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Veröffentlicht am 22.07.2025

Bletchley Park, Drachencode und ein Hauch Wahnsinn

Die Sprache der Drachen
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Wenn mir jemand vorher gesagt hätte, dass ich mal mitten in einem Drachen-vs.-Oberschicht-vs.-Geheimcode-Wirrwarr hängen würde, hätte ich höflich gelacht und weiter meinen Tee getrunken. Aber dann kam ...

Wenn mir jemand vorher gesagt hätte, dass ich mal mitten in einem Drachen-vs.-Oberschicht-vs.-Geheimcode-Wirrwarr hängen würde, hätte ich höflich gelacht und weiter meinen Tee getrunken. Aber dann kam dieses Buch. Und was soll ich sagen? Ich bin reingefallen wie ein Dackel in einen Zaubertrankkessel. Vivien Featherswallow (ja, der Name klingt wie aus einem viktorianischen Vogellexikon, aber ich liebe ihn) hat mich mit ihrer Mischung aus Chaos, Cleverness und sturer Entschlossenheit direkt geködert.

Die ganze Nummer in Bletchley Park – Drachensprache entschlüsseln, während die halbe Welt Kopf steht? Genial! Ich hätte nie gedacht, dass Linguistik so spannend sein kann. Und dass Drachen nicht nur feuerspuckende Klischees auf zwei Flügeln sind, sondern... na ja, das verrate ich besser nicht.

Der Schreibstil? Ein bisschen wie ein Nachmittagstee mit Jane Austen, während Tolkien durch das Fenster feuert und Terry Pratchett kichert. Ich habe gelacht, den Kopf geschüttelt, mitgefiebert – und das Bonuskapitel? Wie Karamell auf einem warmen Apfelkuchen: absolut nicht nötig, aber herrlich.

Was mich besonders begeistert hat: Diese Mischung aus Fantasy, Gesellschaftskritik und einer Prise absurdem britischen Humor. Und ja, ich gebe es zu – ich will jetzt auch Drachisch lernen. Für alle Fälle.

Kurz: „Die Sprache der Drachen“ ist ein literarisches Feuerwerk mit Hirn, Herz und Schuppen. Pflichtlektüre für alle, die sich zwischen Zauber, Zivilisationskritik und einem guten Geheimnis pudelwohl fühlen. Ich bin begeistert. Fünf Sterne, mindestens.

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Veröffentlicht am 21.07.2025

Kleines Pony, großes Kino – Ronny rockt den Stall

Ronny, das Pony, und Gerd, das Pferd
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Also mal ehrlich – ich hab nicht damit gerechnet, dass mich ein Pony so abholt. Aber Ronny, dieses winzige, kartongroße Tier mit ordentlich Herz unter der Mähne, hat's geschafft. Und Gerd? Tja, Gerd ist ...

Also mal ehrlich – ich hab nicht damit gerechnet, dass mich ein Pony so abholt. Aber Ronny, dieses winzige, kartongroße Tier mit ordentlich Herz unter der Mähne, hat's geschafft. Und Gerd? Tja, Gerd ist der Typ Pferd, der in Zeitlupe galoppiert und dabei aussieht, als wär er direkt aus der Werbung für edles Hafermüsli entsprungen. Die beiden zusammen sind ein tierisches Dream-Team – oder zumindest fast.

Was Kai Lüftner hier geschrieben hat, ist einfach genial schräg und gleichzeitig voll warm ums Herz. Ich hab beim Vorlesen erst gekichert, dann gegrinst, dann kurz ’nen Kloß im Hals gehabt und am Ende wieder laut gelacht. Und Wiebke Rauers haut mit ihren Illustrationen richtig einen raus – das ist wie Pixar auf Papier. Da guckt selbst der grummeligste Nachwuchs plötzlich interessiert rüber.

Dass Ronny nicht lang ist, aber dafür lang was drauf hat, bringt die Geschichte so charmant auf den Punkt, dass ich spontan beschlossen hab, den kleinen Kerl in mein Herz zu adoptieren. Und mal ehrlich – was wären große Helden ohne kleine Ponys, die nachts im Stall den Überblick behalten?

Dieses Buch ist wie Kakao mit Sahne und Streuseln – süß, ein bisschen chaotisch und einfach genau richtig, wenn man mal wieder was braucht, das einem zeigt: Größe ist echt nicht alles. Absolute Leseempfehlung – egal ob für kleine Kinderfüße oder große Vaterherzen. Ich sag nur: Ronny for President! 🐴🔥📚

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Veröffentlicht am 21.07.2025

Zwischen Genie und Abgrund – ein Leben auf der Rasierklinge

Thomas Mann
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Ich dachte ja, ich wüsste schon einiges über Thomas Mann – Buddenbrooks, Zauberberg, Schnauzer, Krawatte, bürgerliche Würde deluxe. Tja. Denkste. Tilmann Lahme hat mit dieser Biografie das literarische ...

Ich dachte ja, ich wüsste schon einiges über Thomas Mann – Buddenbrooks, Zauberberg, Schnauzer, Krawatte, bürgerliche Würde deluxe. Tja. Denkste. Tilmann Lahme hat mit dieser Biografie das literarische Porzellanservice einmal komplett vom Tisch gefegt und durch ein sehr viel spannenderes, menschlicheres ersetzt. Ich hab das Buch regelrecht gefressen – und zwar mit Wonne!

Hier geht’s nicht nur um den Literaturgott, sondern auch um den Mann hinter der Maske: einer, der mit sich selbst mehr Ringen veranstaltet hat als jeder griechische Halbgott in der Antike. Lahme serviert keine trockene Kost, sondern ein prall gefülltes Buffet aus privaten Abgründen, schrägen Familienkonstellationen und einer inneren Zerrissenheit, die fast schon romantisch ist – wenn sie nicht so weh tun würde.

Ich meine: Mann liebt Männer, aber darf nicht. Mann heiratet Katia, hat sechs Kinder (sechs!!), schreibt Weltliteratur im Halbschlaf, flüchtet vor Hitler, wird im Weißen Haus empfangen – und ist trotzdem nie wirklich angekommen. Diese Mischung aus Genie und tragischem Held liest sich wie ein Roman, nur dass alles wahr ist. Und Lahme kriegt das Kunststück hin, das alles weder anbiedernd noch akademisch trocken zu erzählen. Stattdessen haut er einem mit feiner Klinge die Wahrheit um die Ohren.

Besonders cool fand ich die Einblicke in die unveröffentlichten Briefe und Tagebuchstellen – da geht's wirklich ans Eingemachte. Und dann noch Susan Sontag aus dem Off – das ist wie Bonusmaterial bei einem richtig guten Film. Was bleibt? Ich hab Thomas Mann nach diesem Buch mehr verstanden, mehr bewundert und auch mehr bemitleidet. Ein Mensch aus Widersprüchen, Sehnsüchten, Anstand und Schmerz.

Fazit: Diese Biografie ist wie Thomas Manns literarisches Innenleben auf Speed – klug, schräg, herzzerreißend und mit einem überraschend hohen Unterhaltungswert. Lahme hat nicht nur recherchiert, er hat gegraben. Und gefunden. Ich bin begeistert. Fünf Sterne – ohne Wenn und Aber.

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Veröffentlicht am 20.07.2025

Albträume? Pff! Wir haben Kiki, Lilian und Katzenpower!

Dream Keeper (Band 2) - Das Bündnis der Zwillingssterne
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Ich dachte ja, ich bin zu alt für Traumkünstler, Katzenmagie und Albschatten – aber Pustekuchen! Kaum fingen meine Tochter und ich mit dem Lesen an, waren wir sowas von im Bann, dass sogar unsere echte ...

Ich dachte ja, ich bin zu alt für Traumkünstler, Katzenmagie und Albschatten – aber Pustekuchen! Kaum fingen meine Tochter und ich mit dem Lesen an, waren wir sowas von im Bann, dass sogar unsere echte Katze beleidigt abgezogen ist. Die hat vermutlich gespürt, dass Kiki und ihr schwarzer Kater viel mehr Style haben als sie.

Der Anfang? Zack – mitten rein ins Traumchaos. Und während ich noch versucht habe, zu verstehen, wer jetzt was verwandelt, hat meine Tochter mich mit einem “Boah Papa, das ist voll episch!” auf Trab gehalten. Kiki ist einfach cool. Mutig, ein bisschen chaotisch – und ständig auf Abenteuerkurs. Genau unser Ding.

Richtig Spaß gemacht hat’s, als Lilian mit ihrer weißen Katze aufgetaucht ist. Da ging bei uns gleich das Spekulieren los: “Papa, meinst du, die kann auch träumen?” – “Safe! Und vielleicht besser als Kiki!” – “Nie im Leben!” – So ging’s bei jedem Kapitel weiter.

Die Idee mit den Zwillingssternen und dem Traumreich ist abgefahren, aber clever gestrickt. Wir haben uns abends regelrecht um die Vorlesestimme gestritten. Ich hab natürlich gewonnen. Angeblich.

Zwischendurch war es auch mal richtig düster – da hat meine Tochter kurz den Kater zum Schutz auf den Schoß genommen. Ich hingegen hab heldenhaft weitergelesen. Mit Gänsehaut, versteht sich. Die Albschatten sind schon fies drauf.

Und dann diese Schwarz-Weiß-Illustrationen – wow! Wir haben bei jeder neuen Zeichnung erstmal Pause gemacht und die halbe Geschichte nochmal durchgekaut.

Das Bündnis der Mädels (und Katzen) hat uns beide abgeholt. Es ist witzig, tiefgründig, ein bisschen verrückt – wie ein Traum, aus dem man gar nicht aufwachen will.

Am Ende saßen wir nebeneinander auf dem Sofa, Buch zugeklappt, Augen groß: “Wie jetzt? Schon vorbei?” – Ja. Und Band 3 kann gar nicht schnell genug kommen!

Fazit: Magisch, spannend, richtig gut zum Gemeinsam-Lesen – oder Allein-Weiterlesen, wenn der andere schon schläft (hab ich natürlich nie gemacht. Hust).

Fünf Traumsterne von uns!

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Veröffentlicht am 20.07.2025

Ein Buch wie ein Sommerregen auf heißem Asphalt

Tage wie Salzwasser
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Manchmal stolpert man nicht nur in eine Geschichte rein – man knallt volle Kanne mittenrein, wie Atlanta in Enza. Und zack: Ich war drin. In einem Buch, das so leise daherkommt, dass es einem das Herz ...

Manchmal stolpert man nicht nur in eine Geschichte rein – man knallt volle Kanne mittenrein, wie Atlanta in Enza. Und zack: Ich war drin. In einem Buch, das so leise daherkommt, dass es einem das Herz ganz nebenbei weichklopft. Keine plumpen Dramen, kein Kitschgewitter – sondern echte Gefühle, in Sätzen, die fast ein bisschen schmecken wie Zitronensorbet mit einem Schuss Espresso: frisch, bitter und belebend. Atlanta, Mathematikerin mit emotionalem Wackelkompass, trifft auf Enza, die lieber zu Hause bleiben würde, aber aus Liebe losfährt. Zwei Frauen, zwei gebrochene Leben – und eine alte Honda Rebel, die fast so viele Kilometer frisst wie mein Kopf beim Lesen Gedanken.

Ich hab gelacht, geschluckt, geseufzt und mich dann wieder in einen Satz verliebt. Maltes geheimnisvolle Notizbuch-Orte? Großes Kino. Der Roadtrip durch halb Europa? Ein Ritt durch Schmerz, Hoffnung und Pizza Margherita. Und irgendwo zwischen Frankfurt, Marseille und dem staubigen Noto habe ich gemerkt: Dieses Buch erzählt nicht, es atmet.

Sita Maria Frey schreibt, als würde sie Sonnenlicht einfrieren und zwischen die Seiten streuen. Leicht, aber mit Tiefe. Komplex, aber nicht kompliziert. Und immer wieder dachte ich: Wow, so kann man also auch über Verlust, Vergebung und Neubeginn erzählen, ohne in die Pathosfalle zu tappen.

Pflichtlektüre für alle, die schon mal weglaufen wollten – und dann an einem Ort ankamen, den sie nie gesucht, aber dringend gebraucht haben.

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