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Ritja

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.09.2025

Gute Familiengeschichte, die im Kopf bleibt

Die Königin von Dirt Island
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Drei starke Frauen, die sich über viele Jahre den Rücken stärken, freihalten und sich gegen die äußeren Widrigkeiten stemmen. Eine junge Witwe lebt mit ihrer Schwiegermutter in einem Haus und gemeinsam ...

Drei starke Frauen, die sich über viele Jahre den Rücken stärken, freihalten und sich gegen die äußeren Widrigkeiten stemmen. Eine junge Witwe lebt mit ihrer Schwiegermutter in einem Haus und gemeinsam ziehen sie Saoirse groß. Die Liebe ist groß, die Streitereien ebenfalls, sie reiben sich aneinander und halten doch zusammen. Das Dorft tuschelt und beäugt die kleine Gemeinschaft, doch an der Liebe, die Saoirse bekommt, können sie nichts ändern. Selbst als Saoirse, selbst noch Teenager, schwanger wird, bleibt der Zusammenhalt bestehen. Nun leben vier Generationen unter einem Dach und trotzen den Anfeindungen, dem Zwist mit dem Onkel und der Häme.

Donal Ryan erzählt seine Geschichte in vielen kleinen Kapiteln mit teilweise sehr langen Sätzen. Für mich war es dadurch schwieriger in einen schönen Lesefluss zu kommen. Die Charaktere haben allesamt Ecken und Kanten. Sie wirken etwas spröde, ruppig und pragmatisch. Ihre Liebe zueinander wird durch Handlungen, Gesten und Zusammenhalt gezeigt. Trotz der rauhen Sprache und des herben Charmes mochte ich die Charaktere ganz gern, da sie trotzallem nie ihren Humor verloren haben. Ich konnte mir gut die Figuren und deren Umgebung vorstellen und auch in die Situationen einfühlen.

Eine starke Frauengeschichte, die packt und berührt, aber nicht rührselig oder einfach ist. Sie bleibt im Kopf.

Veröffentlicht am 27.07.2025

Eher Sommergeschichte als Krimi

Das Teufelshorn
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Isabel Flores wollte eigentlich nichts mehr mit der Polizei oder Ermittlungen zu tun haben. Ihre kleine Vermietungsagentur, die Ferienwohnungen bzw.-häuser an Touristen vermietet, läuft gut und mit ihrem ...

Isabel Flores wollte eigentlich nichts mehr mit der Polizei oder Ermittlungen zu tun haben. Ihre kleine Vermietungsagentur, die Ferienwohnungen bzw.-häuser an Touristen vermietet, läuft gut und mit ihrem Mitarbeiter Pep hat sie genug zu tun. In ihr Leben ist Ruhe, Routine und Alltag eingezogen. Doch dann wird ein kleines Mädchen entführt. Da sie auf der Insel lebt und sich gut in der Region auskennt, wird sie um Hilfe von ihrem ehemaligen Kollegen gebeten. Sie steigt in die Ermittlungen ein und muss sich auf einmal nicht nur mit einer Entführung, sondern auch mit einem Mord auseinandersetzen.

Es ist der Auftakt zu einer neuen Krimireihe. Die Insel Mallorca, die Region, das Essen und die Mentalität wurden wunderbar beschrieben. Fast schon wie in einem Reiseroman. Doch es sollte ein Krimi sein. Jedoch fehlte mir, für einen Krimi, die Spannung, die richtige Ermittlungsarbeit, das Puzzle. Anna Nicholas lässt ihre Protagonistin loslaufen und fast im Alleingang "ermitteln", obwohl sie nicht mehr aktiv im Polizeidienst ist. Sie bekommt Unterstützung, aber von der kleinteiligen Polizeiarbeit liest man leider wenig. Die Geschichten rund um den Fall verdrängen diesen in den Hintergrund. Auch wird relativ schnell klar, wer die Morde begangen haben könnte und ach, ja...es gab da ja noch ein entführtes Mädchen. Das klärt sich nebenbei statt im Vordergrund.

Für mich, die gern mal einen guten Krimi liest, war es leider eher eine Sommergeschichte mit Mord. Für einen zweiten Fall wird mein Interesse leider nicht mehr reichen.

Veröffentlicht am 17.05.2025

Die Geschichte von Mimo

Was ich von ihr weiß
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Herbst 1986. In einer Abtei liegt ein alter Mann im Sterben. Kurz vor seinem Tod will er noch seine Geschichte erzählen.

1904 geboren als Michelangelo Vitaliani, kurz Mimo genannt, wächst er in größter ...

Herbst 1986. In einer Abtei liegt ein alter Mann im Sterben. Kurz vor seinem Tod will er noch seine Geschichte erzählen.

1904 geboren als Michelangelo Vitaliani, kurz Mimo genannt, wächst er in größter Armut in Frankreich auf. Als sein Vater 1914 auf dem Schlachtfeld stirbt, gibt ihn seine Mutter zu seinem Onkel nach Italien. Mimo hat es auf dem Hof und in der Werkstatt seines Onkels nicht leicht. Er setzt sich jedoch durch und wird entdeckt. Als Bildhauer. Seine Liebe zum Detail und dem Ausdruck der Figuren machen ihn bald bekannt. Unterstützt wird er von der reichen Familie Orsini, die ihn in die richtigen Kreise einführt. Mimo verbindet mit den Orsini jedoch nicht nur die Kunst und Bildhauerei, sondern auch deren Tochter Viola. Sie sehen sich als kosmische Zwillinge. Zwei starke Charaktere, die sich anziehen, aber auch auf Jahre abstoßen.Während Mimo Karriere macht und immer reicher, arroganter und selbstzerstörerischer wird, hadert Viola dem traditionellen Frauenbild.

