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Veröffentlicht am 01.08.2025

Zwei eiskalte Morde warten auf Aufklärung ...

Die kalte Mamsell
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Da ich im realen Leben noch nie auf Norderney war, genieße ich immer die lesetechnischen Reisen auf die Insel, die mir die Autorin Elsa Dix nun schon zum dritten Mal vermittelt hat.

Aber anders als ich, ...

Da ich im realen Leben noch nie auf Norderney war, genieße ich immer die lesetechnischen Reisen auf die Insel, die mir die Autorin Elsa Dix nun schon zum dritten Mal vermittelt hat.

Aber anders als ich, darf Victoria Berg in ihrem „realen“ Leben in dem Roman „Die kalte Mamsell“ bereits zum dritten Mal nach Norderney. Ihre Vorfreude ist groß, denn sie wünscht sich so sehr ihren geliebten Christian wieder zu sehen. Christian Hinrichs ist inzwischen zum Kriminalassistenten befördert worden und soll in Zukunft auf Norderney stationiert werden. Auch er sieht dem Treffen sowie natürlich seiner neuen Aufgabe freudig entgegen. Ein paar Tage bleiben ihm noch bis zum offiziellen Dienstantritt, doch dann machen ihm zwei im Eiskeller gefundene Leichen einen Strich durch die Rechnung. Auch Viktoria ist in ihrer Handlungsfreiheit auf der Insel mehr als eingeschränkt, denn sie hat ihren Vater – den gnadenlosen Oberstaatsanwalt Konrad Berg – im Schlepptau, damit der sich nach einem erlittenen Herzanfall erholen kann. Und dieser genannte Staatsanwalt macht wiederum Christians Freund Willy Küppers Himmelangst, denn wenn „der Bluthund“, wie Berg in Insider Kreisen genannt wird, Wind von Geheimnis in Altona aus der Vergangenheit bekommt, kann das böse ausgehen. Kaum über den Leichenfund informiert, macht Christian sich an die Ermittlungsarbeit, natürlich dicht gefolgt von Viktoria. Ein kleines am Tatort von ihr gefundenes Relikt ihrer Vergangenheit bringt sie zunächst aus der Fassung und lässt sie nun nicht länger ruhen …

Für mich gehört die Norderney Reihe von Elsa Dix mit zu den schönsten historischen Krimireihen. Die Autorin hat eine besondere Gabe ihre LeserInnen in die Vergangenheit zu entführen und sie sich darin heimisch fühlen zu lassen. Durch ihre bildhafte Art zu schreiben, setzt sich bei mir beim Lesen stets ein Kopfkino vom Feinsten in Gang. Viktoria und Christian präsentieren sich mir immer wieder aufs Neue als sympathische Protagonisten und so freue ich mich jedes Mal, wenn es wieder einen neuen Teil der Reihe gibt. Band vier wartet schon im heimischen Bücherregal auf mich und nun hoffe ich, dass es danach mit einem fünften Teil weitergehen wird. Von mir gibt es mit fünf funkelnden Sternen die absolut wohlverdiente Bestnote verbunden mit einer uneingeschränkten Leseempfehlung. Während jeder Band auch als alleinstehender Fall gelesen werden kann, empfehle ich dennoch hier die Reihenfolge einzuhalten. Ach ja, und je mehr ich darüber nachdenke, um so mehr könnte mir ein Urlaub auf der schönen Insel gefallen. Vielleicht im nächsten Jahr?

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Veröffentlicht am 01.08.2025

Die Nachwirkungen des Krieges eindringlich dargestellt ... Empfehlung!

Der Kindersuchdienst (Kindersuchdienst 1)
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In diesem ersten Band der Dilogie „Der Kindersuchdienst“ lerne ich Annegret kennen, eine junge ledige Mutter, die aus lauter Angst den so bitter benötigten Posten bei ebendiesem zu erhalten, ihren kleinen ...

In diesem ersten Band der Dilogie „Der Kindersuchdienst“ lerne ich Annegret kennen, eine junge ledige Mutter, die aus lauter Angst den so bitter benötigten Posten bei ebendiesem zu erhalten, ihren kleinen Sohn Oskar verschweigt. Nachdem Oskars Erzeuger sang- und klanglos in der Nacht verschwand, kämpft Annegret sich allein durch, immer unter dem tadelnden, wenn nicht sogar verachtenden Blick ihres Umfelds. Noch dazu leidet sie sehr unter ihrer Lese- und Schreibschwäche, die nicht wie heute den Namen Legasthenie trägt, sondern sie einfach als „zurückgeblieben“ brandmarkt. Doch Annegret kann sich schließlich behaupten und erhält die heißersehnte Stelle beim Kindersuchdienst in Hamburg.

