Profilbild von DetlefKnut

DetlefKnut

Lesejury Star
offline

DetlefKnut ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit DetlefKnut über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.08.2025

Lady Agnes und ihr Butler

Lady Agnes und der tote Gärtner im Rosenbeet
0

Dieser Krimi von HELEN HERBST ist als Cosy Crime angelegt und bedient dieses Genre hervorragend. Gedacht als englicher Landhauskrimi, ist er in einem Herrenhaus angesiedelt und es geht um Garten, Blumen, ...

Dieser Krimi von HELEN HERBST ist als Cosy Crime angelegt und bedient dieses Genre hervorragend. Gedacht als englicher Landhauskrimi, ist er in einem Herrenhaus angesiedelt und es geht um Garten, Blumen, Tee und vieles mehr. Vergleichbar ist dieser Krimi mit dennen von Agatha Christie, Dorothy L. Sayers, Thomas Chatwin, Rebecca Michéle oder auch einige von Ralf Kramp.

Im Garten des Herrenhauses Rosewood Manor von Lady Agnes Blackwood, die hier ihre Gesellschaft lediglich in ihrem Butler Thomas, ihrer Köchin Grace und bislang mit ihrem Gärtner Danierl sieht, wird der Gärtner tot im Rosenbeet gefunden. Er wurde nicht von der Arbeit übermannt von seiner anstrengenden Tätigkeit zwischen den Rosen. Nein, in seinem Herz steckte eiine Gartenschere.

Die Polizei wird gerufen und beginntz sofort zu ermitteln, doch der Inspector Sterling hat eine Aversion gegenüber den Blackwoods und ist der Lady nicht sehr wohlgesonnen. Deshalb beschließt die Lady, selbst mit ihrem Butler nach dem Täter zu suchen. Schnell merkt man, dass da eine eigenwillige aber liebevolle Beziehung zwischen Lady Agnes und ihrem Butler, den sie nur einmal am Morgen bei seinem Vornamen Thomas, anschließend den Rest des Tages bei seinem Nachznamen Henderson anspricht. Zugegeben ein stets distanziertes Dienstverhältnis.

Letztendlich geht es in diesem Krimi aber nicht nur um diesen einen Todesfall. Nein, es passieren so viele schreckliche Dinge, die alle nacheinander aufgeklärt werden müssen. Neben dem toten Gärtner muss ein Kunstfälscher entlarvt und eine verschwundene Katze gefunden werden. Und wie auch bei Inspector Barnaby darf ein Wettbewerb in der Gemeinde nicht fehlen. In diesem Fall geht es um die jährliche Auszeichnung des schönsten Gartens. Da kommt glattweg auch noch Sabotage ins Spiel.

Schließlich bemührt sich Lady Agnes auch, einer jungen Frau den Weg zu deren verhassten Mutter zu begradigen,.

Die Spannung richtet sich also auf ganz viele Bereiche in der Handlung, was natürlich dazu führt, dass man als Leser alles aufgeklärt haben möchte und gerne miträtselt. Die Figuren wurden von der Autorin charmant gezeichnet und nicht jeder, der im ersten Moment böse wirkt, ist auch wirklich böse. Auch in dieser Hinsicht gibt es Überraschungen. Skuril und amüsant wirkt der Aberglauben des Butlers, der damit für brenzlige Situationen sorgt.

Britische Gepflogenheiten und Traditionen, wie man sie aus Filmen, Serien und anderen Romanen kennt, wurden auf interssante und unterhaltsame Weise in den Hintergrund der Handlungen eingeflochten.

Beim Lesen von Büchern wie denen von Lady Agnes, die auf einem Landsitz in England lebt und ähnliche Nachbarn wie die Einwohner von Midsomer hat, fühlt man sich, als würde man auf Reisen gehen. Der Krimi aus Rosewood Manor bietet genau das, was man von solchen Geschichten erwartet: Spannung und Unterhaltung.

Mein Fazit zu Lady Agnes fällt also positiv aus. Das Lesen bereitet Freude, daher absolut empfehlenswert!

© Detlef Knut, Düsseldorf 2025

Veröffentlicht am 28.07.2025

Thriller, Fantasy und Romance

Rache im Blick
0

Dies ist ein Thriller von Nora Roberts, mit dem sie ihre Ideen umsetzt, die sie unter diesem Schriftstellernamen verfolgt. Für Kriminalomane verwendet sie bekanntermaßen das Pseudonym J.D. Robb.

Als Nora ...

