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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.09.2025

Vögel

Das Nest
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Das Nest – Sophie Morton-Thomas
Dies ist ein etwas zäher Kriminalroman, der seinen Fokus mehr auf komplizierte
Familienverhältnisse setzt.
Dabei ist das Setting durchaus vielversprechend. Ein Campingplatz, ...

Das Nest – Sophie Morton-Thomas
Dies ist ein etwas zäher Kriminalroman, der seinen Fokus mehr auf komplizierte
Familienverhältnisse setzt.
Dabei ist das Setting durchaus vielversprechend. Ein Campingplatz, zwei Kinder mit
schwierigen Entwicklungsbedingungen, die Ansiedlung einer Roma-Familie und ein
Mord. Natürlich ist am Ende alles ganz anders, als es Anfangs scheint. Dennoch
erscheint mir der Weg dorthin oft ein wenig holprig und unbeholfen.
Viel Platz nimmt die teils exzessive Vogelbeobachtung verschiedener Figuren ein. Das ist
zu Beginn durchaus atmosphärisch zu lesen und verleiht dem Roman eine zusätzliche
Dimension. Das eigentliche Geschehen allerdings kommt nur schwer in Bewegung. Die
Entwicklungen wirken oft sehr konstruiert, die Hinführung wenig elegant und recht
bemüht. Wirkliche Spannung kommt hierbei leider kaum auf. Vor allem auch, weil
verschiedene Handlungen sehr plötzlich und nicht nachvollziehbar sind. Generell
bleiben die Figuren recht blass und distanziert. Die Protagonistin und Ich-Erzählerin Fran
bleibt bis zuletzt absolut nicht einschätzbar.
Es ist eine interessante Geschichte, die allerdings hinter ihrem Potenzial deutlich
zurückbleibt. Gerade vom Thema Roma hatte ich mir mehr erhofft.
3 Sterne

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Veröffentlicht am 29.07.2025

Ela

Junge Frau mit Katze
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Junge Frau mit Katze – Daniela Dröscher
Hierbei handelt es sich quasi um die Weitererzählung des Romans „Lügen über meine Mutter“ von Daniela Dröscher, der es bis auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises ...

Junge Frau mit Katze – Daniela Dröscher
Hierbei handelt es sich quasi um die Weitererzählung des Romans „Lügen über meine Mutter“ von Daniela Dröscher, der es bis auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises geschafft hat. Damals stand die Mutter und deren Gewichts- und Eheprobleme im Vordergrund. Nun ist die Tochter Ela erwachsen und kämpft ebenfalls gegen ihren Körper – wenn auch ein wenig anders.
Ela hat keinen dicken, sie hat einen kranken Körper, der sie bis zur Verzweiflung treibt. Immer wieder tauchen neue, teils diffuse Symptome oder allergische Reaktionen auf, die Ela zu immer neuen Ärzten und Therapeuten treiben – meist mit mäßigem Erfolg. Die junge Frau versucht sich mit der Arbeit an ihrer Dissertation abzulenken und hat doch immer das Gefühl nirgendwo gut genug zu sein.
Die Beziehung zu Mutter und Bruder wird immer wieder thematisiert. Da diese aber zumindest teilweise ursächlich für Elas Probleme zu sein scheinen, fand ich diese Passagen fast ein bisschen zu wenig und kurz. Ich denke, man kann diesen Roman problemlos auch ohne seinen Vorgänger lesen.
Eine sehr flüssige und einnehmende Erzählweise ist auch hier wieder die große Stärke dieses Romans. Man ist schnell in der Geschichte angekommen und erkennt sich auch im ein oder anderen wieder. Überflüssig fand ich einige unnötige und absichtlich ekelerregende Szenen – das hätte die Autorin nun wirklich nicht nötig gehabt.
Zahlreiche Arztbesuche und auch Symptome werden sehr detailliert beschrieben. Wer dafür kein Interesse aufbringt, sollte vielleicht die Finger vom Buch lassen. Durchaus interessant fand ich die Aspekte der vernachlässigten Frauenmedizin. Denn nach wie vor ist es so, dass Frauen beim Arzt oft nicht wirklich ernst genommen werden.
Im Prinzip ist dies eine sehr persönliche Geschichte, die ich gerne gelesen habe. Dennoch fand ich den ersten Roman besser. Hier fehlten mir ein wenig die Verbindungen und psychologischen Hintergründe von Elas Problemen mit ihrem Körper.
Ok, aber sicherlich kein Muss.
3 Sterne.


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Veröffentlicht am 25.07.2025

Leider etwas zäh

Happiness Falls
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Happiness Falls – Angie Kim
Eugene ist ein autistischer und stummer Vierzehnjähriger, der von einem Ausflug mit seinem Vater alleine zurückkommt. Der Vater bleibt verschwunden. Eine umfangreiche Suche ...