Auch Charlotte kann dort punkten. Charlotte, eine junge Frau aus einer reichen Reederfamilie, die es vorzieht, sich ohne die Hilfe ihrer Familie durchzuschlagen und Hals über Kopf aus ihrem Elternhaus geflüchtet ist, als die Eltern sie mit einem von ihr ungeliebten Mann zwangsverlobten. Auch sie trägt also ein Geheimnis in sich, das auf keinen Fall auffliegen darf, denn im Jahr 1955 hatten oder gar verheiratete Frauen schlichtweg nicht zu arbeiten. Die Beiden haben nun also zwei gemeinsame Ziele im Auge: die Zusammenführung durch den Krieg auseinander gerissenen Familien und die Wahrung ihrer Geheimnisse.

Die Autorin Antonia Blum nimmt mich mit ins Hamburg der 50er Jahre, wo inzwischen zwar viele Trümmer weggeräumt sind, aber das Leben dennoch noch lange nicht seinen normalen Lauf nimmt. Viele Familie wurden durch Flucht und Vertreibung oder schreckliche Bombardements auseinandergerissen, viele Kinder leben als vermeintliche Waisen bei Pflegefamilien oder schlimmer noch, in oft wenig liebevoll geführten Waisenhäusern. Hier kommt der Kindersuchdienst, eingerichtet durch das Rote Kreuz, ins Spiel. In mühsamer Kleinstarbeit anhand von Karteikarten versuchen die Mitarbeiterinnen suchenden Eltern aber auch suchenden Kindern wieder ein gemeinsames Leben zu ermöglichen. Doch die Erfolgsquote mit dieser Methode ist nicht berauschend, wenn auch jede zusammengeführte Familie einem kleinen Wunder gleicht. Das Kriegsende liegt zehn Jahre zurück, das Interesse der Bevölkerung lässt nach und schließlich droht der Staat die Mittel zur Aufrechterhaltung des Dienstes zu streichen …

Antonia Blum versteht es exzellent, ihren Lesern die damaligen Zustände zu vermitteln. Bildhaft und sehr realistisch verknüpft sie Fiktion mit der Realität, mit der die Menschen damals vor siebzig Jahren zu kämpfen hatten. Frauenrechte standen ganz unten auf der Prioritätenliste und so bewundere ich die jungen Frauen des Kindersuchdienst umso mehr. Die Beiden aber auch die Kinder Oskar, Norbert, Monika und Hardy wuchsen mir beim Lesen sehr ans Herz und so vergebe ich für diesen Auftaktband sehr gerne mit fünf Punkten die Bestnote. Der zweite Band, der im Jahr der Sturmflut, 1962, anknüpfen wird, steht natürlich heute schon auf meiner Wunschliste, wenn ich mich auch noch ein wenig gedulden muss …

Veröffentlicht am 26.07.2025

Hummer, die einzigartigen Schätze von Maine ...

Die Hummerfrauen
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Fast war ich ein wenig traurig die drei Frauen und das wunderbare Maine schon wieder verlassen zu müssen. Es war nach „Beeren pflücken“ für mich tatsächlich schon der zweite Ausflug in diese Region. Diesmal ...

Fast war ich ein wenig traurig die drei Frauen und das wunderbare Maine schon wieder verlassen zu müssen. Es war nach „Beeren pflücken“ für mich tatsächlich schon der zweite Ausflug in diese Region. Diesmal treffe ich auf drei starke Hummerfrauen, die jede für sich ihr eigenes Schicksal zu tragen hat.

Mit diesem Buch mache ich es mir zur Aufgabe, die drei Frauen ein wenig näher kennenzulernen. Die älteste im Trio ist Ann, die in ihrem „ersten Leben“ Professorin war, sich dann aber entschloss alles hinter sich zu lassen und zusammen mit ihrer großen Liebe nach Maine zu ziehen. Die Liebe übersteht das Abenteuer nicht, doch Ann bleibt in Maine und wird Hummerfischerin. Ihr einziger treuer Wegbegleiter ist nun ein ungewöhnlicher blauer Hummer namens Mr. Darcy. Die Mittlere“ ist Julie, die nach einem schweren, beinahe tödlichen Unfall nicht mehr sie selbst ist. Ihr Kopf folgt einfach nicht mehr ihrem Herzen, oder ist es umgekehrt? Auch sie verschlägt es nach Maine, wo sie die Hummerfischerei kennen und lieben lernt und somit wieder einen Platz in ihrem Leben erobert. Das Küken Mina kennt die Insel schon von Kindesbeinen an. Jeden Sommer verbrachte die Familie dort, bis ein mysteriöses Ereignis dem Ganzen einen Strich durch die Richtung macht. Seit jenem letzten dort verbrachten Sommer ist nichts mehr so wie es war. Diesem Geheimnis möchte Mina auf den Grund gehen und kommt, nicht lange nach ihrer Ankunft – wie soll es anders sein – auch zur Hummerfischerei. Eagle Island scheint einfach eine magische Anziehungskraft auszuüben!

Mir schien es beim Lesen dieses Romans, als blätterte ich nicht nur die Seiten des Buches, sondern auch die Seiten im Leben von Ann, Julie und Mina um. Schnell war ich versunken in dieser Geschichte um die drei starken Frauen, die das Schicksal auf so wunderbare Weise zusammengebracht hatte. Die wort- und bildgewaltige Sprache ließ mich die Rauheit der Natur, den Duft des Meeres und die Schroffheit der Menschen erleben, als wäre ich live dabei. Ich habe mit ihnen gelitten, gelacht und geliebt und bin nach wie vor ganz verzaubert von diesem wunderbaren Buch. Für mich ist dieser Debutroman von Beatrix Gerstenberger ein absolutes Highlight, das von mir selbstverständlich mit fünf Sternen die absolute Bestnote erhält. Ich habe „Die Hummerfrauen“ inzwischen schon im Freundeskreis weitergeben und wünsche dem Buch und der Autorin viel, viel Erfolg damit. Ich freue mich ausgesprochen, diesen Roman entdeckt zu haben und würde es immer weiterempfehlen!

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Veröffentlicht am 26.07.2025

Zeit für Veränderungen aber auch Zeit zu bleiben?

Träume aus Meerglas
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Gemeinsam mit der sympathischen Protagonistin Josie werde ich durch Zufall in das kleine Küstenörtchen Mirnhagen gespült. Eigentlich wollte sie ja noch weiter bis ans Meer, doch ein Sturm bremst den Zug ...

Gemeinsam mit der sympathischen Protagonistin Josie werde ich durch Zufall in das kleine Küstenörtchen Mirnhagen gespült. Eigentlich wollte sie ja noch weiter bis ans Meer, doch ein Sturm bremst den Zug in Mirnhagen aus. Aber halt, Mirnhagen liegt ja auch am Meer! Wie es der Zufall – oder war es doch das Schicksal? - will, findet sie hier auch gleich eine Unterkunft und einen Job, und zwar ausgerechnet bei dem griesgrämigen Konrad. Konrad ist seit einem schweren Unfall an den Rollstuhl gefesselt, ihm soll sie fortan den Haushalt führen. Lange hat es bis jetzt Keine beim ihm ausgehalten, doch Josie beginnt Gefallen an dem Städtchen und seinen Einwohnern zu finden und fängt an Pläne zu schmieden, Pläne, die nicht nur den ganzen Ort, sondern auch die Menschen darin umkrempeln werden …

Ach, was war „Träume aus Meerglas“ für eine schöne Lektüre! Ich konnte mich fallen lassen und fühlte mich schnell selbst fast als eine Mirnhagenerin. Es gab viele Geheimnisse aufzudecken und viele Personen davon zu überzeugen, dass Josies Ideen Hand und Fuß haben. Auch die Liebe durfte immer mal wieder durchblitzen, ohne dass der Roman je kitschig gewirkt hätte. Maia Franke hat mir mit diesem Roman ein Wohlfühlbuch geschenkt, das Zuversicht und Hoffnung vermittelt. Von mir bekommt dieses Buch mit fünf funkelnden Sternen die volle Punktzahl verbunden mit einer absoluten Leseempfehlung. Urlaubsfeeling und Meeresrauschen sind hier inbegriffen!

Veröffentlicht am 23.07.2025

Nach links oder rechts schauen ist nicht erwünscht ...

Die Trümmerschule – Zeit der Hoffnung
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Das Heimweh und die Sehnsucht treiben Stella zurück nach Wien. Doch schon bald ist sie ernüchtert, denn obwohl der Krieg eigentlich beendet ist, ist das Gedankengut der Nazi-Vergangenheit noch in vielen ...

Das Heimweh und die Sehnsucht treiben Stella zurück nach Wien. Doch schon bald ist sie ernüchtert, denn obwohl der Krieg eigentlich beendet ist, ist das Gedankengut der Nazi-Vergangenheit noch in vielen Köpfen präsent. Aber sie möchte etwas verändern, den Menschen wieder Hoffnung und Raum geben, besonders den Kleinen. Sie erkämpft sich trotz ihrer jüdischen Abstammung einen Platz an der „Trümmerschule“, was bei Weitem nicht von Allen gutgeheißen wird. Als sie dann noch auf ihre „revolutionären“ Methoden besteht, die die Schüler und Schülerinnen ermutigen sollen, sich zu öffnen, anstatt alles runterzuschlucken, hat sie sich endgültig in die Position einer Widersacherin katapultiert. Kann sie es schaffen, sich zu hier zu behaupten?
Basierend auf einer wahren Geschichte schafft es die wunderbare österreichische Autorin Beate Maly mal wieder mich mit ihrem ersten Teil der Reihe rund um die Trümmerschule zu faszinieren. Schnell merke ich beim Lesen, dass das Andersdenken und Andershandeln nicht nur während des Krieges nicht geduldet wurde, nein, es setzt sich auch noch lange danach noch fort. Bildhaft und anschaulich entführt mich Frau Maly nach Wien, eine meiner absoluten Lieblingsorte, und lässt mich teilhaben an einer beeindruckenden Geschichte, die nach Beendigung sofort Lust auf Teil zwei macht. Von mir gibt es mit fünf Sternen hierfür die Bestnote verbunden mit einer absoluten Leseempfehlung. Beate Maly gehört definitiv zu einer meine Lieblingsautorinnen!