandalträchtige Schmach für die Queen wäre, sondern auch ein schlechtes Licht auf die deutschen Schenker werfen würde. Lennard nimmt den Fall an und beauftragt die befreundete Kunstgutachterin Alexandra Cullen, das Gemälde zu überprüfen. Doch kurz, nachdem diese das Gemälde in Augenschein genommen hat, verschwindet sie spurlos…

Persönliche Meinung: „Die Victoria Verschwörung“ ist ein Kriminalroman von Andreas Storm. Es handelt sich um den dritten Band der Lennard-Lomberg-Reihe, in der wir den titelgebenden Protagonisten auf seinen Ermittlungen im Kunstmilieu begleiten. Da die einzelnen Bände in sich abgeschlossen sind, können sie unabhängig voneinander gelesen werden; möchte man aber die Entwicklung der Figuren über die Bände hinweg besser nachvollziehen, ist eine chronologische Lektüre sinnvoll. Wie schon die anderen Bände der Reihe wird auch „Die Victoria Verschwörung“ von einem allwissenden Erzähler auf zwei Zeitebenen erzählt: In der Gegenwart begleiten wird Lennard (unterstützt von seiner Tochter Julie) bei den Ermittlungen im Fall des potentiell gefälschten Gemäldes. In einem weiteren, in der Vergangenheit spielenden Handlungsstrang spüren wir der Geschichte des Gemäldes nach, die uns sowohl in das von den Nationalsozialisten besetzte Paris als auch in das Bonn des Jahres 1965 führt, wo vor dem Hintergrund des Besuchs der Queen ein Mord in Diplomatenkreisen geschieht (Dieser Handlungsstrang ist im Kern ein fesselnder Agententhriller). Spannung entsteht besonders dadurch, dass beide Stränge geschickt miteinander verwoben werden. Wie genau, soll hier natürlich nicht gespoilert werden; nur so viel: Es gibt mehrere Querverweise, die in einem stimmigen Tempo nach und nach offenbart werden und für einige schön überraschende Aha-Momente sorgen. In beide Handlungsstränge webt Storm zudem geschickt politische Hintergründe (z. B. der sich anbahnende Brexit auf der einen, Hinterzimmerpolitik und verschleppte Vergangenheitsbewältigung auf der anderen Seite) ein, wodurch der Roman zusätzlich zur spannenden Krimihandlung an Vielschichtigkeit gewinnt. Insgesamt ist „Die Victoria Verschwörung“ ein klug komponierter und spannend zu lesender Krimi, der viele Überraschungen bereithält.

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Veröffentlicht am 05.07.2025

Eine schöne Sammlung literarischer Betrachtungen des Rheins

Der Rhein
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„Der Rhein“ beinhaltet Auszüge von Victor Hugos Prosawerk „Le rhin“, das auf seinen Rheinreisen 1839/1840 beruht. Hugos Stationen, die in den Auszügen behandelt werden, sind Aachen, Köln, Andernach, Sankt ...

„Der Rhein“ beinhaltet Auszüge von Victor Hugos Prosawerk „Le rhin“, das auf seinen Rheinreisen 1839/1840 beruht. Hugos Stationen, die in den Auszügen behandelt werden, sind Aachen, Köln, Andernach, Sankt Goar, Bacharach, der Binger Mäuseturm, Mainz, Frankfurt, Heidelberg und der Rheinfall. Tatsächlich ist es sinnvoll, Hugos Reisebericht dann zu lesen, wenn man mehrere dieser Orte bereits besucht hat, damit man seine Beschreibungen besser nachvollziehen kann. Ich hatte die Auszüge zum ersten Mal vor ein paar Jahren gelesen, als ich wenige der beschriebenen Orte aus eigener Erfahrung kannte, und fand die Lektüre eher öde. Mittlerweile habe ich die meisten der beschriebenen Orte selbst in Augenschein genommen und fand die Lektüre sehr spannend. Der Text setzt sich aus mehreren Bestandteilen zusammen. Einerseits finden sich typische Reisebeschreibungen: Wir begutachten mit Hugo u. a. den Aachener Königsthron und – als Baustelle – den Kölner Dom, begeben uns auf Wanderungen in die Weinberge links des Rheins und lassen uns vom Rheinfall umtosen. Diese Beschreibungen haben auch immer wieder literarischen Charakter: So erinnern Episoden im Heidelberger Schloss oder im Mäuseturm an Schauergeschichten (die Episode im Mäuseturm ist ein Highlight der Auszüge!), Hugos einsame Wanderungen besitzen romantische Naturdarstellungen. Andererseits streut Hugo – für seine französischen Lesenden – mehrfach historische Erläuterungen ein – so insbesondere als er den Frankfurter Römer beschaut und die Kaiserwahl zur Zeit des Heiligen römischen Reiches darlegt. Auch äußert sich der vordergründig im Linksrheinischen Reisende häufig über die jüngste Vergangenheit dieses Landstrichs, als er unter Napoleon zum französischen Staat gehörte (Patriotismen inklusive). Sehr lesenswert sind auch Hugos Überlegungen zum symbolischen Gehalt des Rheins, in denen er diesen als Kulturlandschaft betrachtet. Ergänzt werden die Auszüge aus „Le rhin“ von Zeichnungen Hugos sowie zeitgenössischen Bildern. Zudem findet sich ein Vorwort, das Informationen zum Entstehen des Prosatextes gibt, sowie ein Nachwort, in dem Hugo als Zeichner kurz eingeordnet wird. Insgesamt ist „Der Rhein“ eine schöne Sammlung von literarischen Äußerungen über den Rhein, die sich besonders zu lesen lohnt, wenn man die Orte bereits kennt.