Happiness Falls – Angie Kim
Eugene ist ein autistischer und stummer Vierzehnjähriger, der von einem Ausflug mit seinem Vater alleine zurückkommt. Der Vater bleibt verschwunden. Eine umfangreiche Suche beginnt und der Einzige, der weiß, was mit seinem Vater passiert ist, ist Eugene, der sich seiner Familie nicht mitteilen kann und unversehens selbst ins Fadenkreuz der Ermittlungen gerät.
Ein unheimlich spannendes Setting, gerade wegen der Behinderung Eugenes und dem Umgang seiner Mitmenschen damit. Der Roman greift wahnsinnig viele grundsätzliche Fragen auf bezüglich Philosophie, Bedeutung von Sprache, Wert eines Menschen etc. pp. – zu viele. Viel zu viele.
Dieses Buch hat weit über 500 Seiten. Die Geschichte hätte gut und gerne auch in weniger als 300 Seiten erzählt werden können, würde sie sich nicht immer wieder in Nebensächlichen oder (durchaus interessanten) Hintergründen verheddern.
Ich-Erzählerin ist die zwanzigjährige Schwester Eugenes, Mia. Eine sehr kluge junge Frau, die allerdings stark zur Geschwätzigkeit neigt und irgendwann auch etwas nervtötend wird. Auch greift sie ständig in ihrer Erzählung voraus („da wussten wir noch nicht…“, „wenn wir nur geahnt hätten,…“, „das sollte sich als Fehler herausstellen“). Wechselnde Perspektiven durch mehrere Erzähler hätten mir hier besser gefallen.
Der Vermisstenfall an sich bleibt spannend und vor allen Dingen auch die Entwicklungen in der Kommunikation mit stummen Kindern fand ich faszinierend. Der Erzählstil konnte mich jedoch so gar nicht überzeugen.
Schade. 3 Sterne.

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Veröffentlicht am 14.05.2025

IVF

Hello Baby
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Hello Baby – Kim Eui-Kyung
„Hello Baby“ – das ist der Gruppenchat, in dem sich die sechs Frauen, die wir hier kennenlernen, austauschen. Sie alle sind nicht mehr ganz jung und haben einen unerfüllten Kinderwunsch. ...

Hello Baby – Kim Eui-Kyung
„Hello Baby“ – das ist der Gruppenchat, in dem sich die sechs Frauen, die wir hier kennenlernen, austauschen. Sie alle sind nicht mehr ganz jung und haben einen unerfüllten Kinderwunsch. Für diesen sind sie bereits, so einiges auf sich zu nehmen. Kennengelernt haben sich die Frauen in der Baby-Angel-Fruchtbarkeitsklinik in Seoul. Ein Jahr nachdem sie den Chat verlassen hat, taucht die 46-jährige Jeonghyo plötzlich wieder auf – mit einem Neugeborenen.
Dieser Roman erinnert manchmal eher an einen Sachtext denn an einen Roman. Denn die Informationen gehen durchaus in die Tiefe und werden gerne auch etwas hölzern und unbeholfen an die Leser gebracht. Generell ist es eine große Schwäche dieses Werkes, dass die Emotionen, die bei einem solchen Thema ja dahinterstecken müssen, nicht wirklich spürbar werden. Viele Behandlungen werden erklärt, beschrieben und auch mit teilweise schwer aushaltbaren Schmerzen bezeichnet. Dennoch bleibt alles distanziert. Die einzelnen Frauen werden nicht zugänglich. Ehrlich gesagt hatte ich sogar Probleme, die einzelnen Figuren auseinanderzuhalten. Das mag auch an den koreanischen Namen liegen – und sechs Protagonistinnen sind einfach ein wenig viel. Dazu kommen dann ja auch noch die dazugehörigen Ehemänner und Schwiegermütter.
Dabei ist dies so ein spannendes und wichtiges Thema. Südkorea als extrem patriarchalisch geprägte Gesellschaft, die jedoch medizinisch sehr weit entwickelt ist. Gerade der Druck der Gesellschaft, insbesondere der Ehemänner und Schwiegermütter, auf die Frauen, Kinder zu bekommen, ist immens. Fast könnte man den Eindruck gewinnen, der eigene Kinderwunsch wäre gar nicht so ausschlaggebend. Besonders die Männer kommen hier aber sehr schlecht weg. Denn natürlich bleiben all die Schmerzen und Unannehmlichkeiten der Behandlungen und falls es denn soweit kommen würde, der Geburt, bei den Frauen – die Männer beschäftigen sich kaum mit der Materie. Hier wird dieses Buch sehr feministisch. Generell mag ich solche Werke gerne und habe auch schon einiges in der Richtung gelesen, hier wirkte es für mich aber eher wie generalisiertes Jammern. Liegt wahrscheinlich daran, dass ich zu den Frauen schon gar keinen Zugang bekam.
Auch sprachlich war ich wenig angetan von diesem Roman. Kaum greifbare Emotionen, dafür sehr spröde und sachliche Abarbeitung von Fakten. Trotzdem ist das Buch sehr leicht und schnell lesbar. Dabei hilft, dass es immer wieder von Chat-Gesprächen der Frauen unterbrochen wird.
Schade, denn eigentlich interessiert mich das Thema sehr. Nur hier fand ich so gar keinen Zugang zu den Personen. Auch über Südkorea hätte ich gerne noch mehr erfahren.
Gerade noch so 3 Sterne.

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Veröffentlicht am 01.05.2025

Susie und Lars

Undoubtable Love
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Susie und Lars
Eine nette Liebesgeschichte mit sympathischen Charakteren aber inhaltlichen Schwächen.
Gerade das Rätsel um die Scheidungsurkunde, an der die komplette Handlung aufgezogen ist, wird für ...

Susie und Lars
Eine nette Liebesgeschichte mit sympathischen Charakteren aber inhaltlichen Schwächen.
Gerade das Rätsel um die Scheidungsurkunde, an der die komplette Handlung aufgezogen ist, wird für mich nicht zufriedenstellend aufgelöst. Auch sonst alles ein wenig oberflächlich, wenig neues.
Sprachlich mochte ich diesen Roman jedoch sehr gerne, ebenso wie Susies Art.
Angenehme Leseunterhaltung.
Insgesamt 3 Sterne.

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