Opa Dom
Die Akte SchneeweißIm Jahr 1963 :Katja liebt ihren Opa Dom, einen einfachen Bahnwärter. Und doch, er ist es, der Verständnis für ihren Wunsch Ärztin zu werden hat. Auf ihn setzt Katja ihre Hoffnungen, denn von ihren Eltern ...
Im Jahr 1963 :Katja liebt ihren Opa Dom, einen einfachen Bahnwärter. Und doch, er ist es, der Verständnis für ihren Wunsch Ärztin zu werden hat. Auf ihn setzt Katja ihre Hoffnungen, denn von ihren Eltern hat sie nicht viel Unterstützung zu erwarten. Sie wird schließlich heiraten und Kinder kriegen, da braucht sie weder Abitur noch Studium. Plötzlich jedoch ist Opa Dom verschwunden. Katja und ihre jüngere Schwester Heidi vermissen ihren Opa. Wenn sie die Eltern oder Oma Käthe nach ihm fragen, bekommen sie nur abweisende Antworten. Beinahe als hätte es ihn nie gegeben. In den nächsten Jahren entdeckt Katja ihre Familiengeschichte, die ganz anders ist.
Mathilde war Opas jüngere Schwester. Elf Jahre waren sie auseinander. Ihre jungen Erwachsenenjahre mussten sie im Nazi-Reich verbringen. Auch damals arbeitete Opa Dom, der eigentlich Rudolf heißt, schon bei der Bahn. Die Eltern waren tot und er verheiratet. Mathilde musste früh in Stellung gehen. Als Dienstmädchen arbeitete sie erst in einer Drogerie und dann bei einem Arzt. Besonders wichtig war es für sie nicht aufzufallen. Doch ließ sich das in einer Zeit der Denunzianten überhaupt immer vermeiden? Katja hat Mathilde nie gekannt und doch fühlt sie eine Berufung, anderen Menschen zu helfen und Schaden abzuwenden.
In diesem zeitgeschichtlichen Roman beschreibt die Autorin, wie die Nazis auch in Bielefeld hausten. Widerstand war fast unmöglich und wenn einige Menschen versuchten menschlich zu bleiben, konnte das ihr eigenes Leben kosten. Und in den 1960gern? Beinahe als wäre nie etwas geschehen. Es ist kaum zu fassen, da tauchen in den Chefetagen Personen auf, die man im hinterletzten Kerker wähnte. Katja ist so eine starke Frau, sie will eben Ärztin werden. Egal ob es den Eltern gefällt. Und wenn sie es alleine bringen muss, dann wird es eben so sein. Katja und Mathilde sind zwei tolle Frauen, stark zu ihren Einstellungen stehend in unterschiedlichen Zeiten und doch verbunden. Manchmal erschüttern einen die Ereignisse, die in diesem Roman geschildert werden. Man hört das Schweigen, dass die älteren Lesenden vielleicht noch kennen. Dann wieder spürt man, dass die Generation der Kinder etwas ändern möchte. Eine Hoffnung entsteht, von der man befürchtet, dass sie aufgebraucht sein könnte.