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Veröffentlicht am 05.07.2025

Vier schaurige Erzählungen

Die Geisterhand. Unheimliche Geschichten
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„Die Geisterhand“ versammelt vier Schauergeschichten der schwedischen Schriftstellerin Selma Lagerlöf. Den Auftakt macht die titelgebende Erzählung, die von einem Liebespaar handelt, der eine eine Offenbarung ...

„Die Geisterhand“ versammelt vier Schauergeschichten der schwedischen Schriftstellerin Selma Lagerlöf. Den Auftakt macht die titelgebende Erzählung, die von einem Liebespaar handelt, der eine eine Offenbarung leistende Geisterhand erscheint. Diese Geschichte besticht durch ihre gruselige Atmosphäre sowie ein drastisches Ende, das – auf einer anderen Ebene – nicht minder schaurig ist. Es folgt die kürzeste Geschichte „Die Rache bleibt nicht aus“: Eine Frau, Tora, offenbart hier die Vergangenheit des lokalen Pfarrers Ane. Interessant – und gespenstisch – ist hier insbesondere ein Aspekt der Vergangenheit Anes (den ich hier aber nicht spoilern will); daneben handelt es sich eher um eine moralisierende Geschichte, die zeigt, dass man irgendwann von den Konsequenzen seines Handelns eingeholt wird. In eine ähnliche Richtung geht „Eine Geschichte aus Halstanäs“, in der ein pensionierter Oberst einen seiner ehemaligen Fahnenjunker besucht. Dieser bewohnt einen geradezu paradiesischen Hof, der anschaulich beschrieben wird (eine große Stärke der Erzählung!). Aber auch in diesem keimt die Saat des Bösen, was mit der Vergangenheit des Fahnenjunkers zusammenhängt. Den Abschluss bildet die umfangreichste Erzählung „Vineta“. Diese ist im Kern eine Liebesgeschichte mit Dreieckskonstellation, was sich aber erst nach und nach offenbart: Ein Reisender verliebt sich in eine junge, einfältig dargestellte Frau; in diese Frau ist auch ein einheimischer Seemann verliebt, der sich aber – aus Gründen, die ich hier nicht spoilern möchte – von ihr lossagen musste. Diese Erzählung hat mir am besten gefallen: einerseits wird sie in Form einer Rahmenhandlung mit Binnenerzählung interessant erzählt, sodass sich die ganzen Zusammenhänge erst nach und nach entfalten; andererseits zeigt sie die Niederträchtigkeit des Menschen, die sich auch in der Liebe zeigen kann. „Unheimlich“ ist die Geschichte eher nicht; das Übernatürliche zeigt sich eher in seherischen Träumen, die einzelne Protagonisten besitzen. Alle Geschichten eint, dass sie ein andersweltlicher Hauch umweht: Obwohl sie in einer Welt spielen, die der Realität nachempfunden ist, durchziehen die Erzählungen mythische Elemente – ohne, dass man abschließend sagen kann, was Wirklichkeit, was Mythos ist. Abgerundet wird die Ausgabe des Reclam Verlags durch ein Nachwort, das in Leben und Werk von Selma Lagerlöf einführt.

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Veröffentlicht am 23.06.2025

Ein hochspannender und fesselnder Thriller

Locked in
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Inhalt: In Heidelberg häufen sich Vermisstenfälle. Der Täter scheint seine Opfer eine gewisse Zeit festzuhalten, um sie dann zu ermorden; das Zeitfenster, die Vermissten lebend zu finden, ist dementsprechend ...

