Profilbild von hersecretbooklove

hersecretbooklove

Lesejury Star
offline

hersecretbooklove ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit hersecretbooklove über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.08.2025

zwischen Gehorsam und Freiheit

1000 und ich. Zweifle nicht, zögere nicht, hinterfrage nicht.
0

'1000 und ich' von Yorick Goldwijk entführt in die streng kontrollierte Stadt Surdus, in der die Bewohner wie Maschinen funktionieren sollen. Die Begegnung der Protagonistin mit 1000 eröffnet eine Perspektive ...

'1000 und ich' von Yorick Goldwijk entführt in die streng kontrollierte Stadt Surdus, in der die Bewohner wie Maschinen funktionieren sollen. Die Begegnung der Protagonistin mit 1000 eröffnet eine Perspektive auf Freiheit, Selbstbestimmung und echte Gefühle. Der Schreibstil ist dicht und poetisch, die Ich-Perspektive lässt Zweifel, Zorn und Sehnsucht intensiv miterleben.

Die Handlung ist kurz, aber eindringlich. Manche Abschnitte wirken zunächst verwirrend, lösen sich zum Ende aber stimmig auf. Die Hauptfigur entwickelt sich realistisch und nachvollziehbar, ihre Suche nach Identität und Mut zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte.

Die Dystopie als Genre spielt hier eine zentrale Rolle, weil sie die Konsequenzen von strikter Kontrolle, Gehorsam und Entfremdung zeigt. Sie wirft Fragen auf, wie viel Freiheit der Einzelne braucht, wie gesellschaftliche Normen die Individualität unterdrücken und welche Risiken es birgt, blind Regeln zu folgen. Gleichzeitig macht sie deutlich, dass Hoffnung und kleine Akte des Widerstands möglich sind und dass Freundschaft und Zusammenhalt im Überleben eine entscheidende Rolle spielen.

Das abstrakte Cover passt zur geheimnisvollen, kontrollierten Welt und unterstreicht die beklemmende, zugleich faszinierende Atmosphäre perfekt. Die Geschichte ist nicht nur spannend, sondern regt auch zum Nachdenken über Macht, Gehorsam und das Menschsein an.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.08.2025

22 Episoden an Spaß

Bordgeflüster
0

„Bordgeflüster“ besteht aus vielen kleinen Geschichten, die humorvoll aus dem Alltag erzählt werden. Es geht um Missgeschicke, peinliche Momente, kleine Katastrophen, aber auch um die schönen Seiten: Herzlichkeit, ...

„Bordgeflüster“ besteht aus vielen kleinen Geschichten, die humorvoll aus dem Alltag erzählt werden. Es geht um Missgeschicke, peinliche Momente, kleine Katastrophen, aber auch um die schönen Seiten: Herzlichkeit, Freundlichkeit und die Freude am Leben. Auch wenn es vordergründig um den Segleralltag geht, lassen sich die Beobachtungen und Erlebnisse problemlos auf das ganz normale Leben übertragen. Das macht das Buch so zugänglich und amüsant.

Die Art zu schreiben ist locker, leicht und durchweg witzig. Man ertappt sich immer wieder beim Schmunzeln, manchmal sogar beim Lachen, und an einigen Stellen bleibt auch ein kleiner Gedanke zurück, den man mitnimmt. Gleichzeitig gibt es Wiederholungen aus dem Vorgänger „Mein Mann, seine Alte und ich“. Das war für mich ein kleiner Wermutstropfen, weil man einige Geschichten eben schon kannte.

Trotzdem überwiegt für mich die positive Seite. Ein Buch, das man entspannt lesen kann, das Spaß macht und gute Laune verbreitet, fast wie ein kleines Urlaubsgefühl zwischen zwei Buchdeckeln.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.08.2025

Viel Magie und Spannung

Sophie Red Dot - Das Buch der magischen Kreaturen
0

Dieses Buch fühlt sich an wie eine Einladung ins Vertraute. Ein Mädchen mit einem besonderen Muttermal, eine Familie, die man fast persönlich kennt, und gleichzeitig ein Sprung ins Unbekannte. Die Reise ...

Dieses Buch fühlt sich an wie eine Einladung ins Vertraute. Ein Mädchen mit einem besonderen Muttermal, eine Familie, die man fast persönlich kennt, und gleichzeitig ein Sprung ins Unbekannte. Die Reise beginnt so alltäglich, dass man meint, Sophie schon vom Frühstückstisch zu kennen. Doch dann erwacht der sprechende Stoffkater Taro zum Leben und zieht sie in eine Welt voller sprechender Tiere, uralter Legenden und magischer Kreaturen.

Besonders fasziniert hat mich die Balance. Die Geschichte ist fantasievoll, ohne sich in zu vielen Details zu verlieren. Sie ist groß in ihren Ideen und bleibt trotzdem geerdet. Hinter all dem Zauber steckt ein klarer Handlungsfaden. Alte Legenden eröffnen neue Wege, Freundschaften werden geknüpft, und mit jeder Herausforderung wächst Sophie über sich hinaus. Stück für Stück begreift sie, dass Mut manchmal wichtiger ist als alles andere.

