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Veröffentlicht am 16.08.2025

Ein kleiner Einstieg in das Thema der Verschickungskinder

Der Sommer am Ende der Welt
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Die Protagonistin Katie recherchiert in "Der Sommer am Ende der Welt" von Eva Völler zum Thema Verschickungskinder. Unzählige Kinder und Jugendliche wurden Mitte bis Ende des 20. Jahrhunderts in der Bundesrepublik ...

Die Protagonistin Katie recherchiert in "Der Sommer am Ende der Welt" von Eva Völler zum Thema Verschickungskinder. Unzählige Kinder und Jugendliche wurden Mitte bis Ende des 20. Jahrhunderts in der Bundesrepublik Deutschland aus gesundheitlichen Gründen in Heimen untergebracht - so auch auf Borkum. In den Heimen herrschte ein strenger, vereinzelt noch von der NS-Ideologie geprägter Umgang mit den Kindern.

Das Buch nimmt sich diesem bislang noch sehr unbekannten Thema an, obwohl es uns allen ein Begriff sein sollte. Der Autorin gelingt ein kleiner Einstieg in dieses Thema durch eine mehrschichtige Erzählweise: In Vergangenheit und Gegenwart erzählen verschiedene Charaktere aus unterschiedlichen Sichtweisen über die Erlebnisse eines Sommers in einem Verschickungsheim auf Borkum, wo die Protagonistin zu Recherchezwecken gerade Urlaub macht.

Neben dem Thema der Verschickungskinder werden noch in anderen Nebensträngen weitere Themen behandelt, die aus dem Buch einen Unterhaltungsroman machen - zum Teil ist es sehr schwer sich nach traumatischen Erzählungen aus der damaligen Zeit auf ein Date einzulassen. Mir hätte ein klarerer Fokus auf das eigentliche Thema und eine weitere Erzählperspektive aus der damaligen Zeit oder über die damalige Zeit deutlich besser gefallen, damit das Buch nicht nur einen kleinen Einstieg in die Thematik schafft, sondern noch mehr Informationen und Sichtweisen ermöglicht.

Trotzdem kann ich das Buch sehr empfehlen für alle, die bisher noch kaum Berührungspunkte mit dem Thema hatten oder für jende, die gerne Unterhaltungsromane lesen, die nebenbei noch ein anderes Thema behandeln. Für alle, die sich tiefergehende Informationen wünschen, würde ich vermutlich ein anderes Buch empfehlen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.07.2025

Zwei spannende Fälle und zwei interessante Protagonistinnen, allerdings etwas komprimiert.

Die Stille der Flut
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Ein gelungener Auftakt des neuen Ermittler-Duos Lina Lübbers & Kea Siefken in Aurich. Erzählt wird abwechselnd aus Sicht der beiden Protagonistinnen Lina und Kea. Die Ich-Perspektive sorgt dafür, dass ...

Ein gelungener Auftakt des neuen Ermittler-Duos Lina Lübbers & Kea Siefken in Aurich. Erzählt wird abwechselnd aus Sicht der beiden Protagonistinnen Lina und Kea. Die Ich-Perspektive sorgt dafür, dass wir die Hauptpersonen direkt persönlich kennenlernen können. Es ermöglicht uns auch, die unterschiedlichen Sichtweisen der beiden auf die Situationen, ihre Mitmenschen und auch einander zu erleben.


Ermittelt werden zwei verschiedene Fälle: Während Lina im Alleingang auf der Suche nach dem Maulwurf in Aurich ist und extra deswegen dorthin gewechselt ist, ermittelt sie zusammen mit Kea und dem gesamten restlichen Team in einem Mord. Auch wenn anfänglich die Suche nach dem Maulwurf die Priorität zu sein scheint, so verliert diese im Laufe des Buches immer mehr an Bedeutung und wird auch tatsächlich nicht aufgelöst. Dies scheint vielmehr das übergeordnete Thema für die gesamte Reihe zu sein - schade, auch ein in sich schlüssiges und abgeschlossenes Buch hätte noch einen Nachfolger haben können, so fühlt sich die Geschichte noch recht unvollständig an. Der Mordfall allerdings behandelt viele spannende und aktuelle Themen und lässt uns alle mitfiebern wie es weitergeht. Neue Erkenntnisse folgen Schlag auf Schlag und sorgen für keine Langeweile - wir erfahren jedoch nie zu viel, sodass es bis zum Schluss noch nicht vorhersehabr ist.


