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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.10.2025

Top Mischung aus Grusel, Spannung und Spaß

Bite Risk – Kein Entkommen
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„Jemand in unser Stadt ist ein Mörder.“

Actionreicher Auftakt einer spannenden Horror-Buchreihe mit Witz und starken Plotttwists für Gruselfans ab.

Der Anfang ist dystopisch düster und man taucht in ...

„Jemand in unser Stadt ist ein Mörder.“

Actionreicher Auftakt einer spannenden Horror-Buchreihe mit Witz und starken Plotttwists für Gruselfans ab.

Der Anfang ist dystopisch düster und man taucht in diese unheimliche Kleinstadt ein, die einmal im Monat zum Ort des Grauens wird und begleitet den 13-jährigen Ich-Erzähler Sel und seine Freundin Elena und ihren Bruder. Mit etwa 14 Jahren verwandeln sich die Jugendlichen hier bei Vollmond in aggressive Werwölfe. Die Verwandelten werden «die Ripper» genannt.
Außerhalb des Städtchens Tremorglade herrscht Chaos, Gewalt und die ständige Angst vor dem Sterben. Nicht jede Gemeinde ist so vorbildlich organisiert. Was besonders reizvoll ist: in Tremorglade ist die Sperrnacht gleichzeitig Partynacht, weil alle Erwachsenen in Käfigen sitzen. Das bleibt natürlich geheim, denn eigentlich sollen sie zu Hause bleiben.
Als ganz seltsame und gefährliche Vorkommnisse passieren, kommt man selbst in Rätseln, was da vor sich geht und wer dahinter steckt. Mir hat besonders gefallen, dass man an Sels Gedanken und Emotionen teilhat, ohne das es zu viel wird - gerade so, dass man es gut nachvollziehen kann. Er hat mir als Hauptfigur sehr gut gefallen.

Insgesamt ein unterhaltsamer Gruselspaß zum Mitfiebern und Miträtseln, der es durch die einfache Erzählweise leicht macht, dranzubleiben, und gerade für noch unerfahrene Leser und Leserinnen einige Überraschungen bereithält. Erwachsenen könnten den ein oder andere Twist schon vorhersehen - macht aber trotzdem Spaß und neugierig auf die Fortsetzung, obwohl es keinen fiesen Cliffhanger gibt.

Veröffentlicht am 24.09.2025

Lifestyle, Fitness und Wahnsinn

Gym
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„Ich war die Barfrau in einer Western kneipe, und sie waren die einsamen Cowboys.“

In drei „Sätzen“ erzählt Verena Kessler von einer Frau, ihren Lügen, ihres sportlichen Ehrgeizes, ihrer Selbstzerstörung ...

„Ich war die Barfrau in einer Western kneipe, und sie waren die einsamen Cowboys.“

In drei „Sätzen“ erzählt Verena Kessler von einer Frau, ihren Lügen, ihres sportlichen Ehrgeizes, ihrer Selbstzerstörung und Obsession. Fesselnd, faszinierend und einfach krass.

Die ersten beiden Akte sind im Präteritum geschrieben und man ahnt schon, dass die Spitze des Eisbergs erst noch bevorsteht, als sie erwähnt, dass es nie einen Job gab, den sie mehr geliebt hätte.

Nachdem der Ich-Erzählerin beim Einstellungsgespräch im MEGA GYM die Lüge, gerade Mutter geworden zu sein und leidenschaftliche gern Sport zu machen, leicht über die Lippen geht, ist ihr der Job und die Unterstützung ihres Chefs sicher. Die erfundene Mutterschaft schmückt sie so detailreich aus, dass sie Vergnügen daran findet, sich etwas auszudenken. Die Angst entlarvt zu werden bleibt trotzdem, doch sie steckt die Zeit und Energie in ihr wackeliges Kartenhaus aus Lügen. Dazu gehört auch Muskelmasse für mehr Aufmerksamkeit. Was für belogene Außenstehende eine positive Wendung darstellt, ist in seiner Entwicklung beunruhigend. Rasant Ziele erreichen, immer mehr Gewichte, Proteine - schneller und „immer, immer weiter.“ Diese eindrucksvollen Beschreibungen aus dem schweißtreibenden Fitnessstudio waren auf den Punkt.

Faszinierend und gleichzeitig irritierend spitzt sich das Spektakel seinem dramatischen Höhepunkt zu. Geschrieben ist es so kritisch und ironisch überspitzt, dass es ein kurzweiliges Lesevergnügen darstellt, während sich nach und nach alles Puzzleteile zusammenfügen. Wer es sich mit einer wahnhaften Antisympathin und einer literarischen Trainingseinheit gemütlich machen will, wird es nicht bereuen. Ab ins GYM!

Veröffentlicht am 01.09.2025

Dämonisch magische Backmischung

Ein Cookie für den Dämon
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Wer die urbane Fantasy-Buchreihe «Guild Codex: Spellbound» von Annette Marie noch nicht kennt, kann trotzdem mit der neuen Ableger-Reihe «Guild Codex: Demonized» loslegen. Für mich war das der Startschuss, ...