Dies ist ein Thriller von Nora Roberts, mit dem sie ihre Ideen umsetzt, die sie unter diesem Schriftstellernamen verfolgt. Für Kriminalomane verwendet sie bekanntermaßen das Pseudonym J.D. Robb.

Als Nora Roberts aber verflüchtigt sie sich gerne in die Welt der Fantasy, der Mythen und des Glaubens. Auf meinem Blog gibt es bereits Besprechungen zu der Fantasy-Schatten-Trilogie „Schattenmond“ und „Schattendämmerung“ und anderer Reihen von ihr.

Auch »Rache im Blick« kommt nicht ohne Mystik aus. Dennoch ist die Jagd nach einem Serienkiller ein unterhaltsam spannender Thriller. Daneben geht es aber auch um große Gefühle und die Leser können sich auf eine großartige Liebesgeschichte freuen.

Die zwölfjährige Thea Fox und ihr zwei Jahre jüngerer Bruder Rem wachsen in einer wohlbehüteten Famile auf. Die geschäftlich sehr erfolgreichen Eltern Cora und John Fox lieben sich nachwievor und sie lieben vorallem ihre beiden Kinder. John stammt aus einem enorm reichen Elternhaus, aber seine Eltern fanden, dass Cora nicht die richtige Ehefrau für ihren Sohn war. Deshalb mochten sie Johns Kinder nicht, haben John mit seiner Familie nie besucht und die Enkel nie wohlwollend behandelt. John hat darauf gepfiffen und sich umso mehr an Coras Eltern angeschmiegt.

Coras Mutter Lucy (Theas Großmutter) ist bereits Witwe und liebt ihren Schwiegersohn wie einen leiblichen Sohn. Ihre Liebe reicht aber auch für die Enkel Thea und Rem, die jedes Jahr in den Ferien zwei Wochen auf dem kleinen Bauernhof ihrer „Grammi“ verbringen. Und an jedem Weihnachten kommt Grammi zu ihnen zu Besuch.

Den Frauen dieser Familie verbindet eine besondere Gabe: Sie können gedanklich in die Köpfe anderer Menschen sehen. Während Lucy diese Gabe nur für ganz besondere Anlässe ausnahmensweise einsetzt, lehnt ihre Tochter Cora diese Gabe ab. Und Thea wird auf außergewöhnliche Weise mit dieser Gabe konfrontiert.

Zwischen den Kapiteln zur Beschreibung dieser kleinen Familie lernen die Leser Ray Riggs bei »Rache im Blick« kennen. Er ist ein Mensch voller Hass, Neid und Eifersucht. Er reist durch die Regionen und tötet Menschen, um sie auszurauben. Meist sind es Ehepaare oder kleine Familien. Nachdem er sie getötet hat, nimmt er sich von ihnen, was immer er meint gebrauchen zu können: Geld, Schmuck, Waffen und Autos. Seine Ziele wählt der Killer eher rein zufällig. Aber wenn er ein Ziel gefunden hat, dann entfacht das einen enormen Hass auf diese zukünftigen Opfer. Mit urgewaltiger Brutalität werden die Leser mit der Ermordung von Cora und John Fox konfrontiert.

Dramaturgisch aufebreitet hat Nora Roberts diesen Roman wie einen ganz normalen Thriller: einerseits die Kapitel um die Protagonisten und dazwischen die Kapitel mit dem Täter. Spannend nähern sich die beiden Stränge einander an, bis der Täter endgültig vernichtet ist.

Den Emotionen der Figuren widmet sich die Autorin in ganz besonderer Weise. Einerseits wird der unbändige Hass und die Wut des Killers sehr detailreich beschrieben. Andererseits erleben die Leser die schier unerschöpfliche Liebe und Fürsorge einerseits der Großmutter ihren beiden Enkeln gegenüber, aber auch Theas gegenüber ihrem kleinen Bruder und schließlich der Verwandten und der Nachbarn gegenüber dieser kleinen Familie, die so viel Leid erlfahren musste. Einen Hauptstrang nimmt die Liebesgeschichte von Thea zu einem neu im Dorf sich ansiedelnden Nachbarn mit seinem vierjährigen Sohn. Ein alleinerziehender Vater, der den Argumenten seines Sohnes kaum widersprechen kann.

Dabei geht es aber auch nicht nur um die Jagd nach einem Täter. Es geht sehr viel um Familie, den Zusammenhalt in einer Familie, das Vertrauen untereinander. Es geht auch um die Weitergabe dieser Gefühle und dem Wissen von einer Generation an die nächste.