Auch im Privatleben der Protagonisten wird so einiges angeteasert, manchmal bleibt es jedoch dabei. Auch die Ortsbezüge hätten gerne vertieft werden können. Obwohl einige Ortsnamen zwischendurch fallen, hätte ich mich über mehr Bezug gefreut. Insgesamt hätte ich an einigen Stelle noch Potential für Details oder längere Ausführungen der Geschichte gesehen. Mir ist die Geschichte daher manchmal zu komprimiert, wodurch einiges verloren geht.


Insgesamt lässt sich das Buch sehr gut hintereinander weg lesen - weil es nie langweilig wird und man wissen möchte, wie es weitergeht, aber auch weil es relativ kurz ist.

Veröffentlicht am 14.07.2025

Wofür entscheidet sie sich?

Bring Me Your Midnight
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Das Buch spielt auf einer Hexeninsel, die Umgebung und die Gegebenheiten vor Ort werden fast schon poetisch und schön beschrieben. Ich mag den Schreibstil sehr gerne. Ich habe zwischendurch Lust bekommen, ...

Das Buch spielt auf einer Hexeninsel, die Umgebung und die Gegebenheiten vor Ort werden fast schon poetisch und schön beschrieben. Ich mag den Schreibstil sehr gerne. Ich habe zwischendurch Lust bekommen, durch die kleinen Gassen zu schlendern und mir ein Parfüm, welches mich entspannt, oder einen Tee, der selbstbewusst macht, zu kaufen. Denn genauso wenden die Hexen auf der Hexeninsel ihre Magie an.

Tana, die Hauptperson und Tochter der obersten Hexe der Hexeninsel, soll eigentlich Landon, den Sohn des Gouverneurs heiraten, um den Hexen die lang ersehnte Sicherheit zu bieten und ein Bündnis zwischen der Hexeninsel und dem Festland zu sichern. Doch als sie dann Wolfe kennen lernt, der ihre lang geglaubten Wahrheiten plötzlich als Lügen entpuppt, muss sie sich zwischen der Liebe und ihrer Pflicht entscheiden. Natürlich gab es etliche Entwicklungen und Twist, die ihr die Entscheidung noch schwerer gemacht haben - es war bis zum Schluss ein gedankliches Hin und Her. Die Storyline an sich habe ich wirklich geliebt, es ist eine gemütliche Geschichte, um dem Alltag zu entfliehen.

Die Charaktere sind liebevoll beschrieben und sie haben ein par Ecken und Kanten, sind also nicht nur eindimensional. Es ist spannend, Tanas Entwicklung zu beobachten und ihre unterschiedlichen Seiten kennen zu lernen, abhängig von ihrem jeweiligen Umfeld. Besonders gut gefällt mir, dass als Leser wirklich ein Unterschied zu beobachten ist, wenn sie Zeit mit Landon oder mit Wolfe verbringt.

Das Buch legt ein ordentliches Tempo hin, es wird nie langweilig, aber dadurch überschlagen sich die Ereignisse auch sehr. Der Fokus liegt zum Teil eher auf den Ereignissen und nicht auf den einzelnen Entwicklungen und Erfahrungen, die gemacht werden, daher hat es mir zum Teil an Tiefe gefehlt und einiges Potenzial wurde nicht ausgeschöpft. Zudem sind am Ende noch viele Fragen offen geblieben. Die meisten Entwicklungen waren vorhersehbar, es hat mir manchmal der Überraschungseffekt gefehlt. Dennoch habe ich dieses Buch sehr gerne gelesen und mit Vergnügen Zeit in dieser wunderbaren Welt verbracht. Ich kann die Geschichte auf jeden Fall weiter empfehlen.

Veröffentlicht am 14.07.2025

Jungunternehmer trifft auf linke Aktivistin

Wir werden wachsen
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Dass sich der Jungunternehmer Jasper bei einem politisch motivierten Anschlag auf seine Mutter in die Aktivistin Maja verliebt, hätte er sich vermutlich nie vorstellen können.

