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Veröffentlicht am 24.07.2025

Goldene Weiterentwicklung

Cartier. Der Glanz von Gold
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Der erste Weltkrieg ist vorbei und Cartier konnte sich über Wasser halten. Nun sind alle drei Cartier-Brüder in ihren jeweiligen Wirkungsstätten zurück und beginnen mit neuen Ideen.
Doch auch die Frauen ...

Der erste Weltkrieg ist vorbei und Cartier konnte sich über Wasser halten. Nun sind alle drei Cartier-Brüder in ihren jeweiligen Wirkungsstätten zurück und beginnen mit neuen Ideen.
Doch auch die Frauen der Cartiers stehen den Männern in nichts nach. Während Jeanne weiterhin auf einen Heiratsantrags Louis hofft, wächst Elma über sich hinaus. Auch Anne-Marie scheint in die Fußstapfen ihres Vaters treten zu wollen.

Sophie Villards zweiter Band der Cartier-Saga, „Cartier. Der Glanz von Gold“ knüpft an das Ende des ersten Weltkriegs und damit an eine Aufbruchstimmung an.
Den Namen des Titels findet man schon im wunderschönen Cover wieder.
Ich habe auch nur kurze Zeit gebraucht, bis ich wieder in der Geschichte drin war.
Die Autorin verfolgt weiterhin alle drei Konzernzweite, Louis im Hauptquartier in Paris und Jacques in London und Pierre in New York. Weiterhin verfolgt der Leser Jeannes Werdegang.
Ich fand es äußerst interessant zu erleben, wie sich die Zeit nach dem ersten Weltkrieg gestaltete. Gerade, was die Konkurrenz für Cartier betrifft und wie sich doch der Zusammenhalt innerhalb der Branche gestaltete. Auch die Loyalität der Kundschaft gegenüber war wieder gut beschrieben.
Das Nachwort fand ich besonders spannend, aber wenn man die Geschichte auch zwischen den Zeilen gelesen hat, war dies eigentlich weniger überraschend. Denn gerade Anne-Maries Handlungen waren spannend und manchmal auch zum Kopf schütteln beschrieben.
Was mir nicht gefallen hat, war die Anhäufung bekannter historischer Personen. Hier gilt wieder der Grundsatz, „Manchmal ist weniger mehr!“.
Während Elma versucht, Pierres Probleme mit Selbstbewusstsein zu lösen, wächst sie über sich hinaus. Das fand ich wirklich spannend!!
Jacques’ Part in diesem Buch fand ich wiederum sehr farblos. Hier nehmen eher Mr. Mosley und Ms. Winter den wichtigen Part ein. Wobei auch hier die Frauen eher die Kontrolle übernehmen, in seinem Fall eben seine Tochter Dorothy und Ms Winter.
Louis ist für mich der große Sympathieverlierer dieser Geschichte. Leider bedient er sehr viele Klischees der damaligen Zeit und Jeanne kann einem wirklich nur leid tun.

Alles in allem also eine interessante und spannende Anknüpfung an Band 1 und eine Empfehlung für all jene, die historische Romane und die Geschichten von Familienunternehmen mögen.

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Veröffentlicht am 16.07.2025

Bewegte Bilder

Der Totengräber und die Pratermorde (Die Totengräber-Serie 4)
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Als Julia mit ihrem neuen Liebhaber Fritz an einer Zaubershow im Prater teilnimmt, werden sie unweigerlich Zeugen einer Tötung. Als Julia beginnt zu ermitteln, läuft sie Leo über den Weg und zähneknirschend ...

Als Julia mit ihrem neuen Liebhaber Fritz an einer Zaubershow im Prater teilnimmt, werden sie unweigerlich Zeugen einer Tötung. Als Julia beginnt zu ermitteln, läuft sie Leo über den Weg und zähneknirschend versucht Julia wieder mit ihm zusammenzuarbeiten. Als sie dem mysteriösen Verschwinden mehrerer Frauen auf die Spur kommt, ist Leo zunächst nicht von einem Verbrechen überzeugt, ändert aber seine Meinung, nachdem Augustins Ziehtochter Anna einen grausigen Fund macht.