Trotz aller Mystik haben mir die Figuren und die Handlung in »Rache im Blick«gut gefallen. Schließlich bleibt es auch nicht bei der Festnahme des Killers, sondern die Jagd geht noch viel weiter und es ist ja auch nicht nur dieser eine spannende Handlungsstrang, so dass man unweigerlich bis zum Ende des Romans lesen möchte.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2025

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.07.2025

Viel Wissen bläht die Geschichte auf

Bretonische Nächte
0

In diesem elften Roman um Kommissar Dupin und sein Team geht es um historische Gebäude, Vögel und Äpfel. Und selbstverständlich ums Essen. Vor allem aber um die Aufklärung eines Verbrechens.

Joelle Contel, ...

In diesem elften Roman um Kommissar Dupin und sein Team geht es um historische Gebäude, Vögel und Äpfel. Und selbstverständlich ums Essen. Vor allem aber um die Aufklärung eines Verbrechens.

Joelle Contel, eine hochaltrige Familienmatriarchin gibt zu erkennen, dass sie nicht mehr lange auf Erden vertweuilen wird. Das ist für die Bretonen nichts Ungewöhnliches. Doch dass sie plötzlich tot ist und zunächst alles auf eine Sache mit dem alten Herzen hindeutet, sind die Menschen doch erschreckt. In der Nacht nach ihrem Tode möchte ihr Neffe Kadeg, der zur Polizeitruppe von Dupin gehört, Abschied von seiner Tante nehmen. Schließlich wird er denselben Anteil wie deren engeren Verwandten erhalten. Doch Kadeg wird niedergeschlagen.

Wer sollte etwas gegen Inspektor Kadeg haben? Es wird ein Einbrecher vermutet.

Aber dann stellt sich heraus, dass Joelle Contel, die Matriarchin, gar nicht eines natürlichen Todes gestorben war. Was ist hier los? Der Angriff auf Kadeg erscheint in einem anderen Licht. Erst recht nach weiteren Vorfällen.

Als süffisante Urlaubslektüre lässt sich der Krimi sehr gut lesen. Der Kriminalfalls ist verzwickt und spannend. In insgesamt vier Kapiteln, sprich vier Tagen der Romanhandlung, wird der Fall gelöst und die Leser haben jede Menge Gelegenheit, zu spekulieren.

Mir persönlich war die Geschichte um den Kriminalfall zu aufgebläht und wurde damit künstlich dermaßen in die Länge gezogen, dass es schon fast langweilig wurde. Man erfährt viel über die klösterlichen alten Gebäude, sehr sehr viel über die Vögel dieser Region (Hobbyornithologen werden ständige Begleiter) und über die Produktion von Cidre und anderen auf Äpfel basierenden Getränken und Produkten. Das hätte für die Plausibilität und Herleitung der Motive für die Verbrechen auch mit weniger Sätzen gereicht.

Freuen können sich Leser erneut auf humorvolle Figuren in gelöster Urlaubsstimmung und kribbelnde Spannung.

Insgesamt bietet „Bretonische Nächte“ eine fesselnde Kriminalhandlung, die durch die verworrenen Ermittlungen des Teams um Kommissar Dupin glänzt. Die liebenswerten Figuren bringen Leben in die Geschichte, während langatmige Erläuterungen über nebensächliche Themen manchmal den Fluss der Handlung bremsen. Trotz dieser kleinen Schwächen bleibt das Buch ein spannendes Lesevergnügen für Krimifreunde.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2025

Veröffentlicht am 29.04.2025

zwei ungleiche Schwestern zwischen Tradition und Aufbruch

Eifelfrauen: Der Ruf der Nachtigall
0

Dieser historische Roman ist nach »Eifelfrauen Das Haus der Füchsin» der zweite Band der großen Familiengeschichte um die «Eifelfrauen» von Brigitte Riebe, die mit der Roman-Reihe der Schwestern vom Ku’damm ...

Dieser historische Roman ist nach »Eifelfrauen Das Haus der Füchsin» der zweite Band der großen Familiengeschichte um die «Eifelfrauen» von Brigitte Riebe, die mit der Roman-Reihe der Schwestern vom Ku’damm schon erfolgreich war.

Der Roman beginnt mit dem Ende des zweiten Weltkrieges im Jahre 1945. Klara und Mia Fuchs wachsen als Schwestern auf einem idyllischen Bauernhof in der Eifel auf. Die beiden sind unterschiedlich wie Tag und Nacht: Während Mia alle Blicke auf sich zieht und die Menschen mit ihrer ungezwungenen Art für sich einnimmt, ist Klara nachdenklich und in sich gekehrt. Nur wenn Klara singt, fällt alle Schüchternheit von ihr ab. Ihre glockenhelle Stimme verzaubert jeden, der ihr zuhört. Als der tschechische Sänger Pavel auf dem Hof Schutz sucht, nimmt das Leben der Schwestern eine unerwartete Wendung …

Die Geschichte der Eifelfrauen beginnt in der Nachkriegszeit 1945. Klara und Mia Fuchs wachsen gemeinsam auf einem malerischen Bauernhof in der Eifel wie Schwestern auf. Aber sie könnten nicht unterschiedlicher sein: Mia besticht durch ihre charmante Art und gewinnt die Herzen der Menschen im Sturm, während Klara eher zurückhaltend und nachdenklich ist. Doch wenn Klara singt, verschwindet alle Schüchternheit. Ihre klare, glockenhelle Stimme verzaubert jeden Zuhörer.

Als der tschechische Sänger Pavel auf dem Hof Schutz sucht, nimmt das Schicksal der Schwestern unerwartete Wege, denn eigentlich verlieben sich beide in diesen jungen Mann, dem die Musik im Blut liegt.

Die Handlung von »Eifelfrauen: Der Ruf der Nachtigall« dreht sich um eine Familie, ihr Dorf und die gesamte Region, wobei der Wiederaufbau Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg allmählich in Gang kommt. Zwischen den charakterlich unterschiedlichen Figuren spielen sich zahlreiche dramatische und romantische Szenen ab. Auch in diesem Dorf existieren noch Menschen, die einst Hitler gefeiert haben, wie es überall der Fall ist.

Brigitte Riebe hat einen eindrucksvollen Roman verfasst, der stark lokal verwurzelt ist. Das Buch bietet fesselnde Einblicke in das Leben und die Emotionen zweier junger Frauen und ihrer Familien. Es lädt den Leser dazu ein, tief in ihre Geschichten abzutauchen und weckte bei mir oft Erinnerungen an die eigene Kindheit.

In der Eifel wird die Dorfgemeinschaft sehr genau betrachtet, wobei die verschiedenen Figuren im Fokus stehen. Neben Mia, Klara und ihrer Familie machen die Leser auch die Bekanntschaft vieler anderer Figuren, die liebenssert und hassenswert sein werden. Die verschiedenen Einstellungen und Handlungen dieser Personen werden ausführlich erläutert, was es ermöglicht, so manche Handlungen der Protagonistinnen werden sehr nachvollziehbar. Die Auf und Ab im, Leben der beiden Frauen lassen mitfühlen und man wünscht ihnen nur das Beste.

Insgesamt zeigt sich im empfehlenswerten Roman »Eifelfrauen: Der Ruf der Nachtigall« von Brigitte Riebe, dass die unterschiedlichen Wege der beiden Schwestern ein eindrucksvolles Bild davon vermitteln, wie die Liebe zu Männern sie durch Höhen und Tiefen führt. Ihr Leben ist ein bewegendes Abenteuer, das den Leser herzlich einlädt, sie auf ihrer Reise zu begleiten.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2025

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.04.2025

Wenn Glück so einfach wäre

Happiness Falls
0

Angie Kim hat es wieder getan: Sie hat eine psychlogischen Thriller geschrieben, der sich in den Koöpfen der Figuren und der Leser abspielt. Und wie schon in ihrem Debütroman „Miracle Creek“ bekommen Leser ...

Angie Kim hat es wieder getan: Sie hat eine psychlogischen Thriller geschrieben, der sich in den Koöpfen der Figuren und der Leser abspielt. Und wie schon in ihrem Debütroman „Miracle Creek“ bekommen Leser Einblicke in die Welt der koreanischen Einwandererfamilien in den USA.

Erzählt wird die Geschichte von der Zwilllingsschwester Mia, die neben dem Zwillingsbruder John noch den viel jüngeren autistischen Bruder Eugene hat. Eugene hat die seltene Gen-Anomalie Angelman-Syndrom. Während die Mutter das Geld für die Familie nach Hause bringt, kümmert sich der Vater um Eugene. Eugene sitzt im Rollstuhl und kann nicht sprechen. Aber ob er tatsächlich nicht sprechen KANN, weiß natürlich keiner. Er spricht einfach nicht.

Eines Morgens ist der Vater verschwunden. Erstaunlicherweise war Eugene offenbar alleine von ihrem gemeinsamen Spaziergang in den Park zurückgekommen. Mia hatte zwar Türen und andere Geräusche gehört, aber so sichtig hat sie sich nicht darum gekümmert, ging ihr Vater doch täglich mit Eugene spazieren und kehrte mit ihm heim. So ist sie einfach davon ausgegangen, dass auch an diesem Tag beide zurückkamen. Erst wenige Stunden später stellen Mia und John fest, dass zwar Eugene im Haus ist, aber nicht der Vater. Sie rufen der Polizei.

