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Veröffentlicht am 22.07.2025

Wenn kulturelle Vorurteile siegen weil Moral versagt

Ungebetene Gäste
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Ayelet Gundar-Goshen erzählt in Ungebetene Gäste von Naomi, einer Psychologin aus Kalifornien, die nach einem Vorfall hinter ihrem Haus – ein junger Schwarzer wird schwer verletzt aufgefunden – in ein ...

Ayelet Gundar-Goshen erzählt in Ungebetene Gäste von Naomi, einer Psychologin aus Kalifornien, die nach einem Vorfall hinter ihrem Haus – ein junger Schwarzer wird schwer verletzt aufgefunden – in ein Netz aus Lügen und moralischen Zwiespälten gerät. Der Roman beginnt als psychologisch dichtes Drama und entwickelt sich zu einem vielschichtigen Thriller, bei dem Fragen nach Schuld und Verantwortung im Mittelpunkt stehen.

Mich hat vor allem das moralische Dilemma der Protagonistin fasziniert und gleichzeitig abgestoßen. Naomi ist keine einfache Figur: Ihr Verhalten schwankt zwischen Schutzinstinkt und Feigheit, zwischen Mitgefühl und moralischem Versagen. Manchmal konnte ich ihre innere Zerrissenheit nachvollziehen – besonders als Mutter. Aber ihr Schweigen und die Konsequenzen, die es nach sich zieht, haben in mir auch tiefe Ablehnung ausgelöst.

Die Autorin greift in gewohnt eindringlicher Weise gesellschaftliche Themen auf, darunter rassistische Vorurteile und strukturelle Diskriminierung. Diese Motive durchziehen die Geschichte und verleihen ihr eine gesellschaftspolitische Tiefe, die über das persönliche Drama hinausgeht. Besonders bedrückend ist die Darstellung derjenigen, die zu Unrecht verdächtigt und ausgegrenzt werden – ihr Leiden steht stellvertretend für viele, die unter Vorurteilen und Ungerechtigkeit zu kämpfen haben.

Ungebetene Gäste ist ein klug komponierter Roman, der psychologische Spannung mit gesellschaftlicher Relevanz verbindet. Gundar-Goshen gelingt es, komplexe Themen greifbar zu machen, ohne einfache Antworten zu liefern. Ein Buch, das zum Nachdenken anregt und lange nachwirkt.

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Veröffentlicht am 12.05.2025

Ein Borkum-Krimi voller Charme und Küstenflair

Mordseemusik
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Mit Mordseemusik präsentiert Emmi Johannsen bereits den sechsten Band ihrer beliebten Borkum-Krimireihe. Erneut entführt die Autorin ihre Leser auf die Nordseeinsel und verwebt einen unterhaltsamen Kriminalfall ...

Mit Mordseemusik präsentiert Emmi Johannsen bereits den sechsten Band ihrer beliebten Borkum-Krimireihe. Erneut entführt die Autorin ihre Leser auf die Nordseeinsel und verwebt einen unterhaltsamen Kriminalfall mit einer Prise Humor und Lokalkolorit.

Im Mittelpunkt stehen wieder Caro Falk und ihr bester Freund Jan Akkermann, die sich einmal mehr als Amateur-Ermittler beweisen. Diesmal geschieht das Verbrechen mitten in der ausgelassenen Stimmung eines Konzerts im Musikpavillon – Schlagersänger Pablo Lavega bricht vor den Augen seines Publikums zusammen und stirbt. Doch wer könnte hinter diesem plötzlichen Tod stecken? Die Ermittlungen führen Caro und Jan tief in das Schlagermilieu, wo nicht alles so glänzt, wie es scheint.

Johannsen bleibt ihrem bewährten Stil treu und kombiniert einen flüssig zu lesenden Kriminalfall mit warmherzigen Charakteren und einem liebevoll gezeichneten Setting. Besonders gelungen ist die Darstellung des Inselgefühls, das sich wie eine Meeresbrise durch die Seiten zieht. Man spürt das sommerliche Treiben auf Borkum, das Salz in der Luft und die enge Gemeinschaft der Inselbewohner.

Auch die Beziehungen der Figuren entwickeln sich weiter. Die Dynamik zwischen Caro und Jan bleibt spannend – ihre Verbindung schwebt weiterhin zwischen tiefgehender Freundschaft und der Möglichkeit, dass sich mehr daraus entwickeln könnte. Dieses Hin und Her mag für einige Leser frustrierend sein, doch genau diese langsame Entwicklung sorgt für zusätzliche Spannung abseits des eigentlichen Kriminalfalls.

Wer Cosy Crime mag, wird hier bestens unterhalten. Mordseemusik vereint leichte Krimikost mit sympathischen Figuren und norddeutschem Flair. Das Rätsel um Pablos Tod hält Leser bis zum Schluss zum Miträtseln an, auch wenn einige Enthüllungen bisweilen überraschend direkt vermittelt werden. Dennoch bleibt der Roman eine perfekte Urlaubslektüre – ob für Krimifans oder Liebhaber der norddeutschen Küstenlandschaft.

Fazit: Ein humorvoller, charmant erzählter Inselkrimi mit viel Lokalkolorit und liebenswerten Charakteren. Perfekt für eine entspannte Lektüre!

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Veröffentlicht am 12.12.2024

Auch kleine Große Dinos haben Angst

Nino Saurus – Angst vor gar nichts
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Nino Saurus ist ein mutiger Tyrannosaurus Rex der natürlich vor nichts Angst hat - sagt er! Aber natürlich fürchtet sich auch Nino vor einigen Dingen, genau wie wir alle es tun. Und genau das vermittelt ...

Nino Saurus ist ein mutiger Tyrannosaurus Rex der natürlich vor nichts Angst hat - sagt er! Aber natürlich fürchtet sich auch Nino vor einigen Dingen, genau wie wir alle es tun. Und genau das vermittelt dieses Buch auf tolle Weise. Angst haben ist keine Schande, jeder von uns hat mal vor irgendetwas Angst.

Auch sehr gut gefallen hat mir Ninos Hilfsbereitschaft, sein Mut und die tröstenden Arme der Mama. Da macht das Lesen wirklich Spaß, was auch noch durch die schönen farbigen Illustrationen untermalt wird.

Auch meinen Kindern hat die Geschichte sehr gut gefallen. Das empfehlen wir gern weiter.

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Veröffentlicht am 28.07.2024

Tolle Kurzgeschichtensammlung deren Geschichten den Nerv der Zeit treffen

I walk between the Raindrops. Storys
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T.C Boyle hat hier eine tolle Sammlung an Kurzgeschichten zusammengestellt.

Es sind 13 Geschichten, von denen die meisten den Nerv der Zeit treffen. Sie handeln zb von der Zerstörung der Umwelt, Corona, ...

T.C Boyle hat hier eine tolle Sammlung an Kurzgeschichten zusammengestellt.

Es sind 13 Geschichten, von denen die meisten den Nerv der Zeit treffen. Sie handeln zb von der Zerstörung der Umwelt, Corona, Amoklauf, Sozialpunktesystem und totalitäre Kontrolle, KI, Naturkatastrophen und mehr. Die Storys sind facettenreich und in dem typischen Schreibstil des Autors geschrieben: schonungslos ehrlich, manchmal mit einem Hauch Sarkasmus oder schwarzer Humor, einfache und klare Worte die aber immer eine Message bereithalten. Manchmal war diese nicht auf den ersten schnellen Blick zu verstehen. Die Geschichten regen zum Nachdenken an und rütteln eventuelle den ein oder anderen regelrecht auf. Definitiv bietet jedes Kapitel einen großen Interpretationsspielraum.

Natürlich gab es auch ein, zwei Geschichten die mir persönlich nicht so zugesagt haben weil es einfach nicht mein Thema war. Aber das hat mich gar nicht gestört weil der Rest für mich grandios war.

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Veröffentlicht am 11.04.2024

Spannend von Anfang bis Ende

Venezianischer Fluch
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Dies ist schon der 9.Fall für den venezianischen Kommissar Luca Brassoni. Für mich war es allerdings das erste Buch mit ihm, von daher kann ich sagen problemlos ohne Vorkenntnisse zu lesen.

Luca wird ...

Dies ist schon der 9.Fall für den venezianischen Kommissar Luca Brassoni. Für mich war es allerdings das erste Buch mit ihm, von daher kann ich sagen problemlos ohne Vorkenntnisse zu lesen.

Luca wird zu einem augenscheinlichen Selbstmord gerufen. Seine Frau, Gerichtsmedizinerin Carla Sorrenti, findet Spuren von Fremdeinwirkung. Und schnell stößt man auf Hinweise das hier Flüche im Spiel sind. Die Ermittlungen führen Luca und seine Kollegen in das Hotel der reichen Familie Perroni. Diese wirkt nicht sehr kooperativ und jeder dort hat seine geheimen Päckchen zu tragen. Als dann auch noch Carla mit Verwünschungen und Flüchen eingeschüchtert wird drängt die Zeit immer mehr diesen verzwickten Fall aufzuklären.

Die Autorin Daniela Gesing hat einen tollen, locker leichten Schreibstil. Die Kapitel sind nicht zu lang und geben damit ein gutes Tempo vor. Durch eine tolle Mischung aus dem Privatleben von Luca Brassoni und den Ermittlungen konnte die Autorin mir die Hauptfiguren schnell näherbringen. Der Spannungsbogen ist stetig angewachsen. Immer wenn ich dachte das ich nun endlich einen Verdacht hätte hat dieser sich kurz darauf in Luft aufgelöst. Bis zum Ende war ich mir nicht sicher wie sich alles auflösen wird - das war toll.

Ein kurzweiliger Krimi mit absolut rundem, zufriedenstellendem Ende. Sehr zu empfehlen.

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