In diesem Buch treffen ...

Dass sich der Jungunternehmer Jasper bei einem politisch motivierten Anschlag auf seine Mutter in die Aktivistin Maja verliebt, hätte er sich vermutlich nie vorstellen können.

In diesem Buch treffen zwei vollkommen verschiedene Welten aufeinander, die sich an der ein oder anderen Stelle doch manchmal ähnlicher sind, als auf den ersten Blick gedacht. Aus diesem Grund sind Probleme natürlich vorprogrammiert. Inhaltlich und thematisch hat mir das Buch sehr gut gefallen, es wurden spannende und hochaktuelle Themen, wie Aktivismus aus der linken Szene, Produktion für die Rüstungsindustrie und Forschungen für eine nachhaltigere Zukunft, adressiert. Allerdings wurden mir im Laufe des Buches zu viele Themen zu kurz angesprochen. Ich hätte mir stattdessen einen Deep Dive einzelner ausgewählter Thematiken gewünscht - da ich das Gefühl hatte nicht ausreichend über die einzelnen Themen Bescheid zu wissen. Möglicherweise wären auch einleitende und einordnende Worte oder eine Art FAQ am Ende hilfreich gewesen - oder einfach 100 Seiten mehr.

Die Tiefe hat mir leider auch bei den Charakteren gefällt - ich habe nicht wirklich das Gefühl sie richtig kennen gelernt zu haben. Das mag auch daran liegen, dass die Handlung etwas mehr als ein Jahr umfasst und somit einzelne Zeitabschnitte nur kurz besprochen wurden oder es große Zeitsprünge gab. Daher haben die Personen es leider nicht geschafft mich in den Bann zu reißen. Sehr gut gefallen hat mir jedoch, dass die Ich-Perspektive im Laufe der Handlung immer mal gewechselt hat und wir somit aus drei Perspektiven auf die Geschichte schauen konnte: aus Majas Perspektive, aus Jaspers Perspektive und aus der Perspektive seiner Mutter. Gerade bei den unterschiedlichen Sichtweisen und Einstellungen ist das eine sehr sinnvolle und wichtige Erzählweise, die viel zur Geschichte beigetragen hat.

Veröffentlicht am 14.07.2025

Ein Thriller über Jugendliche und für Jugendliche (oder Personen, die Thriller mit Spannung aber eben nicht zu viel Spannung lieben)

Disappeared
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"Disappeared" von Kathy Tailor hat mich tatsächlich überrascht. Die Inhaltsangabe und auch die erste Hälfte hat mich nicht so richtig überzeugt: Die Inhaltsangabe hat mir schon viel zu viel verraten (dafür ...

"Disappeared" von Kathy Tailor hat mich tatsächlich überrascht. Die Inhaltsangabe und auch die erste Hälfte hat mich nicht so richtig überzeugt: Die Inhaltsangabe hat mir schon viel zu viel verraten (dafür ist das Buch einfach nicht lang genug) und die Tiefe der Charaktere und der Handlungen hat mir gefehlt, zudem plätscherte die Handlung nur so vor sich hin. Die zweite Hälfte habe ich jedoch verschlungen - es gab Wendungen und Überraschungen und der Handlungsverlauf war nicht sonderlich vorhersehbar, was mir wirklich sehr gut gefallen hat. Zwar fehlte es mir weiterhin an Tiefe der Charaktere, aber das wurde gelungen mit der Handlung überdeckt.

Mir hat der Wechsel der Erzähl-Perspektive (zwischen der Ich-Perspektive und einer Perspektive, die Freya begleitet) gefallen, dieser hat für Tiefe und Spannung gesorgt. Allerdings war es dadurch schwer die Nebenfiguren zu greifen.

Insgesamt habe ich das Buch mit einem guten Gefühl beendet und kann es auf jeden Fall für eine schnelle Lektüre zwischendurch für Jugendliche und Personen, die gerne spannende Thriller lesen, aber eigentlich eher wenig Spannung bevorzugen, empfehlen.