Jetzt erfolgt eine Odysse durch Recherchen und das Leben dieser koreanischen Einwandererfamilie. Auf der Suche nach dem Vater erfahren die KInder immer wieder sehr viel Neues aus seinem aktuellen Leben, von dem sie absolut keine Ahnung hatten. Sie erlebenn eine Überraschung nach der anderen und werden immer unsisicherer darin, ob sie ihren Vater und auch den kleinen Bruder Eugene tatsächlich gekannt hatten.

Aufgrund der Ich-Erzählerin, die Angie Kim sehr bewusst gewählt hat, gelangen die Leser tief in den Kopf dieser Figur. Gedanken und Handlungen verschmelzen, zumal die Handlungen immer aus ihrer Sicht und mit ihrer Interpretation geschildert werden. Der Ton ist mehr als plaudernd. Und wie die Erzählerin den Lesern auch selbst mitteilt, neigt sie zu langatmigen Abscheifungen. Natürlich: Wenn ihre Gedanken irgendwohin wandern, dann erzählt sie auch das. Diese Informationen füllen aber das Hintergrundwissen der Leser auf, damit sich die Spannung in ihren Köpfen vollständig aufbauen kann. Für manchen Leser wird dies sicherlich zu langatmig sein.

Die Themen dieses Thrillers »Happiness Falls« sind ähnlich denen des vorherhegenden Romans: die Behandlung von Autismus und das Leben koreanischer Migranten in den USA.

Mia weist auf ihre Abschweifungen hin und merkt an, dass sie diese auch gerne in Fußnoten von ihrer eigentlichen Schilderung ausklammert. Das wurde von Autorin und Verlag entsprechend auch mit Fußnoten umgesetzt, die mir persönlich nicht gefallen habe. Ich halte absolut nichts von Fußnoten in fiktiven Romanen. Solche Extraerläuterungen sollte ein Autor immer im normalen Text unterbringen können. In dem vorliegenden Roman sind die Fußnoten auch nur ein stilistisches Mittel eingesetzt und gewollt, um die gedanklichen Abschweifungen zu unterstreichen. Schließlich geht es im normalen Text wie auch in den Fußnoten immer um die Gedanken von Mia.

Die Spannung in »Happiness Falls« erhöht sich letztendlich mit jeder Überraschung, mit jeder nie vorausgeahnten Information im Verlauf der Suche nach dem Vater. Das ist umwerfend gemacht. Die einfachen und simplen Gründe (Unfall, Entführung, Verlassen der Familie), warum der Vater verschwunden und der kleine Bruder allein zurückkehren konnte, können nach kurzer Zeit schnell zu den Akten gelegt werden. Die wahren Gründe dafür werden wie bei jedem Roman zum Ende dargeboten und können so einige Rauchbomben in den Köpfen der Leser zünden.

Neben den Informatioen zu den koreanischen Einwanderern hat Angie Kim umfangreiche Informationen zu dem Krankheitsbild des Eugene untergebracht. Dies ist eine enorme Rechercheleistung. Obwohl diese Informationen durchaus interessant sind, bin ich der Meinung, dass sie nicht ganz so umfangreich hätten ausfallen müssen. Auch mit weniger wissenschaftlichen Argumenten wäre die Suche sehr spannend geblieben.

Dialoge zwischen den Figuren sind eher selten, da Mia sie aus ihrer Erinnerung heraus reproduzieren müsste. Der Spannung schadet es auf keinen Fall, wel man als Leser einfach nur mit MIa mitdenkt und versucht, ihre Ansichten und Begründungen nachzuvollziehen.

Und noch etwas ist in »Happiness Falls« besonders: Er enthält Grafiken und Bilder, mit denen die wiussenschaftlichen Thesen untermauert werden sollen. Grafiken, Tabellen, Strichlisten und Notizen, damit sich die Leser ein besseres Bild machen können.

Der Thriller »Happiness Falls« sorgt bis zum Ende für Spannung und berührt Themen, die einem normalerweise nicht begegnen, es sei denn, man hat persönlich mit ähnlich Betroffenen zu tun. Daher kann ich ihn ruhigen Gewissens empfehlen, trort der manchmal zu wissenschaftlich anmutenden Ausführungen. In meinen Augen zählt koreastämmige Angie Kim zu den Top-Damen des Thriller-Genres!

© Detlef Knut, Düsseldorf 2025

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere