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Veröffentlicht am 19.09.2025

Alles hängt miteinander zusammen

Das glückliche Leben
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Beide haben sie eine großartige Karriere hingelegt, bei beiden ist es die Arbeit die ihr Leben definiert. Doch trotz bester Vorraussetzungen sind, die ehemaligen Schulkameraden, Éric und Amélie in ihrem ...

Beide haben sie eine großartige Karriere hingelegt, bei beiden ist es die Arbeit die ihr Leben definiert. Doch trotz bester Vorraussetzungen sind, die ehemaligen Schulkameraden, Éric und Amélie in ihrem arbeitsreichen Leben nicht glücklich. Schließlich sind es Burn-out, Enttäuschungen, der Wunsch nach innerer Ruhe und nicht zuletzt ein skurriles Ritual aus Korea, bei dem die eigene Beerdigung simuliert wird, die sie dazu bringen, sich neu zu erfinden, einen Neuanfang zu wagen und das Glück zu finden.

Das glückliche Leben ist mein erster Roman von David Foenkinos. Wirklich charmant und geschriebener Leichtigkeit, widmet er sich grundlegend dem Thema „Was bedeutet es glücklich zu sein und wie kann ich es erreichen“. Dabei befasst er sich zudem mit den Fragen der Schuld, Identität, Selbstzweifel, Verlust, sowie Versöhnung. Erzählt wird abwechselnd aus Érics und Amélies Perspektive, was die Idee dahinter, bzw. den Lösungsvorschlag „Perspektivwechsel“ nochmals betont und nachdenklich macht. Impulse vermittelt hat der Roman auf jeden Fall, mein Herz berührt leider nicht, dafür war mir der Einstieg schon zu sachlich, zu business-like. Meine anfängliche Antipathie gegenüber den Hauptcharakteren konnte ich zwar, wenn auch schwerlich, revidieren und doch keine rechte Verbundenheit mit ihnen empfinden. Auch das Ende, nachdem alle den Umbruch bringenden Neuanfang gewagt haben und zu der Erkenntnis gelangt sind, dass alles miteinander zusammenhängt, erschien mir ein wenig zu sehr nach „Friede, Freude, Eierkuchen“.

Fazit: Für mich ein überaus lesenswerter, wenngleich auch recht kurzweiliger Roman, der mein Herz zwar nicht vollends ergreifen konnte, jedoch über einen tollen Schreibstil, sowie eine grandiose Grundidee verfügt.

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Veröffentlicht am 29.08.2025

Eine Frau, zwei Lebensentwürfe

Im Leben nebenan 
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Statt kinderlos mit verzweifeltem Kinderwunsch und Jakob an ihrer Seite, erwacht Antonia eines Tages, mit ihrer Jugendliebe Adam verheiratet, als frisch gebackene Mutter mit Baby im Arm. Plötzlich steckt ...

Statt kinderlos mit verzweifeltem Kinderwunsch und Jakob an ihrer Seite, erwacht Antonia eines Tages, mit ihrer Jugendliebe Adam verheiratet, als frisch gebackene Mutter mit Baby im Arm. Plötzlich steckt sie in einem ganz anderen Leben, in dem ihr alles fremd erscheint. Ein Leben, dass in der Vergangenheit andere Lebensentscheidungen verlangt hätte und ihr einen anderen Lebensentwurf offenbart.

Vorab sei erwähnt, dass ich „Im Leben nebenan“ von Anne Sauer als Hörbuch gehört habe, welches von Chantal Busse ganz wundervoll eingesprochen wurde. Mit ihrer angenehmen Stimme hat sie die jeweiligen Situationen, Gedanken und ebenso Gefühle ganz hervorragend transportiert, sodass ich der Story mit der gleichen Leichtigkeit folgen konnte, wie ihren Worten, was mir bei Hörbüchern nicht immer ganz leicht fällt.

Zunächst einmal sollte sich jeder darüber bewusst sein, dass der Roman hauptsächlich das Thema Kinderwunsch behandelt, also schon recht speziell und dadurch vielleicht nicht für jeden geeignet ist. Dies geschieht aus zwei Erzählperspektiven (Antonia und Toni), jedoch ein und derselben Frau, die sich einer was-wäre-wenn Utopie hingibt. Parallel lebt sie das Leben als Mutter und das als Nicht-Mutter. Exakt auf den Punkt gebracht und mit gnadenloser, erfrischender Ehrlichkeit, beschreibt die Autorin (Antonias/Tonis) Gefühle und Überlegungen, wobei sie dabei auch auf das Thema grundsätzliche Thema Partnerschaft eingeht und sich dabei so neutral gibt, wie die Schweiz.Trotzdem hat mich das unklare Ende ein wenig gestört, welches einerseits natürlich viel Raum für eigene Gedanken lässt, mich andererseits aber auch ein wenig, nennen wir es „ratlos“, zurückgelassen hat.

Fazit: Interessante Idee, sprachlich erfrischend und grandios umgesetzt, allerdings muss einem das Thema schon liegen, um sich auf das Buch einlassen zu können. Wenn dem so ist, eine ganz klare Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 13.08.2025

„Ein bisschen wat hinter die Löffel hat noch keinem geschadet“

Der Sommer am Ende der Welt
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Als Verschickungskind verbringt Hannas Mutter den Sommer 1963 in einem Kinderkurheim auf Borkum. Sechzig Jahre später will Journalistin Hanna den bislang verdrängten, traumatischen Erlebnissen ihrer Mutter ...

Als Verschickungskind verbringt Hannas Mutter den Sommer 1963 in einem Kinderkurheim auf Borkum. Sechzig Jahre später will Journalistin Hanna den bislang verdrängten, traumatischen Erlebnissen ihrer Mutter nachspüren und fährt mit ihrer Tochter Katie zur Recherche auf die Insel. Nach und nach kommt sie, mit Hilfe des Inselarztes Ole, in den sie sich verliebt, den erschütternden Ereignissen von Damals auf die Spur. Doch das Ausmaß der Ereignisse sind verstörender als sie sich je hätte vorstellen können.

Verschickungskinder. Ein wichtiges und wirklich lange verdrängtes Thema, auf das Eva Völler mit ihrem Roman „Der Sommer am Ende der Welt“ aufmerksam machen möchte. Doch leider verliert es sich, meiner Meinung nach, zunehmend in der Liebesgeschichte zwischen Hanna und Ole. Davon abgesehen, fand ich es auch nicht ideal noch weitere Themen, wie die Verbrechen während der NS-Zeit, mit aufzugreifen und miteinander zu kombinieren - irgendwie verliert dadurch jedes einzelne Thema für sich an Dramatik und Wichtigkeit. Stattdessen hätte ich halt gern noch mehr „Zeitzeugenberichte“ gelesen, was allerdings auch damit zusammenhängen kann, dass ich selbst auch ein Verschickungskind bin, wenn auch ein spätes der 80er Jahre, wenn auch mit nicht ganz so schlimmen Erfahrungen. Was mir jedoch bis zu diesem Buch gar nicht bewusst war, ich nun auch fast 40 Jahre als „dumm gelaufene“, schlechte Kindheitserinnerung abgetan habe! Da sieht man also mal, wie wichtig es ist solche Themen auch in Unterhaltungsromanen aufzugreifen - ohne dieses Buch hier, wäre ich nie auf dieses Thema gekommen! „Ein bisschen wat hinter die Löffel hat noch keinem geschadet“, so hieß es auch noch in den 80ern, da wurde wurde man als Kind nicht wirklich ernst genommen und hinterher einfach nicht mehr drüber gesprochen.

Ansonsten fand ich sowohl die Insel-Atmosphäre, als auch die thematisch bedrückende Atmosphäre in dem Buch hervorragend beschrieben und auch die Protagonisten waren gut ausgearbeitet. Zwar hatte ich mit Hanna und Katie anfangs so meine Probleme, das hat sich dann aber irgendwann auch gelegt. Ergriffen war ich von Sabines Zeitzeugenberichten, die haben mich einige Nächte nicht schlafen und in meinen Erinnerungen graben lassen und waren gut recherchiert. Allerdings ist mir, die Story betreffend, einiges auch nicht ganz so schlüssig erschienen und auch einige Fragen blieben schlussendlich unbeantwortet.

Fazit: Alles in allem hat mir der Roman jedoch sehr gut gefallen und mich, als ehemaliges Verschickungskind, zutiefst berührt und gleichfalls animiert, mich näher mit dem Thema auseinander zu setzen und nach Sachliteratur Ausschau zu halten.

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Veröffentlicht am 20.07.2025

Romantasy, Hexenjagd & Blutmagie

Heartless Hunter. Der rote Nachtfalter, Band 1
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Von der gefürchteten Blutwache gejagt, droht Hexen in der Neuen Republik die Todesstrafe. Rune Winters ist eine von ihnen, doch sie ist noch so viel mehr - denn hinter der überaus oberflächlichen, gut ...

Von der gefürchteten Blutwache gejagt, droht Hexen in der Neuen Republik die Todesstrafe. Rune Winters ist eine von ihnen, doch sie ist noch so viel mehr - denn hinter der überaus oberflächlichen, gut situierten Und leicht dümmlichen Adeligen, die einst ihre Großmutter an die Blutwache verriet, was sie zum Liebling der Neuen Republik machte, verbirgt sich der gesuchte, da hexenrettende „Rote Nachfalter“, der keine Gefahren scheut. Um ihr Ziel zu erreichen und an wichtige Informationen zu gelangen, lässt sich Rune schon bald auf ein gefährliches Katz-und-Maus Spiel mit Hexenjäger Gideon Sharpe ein. Doch wer ist in diesem Spiel letztendlich der Jäger, wer der Gejagte?

Ich habe „Heartless Hunter - Der rote Nachtfalter“ von Kristen Ciccarelli parallel als Hörbuch gehört, dazwischen aber auch immer mal wieder Kapitel selbst gelesen. Dabei hat mir das Buch letztendlich ein klein wenig besser gefallen. Zwar war das Hörbuch gut eingesprochen und auch mitreißend, doch für mein Empfinden an manchen Stellen dennoch etwas träge und nicht ganz zu dem Bild in meinem Kopf passend, gerade wenn es um den gesprochenen Part von Moritz Frinberg ging. Was die Story und das Worldbuilding betrifft, kam ich angenehm schnell in die Geschichte hinein, musste nicht großartig nachdenken, keine komplizierten Abläufe versuchen nachzuvollziehen, sondern hatte gleich alles vor meinem geistigen Auge und konnte mich drauf einlassen. Also genau das Richtige für zwischendurch, wenn man seinem Hirn mal Ruhe von hochtrabender Literatur gönnen und einfach nur einer fantasievollen und magischen Geschichte folgen möchte.

Die Protagonisten sind gegensätzlich, gut gelungen und raffiniert ausgearbeitet, die Handlung ist düster und ebenso spannend in der Entwicklung.Teilweise vorhersehbar, aber durchaus auch mit dramatischen Wendungen versehen. Die Liebesgeschichte zwischen Rune und Gideon nimmt zwar schon sehr viel Raum ein, ist aber gut erträglich und nicht so übertrieben, wie in manch anderem Buch. Für mich eine gesunde und gute Mischung. Das von der Autorin erdachte Magiesystem ist zwar nicht bahnbrechend, dafür nicht unnötig kompliziert, trotzdem ausgeklügelt und interessant. Okay, das Periodenblut, welches Rune für ihre Blutmagie braucht ist vielleicht etwas drüber, wobei andererseits auch gar nicht mal so dumm und eine gut durchdachte Konsequenz, um hexenkennzeichnende Narben, bei aktiver Blutentnahme, an sich selbst zu vermeiden.

Fazit: Ich habe einiges an Kritik gelesen. Doch schaut man sich Verlag, Altersfreigabe und Klappentexte an, weiß man doch eigentlich was einen erwartet, liest es oder eben nicht. Heartless Hunter ist zwar an manchen Stellen etwas vorhersehbar und hat sicher auch die Magie und Hexenwelt nicht neu erfunden, doch darum geht es - meiner Meinung nach - bei einer Geschichte doch auch gar nicht. Alles in Allem fand ich Heartless Hunter sowohl spannend, als auch überaus unterhaltsam und fesselnd. Auf die Fortsetzung bin ich jedenfalls schon sehr gespannt!

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Veröffentlicht am 06.07.2025

Ein Haus packt aus…

Treppe aus Papier
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Henrik Szántó lässt in seinem Roman „Treppe aus Papier“ ein altes Haus von seinen Erinnerungen an all die Menschen, die es je bewohnten, erzählen. Und so erzählt es die Geschichte der 15 jährigen Nele, ...

Henrik Szántó lässt in seinem Roman „Treppe aus Papier“ ein altes Haus von seinen Erinnerungen an all die Menschen, die es je bewohnten, erzählen. Und so erzählt es die Geschichte der 15 jährigen Nele, die aufgrund einer Geschichtsklausur, mit der 90jährigen Irma, einer Zeitzeugin des Nationalsozialismus, im Treppenhaus ins Gespräch kommt und beginnt Fragen zu stellen. Wichtige Fragen, um hinter das zu kommen, was damals geschah, über die Geschichte ihrer eigenen Familie und über das, worüber in der Vergangenheit stets geschwiegen wurde.

Bereits das Vorwort des alten Hauses, das eigentlich aus einer reinen Aufzählung dessen besteht, was es im Laufe der Zeit alles mitgemacht, mitbekommen und erlebt hat, finde ich absolut grandios. Für das alte Haus finden die Ereignisse der Jahrzehnte alle zeitgleich statt, wie wenn ein Bild mit sehr langer Belichtungszeit aufgenommen wird oder eben Fotos übereinandergelegt werden. Dadurch kommt es im Laufe der Geschichte immer wieder zu interessanten Überschneidungen, die aufhorchen, innehalten und die Luft scharf einziehen lassen. Grundsätzlich hat mir dieser ganz besondere, poetische Schreibstil unheimlich gut gefallen. Einerseits schreibt der Autor unaufgeregt, andererseits legt die Abfolge der Aufzählungen, die er sehr oft als Stilmittel wählt, ein gewisses Tempo vor, dem man gedanklich und aufgrund der langen Sätze manchmal schwer, in seinem gesamten Umfang, folgen kann. Er schreibt unheimlich Wort- und Bildgewaltig, ich glaube das Ein oder Andere begreift man tatsächlich auch erst nach dem zweiten Mal lesen. Was gut ist, denn das hat mich mehrfach zum nachdenken gebracht.

Meine Oma ist mittlerweile auch 93 Jahre alt und ich habe mir im Laufe meines Lebens viel von früher erzählen lassen. Habe ebenso wie Nele viele Fragen gestellt, um zu verstehen und damit Omas Geschichten nicht mit ihr verloren gehen. Aufgrund ihrer unnachgiebigen Art und ihrer Neugierde, ist Nele mir sehr sympathisch, steht mir irgendwie nahe, finde ich ihre Fragen realistisch und nachvollziehbar. Schade fand ich allerdings, dass zu dem ausreichend ernsthaften Thema des Nationalsozialismus, auch PRIDE noch zum Thema gemacht wurde. Nicht, dass es nicht auch ein wichtiges Thema wäre, nur alles in einer Geschichte unterbringen zu wollen, ist meiner Meinung nach etwas „to much“, wirkt erzwungen und hat der Geschichte für mich die Glaubhaftigkeit und ein Stückweit auch die Begeisterung für sie genommen. Daher leider auch nur 4 von 5 Sterne.

Fazit: Nichts desto trotz ein wirklich ganz besonderes und absolut lesenswertes Buch, das sicherlich noch lange Zeit in mir nachhallen wird.

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