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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.08.2025

Mutig und unerschrocken, entgegen aller Konventionen

Mein Name ist Emilia del Valle
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Das Cover spiegelt eine junge Emilia wieder, die den stürmischen Zeiten mutig entgegentritt. Eine sehr schöne grafische und farbliche Gestaltung.

Als Emilia 1866 in San Francisco, als Tochter einer Nonne ...

Das Cover spiegelt eine junge Emilia wieder, die den stürmischen Zeiten mutig entgegentritt. Eine sehr schöne grafische und farbliche Gestaltung.

Als Emilia 1866 in San Francisco, als Tochter einer Nonne und eines chilenischen Aristokraten, das Licht der Welt erblickt, ahnt noch niemand welch eine Energie, Lernbereitschaft, Mut und Durchsetzungsvermögen Emilia bereits in jungen Jahren an den Tag legt. Sie wächst im ärmlichen Mission District auf, das geprägt ist von einer bunten Mischung verschiedenster Nationalitäten. Emilia wird liebevoll von ihren Stiefvater, auch Papo genannt, umsorgt und gefördert, er stillt ihren Wissendurst mit allem, was in Enzyklopädien und Schulbüchern steht. Sie entdeckt das Schreiben für sich und bereits mit 17 Jahren veröffentlicht sie ihre ersten Groschenromane unter einem männlichen Pseudonym. Erst mit fast 23 Jahren wird sie durch die Anstellung bei einer Zeitung Reporterin und Kriegsberichterstatterin.

Die Vorliebe von Isabel Allende für eigenwillige starke Frauen, die mutig, unerschrocken und entgegen aller Konventionen selbstbestimmt ihren Weg gehen, hat sie hier wieder demonstriert. In manchen Aspekten für mich nicht immer ganz glaubwürdig, doch durchaus wirkungsvoll. Alle weiteren Charaktere sind gut ausgearbeitet und runden die ganze Handlung ab.

Wie schon in anderen Romanen hat die Autorin ihre Verbundenheit zu ihrem Heimatland als Grundlage für diese Geschichte genommen und Schauplätze sehr bild- und detailreich mit allen blutigen und grausamen Einzelheiten eines Krieges ausgeschmückt. Tatsächlich fand ich diese Passage etwas zu lang, die ungefähr zweidrittel des Buches einnimmt. Der Bürgerkrieg von 1891 in Chile war mir kein Begriff, zweifellos interessant und geschichtlich habe ich etwas dazugelernt.

Die Erzählkunst von Isabel Allende ist nach wie vor lebendig, einzigartig und spannend, so dass der Leser sich der Geschichte bzw. diesem beeindruckenden Roman nicht entziehen kann. Meine absolute Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 21.07.2025

Tod bei den Kanuunakallio-Klippen

Gerächt sein sollst du
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Dunkel und atmosphärisch lässt das Cover bereits erahnen, dass das Unheil im idyllischen Küstenort Kristinestad angekommen ist.

Bei den Kanuunakallio-Klippen wird die Leiche eines siebzehnjährigen Jungen ...

Dunkel und atmosphärisch lässt das Cover bereits erahnen, dass das Unheil im idyllischen Küstenort Kristinestad angekommen ist.

Bei den Kanuunakallio-Klippen wird die Leiche eines siebzehnjährigen Jungen geborgen. Schnell wird die Identität des Opfers festgestellt. Doch es ist nicht klar, war es Selbstmord oder Mord. Der kleine Ort mit seinen Bewohnern, wo jeder jeden kennt, ist erschüttert. Die lokale Journalistin Eevi nimmt sofort ihre Ermittlungen auf und trifft dabei auf ihren Jugendfreund Mats von der Polizei.

Die Autorin hat die Charaktere, die Stimmung und die Atmosphäre wunderbar herausgearbeitet. Kleine private Details der Protagonisten machen diese Charaktere so menschlich und nahbar. Es gibt tatsächlich so einige Nebencharaktere, die aber in ihrer Gesamtheit einen perfekten Hintergrund für diese spannende Handlung bilden. Unter anderem werden hier Themen wie physische und psychische Gewalt, Missbrauch und Traumata aufgegriffen, die in Verbindung mit der eigentlichen Handlung eine solide Grundlage bieten.

Der flüssige Schreibstil, die ausgewogene Länge der Sätze sowie die wechselnden Kapitel aus der Sicht von Eevi und Mats haben diesen Krimi für mich zu einem Pageturner gemacht.

Finnland ein Land der Gegensätze. Auf der einen Seite die felsige Küste und das Meer, auf der anderen Seite das Land der Mitternachtssonne, den schönen Wäldern und Seen. Idylle pur, aber auch der perfekte Ort für diesen atmosphärischen Kriminalroman, den ich sehr gerne weiterempfehle und mich schon auf „Bereuen sollst du“ freue.

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Veröffentlicht am 14.07.2025

Selbstbestimmtes Leben oder Zweisamkeit?

Ja, nein, vielleicht
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So wie die Blumen in den Vasen auf dem Cover haben auch die Menschen nur eine gewisse Lebenserwartung, die mit der einen oder anderen Lebensveränderung einhergeht. So ergeht es auch der Ich-Erzählerin ...

So wie die Blumen in den Vasen auf dem Cover haben auch die Menschen nur eine gewisse Lebenserwartung, die mit der einen oder anderen Lebensveränderung einhergeht. So ergeht es auch der Ich-Erzählerin Ende 50, die sich mit ihrer eigenen Vergänglichkeit auseinandersetzen muss und das ist erst einmal vorrangig ihr Wackelzahn, der auf kurz oder lang nicht mehr zu retten ist. Diese Tatsache zieht sich wie ein roter Faden durch diese Geschichte.

Mit viel Einfühlungsvermögen und Humor wird hier das Leben der Protagonistin beleuchtet. Das Verhalten ihrer Schwester Paula bereitet ihr Sorgen, für die kurz bevorstehende Hochzeit ihrer besten Freundin Therese fehlt es noch an einigen organisatorischen Details, und nicht zuletzt das Wiedersehen mit ihrem Jugendfreund Friedrich wirft die Frage auf, ob sie bereit ist, noch einmal einen Mann in ihr selbstbestimmtes Leben zu lassen?

Wer schon das Vorgängerbuch gelesen hat, trifft hier wieder auf den gewohnt flüssigen Schreibstil, Selbstreflektion und Gedankentiefe. Die Charaktere sind empathisch und authentisch dargestellt, so dass man unter bestimmten Voraussetzungen auch Parallelen zu sich selbst ziehen könnte.

Das Buch hat mich gut unterhalten und ich empfehle es gerne weiter.

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Veröffentlicht am 17.05.2025

Erinnerungen an die verlorene Mutter - Perlen der Vergangenheit

Perlen
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Die achtjährige Marianne lebt mit ihren Eltern und ihrem vor kurzem geborenen Bruder in einem kleinen Dorf, als eines Tages ihre Mutter spurlos verschwindet und nie wieder zurückkehrt. Was bleibt sind ...

Die achtjährige Marianne lebt mit ihren Eltern und ihrem vor kurzem geborenen Bruder in einem kleinen Dorf, als eines Tages ihre Mutter spurlos verschwindet und nie wieder zurückkehrt. Was bleibt sind die wenigen Erinnerungen, die Marianne ihr ganzes Leben durch Höhen und Tiefen begleiten.

Die Autorin erzählt Mariannes Geschichte so ungeschönt, rau und bewegend, dass es mich an einigen Stellen sehr betroffen macht. Und dann sind da wieder diese liebevollen Erinnerungen einer Achtjährigen, die einem sehr zu Herzen gehen. Die Lieder, das Lieblingsgedicht der Mutter, der verwilderte Garten, der Duft der frischen Minze und der Gang zur grünen Kapelle.

Schön herausgearbeitet wurde Mariannes Kampf mit ihrer eigenen Zerrissenheit, ihren Ängsten und ihrer Hilflosigkeit. Die Bürden eines alleinerziehenden berufstätigen Vaters und die Stellung des Bruders Joe, der seine Mutter nie richtig kennengelernt hat.

Die Charaktere sind hier wunderbar und authentisch ausgearbeitet, wobei der Fokus stets auf Marianne gerichtet ist. Durch den einzigartigen Schreibstil habe ich die einzelnen Kapitel mit ihren einfallsreichen Überschriften sehr gerne gelesen. Titelgebend ist das Gedicht Pearl, ein vielstrophiges Gedicht aus dem 14. Jahrhundert und besagtes Lieblingsgedicht. Das Cover ist einem angenehmen Grün gehalten mit Punkten als Erinnerungsperlen. Mir gefällt es richtig gut. Eine bemerkens- und empfehlenswerte Lektüre.

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Veröffentlicht am 30.03.2025

Auf Spurensuche zwischen Kanada und dem Libanon - sehr eindrucksvoll

Frau im Mond
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Das Cover des Buches hat sofort meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. In der Gestaltung hebt es sich von anderen Covern deutlich ab, da es im ersten Moment sehr überladen aussieht. Doch bei längerem Betrachten ...

Das Cover des Buches hat sofort meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. In der Gestaltung hebt es sich von anderen Covern deutlich ab, da es im ersten Moment sehr überladen aussieht. Doch bei längerem Betrachten erkennt man die Feinheiten. So verbindet es doch das Land aus dem diese Geschichte erzählt wird mit der libanesischen Herkunft der Familie el Shami. Titelgebend „Frau im Mond“ ist tatsächlich ein Science-Fiction-Stummfilm von Fritz Lang aus dem Jahr 1928/1929, den sich Maroun mit seinen Enkelinnen anschaut, genial.

Perfekt verknüpft wird diese Erzählung vor dem Hintergrund von zwei historischen Ereignissen, die auf den Tag genau im Abstand von 54 Jahren stattfinden. Dem Start der Libanese Rocket Society und der Explosion im Beiruter Hafen.

Im kanadischen Montréal begeben sich die Zwillingsschwestern Lilit und Lina auf Spurensuche über ihre verstorbene armenisch stämmige Großmutter Anoush und diese führt sie zurück zu ihren eigenen Wurzeln. Auch der Großvater Maroun, der einst aus dem Libanon kam, entführt uns u.a. mit seinen Erinnerungen an Anoush in die Vergangenheit. So gelingt es dem Autor auf eine einzigartige Weise Gegenwart und Vergangenheit eindrücklich zu verknüpfen, so dass der/die Leser*in nach einer anfänglichen Orientierung gut von der sich über drei Generationen und zwei Kontinente erstreckende Geschichte getragen wird.

Bildhaft und sprachlich sehr dynamisch, mit dem Fokus auf viele kleine und große Details, geschichtliche Ereignisse, liebevolle Gedanken, tragikomische Momente und einzigartige Charaktere machen das Buch einfach zu einem Lesegenuss. Es war mir eine große Freude.

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