„Der Totengräber und die Pratermorde“ ist Band 4 der „Die Totengräber-Serie“ von Oliver Pötzsch. Das Hörbuch wird von Hans Jürgen Stockerl gelesen.
Es handelt sich bei diesem Krimi um einen historischen Krimi, der im Jahre 1896 spielt und dessen Protagonist Inspektor Leo von Herzfeldt ist.
Für mich war es der erste Krimi aus dieser Reihe.
Mit Julia, Leo und Augustin herrscht in diesem Krimi ein bunter Strauß an Personen vor. Das Ganze wird untermauert von den Erlebnisse, die diese drei im Prater haben, aber auch von den Beziehungen bzw. Freundschaften, die die drei verbinden.
Gerade Totengräber Augustin gibt dieser Geschichte eine liebevolle, aber sehr skurrile Atmosphäre. Durch seine bildhafte Beschreibung wirkte er auf mich wie eine Mischung aus dem Bondlkramer und einem der Käferboys aus „Das Schweigen der Lämmer“. Aber seine, wenn auch manchmal versteckte feinfühlige Art hat im Verlauf so manches Mal zum Schmunzeln eingeladen.
Leo Herzfeldt ist ein pragmatischer Mensch, der sich nicht auf Spekulationen einlässt und dem Julia die wichtigste Person ist. Was mir besonders gefallen hat, ist seine strebsame Art und seine Aufgeschlossenheit gegenüber den neuesten technischen Entwicklungen in der Kriminalistik.
Der Verlauf der Geschichte ist durchaus spannend und nicht vorhersehbar. Gerade das Ende hat mich mehr als überrascht, denn mit einer solchen Entwicklung hätte ich nicht gerechnet.
Julia war mir von Anfang an die liebste Person. Sie ist völlig geerdet, macht sich nichts aus gesellschaftlichen Konventionen, geht ihren Weg und kämpft für ihre Meinung. Sie ist für mich von Beginn an eine beeindruckende und vorbildhafte, junge Frau gewesen.

Alles in allem ein spannender Roman vor historischer Kulisse mit einem Potpourri aus gestandenen Charakteren und Künstlern. Spannung ist hier garantiert und gerade der Totengräber Augustin und seine wissenschaftlichen Überlegungen geben der Geschichte das gewisse Etwas, während Inspektor Leo und Journalistin Julia die Basis darstellen. Eine Empfehlung für alle Fans historischer Romane und Krimis.

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Veröffentlicht am 14.07.2025

Das Ende der Idylle

Gerächt sein sollst du
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Als eines Morgens die Leiche eines Jugendlichen am Strand von Kristinestad angeschwemmt wird, ist es jäh vorbei mit der Idylle in dem kleinen Ort.
Die Journalistin Eevi und Polizist Mats versuchen die ...

Als eines Morgens die Leiche eines Jugendlichen am Strand von Kristinestad angeschwemmt wird, ist es jäh vorbei mit der Idylle in dem kleinen Ort.
Die Journalistin Eevi und Polizist Mats versuchen die Umstände von Jonas’ Tod auf die Spur zu kommen, wobei sie immer wieder mit den Gefühlen ihrer gemeinsamen Vergangenheit konfrontiert werden.

„Gerächt sein sollst du“ von Kaisu Tuokko ist Band 1 der neuen Krimireihe „Die Morde von Kristinestad“.
Der Titel und das Cover haben mich auf diesen Krimi aufmerksam gemacht. Das Bild auf dem Cover spiegelt auch die Atmosphäre der Geschichte wider.
Hier treffen reale, aktuelle Themen aufeinander, die in unserer Gesellschaft auch heutzutage oftmals noch unterschätzt werden. So geht es hier um offensichtliches Mobbing, Drogenmissbrauch und gleichzeitig auch sexuellen Missbrauch und das alles unter dem Aspekt der Streuung via sozialer Netzwerke.
Ein nächstes Thema, worüber heutzutage auch offener gesprochen wird, was aber dennoch hin und wieder noch ein Tabuthema unserer Gesellschaft ist, ist unerfüllter Kinderwunsch und die damit verbundene künstliche Befruchtung, die viele Paare für sich wählen. Es werden die Aufs und Abs einer solch zehrenden Behandlung und deren Bedeutung für eine Beziehung ungefiltert aufgezeigt. All das hat mir gut gefallen. Dennoch fand ich es zu viele erschreckende Themen auf einmal. Nicht, weil sie so erschreckend waren, sondern weil es einfach zu viel für einen Story war, um es ausreichend behandeln zu können.
Die Atmosphäre des Krimis vor der finnischen Kulisse hat mir wirklich gut gefallen. Die Charaktere der Nordeuropäer wurden so wiedergegeben, wie ich es auch persönlich aus Finnland kenne und auch die Straßen-, Orts- und Personennamen wurden nicht eingedeutscht sondern weiterhin im finnischen Stil belassen.
Eevi und Mats sind zwei annehmbare Charaktere. Aber wirkt Mats auf den ersten Anschein als völlig normal, kommt auch bei ihm wieder das Klischee vom Polizisten, der private Probleme hat, zutage, was sich wiederum an seiner Beziehung zu Eevi zeigt.
Eevi wiederum ist ein Mensch, der sehr viel Ballast mit sich rumträgt und dadurch an Selbstbewusstsein verloren hat. Obwohl sie in einer Beziehung ist, wirkt sie mehr als einsam und in gewisser Weise auch psychisch labil.
Und dieser Ballast beider Charaktere lenkt etwas vom Kriminalfall selbst ab, was ich sehr schade finde. Demnach hat mir das gewisse Etwas und vor allem auch ein gewisses stärkeres Maß an Spannung gefehlt. Es plätscherte dann doch alles recht vor sich hin, weil wir oftmals sehr im Privatleben der beiden Ermittelnden versunken waren.

Alles in allem ein angenehmer Krimi und eine gute Basis für eine neue Reihe, die sicher mit den nächsten Teilen in der Spannung noch ausbaufähiger ist.

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Veröffentlicht am 26.06.2025

Romeo und Julia in modern

Love Never Fails
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Enni, eine junge Lehramtstudentin, unterstützt ihren Bruder in dessen Café in Herrsching, da seine Frau länger im Krankenhaus liegen muss. Sie wohnt währenddessen bei ihrer Freundin Juna in einem Apartmenthotel. ...

Enni, eine junge Lehramtstudentin, unterstützt ihren Bruder in dessen Café in Herrsching, da seine Frau länger im Krankenhaus liegen muss. Sie wohnt währenddessen bei ihrer Freundin Juna in einem Apartmenthotel. Dort lernt sie Julius kennen, mit dem sie ins Gespräch über Klassiker der Literatur kommt und denen er sich anpasst. Für Enni ist er jedoch nicht ihr Mr. Darcy - denkt sie zumindest.

„Love never fails“ von Melissa C. Feurer ist Band 3 der „Lichtenberg-Trilogie“.
Ich bin durch Zufall an dieses Buch gelangt und kannte die Lichtenberg-Reihe im Vorhinein noch nicht. Ich konnte aber feststellen, dass dies dem Lesevergnügen keinen Abbruch tut, da jeder der Romane in sich geschlossen ist und somit keine Vorkenntnisse nötig sind, maximal nur interessant.
Ich liebe ja Romane, in denen man über die Klassiker der Literatur debattiert, speziell, wenns um Jane Austen geht, so wie das hier der Fall ist.
Das bemerkt man in diesem Buch auch öfter an den Überschriften, die jedes Kapitel zusammenfassen und prägen. Die Kapitel werden abwechselnd aus den Perspektiven Ennis und Julius’ erzählt.
Es handelt sich hier um ein Buch aus dem Bereich Young Adult, was nicht unbedingt zu meinen Lieblingskategorien gehört. Vielleicht kommt es auch daher, dass mir das gewisse Etwas im Buch fehlte. Ebenso hat es mir nicht gefallen, dass Religion hier ein großes Thema war. Ich bin nicht dagegen, aber ich kann mit solch einer Thematik leider nichts anfangen, weils für mich einfach nicht in einen herkömmlichen Roman gehört, es sei denn, es hat was grundlegendes mit der Geschichte zu tun. Das empfand ich hier aber nicht so.
Was mir gefallen hat, waren die familiären Beziehungen, die wirklich sehr innig waren, gerade zwischen Rasmus und Enni, aber auch im Hinblick auf deren Elternhaus.

Insgesamt ein schöner Roman, für all jene, die Young Adult lieben, aber auch für die, die Gegenwartsromane vor deutscher Kulisse mögen.
Keine Angst aufgrund der Trilogie, die Romane können unabhängig gelesen werden.

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Veröffentlicht am 23.06.2025

Tiefgründiger Roman

Die Hummerfrauen
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Drei Frauen, drei Schicksalsschläge, alle verbunden durch einen kleinen, verschlafenen Ort an der Küste Maines. Drei Leben inmitten von Glanz, Einsamkeit, Geheimnissen und der Vergangenheit.
Ann, Julie ...

Drei Frauen, drei Schicksalsschläge, alle verbunden durch einen kleinen, verschlafenen Ort an der Küste Maines. Drei Leben inmitten von Glanz, Einsamkeit, Geheimnissen und der Vergangenheit.
Ann, Julie und Mina verbindet ihr Leben in Stone Harbor, noch dazu sind alle drei in die Dorfgemeinschaft integriert, aber doch auch irgendwie abseits, aufgrund ihrer Ecken und Kanten und ihrer eigenen Geschichten. Geprägt werden ihre Leben durch die Hummerfischerei, der. Mr. Darcy die Krone aufsetzt.

„Die Hummerfrauen“ von Beatrix Gerstberger, gelesen von Tessa Mittelstaedt ist ein Roman/ Hörbuch über drei Frauen, die ihren eigenen Weg gehen und sich genau damit immer außerhalb der Richtlinien der Gesellschaft bewegen.
Diese drei Frauen sind äußerst gewöhnungsbedürftig. Alle hat das Schicksal in den kleinen Ort gebracht und alle drei sind Kämpferinnen, die nicht auf den Mund gefallen sind. Gerade diese Eigenschaft konnte m.E. Tessa Mittelstaedt wirklich gut vermitteln. Ich habe die Atmosphäre dieses Buches als sehr bedrückend empfunden. Aber Julies und Annes Verhalten mit ihrer großen Klappe haben das Ganze aufgeheitert. Insgeheim war es für mich auch eine gewisse Satire über gesellschaftliche Konventionen vor ernsten Hintergründen.
Hier wird eindrucksvoll beschrieben, wie die Oberfläche glänzt, aber alles in der Tiefe bröckelt und wie man über zig Jahre einen Schein aufrechterhalten kann, der aber doch eines Tages einmal sein Antlitz verliert.
Dieses Buch zeigt auf, was Familie bedeutet. Familie kann ein Ort sein, aber vor allem Freunde, die sich einem annehmen.
Spannung ist hier weniger vorhanden. Es gibt aber dennoch eine begleitende Frage, die sich ab der Mitte des Buches einstellt.
Das Buch ist in unterschiedlichen Zeitperspektiven geschrieben. Es spielt in den 80ern, aber auch in den Jahren 2000/2001 bzw. noch einmal 17 Jahre später. 
Ich habe lange Zeit gebraucht, bis mir klar wurde, was diese Zeitsprünge zwischen den 80ern und den Jahren 2000/2001 soll, aber das erklärt sich, indem man Ausdauer beim Hören beweist.
Auch wenn die Geschichte größtenteils ernst geschrieben ist, lockert der agile Mister Darcy die Erzählungen auf. Auch er ist hin und wieder Teil der Tiefgründigkeit dieses Buchs.

Alles in allem ein schönes und melancholisches Buch vor düsterer Atmosphäre. Es ist ein absolut ernstes Buch, das Gesellschaftskritik beinhaltet und zum Nachdenken anregt. Es ist aber auch ein Beweis dafür, dass sich Kämpfen im Leben lohnt.
Wer also gerne Geschichten über Lebenslehren liest, ist hier richtig. Wer abschalten möchte, ist hier absolut falsch, da dies kein Wohlfühlbuch darstellt.

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