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Veröffentlicht am 14.07.2025

Spannender Jugendkrimi zu wichtigem Thema

Promise Boys - Drei Schüler. Drei Motive. Ein Mord.
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Der Direktor einer Privatschule wird ermordet - und schnell stehen drei Jungen unter Verdacht.

Der Aufbau des Buchs fand ich sehr gut. Im ersten Teil kommen zu Beginn jedes Kapitels verschiedene Personen ...

Der Direktor einer Privatschule wird ermordet - und schnell stehen drei Jungen unter Verdacht.

Der Aufbau des Buchs fand ich sehr gut. Im ersten Teil kommen zu Beginn jedes Kapitels verschiedene Personen zu Wort, bspw. Freund:innen, Klassenkameraden, Geschwister, Eltern/Großeltern etc., die einen ersten Eindruck über je einen der Jungs schildern. Außerdem bekommt man Auszüge aus den Verhören bei der Polizei zu lesen.

Danach erzählen die drei Jungen jeweils aus Ich-Perspektive vom Tag vor dem Mord sowie dem Tag, an dem es passiert ist und irgendwie kann man sich bei keinem vorstellen, dass er es gewesen sein soll.

Als Leser:in kann man mit jedem Jungen mitfühlen, lernt die Gedanken, Hoffnungen und Träume kennen. Man ist durch die Sichtweisen der verschiedenen Personen sofort irgendwie mittendrin, bekommt aber immer nur ein kleines Puzzleteil der Geschichte.

Der tote Schuldirektor scheint von niemandem (Schüler wie Lehrer:innen) gemocht worden zu sein, sodass keiner wirklich traurig über seinen Tod ist und viele theoretisch ein Motiv hätten. Die "Methoden", die er in der Schule anwendet sind regelrecht gefängnishaft. Nicht reden, nicht lachen, immer nur auf einer blauen Linie im Flur gehen ... das ganze Schulumfeld ist sehr von Zwang und dem willkürrlichen, aggressiven Verhalten des Direktors geprägt.

Ich fand in den Erzählungen erschreckend, wie schnell sich ein eigentlich "normaler" Tag komplett wandeln kann. Schließlich tun die Jungs sich zusammen, um die Wahrheit herauszufinden - das hat mir sehr gut gefallen.

Zusammengefasst hat mir das Buch sehr gut gefallen. Es ließ sich super lesen, die Übersetzung ist gut gelungen (auch wenn im Original wahrscheinlich noch mehr Slang benutzt wird, den man nicht gut übersetzen kann ohne dass es komisch klingt).

Dass immer wieder aus der Perspektive verschiedener Protagonist:innen erzählt wurde fand ich auch sehr abwechslungsreich, so hat man immer wieder andere Blickwinkel auf das Geschehen bekommen.

Außerdem fand es spannend, einen Einblick in eine Lebensrealität zu bekommen, die mir ehrlich gesagt ziemlich fremd ist. Natürlich kennt man eigene Problemchen aus der Schule, aber für die Jungs muss es als PoC (vor allem in dem Umfeld, wo das Buch spielt) besonders schwer sein. Sie werden sofort unter Verdacht gestellt und bekommen kaum eine Chance, sich zu erklären. Man sollte immer vorsichtig sein, Menschen vorzuverurteilen und ihnen besser zuhören.

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Veröffentlicht am 14.07.2025

Spannung in abgelegenem Dorf

Krähentochter
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Dies war mein erstes Buch der Autorin. Es ist die "Vorgeschichte" der jungen Polizistin Sanna und behandelt ihren allerersten Fall, der in den 80er Jahren spielt. Von der Reihenfolge ist es also theoretisch ...

Dies war mein erstes Buch der Autorin. Es ist die "Vorgeschichte" der jungen Polizistin Sanna und behandelt ihren allerersten Fall, der in den 80er Jahren spielt. Von der Reihenfolge ist es also theoretisch sinnvoll, mit diesem Buch anzufangen, auch wenn es schon andere Bände der Reihe gibt.