Wer die urbane Fantasy-Buchreihe «Guild Codex: Spellbound» von Annette Marie noch nicht kennt, kann trotzdem mit der neuen Ableger-Reihe «Guild Codex: Demonized» loslegen. Für mich war das der Startschuss, nachdem ich so viel Gutes über Spellbound gehört habe. Aber Achtung, es macht süchtig! Auch nach Cookies - am besten bereitstellen.

Robin ist ein ganze normale 20-jährige Frau, die in die illegalen Verbrechen eines Fieslings hineingezogen wird. Obwohl sie dazu erzogen wurde, sich von Magie fernzuhalten, liebt sie es, diese zu studieren und sich nerdig durch Fachbücher zu wälzen. Als zierliche Frau mit Brille und zurückhaltender Persönlichkeit, bleibt sie jedoch lieber in der Beobachterrolle und geht ihrer zweiten großen Leidenschaft nach: Backen. Seit dem plötzlichen Tod ihrer Eltern wohnt sie bei ihrem fiesen Onkel, der einen Dämon im Keller gefangen hält. Da sich dort auch die Bibliothek befindet und Robin nach dem verschwundenen Grimoire ihrer Mutter sucht, treibt sie ihre impulsive Neugier und machtlose Verzweiflung dazu, verbotenerweise mit dem Dämon zu sprechen.

Robins Verhalten ist glaubwürdig dargestellt und ich konnte gut nachvollziehen, warum sie Mitleid mit dem Dämon hat. Dahinter steckt ein moralischer Konflikt, der zum Nachdenken anregt. Immer wieder macht sie sich bewusst, welchen Risiken sie sich aussetzt. Der mächtige Dämon Zylas wird nicht verherrlicht, sondern als erbarmungsloser Killer dargestellt, der er ist, wobei er auch eine beschützende Rolle einnimmt und damit einen Widerspruch auslöst. Zylas Beweggründe bleiben undurchsichtig, aber sein Ziel und Robins Versprechen dürften in den kommenden Büchern eine wichtige Rolle einnehmen.

Das Setting ist vor allem in der ersten Hälfte atmosphärisch düster, was mir zusammen mit den cozy Vibes sehr gefallen hat. Robin und Zylas stecken in ausweglosen Situationen fest. Alles spielt sich in dem Haus ab und es liegt eine Anspannung in der Luft, die nur darauf wartet, sich zu entladen. Ausgerechnet Robins Backkunst bietet ihr einen Ausweg, der sich als Sackgasse herausstellt und einige Probleme und radikale Veränderung nach sich zieht. Eine originelle Idee, die wirkt. Außerdem bekommt man direkt Lust auf Cookies. Dann entlädt sich alles: es bricht das Chaos aus und es kommt zu actionreichen Kämpfen und spannenden Wendungen.

Mitreißend aus Robins Perspektive geschrieben, lebt die Story von der Dynamik und dem Humor des unfreiwillig aneinander gebundenen Duos und den Komplikationen und Geheimnissen, die sich daraus ergeben. Es wird einiges offen gelassen und angedeutet, sodass ich nach dem Cliffhanger am liebsten weitergelesen hätte. Lediglich ein bisschen mehr Magie und Wissen über die Welt der Dämonen hätte ich mir gewünscht, aber ich freu mich jetzt schon auf die Fortsetzung und hoffe, sie wird ebenso unterhaltsam und spannend.

Veröffentlicht am 06.08.2025

Naturspektakel mit vielen Fotoaufnahmen

Im Schatten von Giganten
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Die Biologin Jasmin Schreiber erkundet gern verschiedene Lebensräume und möchte wissen, wer dort lebt. In ihrem Forschungsdrang kraucht sie durch das Unterholz und hält Entdeckungen von kleinsten Jägern, ...

Die Biologin Jasmin Schreiber erkundet gern verschiedene Lebensräume und möchte wissen, wer dort lebt. In ihrem Forschungsdrang kraucht sie durch das Unterholz und hält Entdeckungen von kleinsten Jägern, Pflanzenfressern und Zersetzern mit ihrer Kamera fest. Mit «Im Schatten von Giganten» bricht sie eine Lanze für die ungeliebten Insekten und man ist praktisch auf ihren Gassirunden dabei und darf sich wie bei einer Expedition fühlen. Die Faszination und Achtung vor den Kleinsten wächst mit jeder Seite und letztlich hatte ich große Lust, selbst niederzuknien und die Mikrolebensräume zu entdecken.

Acht Lebensräume werden genauer betrachtet und neben dem, was sich auf dem kleinsten Raum einer Blüte abspielt, fand ich die Vorstellung, durch das Leben im Baum einen anderen Planeten zu entdecken, ziemlich spannend. Denn der Parasitismus, der sich im Inneren einer einzigen Galle abspielt, ist unglaublich. Ich weiß jetzt außerdem, warum Kastanienbäume schon im Hochsommer braune Blätter haben und woran ich einen wertvollen Habitatbaum mit all seinen Mikrohabitaten erkenne.

Wenn man sich damit noch gar nicht beschäftigt hat, dann bekommt man ganz neue Einblicke in die Welt der Kleinstlebewesen, muss aber möglicherweise den ein oder anderen Fachbegriff nachschlagen, obwohl die meisten erklärt werden. Der Text ist tief in der Materie drin, aber eben auch auflockernd und humorvoll, wie ich es von Jasmin Schreiber gewohnt bin, die mit leidenschaftlicher Begeisterung und Kompetenz erzählt. Man merkt, dass sie die Themen selbst toll und spannend findet, wenn sie über die niedlichen Blattläuse oder die entscheidenden Beiträgen für das Ökosystem von Springschwänzen, Asseln, Flechten schwärmt. Bei einigen Themen blieben bei mir noch Fragen offen, die ich gern gestellt hätte. Aber der gesamten Komplexität kann man in einem Buch kaum gerecht werden und die Zusammenstellung der Schwerpunkte gibt bereits einen gelungenen Überblick.

Die Auswahl der Fotos und die schlichte Aufmachung finde ich grandios, genauso wie die eindrucksvolle Goldwespe auf dem Cover. Für mich war das der ausschlaggebende Punkt, dieses Sachbuch in meine Sammlung aufzunehmen, denn viele Fotos haben etwas Anziehendes und zeigen ganz nah Tiere, die man sonst nicht sieht. Ab und zu gab es eine Illustration, die ich sehr hilfreich fand, denn so eine akrobatische Tigerschnegelpaarung ist schon witzig anzusehen. Ich hätte mir gewünscht, dass alle Fotografien beschriftet sind (z.B. Kurzflügler) oder es Verweise gibt, wenn die passenden Aufnahmen auf einer andere Seite sind (z.B. Asseljäger), aber das kam selten vor und insgesamt hab ich die hier präsentierte Welt der Winzlinge mit Staunen genossen.

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  • Cover
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  • Handlung
Veröffentlicht am 22.07.2025

Die erste Liebe

Die Geschichte des Klangs
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«Die Geschichte des Klangs» erzählt in zwei Teilen von Lionel und Annie. Annie sieht den 84-jährigen Lionel im Fernsehen und ist von ihm und seinen Worten beeindruckt. Er gibt zu seiner neusten Buchveröffentlichung ...

«Die Geschichte des Klangs» erzählt in zwei Teilen von Lionel und Annie. Annie sieht den 84-jährigen Lionel im Fernsehen und ist von ihm und seinen Worten beeindruckt. Er gibt zu seiner neusten Buchveröffentlichung über amerikanische Balladen ein Interview. Anni hat aus Liebe zu ihrem Mann Henry ihre Träume aufgegeben. Als sie in ihrem neuen Haus eine versteckte Kiste mit Phonographenwalzen findet, die für Lionel vorgesehen sind, bringt es sie dazu, über ihr Leben und ihre Entscheidungen nachzudenken.
Der Ich-Erzähler Lionel hat auf Anraten seines Arztes den Teil seines Lebens aufgeschrieben, über den er lieber schweigt, bis die Vergangenheit in Form eines Pakets ihn eingeholt hat. Es war der Beginn einer geheimen Liebe, als er 1916 in einer Bar David kennenlernte. „Wir blieben bis zum Morgengrauen. Er spielte Klavier, ich sang.“ Beide verbindet das musikalische Talent. Der damals 17- jährige Lionel begleitet David schließlich auf seinen Sammeltouren durch Maine. Sie sprechen Bewohner an und nehmen alte Volkslieder mithilfe einer Phonographenwalze auf. Ein unvergesslicher Sommer für Lionel, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnt, wie bedeutend diese Erinnerungen einmal für ihn sein werden. „Mein Großvater hat mir gesagt, dass Glück keine Geschichte ist. Darum gibt es über diese ersten Wochen nicht viel zu sagen (…), aber ich glaube, ich bin nie glücklicher gewesen…“

Es ist eine leise Geschichte über die erste große Liebe in jungen Jahren, wenn man das ganze Leben noch vor sich hat, die empfundene Reue, verpasste Chancen, erlittene Verluste, die Magie von Musik und das Aufbewahren kostbarer Erinnerungen. Es geht um all den Zauber, der drumherum passiert. Über die Beziehung, Gespräche oder David selbst, erfährt man wenig. Ben Shattuck findet den richtigen Ton und erzählt berührend und sanft von zwei Menschen, die über ihr Leben nachsinnen und dabei ein Stück verbunden sind, ohne sich kennengelernt zu haben. Die poetische Schreibweise macht die knapp hundert Seiten zu einem literarischen Genuss voller Gefühl und Nostalgie. Eine große Empfehlung für alle, die es sich zwei Stunden mit einem guten Buch gemütlich machen wollen, welches nachklingt.