Inhalt: In Heidelberg häufen sich Vermisstenfälle. Der Täter scheint seine Opfer eine gewisse Zeit festzuhalten, um sie dann zu ermorden; das Zeitfenster, die Vermissten lebend zu finden, ist dementsprechend klein. Umso enthusiastischer ist Kommissar Paul Maertens, als es endlich eine Spur zum Täter gibt. Doch: Gerade als Maertens den Täter stellen kann, kommt es zu einem Unfall, in dessen Folge der Täter in ein Wachkoma fällt. Für die Vermissten scheint eine Rettung daher unmöglich – wäre da nicht der Neurologe Theo Linde, der mithilfe eines experimentellen Verfahrens mit komatösen Menschen kommunizieren kann…

Persönliche Meinung: „Locked In“ ist ein Thriller von Henri Faber. Erzählt wird die Handlung aus drei Ich-Perspektiven: Paul Maertens, Theo Linde und ein (zunächst) namenloses Ich „im Verlies“. Sowohl Paul Maertens als auch Theo Linde sind eher Antihelden: Maertens ist ein ruppiger Einzelgänger, den der Schatten einer vergangenen Familientragödie begleitet; Linde lebt einsam in der Villa seiner Vorfahren und ist gebrochen durch den Verlust seiner großen Liebe. Beide sind keine großen Sympathieträger, aber sehr interessant gestaltete Figuren mit Ecken und Kanten. Die Handlung des Thrillers ist sehr fesselnd: Es gibt mehrere spannende Wendungen und einen großen Twist am Ende; die Handlung ist insgesamt – durch sich später offenbarende Querverbindungen – komplexer als man zunächst vermutet. In Bezug auf die Figur Paul Maertens kommt in der Auflösung zudem noch eine Prise Tragik hinzu, die ich sehr mochte. Sehr gefallen hat mir auch der Handlungsort Heidelberg, der mit seinen Altstadtgassen, der Heiliggeistkirche sowie den Gängen unter der Altstadt anschaulich gezeichnet ist. Henri Faber schreibt gewohnt flüssig und anschaulich, sodass man den Thriller kaum beiseitelegen möchte. Insgesamt ist „Locked In“ ein fesselnder und wendungsreicher Thriller mit hoher Spannungskurve.

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Veröffentlicht am 23.06.2025

Ein fesselnder Thriller

Aschesommer
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Inhalt: Eine rätselhafte Anzeige, die den Tod zweier Vermisster ankündigt, führt die „Gruppe 4“ um Jakob Krogh und Mila Weiss zu einem verlassenen Bauernhof. Dort finden sie die Leichen der beiden Vermissten ...

Inhalt: Eine rätselhafte Anzeige, die den Tod zweier Vermisster ankündigt, führt die „Gruppe 4“ um Jakob Krogh und Mila Weiss zu einem verlassenen Bauernhof. Dort finden sie die Leichen der beiden Vermissten außergewöhnlich aufwendig staffiert: eng umschlungen und erfroren in einem Keller, der mit Kühlgeräten ausgestattet ist; hinter ihnen eine Botschaft, geschrieben in Asche „Das Serben hat begonnen“…

Persönliche Meinung: „Aschesommer“ ist der zweite Teil der Thriller-Reihe um das unkonventionelle Ermittlerteam „Gruppe 4“. Da der Fall in sich abgeschlossen ist, kann er auch ohne Kenntnis von Band 1 („Krähentage“) gelesen werden, allerdings wird in „Aschesommer“ stimmigerweise die Hintergrundgeschichte von Jakob Krogh vorausgesetzt. Diese wird in „Krähentage“ mit einem großen, kaum zu ahnenden Twist offenbart, sodass eine chronologische Lektüre sinnvoll ist. Erzählt wird die Handlung vordergründig aus den personalen Perspektiven der Hauptermittlerfiguren Jakob und Mila; daneben wird auch die Täterperspektive eingenommen. Zur Handlung selbst möchte ich zwecks Spoilergefahr nicht zu viel vorwegnehmen: Einerseits ist sie fesselnd und raffiniert konstruiert, andererseits besitzt der Täter einen einmaligen, hochinteressanten Modus Operandi. Am Ende wartet in Bezug auf die Täterfigur zudem ein sehr überraschender Twist. Spannend ist auch die Figur Jan-Christian Bode, ein ehemaliger Paläonthologie-Professor, der sich in der Psychiatrie befindet. Schnell wird den Ermittlern klar, dass er irgendetwas mit den aktuellen Morden zu tun hat, stammen die Opfer doch aus seinem (indirekten) Umfeld; nachweisen können sie ihm aber aufgrund seines Psychiatrieaufenthaltes nichts. Benjamin Cors hat hier mit Bode einen perfekt bösartigen Gegenspieler erschaffen: Bode ist arrogant, narzisstisch, provokant sowie intelligent und fühlt sich den Ermittler haushoch überlegen, was zu einigen spannungsgeladenen Dialogen führt. Insgesamt ist „Aschesommer“ ein fesselnder Thriller mit einer sehr hohen Spannungskurve.

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