Das Setting fand ich interessant; ohne Internet, Handys, Navis etc. war es doch im Vergleich zu heute etwas "mühsamer", sich in der Welt zu bewegen. Sannas erster Fall führt sie in das kleine schwedische Dorf Augu. Eigentlich soll sie hier nur das junge Mädchen Jorun zuhause abliefern, das den Mord an einer jungen Prostituierten, mit der sie sich angefreundet hatte, mit ansehen musste und selbst nur knapp überlebt hat. Auch Joruns Schwester wurde vor zwei Jahren grausam ermordet, der mutmaßliche Mörder sitzt im Gefängnis (das fand ich schon krass, wie viel das arme Mädchen schon ertragen musste!)

Während Sannas Aufenthalts in dem Dorf verschwindet jedoch wieder ein Mädchen in dem kleinen Dorf und sie bekommt Zweifel, ob der richtige Täter für den Mord an Joruns Schwester im Gefängnis ist. Ihr Chef bei der Polizei nimmt ihre Vermutungen aber nicht ernst und so nimmt Sanna sich einige Tage frei, um auf eigene Faust zu ermitteln.

Sannas Chef und ihre (männlichen) Kollegen fand ich richtig unangenehm, sie nennen sie "Blondie" und nehmen sie überhaupt nicht ernst. Außerdem wurde zeitgleich Olof Palme erschossen und alle Ermittlungskapazitäten fließen in die Aufklärung dieses Mordes.

Der Aufbau des Buches ist sehr interessant. Neben Sannas Perspektive wird auch immer wieder aus der Sicht von zahlreichen anderen Personen geschrieben. Zum Beispiel die Putzfrau Harriett, die Jorun im letzten Moment gerettet hat und mitsamt einer Schlange im gepäck mit nach Augu kommt, unterschiedliche Einwohner:innen des Dorfes etc. So hat man immer wieder eine andere Sicht auf das Geschehen und verdächtigt unterschiedliche Leute. Irgendwie scheinen viele Menschen in Augu etwas verbergen zu wollen.

Der Schreibstil ist sehr kurzweilig, sodass die Seiten nur so dahin fliegen, und die Atmosphäre durchgehend beklemmend.

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Veröffentlicht am 14.07.2025

Über weibliche Scham

Sorry not sorry
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Anika Landsteiners Buch "Sorry not Sorry" geht auf das Thema Scham und die Tendenz von Frauen ein, sich ständig zu entschuldigen. Zunächst mag es wie eine nette Lektüre erscheinen, doch es stellt sich ...

Anika Landsteiners Buch "Sorry not Sorry" geht auf das Thema Scham und die Tendenz von Frauen ein, sich ständig zu entschuldigen. Zunächst mag es wie eine nette Lektüre erscheinen, doch es stellt sich als äußerst lesenswert heraus. Landsteiner untersucht, was eine weiße cis Frau in der modernen Welt erlebt und warum sie das Bedürfnis hat, sich für jede Kleinigkeit zu rechtfertigen. Sie greift zahlreiche persönliche Erlebnisse auf und verbindet diese mit großen Begriffen wie "Feminismus" und dem "Patriarchat". Für Leserinnen, die bereits tief in diese Themen eingetaucht sind, könnte es teilweise Wiederholungen geben, dennoch bleibt es interessant. Das Buch beleuchtet auch Themen wie die große Liebe und Lebensabschnittspartner*innen ausführlich. Insgesamt ist es eine gelungene Lektüre, besonders für weiße cis Frauen. Das auffällige Cover und der zugängliche Schreibstil tragen zur Attraktivität des Buches bei, das schnell gelesen ist. Es ist in 10 Kapitel unterteilt, die verschiedene Essays zu Themen wie der "me too"-Bewegung, Endometriose, Hochzeit und Altern umfassen. Sie beschreibt weibliche Scham als ein Werkzeug des Patriarchats. Wer die Debatten der letzten Jahre verfolgt hat, findet aber wahrscheinlich wenig Neues und vermisst vielleicht eine vielschichtigere Analyse. Besonders spannend ist aber der Einblick in die medizinische Forschung zu Frauen- versus Männerleiden. Landsteiners Schreibstil ist sehr nahbar, und die Einbindung eigener Erlebnisse und Anekdoten macht die behandelten Themen lebendig und einprägsam. Insgesamt bietet das Buch einen guten Überblick über feministische Themen und weibliche Scham, auch wenn eine tiefere Analyse und Ausarbeitung in einigen Bereichen wünschenswert gewesen wäre, um für mich einen größeren Mehrwert zu bieten.

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Veröffentlicht am 14.07.2025

Guter Thriller

Fuchsmädchen
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Solider Thriller, der einige spannende Passagen aufzuweisen hatte. Es war aber teilweise zu viel "Drumherum". Dass auch private Hintergründe der Protagonist:innen vorkommen, finde ich an sich immer gut, ...

Solider Thriller, der einige spannende Passagen aufzuweisen hatte. Es war aber teilweise zu viel "Drumherum". Dass auch private Hintergründe der Protagonist:innen vorkommen, finde ich an sich immer gut, vor allem wenn es sich um Reihen handelt und man eine Entwicklung beobachten kann. Hier war es mir aber teilweise zu viel. Die beiden Ermittlerinnen stolpern - getrieben von ihrer eigenen Vergangenheit - umher und überschreiten dabei Grenzen - was irgendwie keinerlei Konsequenzen hat.

Die Story selbst war ganz interessant, hat mich aber nicht so mitgerissen, wie ich erwartet habe. Eigentlich mag ich auch meist die Atmosphäre in skandinavischen Thrillern, ich habe mich hier beim Lesen aber die ganze Zeit in dem Sinne unwohl gefühlt, als dass die beiden Ermittlerinnen irgendwie ständig schmuddelig wirken, sich selten waschen geschweige denn die Zähne putzen oder aufwachen und so, wie sie sind, ins Revier fahren. Die Auflösung war auch etwas unglaubwürdig, daher nur 3 Sterne.

Und nur am Rande, das Wort "mager" wurde viel zu oft benutzt.

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Veröffentlicht am 14.07.2025

Solider Thriller

Rotwild
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Im Gegensatz zu vielen anderen Rezensent:innen hat mir Band 1 der Reihe besser gefallen. Wir treffen wieder auf die Ermittlerinnen Sanna und Eir, die Handlung spielt drei Jahre nach dem ersten Fall.

Ich ...

Im Gegensatz zu vielen anderen Rezensent:innen hat mir Band 1 der Reihe besser gefallen. Wir treffen wieder auf die Ermittlerinnen Sanna und Eir, die Handlung spielt drei Jahre nach dem ersten Fall.

Ich habe das Buch recht zügig durchgelesen, langweilig war es nicht - viel Thrill gab es allerdings auch nicht. Bei der Auflösung dachte ich nur "achso"; wirklich damit gerechnet habe ich zwar nicht, aber jede andere Auflösung wäre genauso weit hergeholt und semi glaubwürdig gewesen. Nachdem der eigentliche Fall gelöst ist, wird es auf den letzten 20 Seiten dann nochmal etwas spannender, den Abschluss fand ich gut.

Was bei einer Übersetzung natürlich extrem blöd ist, ist eine Lösung, die auf etwas sprachlichem beruht. Ohne Schwedischkenntnisse hätte man ja niemals darauf kommen können, dass Gyr "GUL" zu Sanna sagt und die gleichzeitig die Farbe "gelb" als auch eine Autokennzeichen-Kennung meint.
Und warum Eir den Hund zu Sanna gibt, weil sie selbst kaum Zeit für ihn hat - Sanna ihn dann aber permanent bei den Nachbarn abgibt, erschließt sich mir auch nicht ganz.

Es waren mir in diesem Buch irgendwie zu viele Nebenschauplätze und unnötige Handlungen/Gespräche, sodass es mir schwerfallen würde, den gesamten Inhalt nochmal chronologisch wiederzugeben.

Für Eir tut es mir leid - da fragt man sich natürlich, ob es wirklich so "leicht" möglich ist, dass jemand einen drei Jahre lang anlügt bzw. einen riesigen Teil der Persönlichkeit verschweigt. Wenn es wirklich 10-12 Männer waren, wie konnten die ihr gesamtes toxisches Männlichkeitsbild bei jedem Treffen in den letzten Jahren (wo Eir die Männer und deren Familien nach eigener Aussage gut kennengelernt hat) so verbergen, dass NIE ein Gespräch in die Richtung ging oder eine der anderen Frauen (die ja vermutlich auch angelogen wurden) Verdacht geschöpft haben? Und jetzt ist sie auch noch schwanger ...

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