Es hat ein paar Seiten gebraucht bis ich in der Geschichte angekommen war. Die Geschichte umfasst das Leben von Michelangelo Vitaliani (1904-1986). Die Verknüpfung von der Lebensgeschichte des fiktiven Bildhauers Mimo, der Geschichte Italiens sowie der einzigartigen Freundschaft von Mimo und Viola fand ich gelungen.

Die Charaktere sind zwiegespalten, mal unsympathisch und arrogant, mal liebenswert und fürsorglich. Die Entwicklung der beiden Hauptcharaktere zu verfolgen, war interessant und dem Autor auch gut gelungen. Leider hat der Autor nur aus der Perspektive von Mimo die Geschichte erzählt, so dass die Gefühlswelt von Viola etwas zu kurz kommt. Dafür gibt es sehr detaillierte Beschreibungen von den Werken von Mimo, die das Tempo der Geschichte erheblich gedrosselt haben. Trotzdem konnte mich der Autor mit seinem sehr schönen Schreibstil und der teilweise poetischen Sprache einfangen und durch die 500 Seiten ziehen.

Veröffentlicht am 02.05.2025

Wenn der Maulwurf zu deinem Endgegner wird

Der Maulwurf
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Sascha und Anna ziehen aufs Land. Ein großes Haus, ein noch größerer Garten und wenig Ahnung von der Materie. Jeder, der einen Garten hat, wird hier oftmals den Kopf schütteln oder schallend loslachen, ...

Sascha und Anna ziehen aufs Land. Ein großes Haus, ein noch größerer Garten und wenig Ahnung von der Materie. Jeder, der einen Garten hat, wird hier oftmals den Kopf schütteln oder schallend loslachen, wenn man die Aktionen von Sascha verfolgt. Ein Einkauf im Bau- und Gartenmarkt sorgt für leere Kassen (für Sascha) und Unterhaltung für den Mitarbeiter Schnappauf. Der Garten sieht den Anfall des peniblen Sascha gelassen und schickt seinen besten Mitarbeiter, den Maulwurf, ins Rennen. Ab den ersten Maulwurfhaufen driftete die Geschichte ins das Skurrile und Überzogene ab.

Wer zurück in die Normalität will, muss sich an die Kapitel aus der Perspektive von Anna halten. Sie verfällt nicht dem Maulwurfjagdwahnsinn, sondern beschäftigt sich mit ihrem Podcast, ihren Eltern und der Tochter Marie.

Ich muss zugegeben, dass mich Sascha ab der Hälfte des Buches genervt hat. Sein Aktionismus und seine Unfähigkeit waren so dominant, dass ich möglichst schnell durch seine Kapitel flitzen wollte. Die Anna Kapitel haben mir dagegen ganz gut gefallen. Vielleicht weil sie nicht so überdreht und kopflos war. Die ernsteren Themen gehen leider im (Maulwurf-)Wahnsinn unter, wären aber interessanter gewesen. Der Autor nutzte gern die typischen Klischees (Mann/Frau, Stadt/Land) und setzte sie, aus meiner Sicht, zu oft ein. Das Ende war leider absehbar und wenig überraschend.

Der Schreibstil war gut und so konnte man die Geschichte angenehm zügig lesen. Es ist ein Sommerroman, der dem Lesenden nicht viel abverlangt.

Veröffentlicht am 20.02.2025

Eismeer und mehr

Mord in Spitzbergen
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Der Titel suggeriert einen Mordfall, aber wer die Autorin kennt, weiß, dass es auch anders kommen kann. Es ist kein Krimi, sondern ein Roman. Neben einer trinkfesten, sehr trinkfesten Protagonistin erfährt ...

Der Titel suggeriert einen Mordfall, aber wer die Autorin kennt, weiß, dass es auch anders kommen kann. Es ist kein Krimi, sondern ein Roman. Neben einer trinkfesten, sehr trinkfesten Protagonistin erfährt man einiges über das Schiff, Spitzbergen und das Eismeer.

Bea ist, trotz ihres Hanges zum Alkohol, ein Charakter, den man so ganz leicht mag. Sie kommt immer irgendwie an und durch und schafft es stets den Kopf über Wasser zu halten. Sie stößt gelegentlich den Menschen vor den Kopf und poltert ab und an durch ihr Leben. Sie wirkt distanziert und recht grob, aber im Inneren sitzt das kleine verletzte Mädchen.

Die Mitreisenden sind ein Querschnitt durch die Gesellschaft und so kann man von außen das Geschehen beobachten und zuschauen, wie Bea sich zwischen den fremden Menschen verhält und wie sie auf die Mitreisenden wirkt.

Anne B. Ragde ist bekannt für ihre Geschichten, die hinter die menschliche Fassade schauen und den Menschen mit all seinen Facetten zum Vorschein bringen.