Mit 666 Seiten ist das Buch kein kurzer Ausflug. Es verlangt Aufmerksamkeit und belohnt dafür mit Momenten, die plötzlich alle vorherigen Andeutungen zusammenfügen. Die Kapitel sind jedoch kurz gehalten, wodurch man gut Pausen einbauen kann. Man merkt, dass die Autorin genau weiß, was sie erzählt. Die Magie wirkt nicht nur verspielt, sondern auch neugierig auf Wissenschaft, Technik und die eigenen Fähigkeiten. Das macht die Geschichte zeitgemäß und zu einer Fantasy, die sich nicht auf einfache Lösungen verlässt.

Ich bin gespannt, wie es mit Sophie weitergeht. Dieses erste Abenteuer hat eine Welt eröffnet, die neugierig macht auf das, was noch kommen wird.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.07.2025

Kunst und Familie

Allow a Sunflower to Bloom
0

„Allow A Sunflower To Bloom“ hat mich in vielerlei Hinsicht beschäftigt. Die Sprache ist kunstvoll und stark bildhaft, teilweise fast überladen, aber dabei nicht unehrlich. Emmee als Hauptfigur bleibt ...

„Allow A Sunflower To Bloom“ hat mich in vielerlei Hinsicht beschäftigt. Die Sprache ist kunstvoll und stark bildhaft, teilweise fast überladen, aber dabei nicht unehrlich. Emmee als Hauptfigur bleibt mir ambivalent. Ich konnte sie in manchen Momenten gut nachvollziehen, in anderen hat mich ihre Art eher auf Abstand gehalten. Ihre Gedanken kreisen viel, oft zu viel. Das kann anstrengend sein, macht sie aber auch glaubwürdig.

Die Handlung spielt hauptsächlich in Wien, das nicht nur Kulisse ist, sondern als Teil der Geschichte miterzählt wird. Die Themen sind vielschichtig. Pflegekindheit, Zugehörigkeit, Selbstzweifel, Nähe, Kunst, Angst vor dem Verlassenwerden. Manches davon ist subtil eingeflochten, manches sehr präsent. Es gibt Stellen, die ich stark fand, gerade weil sie nicht auf eine Pointe hinauswollen. Andere Szenen wirkten auf mich konstruiert oder zu gewollt poetisch.

Die Nebenfiguren wie Casimir, Madita und Xavier haben für mich gut funktioniert. Besonders Casimir hat eine Ruhe in die Geschichte gebracht, die der Erzählung guttut. Die Beziehungen zwischen den Figuren sind oft angespannt, manchmal unausgesprochen, selten einfach. Das macht sie realistisch, aber nicht immer leicht zu lesen.

Was mir gefallen hat, ist die Verbindung von Kunst und innerem Erleben. Jedes Kapitel wird mit einem Kunstwerk eingeleitet, das thematisch passt. Die Idee finde ich gelungen, auch wenn sie beim Lesen eine gewisse Aufmerksamkeit verlangt. Es hat den Kapiteln einfach das gewisse etwas verliehen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.07.2025

still und stark

Eden
0

Eden ist ein ruhiges, aber sehr intensives Buch. Es beginnt mit einem Selbstmordanschlag und stellt die Frage, was danach kommt. Vor allem für die Menschen, die davon betroffen sind, auf ganz unterschiedliche ...

Eden ist ein ruhiges, aber sehr intensives Buch. Es beginnt mit einem Selbstmordanschlag und stellt die Frage, was danach kommt. Vor allem für die Menschen, die davon betroffen sind, auf ganz unterschiedliche Weise. Im Mittelpunkt stehen unter anderem die Eltern eines der Opfer, aber auch der Attentäter selbst. Diese Perspektivenvielfalt hat mich besonders beschäftigt.

Die Sprache ist reduziert, fast nüchtern. Vieles wird nur angedeutet. Das passt zum Thema, erschwert aber manchmal den Zugang zu den Figuren. Ich konnte nicht durchgängig eine emotionale Verbindung aufbauen, war aber stets sehr nah dran und wollte verstehen, was in diesen Menschen vorgeht.

Gut fand ich, dass der Autor sich nicht anmaßt, einfache Erklärungen zu liefern. Es gibt keine moralischen Wertungen, keine schnellen Antworten. Stattdessen bleibt viel Raum für Unsicherheit, Widerspruch und Leerstelle. Genau das regt zum Nachdenken an, auch über eigene Haltungen und Fragen, auf die es keine eindeutigen Antworten gibt.

Was mich jedoch gestört hat: Ich hatte stellenweise den Eindruck, dass eine gewisse Distanz zu manchen Figuren oder Ereignissen nicht nur durch den Stil, sondern auch durch eine Haltung des Autors entsteht, die mir zu einseitig war. Eine größere Offenheit hätte ich mir gewünscht.

Das Buch stellt unbequeme Fragen, lässt vieles offen und fordert dazu auf, genauer hinzusehen. Das richtige Buch zum Nach- und Mitdenken.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere